Die Diagnose kurz vor Ende der Saison war ein Schock. Timo Baumgartl musste sich einen Tumor entfernen lassen, fiel für den Rest der Saison aus. Jetzt hat sein Verein Union Berlin seine Ausleihe verlängert. Die Eisernen haben bereits Erfahrungen mit an Krebs erkrankten Spielern, auch andere Profis haben die Krankheit besiegt.
Bei Twitter zeigte sich Timo Baumgartl am Mittwoch mit einem Foto von der Saisonabschlussfeier auf dem Balkon der Alten Försterei gut gelaunt, wünschte allen Fans: „Kommt gut in den Tag, Unioner“. Grund zur Freude haben sowohl Baumgartl als auch die Fans. Union Berlin hat den Verteidiger für ein weiteres Jahr von der PSV Eindhoven ausgeliehen. Der 26-Jährige wird also auch in der Saison 2022/23 im Trikot der Eisernen spielen.

Timo Baumgartl will so schnell wie möglich wieder auf dem Platz stehen

„Ich habe mich von Beginn an sehr wohl bei Union gefühlt und nicht nur den Verein und seine Menschen, sondern auch die Stadt ins Herz geschlossen. Ich freue mich auf die weitere gemeinsame Zeit und werde versuchen, so schnell wie möglich wieder auf dem Platz zu stehen", verkündete Baumgartl nach seiner Vertragsunterschrift. Schon in seiner ersten Spielzeit an der Alten Försterei war er ein Eckpfeiler der Defensive. In 34 Pflichtspielen stand der gebürtige Böblinger, der sein Bundesliga-Debüt 2014 beim VfB Stuttgart gab, für Union auf dem Feld, bildete mit Robin Knoche und dem Eisenhüttenstädter Paul Jaeckel eine stabile Dreierkette, ehe ihn seine Krebserkrankung stoppte.
Ende April wurde bei Baumgartl ein Tumor im Hoden entdeckt, der kurz darauf erfolgreich entfernt wurde. „Auf dem Weg zur Genesung kann Timo Baumgartl weiterhin auf die Unterstützung von Union zählen“, erklärte der Club in einer Mitteilung. "Timo hat in seiner ersten Saison gezeigt, wie wichtig er für unsere Defensive ist. Daher ergibt die Verlängerung der Leihe für uns allein schon fußballerisch Sinn. Darüber hinaus wollen wir Timo auf seinem Weg bestmöglich unterstützen und sind zuversichtlich, dass er wieder vollständig genesen wird", sagte Unions Geschäftsführer Oliver Ruhnert.
Benjamin Köhler (rechts) spielt jetzt noch Fußball im Trikot der Senioren von Unions Lokalrivalen Hertha BSC.
Benjamin Köhler (rechts) spielt jetzt noch Fußball im Trikot der Senioren von Unions Lokalrivalen Hertha BSC.
© Foto: Matthias Koch

Auch Benjamin Köhler litt unter Krebs bei Union Berlin

Union Berlin hat Erfahrung im Umgang mit an Krebs erkrankten Fußballern. Ganz Fußball-Deutschland litt mit Benjamin Köhler. Bei dem Mittelfeldspieler der Eisernen wurde Anfang 2015 ein Hodgkin-Lymphom, ein bösartiger Tumor des Lymphsystems, im Bauch diagnostiziert. Köhler, ein Kämpfer auf und neben dem Feld, stellte sich, unterstützt vom Verein, der Krankheit. Im Juli 2015 gab Köhler die Genesung bekannt, im März 2016 feierte er im Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig (3:1) sein Comeback, als er nach 77 Minuten eingewechselt wurde. Nach dem Ende der Karriere betrieb er von Ende Oktober 2018 bis September 2020 zusammen mit seiner Frau das Eiscafe "La Luna" in der East Side Mall nahe der Arena am Ostbahnhof, musste aber in der Corona-Krise aufgeben. Fußballerisch ist Köhler in der Senioren- und Altliga-Mannschaft von Hertha BSC erfolgreich.

Weitere Fußball-Profis, die eine Krebserkrankung überstanden

Heiko Herrlich

Beim Bundesliga-Torschützenkönig von 1995, Heiko Herrlich, wurde im Herbst 2000 ein bösartiger Gehirntumor festgestellt. Der damalige Dortmunder Stürmer unterzog sich erfolgreich einer Strahlentherapie und spielte ein Jahr später wieder in der Bundesliga. "Ich habe meinen bisher schwersten Sieg errungen", sagte Herrlich, zuletzt bis April 2021 Trainer beim Bundesligisten FC Augsburg.

Ebbe Sand

Der spätere Schalker Publikumsliebling Ebbe Sand litt während der WM 1998 an Hodenschmerzen, spielte und überzeugte dennoch für Dänemark. Nach dem Turnier wurde Krebs diagnostiziert, Sand unterzog sich einer OP und feierte nach drei Wochen sein Comeback. Nach dem Karriereende bei Schalke 2006/07 arbeitete Sand zuletzt als Stürmertrainer bei der dänischen Nationalmannschaft.

Uwe Rösler

Im deutschen Fußball-Osten, in England, in Norwegen – der Stürmer war stets Publikumsliebling und Kultfigur. Als Profi bei Lilleström SK erwischte Rösler 2003 die Diagnose Lymphdrüsenkrebs: Ein halbes Jahr Chemotherapie, zehn Kilo Gewichtsverlust, Kuren - Röslers Spielerkarriere war beendet, als Trainer startete er danach vor allem in England durch. In Deutschland trainierte er zuletzt Fortuna Düsseldorf und wird in der kommenden Spielzeit Coach beim dänischen Erstligisten Aarhus GF.

Karten für den Saisonauftakt

Am 9. Juli empfängt der 1. FC Union Berlin zum Saisonauftakt auf heimischem Platz den irischen Erstligisten Bohemians Dublin. Anpfiff ist um 15:30 Uhr. Wer die Union-Profis zur neuen Spielzeit im Stadion An der Alten Försterei willkommen heißen möchte, kann sich ab dem 15. Juni um 14 Uhr sein Ticket sichern unter www.union-zeughaus.de.
Schon am 2. Juli spielen die Eisernen beim Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Magdeburg. Tickets für den Gästeblock sind ab sofort online im Ticketshop des FCM erhältlich.