Reise USA
: Houston/Texas - Öl, Raumfahrt, wilder Westen und Tourismus

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Von
Stefan Klug
Houston
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  • Blick aus dem Grünen. Die Hochhausschluchten von Downtown sind von größzügig angelegten Parks umsäumt.

    Blick aus dem Grünen. Die Hochhausschluchten von Downtown sind von größzügig angelegten Parks umsäumt.

    Greater Houston CVB
  • Shopping-Tempel: The Galleria ist die größte Mall in Texas.

    Shopping-Tempel: The Galleria ist die größte Mall in Texas.

    Greater Houston CVB
  • Übungsgelände. Nachbauten u.a. der ISS und der Sojus-Kapsel nutzen Astronauten, um sich im Houston Space Center auf ihre Einsätze vorzubereiten.

    Übungsgelände. Nachbauten u.a. der ISS und der Sojus-Kapsel nutzen Astronauten, um sich im Houston Space Center auf ihre Einsätze vorzubereiten.

    St. Klug
  • Spektakel Rodeo: Das Tragen von Boots und Cowboyhüten ist Lebensgefühl.

    Spektakel Rodeo: Das Tragen von Boots und Cowboyhüten ist Lebensgefühl.

    St. Klug
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„Hey Houston, wir haben hier ein Problem.“ Mit diesem Satz machte John Swigert am 13. April 1970 die Großstadt weltweit bekannt. Der Notruf von Apollo 13 zeigte aber zugleich, wofür Houston auch steht: die Erkundung des Weltalls. Neben der Gewinnung und Verarbeitung von Erdöl das zweite wichtige Standbein der texanischen Metropole.

Der Stau gehört dazu

Und das ist auch heute noch so. Für Touristen sollte die größte Stadt des Bundesstaates dennoch mehr sein als nur ein weltweit hervorragend vernetztes Tor zu demselben. Denn sie bietet einiges, was es zu erleben bzw. zu besichtigen gilt.

Allerdings, ein Auto ist Pflicht.Wer Straßenverkehr mag, wird Houston lieben. Wie gewaltige Adern durchziehen Autobahnen das Areal. Fünf Spuren in eine Richtung sind normal, bis zu neun können es werden. Autobahnkreuze schrauben sich wie Hochhäuser in den Himmel, fünf Etagen sind keine Seltenheit. Und Ausfahrten kommen mindestens immer paarweise daher, Ein- und Ausfädelspuren überschneiden sich stets. Wer hier bestehen will braucht ein gutes Navi und noch bessere Nerven. Denn von den 1,7 Millionen Einwohnern besitzt gefühlt jeder ein Auto und ist damit gleichzeitig unterwegs. Öffentlichen Nahverkehr gibt es nicht. Eine sogenannte „light rail“, also Straßenbahn, zieht nur durch die Hochhausschluchten von Downtown ihre Kreise. Der Stau ist in Houston zuhause. Sightseeing will also gut geplant sein. Denn auch die Entfernungen sind riesig. Kein Wunder, ist doch die Fläche der Stadt fast doppelt so groß wie die von Berlin, bei knapp nur etwas mehr als einem Drittel Einwohner.

Meisten Parks der US-Metropolen

Da ist aber auch Platz für grüne Lungen, von denen Houston über einige verfügt. Ob Hermann- oder Sam-Houston-Park, diese Areale nehmen ebenfalls stattlich Gelände ein. Sie sind aber meist oft auch Orte, an denen sich Museen, Theater, Zoo oder Aquarium befinden. Doch Einwohner, die an die frische Luft wollen - gar nicht so leicht bei 90 Tagen mit über 30 Grad im Schatten - müssen nicht die zentralen Parks aufsuchen. Denn die Stadt ist grüner als auf den ersten Blick erkennbar. Von den großen US-Metropolen verfügt sie gar über die meisten Parkanlagen. Viele sind klein und in teils idyllisch angelegte Wohngebiete mit hübschen Reihen- und Einzelhäusern integriert, nur einen Steinwurf von Autobahnen und Wolkenkratzern entfernt. Houston zerfällt nicht in typische Wohn-, Arbeits- und Shopping-Areale. Alles findet sich oft zusammen in den verschiedenen Stadtteilen. Diese müssten die Einwohner so gar nicht verlassen.

