Mein Joachimsthal
: Gegen die Not

AnzeigeNachhaltig Neue Trockentoilette auf dem Edeka-Parkplatz
Von
Redaktion Sonderthemen
Sonderveröffentlichung

Bürgermeister René Knaak-Reichstein und Edeka-Betreiber Michael Melchert vor der neuen Trockentoilette

Foto: Julian Will

Joachimsthal. Wer auf dem Parkplatz von Edeka Melchert in Joachimsthal einkauft, stößt seit Ende April auf eine ungewohnte Einrichtung: eine öffentliche Trockentoilette. Installiert wurde sie von der Eberswalder Firma Finizio.

Zunächst läuft das Projekt als Test bis Anfang Oktober. Es soll eine Lücke in der öffentlichen Sanitärversorgung schließen und gleichzeitig zeigen, wie sich Ressourcen schonen lassen. „Wir wollten eine Lösung schaffen, die unseren Kundinnen und Kunden konkret hilft“, sagt Geschäftsführer Michael Melchert. „Gerade in einer touristisch geprägten Region wie Joachimsthal fehlt es an verlässlichen öffentlichen Toiletten.“ Für Edeka- und Café-Besucher ist die Nutzung kostenlos, andere zahlen einen Euro.

Die Toilettenanlage „Libre Light“ kommt ohne Wasser-, Strom- und Abwasseranschluss aus. Im Inneren trennt ein System flüssige und feste Bestandteile. Der Urin wird in einem Tank gesammelt, die Feststoffe in einem separaten Behälter aufgefangen und mit einem Granulat aus Strohmehlpellets bedeckt. Das reduziert Gerüche und erleichtert die Weiterverarbeitung.

„Trockentoiletten können ein wichtiger Baustein für eine ressourcenschonende Sanitärversorgung sein“, sagt Katharina Müller, Pressesprecherin von Finizio. „Sie sparen Wasser, kommen ohne Kanalisation aus und ermöglichen es, Nährstoffe wieder nutzbar zu machen.“ Die Inhalte werden regelmäßig abgeholt und in Eberswalde weiterverarbeitet. Dort betreibt Finizio in Kooperation mit den Kreiswerken Barnim eine Recyclinganlage, in der aus den Feststoffen ein hygienisch geprüfter Humusdünger entsteht.

Auch im Rathaus stößt das Projekt auf Zustimmung. „Wir unterstützen hier eine Lösung, die gleich mehrere Vorteile verbindet: bessere Infrastruktur, regionale Wertschöpfung und nachhaltiges Wirtschaften“, sagt Bürgermeister René Knaak-Reichstein. Für kleinere Kommunen könne die Technik eine vergleichsweise unkomplizierte Möglichkeit sein, das Angebot im öffentlichen Raum zu verbessern.

Offen bleibt allerdings, was mit dem gewonnenen Dünger langfristig geschieht. Zwar werden alle Grenzwerte für Schadstoffe und Krankheitserreger eingehalten und überwacht. Der Einsatz ist jedoch derzeit auf wissenschaftlich begleitete Feldversuche beschränkt. Solche Versuche finden seit 2019 auf Flächen der Schorfheider Agrargesellschaft (SAG) statt.

Ob die Toilette auf dem Edeka-Parkplatz dauerhaft bleibt, hängt von den Erfahrungen der kommenden Monate ab. „Wenn das Angebot gut angenommen wird, können wir uns eine Fortführung vorstellen“, sagt Melchert.

⇥pm

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