SV TZ Innung STR/EBW Aufmacher: Mit „Freiherr von Münchhausen“ im Fahrstuhl hoch und runter

Sommerfest der SHK-Innung Ober- und Niederbarnim: Fahrt durch das neue Schiffshebewerk Niederfinow.
Reinhard Witteck„Nein wir sind keine Handwerker“, scherzten Witzbolde, die am Straßenrand bei brütendem Sonnenschein im Schatten eines alten Baumes warteten. „Wir sind nur harmlose Touristen!“ Sie warteten am Schiffsanleger auf den Beginn des ISHK-Sommerfestes.
Millionen Nieten halten eine Stahlkonstruktion, die auf Stahlpfeilern steht. Das kann doch nie die Teileliste für eine Wärmepumpe sein. Ganz klar, an dieser Stelle würde jetzt ein sehr junger Besucher ganz artig seinen Arm in die Höhe strecken und, wenn er gefragt würde, erzählen: „Das kann nur das alte Schiffshebewerk hier in Niederfinow sein.“
Mit dem Dampfer aufs Schiffshebewerk
Auf die Liste für ein erfolgreiches Sommerfest der Innung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Ober- und Niederbarnim mit Sitz in Hennickendorf, gehört auch die Mannschaft des Ausflugsdampfers „Freiherr von Münchhausen II.“, die für erfrischende Getränke sorgte und in einer 45-Minuten-Tour erst in das alte Schiffshebewerk einfuhr. Dort ging es im Trog samt Wasser, Schiff und Gästen wie im Fahrstuhl 36 Meter in fünf Minuten in die Höhe, um in den Oder-Havel-Kanal hineinzuschippern. Nach kurzer Fahrt wurde das neue Schiffshebewerk angesteuert.
Hier ging es mit Vertrauen in nur eine Person, viel Computertechnik und Tausenden von Sensoren ganz sicher in zwei Minuten im Riesenfahrstuhl abwärts. Die Unkenrufe des erklärenden Reiseführers zu möglichen technischen Havarien wurden mutig belächelt. Ein herzliches Dankeschön an die Crew für diese Fahrt, gespickt mit vielen Details zu diesen beiden mächtigen Verkehrsbauten. Einfach unfassbar, für den Eiffelturm sollen weniger Nietverbindungen “ nötig gewesen sein.

Schiffsrundfahrt: Landesinnungsmeister Norbert Band (r.), stellv. Innungsobermeister Matthias Bohn (M.) und Raiko Lich, Geschäftsführer B.M.A. GmbH.
Anja BucholzKugel-Eis in der Waffel sorgte für Abkühlung nach der lustigen Kahnfahrt. Nächster Akteur war Student Niklas mit rot-weißer Warnweste und der Rückenaufschrift „Niederfinow hebt“, der mit Wasserflasche unter dem Arm auf das vertraute „Du“ als Ansprache Wert legte. Er schockte kurz nach 17 Uhr erst einmal die Gäste mit seinem Hinweis: „Wenn Sie nicht noch ganz schnell vorab die Parkgebühr für ihr Auto bezahlen, dürfen Sie nach 18 Uhr hier auf dem Parkplatz übernachten. Denn die Kassenautomaten sind defekt und Sie können nicht wegfahren!“ Nachdem alle sofort blitzschnell ihren Obolus entrichtet hatten und einen Parkschein besaßen, ging es zu Fuß, mit Fahrstühlen und über unzählige Treppenstufen hoch hinauf ganz nach vorn auf die Aussichtsplattform des neuen Schiffshebewerkes zur Besichtigung. Es bot sich ein atemberaubender Ausblick.
Auch hier im Betriebsgelände, klare Ansagen: „Bitte in der Gruppe zusammenbleiben. Wenn euch von hier oben etwas aus den Händen fällt, kann er auch nicht mehr helfen!“ Verständlich erläuterte Niklas, der hier für sein Studium jobbt, wie hier einst vor Jahrhunderten über viele Staustufen in zwei Tagen der Höhenunterschied mit dem Kahn überwunden wurde. Seit 1934 geht in Deutschlands ältestem Schiffshebewerk in wenigen Minuten hinauf oder hinab. Die Schleusung dauert 20 Minuten. Das 2022 fertiggestellte Hebewerk Nord benötigt für eine Hebung einen Stromkostenanteil von nur sieben Euro. Die Umwelt sei begeistert. Nur die Schifffahrt stünde bisher nicht Schlange.
Kunst am Bau
Zu erfahren war auch, die gelbe Metallkonstruktion ganz oben habe nicht die Aufgabe, die beiden Betonteile zu stabilisieren. Es ist die geforderte „Kunst am Bau“, die für diese Verzierung sorgt. Der Beifall der Besucher war nicht der einzige Lohn für diese Führung. Der Rückmarsch zu Fuß vorbei an beiden Bauwerken verdeutlichte noch einmal die enorme Größe dieser ingenieurtechnischen Meisterleistungen, die zeigt, wozu der Mensch in der Lage ist, wenn es sein Hirn für friedliche Projekte bemüht.

Begrüßung zum Abendessen: Romy Schröder (v. l.), stellv. Obermeister Matthias Bohn und Vorstandsmitglied Gunnar Stirnat.
Reinhard WitteckIm Restaurantgarten des Gasthauses Nieder-Oderbruch von Maximilian Wendt am Parkplatz gab es erfrischende Getränke. Matthias Bohn, der stellvertretende Obermeister der SHK-Innung Ober- und Niederbarmin begrüßte mit Vorstandsmitglied Gunnar Stirnat und Geschäftsstellenleiterin Romy Schröder, die für die reibungslose Organisation der Fete alle Fäden geschickt in den Händen hielt, die Gästeschar sowie Landesinnungsmeister Norbert Band und Leona Heymann, die neue Geschäftsführerin des SHK-Fachverband Brandenburg, zum Abendessen und Plausch in vertrauter Runde.
Bleibt nur noch, die Frage von Matthias Bohn zu beantworten, der für das Sommerfest im kommenden Jahr nach einer zünftigen Idee sucht. Es dürfte nicht leichtfallen, dieses Top-Sommerfest zu wiederholen. Aber sicherlich gibt es da eine innovative Handwerkeridee. Vielleicht bringt ihn ja eines der Münchhausen-Abenteuer auf eine neue Idee. Mit einem Stoßgebet nach oben sorgt Petrus dann auch wieder für so einen Sonnentag.
