Flößerfest Finowfurt
: Geschichte der Flößer

AnzeigeFinowfurter Flößerverein e.V. In ihrer Freizeit erforschen die Ehrenamtler den historischen Knochenjob und lassen ihn wieder lebendig werden.
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Redaktion Sonderthemen
Sonderveröffentlichung
  • Die Finowfurter Flößer auf der Gauja

    Die Finowfurter Flößer auf der Gauja

    Ramona Eichstädt (2)
  • Lange Floßzüge wie dieser beim Flößertreffen in Lettland dienten früher dem Transport des Holzes. Heute erlauben sie es Vereinen aus ganz Europa, gemeinsam zu reisen.

    Lange Floßzüge wie dieser beim Flößertreffen in Lettland dienten früher dem Transport des Holzes. Heute erlauben sie es Vereinen aus ganz Europa, gemeinsam zu reisen.

    Ramona Eichstädt
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Finowfurt. Für den Finowfurter Flößerverein e.V. bleibt das Flößerfest der unumstrittene Jahreshöhepunkt. Es ist neben der Himmelfahrtstour einer von zwei regelmäßigen Terminen im Jahr, zu denen der Verein öffentliche Fahrten auf seinem Floß anbietet. Doch Ausflugsfahrten sind nicht das Hauptaugenmerk der Flößer, sagt Vereinsvorsitzende Ramona Eichstädt. „Am 21. Januar 1999 haben sich ein paar Finowfurter aufgestellt, damit das Flößerhandwerk nicht ausstirbt“, berichtet sie aus den Vereinsannalen.

Und dieses Handwerk war, so wie sie es beschreibt, ein Knochenjob. Um Holz auf dem Wasserweg von A nach B zu befördern, wurden die Stämme verbunden. Eine Lage hat zehn bis zwölf Stämme, meist kommt eine zweite darauf. Traditionell wurden dann auch noch mehrere solche Flöße zu einem Floßzug verbunden – gerade schmal und kurz genug für die Schleusen auf der Strecke.

Und die Stämme, die sich der Flößerverein für die Saison von der Holzverarbeitungsfirma Robeta ausleihen darf, seien 16 bis 18 Meter lang, sagt Ramona Eichstädt, mit einem Durchmesser von 30 bis 40 Zentimetern, zum Teil auch bis zu einem Meter. „Auf dem Trockenen bräuchte man dafür einen Kran.“ Stattdessen steigen die Flößer in „Stiefel, die bis zum Hinterteil hoch gehen“, und bauen das Floß auf dem Wasser zusammen. „Das hat mit Muskelkraft zu tun“, erläutert die Vorsitzende, warum sich ihr Verein in den vergangenen Jahren auch schon mal Hilfe von den Fußballern geholt hat. Mit langen Staken wurden die Flöße dann bei Wind und Wetter über den Kanal bewegt. Und wo heute ein Motor hilft, auf dem Rückweg gegen die Strömung anzukommen, mussten die Flößer des 19. Jahrhunderts den Rückweg immer zu Fuß bewältigen – während Frau und Kinder zuhause wochen- oder monatelang auf den Hungerlohn warteten.

Trotzdem – oder vielleicht gerade wegen dieser Widrigkeiten – hat die Unesco die Flößerei 2022 zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt. Auch die Finowfurter tauschen sich regelmäßig mit Gleichgesinnten aus zahlreichen Ländern Europas aus. Vom 14. bis 17. Mai etwa nahmen acht Flößerinnen und Flößer am internationalen Flößertreffen und dem 29. Gauja-Flößerfestival im lettischen Strenči teil, berichtet Eichstädt. „Flößergruppen aus Italien, Frankreich, Rumänien, Slowenien, Österreich, Finnland, Polen, Lettland, Spanien, Tschechien und Deutschland trafen sich an der Gauja, einem der traditionsreichen Flüsse des baltischen Raumes.“ Höhepunkt sei die gemeinsame Floßfahrt durch die beeindruckende Natur Lettlands gewesen. Jugendliche aus verschiedenen Ländern hatten die beiden 60 Meter langen Floßzüge bereits eine Woche zuvor in einem Jugendcamp eigenhändig aufgebaut. „Besonders bewegend war der feierliche Empfang der Flöße in Strenči mit Musik, Tanzgruppen und zahlreichen Zuschauern entlang des Ufers.“

In Finowfurt, sagt Ramona Eichstädt, sei das Fest zwar in den vergangenen Jahren vor allem zu einem großen Rummel geworden. Der Verein biete auf dem Flößerplatz fast sein eigenes kleines Fest an, bei dem alte Handwerkskünste im Vordergrund stünden. Regelmäßig fährt das große Floß als Fähre von der Schöpfurter Seite des Kanals auf die Steinfurther Seite. Kinder können Flöße im Kleinformat bauen oder sich in der Knotenkunde üben. „Aber manchmal“, bedauert die Flößerin, „erzählen Leute, sie waren beim Flößerfest, aber sie haben uns gar nicht gefunden.“

Beim großen Feuerwerk mit Lasershow am Sonntagabend sei dieser kleine Wermutstropfen aber schnell wieder vergessen, sagt Ramona Eichstädt. „Wenn da ein bisschen Geschichte reinfließt, und die Flößer mit erwähnt werden, das ist Gänsehaut pur.“⇥eis

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