Das Trainingslager des 1. FC Union Berlin ist Geschichte. Nach zehn Tagen im Salzburger Land kehrten die Köpenicker am Mittwoch aus Österreich zurück. Aus Neukirchen am Großvenediger brachten sie mit Diogo Leite und Morten Thorsby die Neuverpflichtungen Nummer 9 und 10 mit – und jede Menge Konkurrenzkampf.
Das Neue – vor dem vierten Bundesligajahr bedient sich Union inzwischen also auch bei namhaften europäischen Vereinen. Leite wurde für ein Jahr vom FC Porto ausgeliehen. Der norwegische Nationalspieler Thorsby kommt von Sampdoria Genua. Das ist beachtlich und spricht für den Erfolgsweg des Vereins. „Natürlich bist du als Club für einen Spieler attraktiv, wenn man in der Gruppenphase der Europa League spielt, logisch“, frohlockte Trainer Urs Fischer in Österreich.

Extraschichten für Diogo Leite und Morten Thorsby bei Union Berlin

Sowohl Leite als auch Thorsby brachten aber Trainingsrückstand mit. Ihnen fehlen schon noch die Spielpraxis und Fitness. Deshalb wird Fischer auch am Donnerstag in Köpenick auf der Matte stehen, wenn der Großteil der Mannschaft nach dem sehr anstrengenden Aufenthalt in Österreich eigentlich frei machen darf. Doch Fischer will mit Extraschichten nicht nur Leite und Thorsby auf den Vordermann bringen. Auch der von einer Corona-Infektion genesene Mittelfeldmann Kevin Möhwald und der in Österreich zwischenzeitlich mit einer leichten Fußverletzung ausfallende Angreifer Sven Michel ringen um den Anschluss.
Die Zeit rennt. Am Sonnabend (17 Uhr) steigt im Stadion An der Alten Försterei mit der Begegnung gegen Premier-League-Aufsteiger Nottingham Forest die Generalprobe für die Pflichtspiele. Am 1. August geht die Reise in der 1. Runde des DFB-Pokals zum Viertligisten Chemnitzer FC. Sechs Tage später beginnt die Bundesliga für die Eisernen mit einem Heimspiel gegen den Stadtrivalen Hertha BSC.

Der Kader von Union Berlin muss noch verkleinert werden

Die Rahmenbedingungen in Österreich stimmten. Das Hotel, die kurzen Wege, das Wetter und die Unterstützung durch rund 500 Fans sorgten für eine Wohlfühl-Oase. Auf knapp 900 Metern Höhe verlief das Miteinander sehr harmonisch. Aber sowohl Fischer als auch Profifußball-Geschäftsführer Oliver Ruhnert wissen, dass aktuell 34 Akteure viel zu viele sind. „Der Kader ist eindeutig zu groß. Aber ich bin der falsche Ansprechpartner dafür, wie Personalentscheidungen und die Planung ausschauen. Aber auch wenn es drei, vier Spieler weniger sind, wird man einen Kader nie komplett zufriedenstellen können“, sagt Fischer. „Man versucht es, jedem Fußballer eine Bedeutung und Wichtigkeit zu geben. Am Schluss definieren sich die Jungs aber auch über Spielminuten.“

Neukirchen

Schon im Test gegen Nottingham werden sich ein Dutzend Spieler auf der Tribüne wiederfinden. Das dürfte spätestens dann den einen oder anderen dazu bewegen, den Verein zu verlassen. Als Streichkandidaten gelten beispielsweise die Verteidiger Rick van Drongelen und Tymoteusz Puchacz sowie die Mittelfeldakteure Möhwald und Levin Öztunali. Außenstürmer Keita Endo wurde bereits für ein Jahr an den Zweitligisten Eintracht Braunschweig verliehen. „Wir haben viele zentrale Mittelfeldspieler und nach wie vor Seitenspieler. Es gibt genügend Stürmer und Verteidiger. Da muss man Positionen finden“, sagt Fischer.

Kleine Stammelf von Union Berlin steht – Paul Jaeckel muss kämpfen

Die erste Stammelf steht jedoch wohl bis auf einige Positionen. Gesetzt sind sicherlich Torwart Frederik Rönnow, Abwehrchef Robin Knoche, Kapitän Christopher Trimmel, Mittelfeldmann Rani Khedira sowie die Angreifer Jordan Siebatcheu und Sheraldo Becker. Drumherum besitzt Fischer die Qual der Wahl.
Eine erneute eine Stütze in der Abwehr dürfte der Eisenhüttenstädter Paul Jaeckel sein, der in der Rückrunde nach dem Abgang von Marvin Friedrich zu Borussia Mönchengladbach zum Stammspieler avancierte. „Der Trainer braucht sicher noch ein paar Partien, um sich ein richtiges Bild von den neuen Spielern zu machen. Bei mir weiß er, was er bekommt. Das könnte ein Vorteil sein. Ich glaube, dass es für mich schon ganz gut aussieht“, sagt Jaeckel. „Urs Fischer war mit meinen Einheiten und Testspielen zufrieden. Ich werde auf die Saison gesehen vor allem mit Danilho Doekhi konkurrieren. Zwischen uns wird sicher ein gewisser Wechsel stattfinden.“
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