Der 1. FC Union Berlin hat dem FC Bayern in der ganz eigenen Art beim 1:1 im heimischen Stadion an der Alten Försterei einen Punkt abgeknöpft. Eklig, mutig, effizient und vor allem mit einem echten Rückhalt im eigenen Tor vermasselten die Eisernen den Münchenern den Sprung an die Tabellenspitze und verschaffen sich Respekt.
Unions Trainer Urs Fischer brachte es auf den Punkt. „Die Bayern hatten zwei, drei Chancen gehabt, wo Frederik Rönnow toll gehalten hat. Das waren echte Big Saves.“ Und der Schweizer blieb damit fast schon gewohnt bei seinem Understatement, denn der Däne im Tore der Köpenicker brachte die großen Bayern bei all ihrer Dominanz schier zur Verzweiflung.

Frederik Rönnow von Union Berlin mit starken Paraden gegen Leroy Sané und Sadio Mané

Rönnow parierte famos mit dem Fuß gegen Leroy Sané (36.). Und auch beim unorthodoxem Abschluss von Alphonso Davies war er mit dem gleichen Körperteil rechtzeitig zur Stelle (83.), ehe er bei Sadio Manés platziertem Kopfball in der Nachspielzeit mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte und den Senegalesen mit ungläubigem Gesichtsausdruck zurückließ.
Mit seinen Paraden unterstrich der 30-Jährige eindrucksvoll, warum der im Duell zwischen den Pfosten bei Union gegen U-21-Nationaltorwart Lennart Grill derzeit die Nase vorn hat. Ein Grund für die Leistungssteigerung des Dänen, der es bei seinen bisherigen Stationen bei Eintracht Frankfurt und Schalke 04 nie zur unumstrittenen Nummer 1 schaffte, war eine Verletzung. Nachdem er in der vergangenen Saison in der Rückserie Andreas Luthe aus dem Tor verdrängt hatte, fiel er in den letzten beiden Saisonspielen mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel aus.

Eine Verletzung war für Frederik Rönnow von Union Berlin ein „Weckruf“

Sein Status war gefährdet. „Das war wie ein Weckruf, dass ich vielleicht ein bisschen anders trainieren muss“, sagte Rönnow. In der Urlaubspause arbeitete er mit einem Fitness-Coach an seinen Defiziten. Nun kann der Schlussmann auch seinen großen Traum weiterträumen. Er will unbedingt mit Dänemark zur Weltmeisterschaft nach Katar. Mit Leistungen wie gegen den FC Bayern hat er da beim Nationalcoach Kasper Hjulmand sicherlich ein paar Pluspunkte gesammelt.
Und Nationalspieler Thomas Müller vom FC Bayern hat er die Laune vermiest. „Das wird keine leichte Aufgabe, nach diesem Ergebnis aus dem Sonntag einen sonnigen Tag zu machen“, sagte der 31-Jährige, der anschließend nicht mit Lob sparte für Union. „Ich bin ja schon Fan von Union Berlin, so wie sie Fußball spielen als Mannschaft. Sie haben genau das geliefert, was sie stark macht, was ihnen ligaweit Respekt einbringt, auch von meiner Seite. Wenn du hier etwas holen willst, ist es Gift, wenn du nach einer Standardsituation 0:1 in Rückstand gerätst“, sagte Müller. Damit meinte er das Traumtor von Sheraldo Becker, der den Ball nach einem Freistoß von Christopher Trimmel volley ins Netz beförderte. „Das haben wir im Training vorher einige Male geübt“, erzählte der Torschütze.

Der fabelhafte Lauf von Union Berlin in der Bundesliga hält an

Zwar gelang dem FC Bayern schnell der Ausgleich durch einen Flachschuss von Joshua Kimmich. „Aber du läufst gegen Union dann trotzdem der Musik ein Stück weit hinter“, befand Müller. Der fabelhafte Lauf der Köpenicker geht also weiter. Sie stehen nach dem 5. Spieltag immer noch punktgleich mit den Bayern auf Rang 4 und sind saisonübergreifend seit zwölf Spielen ungeschlagen. Die Fans sangen schon freudetrunken nach dem Abpfiff: „Niemand wird es schlagen, unseren FCU zu schlagen.“ Die Bayern haben es jedenfalls nicht geschafft, auch dank Frederik Rönnow.