Da scheinen sich zwei gefunden zu haben. Jordan Siebatscheu und Sheraldo Becker harmonieren als Sturmduo beim 1. FC Union Berlin, schossen auch beim vierten 2:1 in Folge in der Bundesliga gegen RB Leipzig die Tore. Was macht das Angriffsgespann so stark? Trainer und Mitspieler gehen auf Spurensuche.
In der 62. Minute kochte die Alte Försterei noch einmal so richtig hoch. Die Fans erhoben sich von ihren Sitzen und feierten Jordan Siebatcheu bei seiner Auswechslung mit Standings Ovations. Nur Trainer Urs Fischer runzelte ein bisschen die Stirn, denn der 26-Jährige ging ein bisschen unrund vom Feld. „Er war angeschlagen, genaueres weiß ich noch nicht“, sagte der Schweizer bei der anschließenden Pressekonferenz,

Fällt Jordan Siebatcheu in der nächsten Partie des 1. FC Union Berlin aus?

Ein Ausfall des Sechs-Millionen-Neuzugangs wurde die Köpenicker durchaus hart treffen. Zuvor hatte der Fanko-Amerikaner gemeinsam mit Sheraldo Becker gegen die Leipziger erneut bewiesen, was für ein fantastisches Sturmduo die beiden bilden. Dass die Integration von Siebatcheu, der von den Young Boys Bern an die Wuhle kam und vor der Partie noch als bester Torjäger der Vorsaison (22 Treffer) in der Schweizer Superleague ausgezeichnet wurde, so schnell geht, wundert selbst bei Union einige.
„Sich als Neuzugang so einzufügen, ist nicht selbstverständlich“, sagt Kapitän Christopher Trimmel, selbst von den Fans zum „Unioner des Jahres“ gewählt. „Aber Jordan ist einfach ein sehr, sehr guter Spieler. Er hat einiges drauf, ist ruhig am Ball, hat eine riesige Qualität. Er wird auch mal Phasen haben, wo es nicht so läuft, ich hoffe das natürlich nicht“, erklärte der auch für die Integration der Neuen bei Union zuständige Österreicher weiter.

Perfektes Zusammenspiel: Becker legt Siebatcheu auf und umgekehrt

Gegen Leipzig passte zudem das Zusammenspiel mit Nebenmann Becker perfekt, die beide jetzt schon zwei Treffer erzielt haben. Erst legte der Niederländer Siebatcheu den Ball zum 1:0 auf. Vier Minuten später, in der 38. Minute, lief das ganze zum vorentscheidenden 2:0 andersherum. Und es klappte so gut, weil RB den Berlinern mit ihrer Spielweise entgegenkam. „Wir haben eigentlich nur gekontert, Sheraldo ist da eine große Waffe“, sagte Trimmel und fügt an: „Ich spiele im Training auch oft gegen ihn. Mit seiner Schnelligkeit ist er im eins-gegen-eins nicht zu verteidigen.“ RB-Gegenspieler Josko Gvardiol kann ein Lied davon singen, und musste zur Pause seinen Platz räumen. Und Becker ist eben das perfekte Gegenstück zum Zielspieler Siebatcheu, der die Bälle festmachen sowie verwerten kann, und schon jetzt Vorgänger Taiwo Awoniyi ein Stück weite vergessen macht.
Was Becker ein bisschen abgeht, hat der andere zudem quasi im Übermaß. Während der Niederländer in der Defensive das eine oder andere Defizit noch aufweist, grätscht Siebatcheu schon einmal am eigenen Strafraum den Gegenspieler weg. Für Trainer Urs Fischer ist das aber keine Überraschung. „Das hat man schon bei seinem vorherigen Club gesehen, dass er sich nicht zu schade ist, Defensivarbeit zu verrichten. Er hat eine sehr gute Größe, hat ein gutes Timing im Kopfballspiel. Es ist wichtig, dass wir im Zentrum einen haben, der die Bälle wegnimmt.“
Leipzigs Trainer Dominico Tedesco hatte zwar einen Plan, wie er die Gefährlichkeit des Union-Traumsturmduos bremsen wolte. Hat nur nicht so ganz funktioniert, wie selbst zugab. „Wir wollten Ballbesitzphasen nach oben schrauben. Bei Ballverlust schaltet Union extrem schnell um. Da hast du keine Zeit, die Restverteidigung aufzustellen, um Becker und Siebatcheu zu stoppen. Aber 68 Prozent Ballbesitz reichen nicht, 80 wären besser gewesen, zumal wir die Bälle in der entscheidenden Phase total unnötig verloren haben.“

Trainer Urs Fischer von Union Berlin tritt auf die Euphoriebremse

Und Unions Trainer Fischer wäre nicht er selbst, würde er nicht auch noch ein wenig auf die Euphoriebremse treten beim neuen stürmischen Traumduo. „Gerade Jordan setzt die Dinge gut um, verinnerlicht unsere Prinzipien. Die zwei waren entscheidend bei den Toren beteiligt, aber es passt manchmal auch nicht. Und es gibt noch neun andere auf dem Feld, die die Drecksarbeit machen, damit die beiden sich feiern lassen können.“ Die kommenden Gegner werden es indes auch künftig schwer haben gegen die Unioner.