100 Jahre FFW in Ziltendorf: Sirenen. Zusammenhalt. Verantwortung
Wer in Ziltendorf von Feuerwehr spricht, meint längst nicht nur Einsätze, Fahrzeuge oder Sirenen. Feuerwehr bedeutet hier seit Generationen Gemeinschaft, Verlässlichkeit und Menschen, die füreinander da sind – unabhängig von Uhrzeit, Wetter oder Wochentag.
Seit mittlerweile 100 Jahren gehört die Ortsfeuerwehr fest zum Dorfleben. Viele Familien sind über Generationen mit ihr verbunden. Kinder wachsen mit Feuerwehrfesten auf, Jugendliche finden hier Freundschaften und Erwachsene übernehmen Verantwortung – oft über Jahrzehnte hinweg. Vielleicht liegt genau darin das Besondere: Feuerwehr endet nicht, wenn der Einsatz vorbei ist.
Sie gehört zum Ort, verbindet Menschen und sorgt seit einem Jahrhundert dafür, dass Hilfe niemals weit entfernt ist.
Von der Spritzenzelle zur modernen Feuerwehr
Als Paul Kuchling am 15. März 1926 die erste Feuerwehr gründete, befand sich der erste Standort direkt neben der alten Schule in der Schulstraße. Damals sprach man noch von einer sogenannten Spritzenzelle. Dort stand eine Handdruckspritze bereit, die per Hand gezogen und betrieben wurde. Offene Transportwagen und Eimerketten prägten die Anfangsjahre.
Mit den Jahren entwickelte sich nicht nur die Technik weiter – auch die Feuerwehr brauchte mehr Platz.
1956 entstand deshalb in der Oderstraße ein neues Feuerwehrhaus. Fast drei Jahrzehnte später, 1985, folgte dort ein Anbau, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Bis 2002 blieb die Oderstraße offizieller Standort der Feuerwehr. Noch heute wird das Gebäude weiterhin durch den Feuerwehr- und Freizeitverein genutzt und erinnert an viele Jahrzehnte Feuerwehrgeschichte.
Parallel entwickelte sich auch die Technik stetig weiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg hielten motorisierte Fahrzeuge Einzug – zunächst mit einem Mannschaftswagen Granit, später mit verschiedenen Robur-Fahrzeugen. 1997 kam ein Mannschaftstransportwagen vom Typ VW hinzu, der bis heute genutzt wird. Im Jahr 2000 erhielt die Feuerwehr mit dem LF 8/6 erstmals ein wasserführendes Fahrzeug. Seit 2023 ergänzt zudem ein modernes Tanklöschfahrzeug TLF 3000 V den Fuhrpark. Zwischen der ersten Handdruckspritze und moderner Einsatztechnik liegen hundert Jahre Entwicklung. Was geblieben ist: Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Zwischen DDR-Titeln, Nachwuchsarbeit und Gemeinschaft
Doch Feuerwehr bestand in Ziltendorf nie nur aus Technik und Einsätzen. Über Jahrzehnte hinweg prägte besonders der Feuerwehrkampfsport das Leben vieler Kameraden. Die Wehr sammelte zahlreiche Pokale, machte sich weit über die Region hinaus einen Namen und errang mehrfach DDR-Meistertitel in verschiedenen Feuerwehrkampfsport-Disziplinen.
Heute blickt die Feuerwehr nicht nur stolz zurück – sondern vor allem nach vorn. Aktuell engagieren sich rund 25 aktive Kameradinnen und Kameraden in der Einsatzabteilung. Hinzu kommen etwa 30 Jugendliche sowie rund 20 Kinder. Besonders dabei: Die Kinder- und Jugendfeuerwehr vereint den Nachwuchs aller fünf Gemeinden des Amtes Brieskow-Finkenheerd. Denn allen Beteiligten ist bewusst: Die nächsten 100 Jahre beginnen heute.
Einsätze, die bleiben
Ein Ereignis prägt die Geschichte der Feuerwehr bis heute besonders: das Oderhochwasser 1997.
Damals unterstützten die Kameradinnen und Kameraden aktiv im Katastrophenschutz, halfen bei Sicherungsmaßnahmen und standen in einer Zeit bereit, in der viele Regionen entlang der Oder an ihre Grenzen kamen.
Aus dieser schwierigen Zeit entstand etwas, das bis heute Bestand hat. Durch Unterstützung und eine Spende einer Feuerwehr aus Volkmarsen in Hessen entwickelte sich eine enge Partnerschaft. Aus der Unterstützung entstanden Freundschaften, regelmäßige gegenseitige Besuche und eine Verbindung, die bis heute gepflegt wird.
Im Zuge des Hochwassers entstand außerdem der Feuerwehr- und Freizeitverein Ziltendorf e.V., der die Arbeit der Feuerwehr bis heute unterstützt.
Auch der große Waldbrand zwischen Wiesenau und Ziltendorf im Jahr 2019 bleibt vielen Kameraden in Erinnerung. Über mehr als eine Woche kämpften Einsatzkräfte nahezu ohne Unterbrechung gegen die Flammen. Extreme Trockenheit, schwierige Wetterlagen und wechselnde Windverhältnisse machten den Einsatz zu einer körperlichen und mentalen Belastungsprobe.
Ein Jubiläum, das ein ganzes Dorf zusammenbringt
Wenn die Ortsfeuerwehr Ziltendorf vom 12. bis 14. Juni ihr großes Jubiläum feiert, soll deshalb nicht nur auf 100 Jahre Geschichte zurückgeblickt werden. Das Jubiläumswochenende soll vor allem zeigen, was Feuerwehr seit Generationen ausmacht: Gemeinschaft.
Bereits am Freitagabend beginnt das Festwochenende mit einer geschlossenen Veranstaltung für geladene Gäste und läutet drei Tage ein, an denen nicht nur Feuerwehrkameraden zusammenkommen, sondern ganze Familien, ehemalige Mitglieder, Freunde, Unterstützer und Gäste aus der gesamten Region.
Der Samstag steht ganz im Zeichen der Feuerwehrtradition und des Miteinanders. Wenn die Feuerwehren des Amtes Brieskow-Finkenheerd gemeinsam durch den Ort ziehen, moderne Fahrzeuge auf historische Technik treffen und beim Löschangriff nass um Sekunden gekämpft wird, zeigt sich schnell: Feuerwehr ist weit mehr als nur Einsatzdienst.
Rund um das Festgelände soll sich das Jubiläum bewusst als Familienfest präsentieren. Fahrzeugschauen, Feuerwehrspiele, Kinderangebote, Musik, kulinarische Angebote und zahlreiche Begegnungen sollen dafür sorgen, dass Besucher nicht nur zuschauen, sondern Teil des Jubiläums werden.
Auch der Sonntag steht ganz bewusst im Zeichen der Gemeinschaft. Beim Frühschoppen, musikalischer Unterhaltung und vielen Gesprächen soll Zeit bleiben für Erinnerungen, Geschichten und Begegnungen zwischen Generationen.
Denn am Ende erzählt die Geschichte der Ortsfeuerwehr Ziltendorf nicht nur von Einsätzen. Sie erzählt die Geschichte eines ganzen Dorfes.

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