Die junge Marke Cupra – einst für sportliche Modellvarianten von Seat bekannt – hat sich in eigenständiger Regie voll und ganz als Automarke für sportliche Fahrzeuge verschrieben. Der hier getestete Kombi ist das erste Fahrzeug der Marke mit einem Hybridantrieb.

Motor

Das Abweichen vom Erwarteten beginnt unter der Haube. Hier arbeitet ein 1,4-Liter-Turbovierzylinder mit einem Elektromotor zusammen. Als System leistet das Duo 245 PS und bringt 400 Newtonmeter Drehmoment ins Spiel. Der Verbrenner trägt hier als Benziner einen Anteil von 150 PS. Der Elektromotor bezieht seine Energie aus einem 12,8-kWh-Akku, der vollgeladen ein rein elektrisches Vorankommen von bis zu 52 Kilometern ermöglichen soll.

Karosserie/Ausstattung

Werfen wir einen Blick auf das Außenkleid, welches auf den ersten Blick klare Designmerkmale eines waschechten Cupra liefert. Das beginnt am kuperfarbenen Logo im Frontgrill und findet sich an ebenfalls kupferfarbenen Akzenten an den zweifarbigen Felgen, welche vom Design her gewissermaßen Abgrenzungspotenzial besitzen und mit ihrer aerodynamisch optimierten Architektur vorsichtig ausgedrückt gewöhnungsbedürftig aussehen. Doch wie immer sind polarisierende Aspekt in erster Linie reine Geschmackssache. Weniger mit Geschmack haben allerdings die Endrohrblenden am Heck zu tun. Denn diese sind an diesem Modell lediglich Attrappen und vermochten dadurch nur sehr marginal sportive Ambitionen aufkommen lassen.
Ganz anders wiederum wird der Innenraum des Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid präsentiert. Denn hier gibt es eine vollblütige Sportnote bis ins Detail. Das beginnt bei wunderschön konturierten Sportsitzen mit Lederbezügen in sportlichem Petrolblau und endet in einer Vielzahl von typisch kupferfarbenen Akzenten überall. Neben Dekorelementen werden auch Bedienelemente in diesem Cupra-Kupfer umrahmt – toll!
Das aufpreispflichtige, aber sehr empfehlenswerte, ungemein dick gepolsterte Lenkrad besitzt obendrein zwei große Knöpfe – einer dient als Startknopf, der andere als Auswahlmöglichkeit für die Fahrprogramme. Da werden Erinnerungen an sportive Derivate von Ferrari oder Alfa Romeo geweckt. In jedem Fall sorgen all diese Details für eine ungemein sportliche Atmosphäre. Das Beste daran ist, dass der Sportstourer auch als Cupra ein vollwertiger Kombi bleibt, den man entsprechend vielseitig im Alltag einsetzen kann.
Als e-Hybrid kann dieser Cupra eine umfangreiche Ausstattung ab Werk vorweisen, zu der unter anderem auch sehr helle Voll-LED-Scheinwerfer gehören. Sitz- und Lenkradheizungen sorgen an kälteren Tagen für schnelle und homogene Erwärmung der entsprechenden Areale. Da der Cupra zum Volkswagenkonzern gehört, hat auch dieses Modell die fortschreitende Digitalisierung geerbt. Nicht immer erweisen sich jedoch Sensor- und Sliderbedienungslösungen als Fortschritt, sondern berauben dem Bedienkonzept mitunter intuitive Schritte und sorgen dabei für nicht wenig Ablenkung. Dafür gibt es sehr gut funktionierende Assistenten und diverse Annehmlichkeiten, wie ein schnurlos funktionierendes Apple CarPlay oder die kabellose Ladestation, was in Summe für viel Komfort sorgt.

Fahrverhalten

Der Hybrid-Kombi hat zwei Gesichter, wenn es um Sportlichkeit geht: Mit geladenem Akku geht im wahrsten Sinne des Wortes die Post ab und das zeitig verfügbare Drehmoment lässt die Insassen ordentlich in die Sitze drücken. Das hervorragend abgestimmte Fahrwerk ist sogar in der Lage, das Mehrgewicht durch den Akku zu kaschieren und lässt den Cupra bei Bedarf und aktiviertem Sportprogramm mit Feuer um die Kurven wedeln. Da vergisst man schnell, in einem Plug-in Hybriden zu sitzen.
Ganz anders sieht es allerdings aus, wenn der Akku komplett leergefahren ist und der Vierzylinder mit seinen 150 PS allein mit den gut 1,7 Tonnen zurechtkommen muss. Hierbei spürt man einen deutlichen Temperamentverlust und muss sich fahrtechnisch sogar von einem gleichstarken Seat Leon Diesel vorführen lassen. Ab Tempo 170 wird der Vortrieb deutlich zäher und mit Müh und Not sowie einem gefühlt ewig langen Anlauf erreicht der Hybrid 220 km/h.
Mit vollem Akku ist das Bild ein völlig anderes: Der Kombi marschiert problemlos bis zur 200-km/h-Marke und schafft auch die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h deutlich leichter. Typisch Cupra: Die direkte Lenkung mit guter Rückmeldung und die fein dosierbare und enorm leistungsstarke Bremse.

Wirtschaftlichkeit

Als Plug-in Hybrid muss auch der Cupra regelmäßig an die Dose, um das Potenzial eines Hybriden ausschöpfen zu können. Hier ist es nicht allein der wirtschaftliche Aspekt, sondern auch der fahrtechnische. Denn ohne E-Support ist der Cupra nur ein halber Sportler. Das Aufladen dauert mit einem leider nur optional erhältlichen Type-2-Stecker an einer AC-Ladesäule rund 3,5 Stunden. Das Kabel ab Werk erlaubt nur das Aufladen an der Haushaltssteckdose und das dauert gern doppelt so lange. Mit vollem Akku darf man sich über einen Durchschnitt von 2,8 Litern auf 100 Kilometer freuen. Denn wenn man zurückhaltend fährt, schafft der Hybrid-Cupra echte 48 Kilometer davon rein elektrisch.
Ist der Akku leer, werden im Schnitt um die acht Liter fällig. Bleifußorgien ohne E-Nachschub gipfeln sogar in Verbräuchen von knapp 13 Litern. Alles in allem bleibt er jedoch in jeder Hinsicht weit unter den Verbrauchswerten seiner kräftigen Verbrennergeschwister. Der Preis für den Testwagen beginnt bei gut 40.000 Euro, das sind rund 1200 Euro mehr als ein gleichstarker Benziner. Eine 204-PS-Hybridversion kostet nochmal rund 1.500 Euro weniger. Der Aufpreis zum großen Bruder mit 310 PS beläuft sich auf über 3500 Euro.

Fazit

Der Leon Sportstourer ist als Hybrid die sanftere Variante eines Cupra, kann insgesamt mit geringerem Verbrauch und günstigeren Anschaffungskosten punkten. Die Abstriche in puncto Sportlichkeit bleiben gegenüber den großen Geschwistern zwar eklatant, doch Fahrspaß bringt auch dieser Vollhybrid in nicht geringem Ausmaß. Dies gilt nur, solange man den Hybrid artgerecht regelmäßig extern mit Strom versorgt. Unterlässt man dies, verliert der Kombi deutlich an Temperament bei gleichzeitig stark ansteigendem Spritkonsum.
Wer jedoch umweltbewusstes mit sportivem Fahren unter einen Hut bringen möchte und den Hybrid entsprechend als solchen einsetzt, hat mit dem Hybrid-Cupra die ideale Lösung auf Rädern.