Haus und Hoffest am Drachenkop: Hospiz-Team informiert neugierige Gäste
Was unterscheidet ein Hospiz von einem Krankenhaus? Wie bekommt man einen Platz? Und wer kümmert sich eigentlich um die schwerkranken Menschen? Alle diese und viel mehr Fragen werden am 4. Juli ab 11 Uhr im Eberswalder Hospiz „Am Drachenkopf“ beantwortet. Sachlich, herzlich und ausführlich.
Keine Frage ist tabu
Es gibt sie, diese Tabuthemen, die niemand gerne anspricht. Alles, was das Lebensende betrifft, gehört für die meisten Menschen dazu. Und doch gibt es gerade dann, wenn schwerkranke Menschen dem Lebensende entgegensehen, neben den vielen emotionalen Herausforderungen auch viele medizinische und organisatorische Fragen. „Und gerade die sollen auch gestellt werden dürfen. Deshalb laden wir am 4. Juli zum Tag der offenen Tür ein“, sagt Christin Ruschke, Pflegedienstleiterin im Eberswalder Hospiz „Am Drachenkopf“. Ganz bewusst hat sich das Drachenkopf-Team nicht für ein Fest, sondern für die Ausrichtung eines informativen Tages in lockerer Atmosphäre entschieden, bei dem interessierte Gäste ohne Hemmschwelle vorbeikommen, sich umschauen können und dabei mehr erfahren über die wertvolle Arbeit der festangestellten, aber auch ehrenamtlichen Mitarbeiter des Hospizes. Mit dabei sind unter anderem ein Aromapflegestand , es gibt Kaffee, Kuchen und Gegrilltes und ab 13 Uhr auch musikalische Unterstützung. Und das Wichtigste: In kleinen Gruppen werden Besucher durch das Haus geführt.
Wünsche im Mittelpunkt
Das Hospiz „Am Drachenkopf“ verfügt über neun Plätze für die schwerstkranken Patienten, die hier ganz bewusst Gäste genannt werden. Denn im Gegensatz zum Krankenhaus stehen im Hospiz nicht mehr Heilung oder lebensverlängernde Maßnahmen im Mittelpunkt, sondern stattdessen die Lebensqualität ohne Schmerzen – bis zum letzten Atemzug. Insgesamt 23 Mitarbeiter und zahlreiche Ehrenamtliche kümmern sich darum, dass sich die sterbenskranken Menschen und auch ihre Angehörigen wohlfühlen. Um herauszufinden, welche individuellen Bedürfnisse sie haben, wird nicht nur auf die äußeren Gegebenheiten wie das eigene Zimmer Wert gelegt. „Wir betreiben intensive Biografiearbeit, arbeiten ausschließlich wunsch- und bedürfnisorientiert“, fasst Christin Ruschke zusammen. Das heißt: Niemand muss morgens um 7 Uhr zum Frühstück bereit sein. Ausschlafen, essen, was schmeckt, die verbleibende Zeit verbringen, wie man es sich vorstellt. Da könne es dann auch schon mal Sekt und Bulette zum Frühstück geben, bringt die Pflegedienstleiterin ein kleines Beispiel.
Regeln gibt es wenige „Am Drachenkopf“: Es wird auf Wunsch gemeinsam gekocht und gebacken, man kann sich in den Garten zurückziehen, die Liebsten rund um die Uhr, und wenn gewünscht auch über Nacht bei sich haben. Auch tierische Unterstützer wie Kater Morphi oder die Therapiehunde, die einmal in der Woche zu Besuch sind, „leisten einen super Job“, zählt Christin Ruschke weiter auf. Der Blick auf und die Zeit im Garten kann genossen werden oder es werden in Zusammenarbeit mit dem Patientenmobil von „Uckermark gegen Leukämie“ letzte Wünsche erfüllt.
Auf Spenden angewiesen
Das Hospiz in Eberswalde will und muss den Tag der offenen Tür auch für die eigene Werbung machen. Denn trotz des breiten Zuspruchs für die Einrichtung – der Drachenkopf ist auf Spenden angewiesen. Rund 250.000 Euro werden jedes Jahr zusätzlich zu bereitgestellten Mitteln benötigt, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Unbezahlbar und deshalb umso mehr geschätzt sind deshalb auch die vielen Freiwilligen, die mit kleinen oder großen Einsätzen, wie etwa in der Hauswirtschaft, durch das Backen eines Kuchens oder auch mal durch eine Vorlesestunde die wichtige Hospizarbeit unterstützen. ⇥chs
Tag der offenen Tür von 11 bis 16 Uhr im Hospiz „Am Drachenkopf“, Erich-Mühsam-Straße 17 in Eberswalde; Kontakt unter: Tel. 03334 819370 oder www.hospiz-drachenkopf.de


