35J.Tierarztpr.Dr.Matzke
: Zwischen Diagnose und Vertrauen

AnzeigeWenn Tiere Hilfe brauchen Aus einer kleinen Praxis ist in Fürstenwalde über 35 Jahre ein medizinisches Zentrum für Tiere entstanden – geprägt von technischer Entwicklung, wachsender Spezialisierung und einem Team, das Tiermedizin als Berufung versteht
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Redaktion Sonderthemen
Sonderveröffentlichung
  • Ruhige Abläufe im Behandlungsraum: Tierärzte und Fachpersonal arbeiten konzentriert und eingespielt zusammen.

    Ruhige Abläufe im Behandlungsraum: Tierärzte und Fachpersonal arbeiten konzentriert und eingespielt zusammen.

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  • Ein klarer Anspruch: Seit 35 Jahren steht die Arbeit der Klinik im Zeichen der medizinischen Versorgung von Tieren.

    Ein klarer Anspruch: Seit 35 Jahren steht die Arbeit der Klinik im Zeichen der medizinischen Versorgung von Tieren.

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  • Dr. med. vet. Matthias Matzke, Geschäftsführer der Praxis: Moderne Diagnostik gehört heute selbstverständlich zum Alltag in der Klinik.⇥Foto: Marcel Gäding

    Dr. med. vet. Matthias Matzke, Geschäftsführer der Praxis: Moderne Diagnostik gehört heute selbstverständlich zum Alltag in der Klinik.⇥Foto: Marcel Gäding

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  • Seit Ende der 1990er-Jahre am Rauener Kirchweg: Die Klinik hat sich zu einer wichtigen Anlaufstelle für Tierhalter in der Region entwickelt. ⇥Fotos: Marie Lindner

    Seit Ende der 1990er-Jahre am Rauener Kirchweg: Die Klinik hat sich zu einer wichtigen Anlaufstelle für Tierhalter in der Region entwickelt. ⇥Fotos: Marie Lindner

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Wer eine Tierarztpraxis betritt, rechnet oft mit Unruhe. Mit angespannten Stimmen, mit nervösen Tieren, mit diesem kaum greifbaren Stress, der sich sofort überträgt. Es ist die Situation selbst, die Druck erzeugt – die Sorge um ein Lebewesen, das nicht sagen kann, was ihm fehlt. Doch hier ist es anders.

Schon beim Eintreten in die Kleintiertagesklinik Matzke in Fürstenwalde verändert sich etwas. Die Atmosphäre ist ruhig, fast gedämpft. Die Stimmen sind leise, die Abläufe klar, die Bewegungen konzentriert, aber ohne Hast. An der Anmeldung stehen tiermedizinische Fachangestellte, die nicht nur organisiert wirken, sondern vor allem Sicherheit ausstrahlen.

Diese Ruhe überträgt sich. Auf die Menschen. Und, vielleicht noch spürbarer, auf die Tiere. Ein Hund, der eben noch unruhig an der Leine zog, wird langsamer. Eine Katze bleibt in ihrer Box, ohne panisches Kratzen. Es ist, als würde der Raum selbst vermitteln: Hier wird sich gekümmert.

Schnell wird klar, dass die Menschen, die hier arbeiten, mehr verbindet als ein gemeinsamer Arbeitsplatz. Es ist die spürbare Hingabe an das, was sie tun. Für viele ist es weniger ein Beruf als eine Berufung.

Von der kleinen Praxis zur gewachsenen Klinik

Diese Haltung zieht sich durch die gesamte Entwicklung. Als 1991 in der Küstriner Straße zwei Tierärzte – darunter Dr. Matthias Matzke – gemeinsam mit zwei Mitarbeiterinnen eine Praxis gründen, ist alles überschaubar. Die Wege sind kurz, die Strukturen klar, der Kontakt eng.

Damals gehört auch die Behandlung von landwirtschaftlichen Nutztieren selbstverständlich dazu. Dr. Matthias Matzke betreut vor allem diesen Bereich, während sein Kollege den Fokus stärker auf Kleintiere legt. Mit den Jahren verschiebt sich der Bedarf. Haustiere rücken stärker in den Mittelpunkt, die medizinischen Anforderungen wachsen – und mit ihnen die Notwendigkeit, sich weiterzuentwickeln.

Ende der 1990er-Jahre entsteht schließlich das Gebäude am Rauener Kirchweg. 1999 zieht die Praxis ein – und mit ihr wächst der Anspruch. Räume werden erweitert, Strukturen angepasst, das Team vergrößert. Heute arbeiten hier Tierärzte, Fachangestellte, Auszubildende sowie Mitarbeitende in Verwaltung und Organisation Hand in Hand.

Aus einer Praxis ist über die Jahre ein Ort geworden, der in Struktur und Anspruch eher an ein spezialisiertes medizinisches Zentrum erinnert.

