Mit Baustellen im Kader kennen Sie sich aus beim 1. FC Union Berlin. Im vergangenen Winter tat sich plötzlich eine Baustelle im Sturm auf, als Max Kruse ziemlich kurzfristig innerhalb der Fußball-Bundesliga zum VfL Wolfsburg wechselte. In der aktuellen Transferperiode hatten viele Beobachter den Köpenickern eigentlich eine erneute Baustelle in der Offensive für den Fall prophezeit, dass Toptorschütze Taiwo Awoniyi in die Premier League geht.
Nun, bislang ist es auf dieser Baustelle zwar erstaunlich ruhig geblieben. Stattdessen tut sich die Lücke jetzt weiter hinten auf – zwischen den Pfosten. Torhüter Andreas Luthe steht nach zwei Jahren in der Hauptstadt vor dem Abschied. Laut „Rheinpfalz“ soll Luthe die neue Nummer eins bei Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern werden.

Torwartwechsel bei Union Berlin

Der 35 Jahre alte Routinier hatte im Saisonendspurt seinen Stammplatz an Frederik Rönnow (29) verloren, der seit dem 28. Spieltag das Tor der Köpenicker hütete. Luthe nach Kaiserslautern – das würde passen. Denn der Torhüter träfe in der Pfalz auf Trainer Dirk Schuster, der schon Juli bis Dezember 2016 beim FC Augsburg sein Übungsleiter war.
Und was würde dieser Transfer für Union Berlin bedeuten? Der Tabellenfünfte der zurückliegenden Bundesliga-Saison wäre eine Woche vom Start der Saisonvorbereitung am 20. Juni auf einer Schlüsselposition zum Handeln gezwungen. Zumal mit der Europa-League auch 2022/23 eine Doppelbelastung auf die Eisernen wartet. Zumindest auf den ersten Blick sieht es also nach Zwang aus.
Dabei hatte Unions Geschäftsführer Profifußball, Oliver Ruhnert, dem „Kicker“ (Montag) noch gesagt: „Insgesamt glaube ich, müssen wir nicht mehr zwingend für eine Position jemanden verpflichten.“ Auf den zweiten Blick dürfte den Union-Verantwortlichen das Lauterer Interesse an Luthe jedoch alles andere als ungelegen kommen. Denn im Prinzip hatte Trainer Urs Fischer den Generationswechsel im Tor ja bereits am Ende der vergangenen Saison eingeleitet – nun kann er finalisiert werden.

Union Berlin sucht Torhüter

Wer Oliver Ruhnert kennt, der dürfte ahnen: Der Plan B für die Zeit nach Andreas Luthe liegt beim seit Jahren erfolgreichen Kader-Architekten der Eisernen längst in der Schublade. Dazu passt, dass die „Bild-Zeitung“ über ein Interesse des 1. FC Union an Lennart Grill (23) berichtet. Grill war zuletzt die Nummer drei bei Bayer Leverkusen und könnte in Köpenick auf Leihbasis die Rolle des Herausforderers von Frederick Rönnow übernehmen. Zumal der ehemalige U21-Nationaltorhüter bereits vor einem Jahr ein Thema bei den Eisernen war. Damals entschieden sich Ruhnert und Fischer jedoch für eine Verpflichtung von Rönnow. Als weiterer Kandidat gilt Austria Wiens Patrick Pentz (25).
Ganz unproblematisch ist die Baustelle zwischen den Pfosten für Union Berlin dennoch nicht. Denn eine Lehre der vergangenen Saison lautet – zwei gleichwertige Torhüter sind besser als eine unangefochtene Nummer eins. Als Luthe in der entscheidenden Saisonphase aufgrund von muskulären Problemen passen musste, war Rönnow zur Stelle. Es liegt also nahe, dass die Union-Verantwortlichen eine ähnliche Konstellation auch für die kommende Spielzeit anstreben. Luthe und Rönnow haben die Messlatte ziemlich hochgelegt.
Diese Torwart-Rochade könnte auch Folgen für einen Ex-Cottbuser haben. Avdo Spahic steht (25) beim 1. FC Kaiserslautern trotz seines laufenden Vertrages offenbar vor dem Abschied. Sollte der Zweitliga-Aufsteiger wie erwartet Andreas Luthe holen, wäre Spahic im Trio mit dem ebenfalls neu verpflichteten Julian Krahl von Viktoria Berlin wohl nur noch die Nummer drei. Drittligist MSV Duisburg soll bereits Interesse an einer Verpflichtung des gebürtigen Berliners signalisiert haben.