Setzt man einen Acht-Millionen-Neuzugang auf die Bank oder schickt man ihn sofort auf den Rasen? Trainer Urs Fischer von Union Berlin lässt sich diese Entscheidung für die Partie am Mittwoch (25. Januar) bei Werder Bremen noch offen. Klar ist aber: Eine lange Eingewöhnungszeit kann, will und muss Fischer im Fall des kroatischen Nationalspielers Josip Juranovic offenbar nicht geben.
Zumal der 27 Jahre alte Verteidiger am vergangenen Mittwoch noch 90 Minuten für seinen bisherigen Verein Celtic Glasgow aktiv war. „Die ersten Einrücke aus dem Training sind positiv. Er braucht keine Vorbereitung mehr, er ist in Schuss“, erklärte Fischer. Josip Juranovic könnte also in Bremen (Beginn um 20.30 Uhr) gleich zu seinem Debüt im Trikot von Union Berlin kommen.

Konkurrenzkampf bei Union Berlin

Spannung verspricht vor allem die Frage, auf welcher Position der Union-Trainer mit dem Neuzugang plant. Josip Juranovic – für acht Millionen Euro plus Bonuszahlungen zu den Eisernen gewechselt – ist normalerweise auf der rechten Seite zu Hause. Dort spielt bei Union Berlin allerdings Christopher Trimmel – und das schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Dass der Neuzugang auf Anhieb den Kapitän verdrängt, ist höchst unwahrscheinlich. Zumal Trimmel beim furiosen Last-Minute-Sieg gegen die TSG Hoffenheim am vergangenen Samstag gleich zweimal per Eckball als Vorlagengeber glänzte und auch sonst die rechte Außenbahn ziemlich erfolgreich beackerte.
Einen Freibrief mag Fischer jedoch auch dem dienstältesten Spieler im Kader der Köpenicker nicht ausstellen. Auf die Frage, ob Juranovic eher Konkurrent oder Entlastung für Trimmel sein soll, antwortete der Schweizer: „Ich hoffe beides.“
Wohl eher muss Niko Gießelmann auf der linken Seite fürchten, seinen Platz in der Startelf nach lediglich einer Partie schon wieder an den flexibel einsetzbaren Juranovic zu verlieren. Allerdings machte auch Gießelmann gegen Hoffenheim seine Aufgabe als Nachfolger des zu Borussia Dortmund abgewanderten Julian Ryerson sehr ordentlich.
Angesichts des vollgepackten Termin-Kalenders in den nächsten Wochen ist eine andere Variante jedoch viel wahrscheinlicher: die Fortsetzung der Rotation aus dem ersten Teil der Saison. Zumal das Trio Trimmel, Gießelmann und Juranovic durch Jerome Roussillon schon in Bremen zu einem Quartett anwachsen könnte. Denn auch der zweite Winter-Neuzugang – gekommen vom VfL Wolfsburg – ist laut Fischer eine Option für den Spieltags-Kader.

Union Berlin gegen Hertha BSC

In jedem Fall gibt es in den nächsten Wochen reichlich Arbeit und damit Einsatzchancen für die Union-Profis. Nach dem Spiel in Bremen geht es am Samstag mit dem Derby bei Hertha BSC weiter. Und drei Tage später steht dann das Achtelfinale im DFB-Pokal gegen den VfL Wolfsburg auf dem Programm. „Wir können die Spieler nicht erst langsam heranzuführen. Deshalb besteht schon die Möglichkeit, dass wir sie ins kalte Wasser werfen“, kündigte Fischer am Dienstag an.
Und noch ein anderer Fakt spricht für ein Blitzdebüt von Acht-Millionen-Mann Josip Juranovic: Der kroatische Nationalspieler gilt neben seiner Fitness und seiner Erfahrung aus 27 Länderspielen auch als sehr sicherer Elfmeterschütze. Gegen Hoffenheim patzte Union Berlin in Person von Jordan Siebatcheu erneut vom Punkt. Die Elfmeter-Bilanz in Köpenick fällt entsprechend mau aus. „Wenn du von fünf Elfmetern vier verschießt, dann sieht das natürlich nicht so gut aus“, räumte Fischer ein.