Zeidelkirmes in Wiesenau: Wenn die Zeidler wieder feiern
Wenn Ende Juni auf dem Dorfplatz die ersten Stände aufgebaut werden, Musik über den Platz klingt und der Duft von Kaffee und Kuchen in der Luft liegt, dann ist in Wiesenau wieder Zeidelkirmes. Für viele Einwohner gehört das Fest seit Jahrzehnten fest zum Jahreskalender. Es ist Treffpunkt für Familien, Freunde, ehemalige Wiesenauer und Gäste aus der gesamten Region.
Dabei reicht die Geschichte der Zeidelkirmes weit zurück. Sie erinnert an die Zeit, als Wiesenau – damals noch Krebsjauche genannt – eng mit der Zeidlerei verbunden war. Die Zeidler waren Waldimker, die Honig aus natürlichen Baumhöhlen gewannen und über Generationen hinweg eine wichtige Rolle in der Region spielten. Ihre Traditionen werden bis heute bewahrt und bilden den historischen Ursprung des Festes.
Nach einer längeren Unterbrechung wurde die Zeidelkirmes Ende der 1970er Jahre wiederbelebt. Seitdem hat sie sich zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens entwickelt und gehört heute zu den beliebtesten Veranstaltungen in der Oderaue.
Heimatgeschichte trifft Gemeinschaft
Den Auftakt bildet am Freitag, 26. Juni, die Übergabe der Heimatstube mit einer anschließenden Lesung. Damit steht gleich zu Beginn die Geschichte des Ortes im Mittelpunkt. Am Abend eröffnet Bürgermeister Karsten Wolff gemeinsam mit den Gästen offiziell die Zeidelkirmes. Anschließend sorgt DJ Leornex für Partystimmung bis in die Nacht.
Der Sonnabend verbindet Tradition und Unterhaltung auf besondere Weise. Nach dem Volleyballturnier folgt auf dem Kirchhof ein Theaterstück mit anschließendem Zeidlergottesdienst. Rund um den Dorfplatz präsentieren sich Vereine, Händler und Aussteller. Kaffee und Kuchen, Trödelmarkt und zahlreiche Mitmachangebote laden zum Verweilen ein.
Ein besonderer Höhepunkt ist die Bienenrallye mit der anschließenden Wahl der neuen Bienenkönigin. Sie erinnert an die historische Verbindung des Ortes zur Imkerei und gehört seit Jahren zu den beliebtesten Programmpunkten der Zeidelkirmes.
Drei Tage gelebte Heimat
Dass die Zeidelkirmes für viele Menschen mehr ist als ein Volksfest, zeigt auch die Wiesenau-Hymne „Du mein Wiesenau“ von Erich Garmeister. Darin heißt es:
„In Wiesenau, in Wiesenau, da ist nicht nur der Himmel blau, man schenkt sich Freude und wünscht sich Glück, wer einmal dort, kommt gern zurück.“
Die Zeilen beschreiben treffend, was das Fest bis heute ausmacht. Es geht um Gemeinschaft, Zusammenhalt und die Verbundenheit mit dem eigenen Heimatort. Generationen treffen sich hier, Erinnerungen werden ausgetauscht und neue geschaffen.
Auch der Sonntag steht ganz im Zeichen dieser Gemeinschaft. Beim Frühschoppen mit „Jochens Jungs“, Kaffee und Kuchen sowie den großen Preisverlosungen kommen Besucher noch einmal zusammen, bevor die Zeidelkirmes mit einem gesanglichen Abschluss traditionell ausklingt.
So wird aus einem historischen Brauch jedes Jahr aufs Neue ein lebendiges Fest, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet.⇥⇥Marie Lindner

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