Zwischen Gespräch, Diagnose und Vertrauen

Der Ablauf beginnt oft unspektakulär. Ein Gespräch. Ein Bericht darüber, was sich verändert hat. Ein Tier, das plötzlich weniger frisst, sich anders bewegt oder sich zurückzieht.

Die Tierärzte hören zu, fragen nach, nehmen sich Zeit. Es geht nicht darum, möglichst schnell zu einer Diagnose zu kommen, sondern darum, ein Gesamtbild zu verstehen.

Dann folgt die Untersuchung. Routiniert, ruhig, konzentriert. Jeder Griff sitzt, jede Bewegung ist abgestimmt. Und doch bleibt Raum für das, was sich nicht messen lässt: der Umgang mit einem ängstlichen Tier, das beruhigende Wort an den Besitzer, der Moment, in dem jemand innehält.

Hier zeigt sich, dass Tiermedizin mehr ist als Technik und Fachwissen. Sie ist immer auch Beziehung.

Wenn Technik den Unterschied macht

Doch Erfahrung allein reicht nicht immer aus. Viele Erkrankungen lassen sich erst durch moderne Diagnostik erkennen.

Die Kleintiertagesklinik ist dafür umfassend ausgestattet. Computertomografie ermöglicht detaillierte Einblicke in den Körper, Ultraschall – auch speziell für das Herz – macht Veränderungen sichtbar, die sonst verborgen blieben. Ergänzt wird dies durch ein hauseigenes Labor, das schnelle Ergebnisse liefert, ohne dass Proben versendet werden müssen.

Gerade diese Geschwindigkeit ist entscheidend. Zwischen Verdacht und gesicherter Diagnose liegt oft wenig Zeit – und genau diese kann darüber entscheiden, wie gut ein Tier behandelt werden kann.

Auch spezialisierte Fachbereiche haben sich etabliert. In der Onkologie werden Tiere mit Tumorerkrankungen begleitet und behandelt, in der Hals-Nasen-Ohren-Chirurgie geht es unter anderem um die Versorgung von Hunden mit Atemproblemen, wie sie bei bestimmten Zuchtformen auftreten. Durch operative Eingriffe können verengte Atemwege erweitert und die Lebensqualität deutlich verbessert werden.

Der Moment, in dem alles still wird

Und dann gibt es die Situationen, in denen es ernst wird. Wenn ein Tier operiert werden muss, verändert sich die Atmosphäre spürbar. Die Abläufe werden noch präziser, die Kommunikation konzentrierter, jeder Handgriff sitzt. Im Operationsbereich geht es um Kreuzbandrisse, Frakturen, Eingriffe an der Wirbelsäule – um Behandlungen, die früher oft gar nicht durchgeführt worden wären.

Ein Tier liegt in Narkose, angeschlossen an Geräte, die jeden Herzschlag überwachen. In diesem Moment ist es vollständig auf das Können des Teams angewiesen.

Hier zeigt sich die ganze Verantwortung, die mit diesem Beruf verbunden ist.

Trösten, auffangen, begleiten

Was dabei oft im Hintergrund bleibt, ist die emotionale Seite dieser Arbeit.

Denn Tiermedizin endet nicht bei der Behandlung. Sie beginnt oft dort, wo Unsicherheit entsteht. In Gesprächen nach der Diagnose, in Momenten, in denen Entscheidungen getroffen werden müssen, in Situationen, in denen Hoffnung und Angst nah beieinander liegen.

Die Mitarbeitenden der Klinik sind nicht nur Behandelnde. Sie erklären, begleiten und fangen auf. Sie versuchen, Worte zu finden, wenn es schwierig wird.

Ein Tier kann nicht sagen, wie es ihm geht. Deshalb braucht es Menschen, die genau hinschauen – und Menschen, die die Halter durch diese Situation tragen.

Hilfe, die über den Alltag hinausgeht

Diese Haltung zeigt sich auch in einem Bereich, der oft kaum sichtbar ist. Immer wieder werden verletzte Wildtiere in die Klinik gebracht. Tiere aus der Region, die in Auffangstationen landen und medizinische Hilfe brauchen. Bis zu 300 Tiere im Jahr werden so versorgt, viele davon schwer verletzt.

Nicht alle können gerettet werden. Manche werden behandelt, andere müssen eingeschläfert werden, um weiteres Leid zu verhindern.

Diese Arbeit wird nicht finanziert. Die Kosten trägt die Klinik selbst.

Und trotzdem wird geholfen.

35 Jahre – und ein Gedanke bleibt

Nach 35 Jahren ist vieles anders als am Anfang. Die Räume sind größer geworden, die Technik moderner, die Möglichkeiten vielfältiger.

Doch der Kern ist derselbe geblieben. Es geht um Tiere. Und um Menschen, die sie lieben. Und vielleicht lässt sich alles, was hier passiert, auf einen einfachen Gedanken zurückführen: Dass Hilfe nicht laut sein muss. Dass sie nicht spektakulär sein muss. Sondern dort beginnt, wo jemand sagt: Wir kümmern uns.⇥⇥Marie Lindner