Union Berlin
: Hollerbach „erfindet“ Tor – Eiserne mit Sieg gegen Köln in die Winterpause

Union Berlin holt gegen Köln einen wichtigen Sieg im Kampf um den Klassenerhalt in der Bundesliga. In der letzten Partie vor der Winterpause kommen die Eisernen erst nach dem Tor von Hollerbach besser ins Spiel.
Von
Frank Noack
Berlin
Jetzt in der App anhören
  • Der Ex-Unioner Steffen Baumgart kehrte als Trainer des 1. FC Köln an seine ehemalige Wirkungsstätte zurück. Nach der erneuten Niederlage steht Baumgart vor dem Aus in Köln.

    Der Ex-Unioner Steffen Baumgart kehrte als Trainer des 1. FC Köln an seine ehemalige Wirkungsstätte zurück. Nach der erneuten Niederlage steht Baumgart vor dem Aus in Köln.

    Matthias Koch
  • David Fofana (Union Berlin, rechts) und der Kölner Denis Huseinbasic rangeln in dieser Szene um den Ball.

    David Fofana (Union Berlin, rechts) und der Kölner Denis Huseinbasic rangeln in dieser Szene um den Ball.

    Matthias Koch
  • Benedict Hollerbach (Mitte) jubelt über seinen wichtigen Führungstreffer im Spiel von Union Berlin gegen den 1. FC Köln.

    Benedict Hollerbach (Mitte) jubelt über seinen wichtigen Führungstreffer im Spiel von Union Berlin gegen den 1. FC Köln.

    Matthias Koch
1 / 3

Statt des Weihnachtsmannes schaute am Mittwochabend das Abstiegsgespenst im Stadion An der Alten Försterei in Berlin-Köpenick vorbei. Es baute sich vor dem Bundesligaspiel zwischen Union Berlin und dem 1. FC Köln in voller Größe in den Köpfen der Beteiligten auf. Selbst ein flüchtiger Blick auf die Tabelle genügte, um die große Gefahr für beide Vereine zu erkennen – der FCU als Tabellen-16. gegen Köln auf Rang 17. Eine solche Konstellation darf man getrost als Bundesliga-Existenzkampf bezeichnen.

Union Berlin holte mit dem 2:0 (0:0) gegen Köln drei ganz wichtige Punkte in diesem Existenzkampf. Benedict Hollerbach traf in der 56. Minute zur Führung. David Fofana (78.) erzielte den zweiten Treffer und bescherten den Gastgebern wenigstens vom Ergebnis her einen versöhnlichen Jahresabschluss. In der Tabelle kletterte der FCU auf den 15. Platz.

Aber: Wo Abstiegskampf draufsteht, da ist meistens auch Abstiegskampf drin. Die Eisernen verabschiedeten sich trotz des Sieges mit einer überschaubaren Leistung in die Winterpause. Auch gegen Köln wirkte die Mannschaft lange Zeit verunsichert. Erst das Tor von Hollerbach löste dann einige Bremsen und brachte die Gastgeber auf die Siegerstraße.

„Bis zu unserem ersten Tor war Köln klar besser. Dieses Tor hat dann das Spiel komplett verändert. Benedict Hollerbach hat es mit seinen Qualitäten praktisch aus dem Nichts erfunden. Danach waren wir deutlich besser“, bilanzierte Trainer Nenad Bjelica.

Abstiegskampf im Stadion An der Alten Försterei

Trotz des Gleichklangs der sportlichen Sorgen – in einem Punkt unterschied sich die Ausgangsposition vor dem letzten Spiel des Jahres dann doch: Während Trainer Nenad Bjelica bei den Eisernen gerade erst als Nachfolger von Urs Fischer installiert worden ist, um den Klassenerhalt zu sichern, kämpft der Ex-Unioner Steffen Baumgart beim 1. FC Köln in diesen Tagen nicht nur um den Klassenerhalt, sondern auch um seinen Job. Baumgart hatte vor dem Anpfiff die prekäre Lage in seiner bekanntermaßen sehr direkten Art so zusammengefasst: „Beiden Mannschaften geht der Arsch auf Grundeis.“

Und auf dem Eis zählt bekanntlich jedes Detail, wenn man nicht einbrechen will – zum Beispiel die richtige Aufstellung. Nach der desaströsen 0:3-Niederlage am Samstag beim VfL Bochum hatte Nenad Bjelica bemerkenswerte Selbstkritik geäußert, in dem der Kroate einräumte, dass seine Aufstellung mit insgesamt vier Offensivspielern möglicherweise zu mutig gewesen sei. Die Konsequenz: Gegen Köln rückte Andras Schäfer anstelle von Sheraldo Becker in die Startelf. Für Schäfer war es nach 221 Tagen und einer langwierigen Verletzungspause das Startelf-Debüt, Becker schaffte es dagegen nicht einmal in den Kader.

.

Dafür war das Abstiegsgespenst am Mittwochabend allgegenwärtig. Es lag wie ein bleischwerer Mantel über diesem Spiel, in dem es in Halbzeit eins nur wenige Torchancen gab. Denn die Aktionen spielten sich vornehmlich im Mittelfeld ab. Und dort ging es vor allem darum, welches Team die wenigsten Fehlpässe spielt. Zusammenhängende Kombinationen sahen die Union-Fans von ihrem Team zunächst nur selten. Stattdessen musste Torhüter Frederik Rönnow kurz vor der Halbzeitpause gleich zweimal einen Rückstand verhindern.

Benedict Hollerbach trifft für Union Berlin

Auch nach der Pause taten sich die Gastgeber erst einmal schwer – bis zur tollen Einzelaktion von Benedict Hollerbach in der 56. Minute. Hollerbach bekam den Ball im Strafraum von Kevin Volland aufgelegt, umkurvte noch einen Kölner und donnerte die Kugel dann im kurzen Eck unter die Latte. In der 72. Minute vergaben Alex Kral und Kevin Volland gleich doppelt die Chance zum 2:0. Besser machte es dann David Fofana, der in der 78. Minute den vorentscheidenden Treffer erzielte.

Union Berlin kann jetzt erst einmal durchatmen, in Köln dürfte dagegen Trainer Steffen Baumgart vor dem Aus in der Winterpause stehen. Das Fazit von Baumgart: „Am Ende interessiert es keinen, ob ich der Meinung bin, dass der Sieg unverdient ist. Es ist klar, in der Situation, in der wir sind, dass wir alles hinterfragen, auch den Trainer. Es geht nicht um meine Person, sondern es geht um die Gesamtheit und die sieht für uns nicht gut aus.“

Union Berlin: Pressekonferenz mit Nenad Bjelica vor dem Spiel gegen Köln