Cowboy als Lebensgefühl

Doch mindestens einmal im Jahr ist die Großstadt in Bewegung. Dann nämlich, wenn in den ersten drei Märzwochen die Landwirtschafts- und Pferdemesse - Livestock - abgehalten wird. Allerdings spielt der Kauf von Pferden und Reitzubehör heute eher eine untergeordnete Rolle. Allabendlich pilgern nun um die 70 000 Zuschauer zum NRG-Stadium, um erst den gigantischen Vergnügungspark drumherum und dann das eigentliche Highlight des Tages zu genießen: das Rodeo. Natürlich ist es das größte der USA und mit Preisgeldern von über eine Millionen Dollar auch das am höchsten dotierte. Wer bisher glaubte, dass das Tragen von Boots (Cowboystiefeln) und breitkrempigen Hüten mit deutschem Karneval zu vergleichen sei, wird im gigantischen und auf knapp 19 Grad tiefgekühlten Sporttempel eines besseren belehrt. Western-Kluft ist nicht Verkleidung, sondern Lebenseinstellung. Und so jubeln die Massen ihren Helden zu, wenn die halsbrecherisch auf bockenden Pferden und Bullen reiten, allein oder im Team Kälber mit dem Lasso fangen. Deutschen Tierschützern würde wohl schlecht bei so mancher Darbietung, wobei nicht immer ganz klar ist, für wen die Sache gefährlicher ist: Tier oder Mensch.

Astros, Rockets, Texans und Dynamos

Überhaupt wird Kurzweil bei den Texanern groß geschrieben, vor allem in Sachen Sport. Die Houston Astros, Rockets und Texans vertreten die Großstadt in allen drei beliebten US-Sportarten Baseball, Basketball und Football landesweit. Mit den Dynamos gibt es sogar eine Fußballmannschaft (Soccer). Und weltklasse Golf ist alljährlich bei der Shell Houston Open zu bewundern. Wer einmal in der Stadt ist, sollte unbedingt eine der Sportveranstaltungen besuchen und die einmalige Atmosphäre aufsaugen. Ebenfalls großes Renommee besitzt das Opernhaus, das auf eine 60-jährige Geschichte zurückblickt. Und auch die vielen Museen können sich mit anderen Einrichtungen in den USA durchaus messen lassen.

Heimat von Mission Control

Nahezu einmalig dagegen ist NASA Houston Space Center. Ein Jumbo-Jet Boeing 747 mit aufgesetztem Space-Shuttle beeindruckt die Besucher schon am Eingang. Drinnen gibt's neben vielen Devotionalien der US-Raumfahrtgeschichte u.a. eine Kopie der ISS-Raumstation und der Sojus-Kapsel zu sehen. Auch wenn die USA das bemannte Raumfahrtprogramm vorerst eingestellt haben, so bleibt Houston Mission Control, also die Operationsbasis, für Flüge mit amerikanischer Beteiligung. Darüber hinaus befindet sich hier das Trainingszentrum der internationalen Raumflieger, die sich unter möglichst realen Bedingungen an den Nachbauten auf ihre Einsätze vorbereiten. Und man wird nicht müde zu betonen, dass es den nächsten großen Schritt - den bemannten Flug zum Mars - nicht ohne das Houston Space Center geben wird.

Tor zum Golf von Mexico

Dass sich die texanische Metropole viel Grün, Theater, Museen und mehr leisten kann, hat sie nicht nur dem Energiesektor, sondern auch dem Hafen zu verdanken. Er ist der umschlagstärkste des Landes und dank seiner Anbindung über den Houston Ship Channel direkt mit dem Golf von Mexico verbunden. Das nutzen zunehmend auch die Kreuzfahrt-Reedereien. Seit vor knapp einem halben Jahr mit dem Bayport Cruise Terminal eines der modernsten des Landes entstanden ist, wird Houston direkt wieder vermehrt Ausgangspunkt von Kreuzfahrten. So sticht die Norwegian Cruise Line mit der „Norwegian Jewel“ wöchentlich von hier aus in die westliche Karibik in See. An Bord Passagiere aus allen Teilen der USA, Kanada, Europa und vermehrt China.

Keine Sales Tax für Ausländer

Gerade für letztere ist die Großstadt aber auch als Shopping-Paradies ein Zielpunkt. Denn Texas ermöglicht als eines der wenigen Bundesstaaten die Steuerrückerstattung für ausländische Touristen. Und „shop until you drop“ - einkaufen bis zum umfallen - ist auch in Houston Lebenseinstellung. Schließlich findet sich mit The Galleria, man ahnt es, die größte Mall des Staates in der Stadt. Ausgestattet mit Eislaufbahn und riesigen Indoor-Fontänen kann man hier bestens der Sommerhitze entgehen und internationale wie lokale Geschäfte erkunden. Das alles zu günstigeren Preisen gibt es dann noch im Premium-Outlet in Cypress, etwas südlich außerhalb der City.

Wer nach dem Einkaufsmarathon noch Geld übrig hat, darf sich dann auf einen kulinarischen begeben. Mit etwa 5000 kettenunabhängigen Restaurants gehört die Gastro-Szene in Houston zu den besten der Vereinigten Staaten. Ob ein riesiger Burrito für unter zehn Dollar beim Mexikaner um die Ecke oder ein traumhaftes Steak für 75 im Edelrestaurant gegenüber - die Auswahl an Richtungen, Geschmäckern und auch Preisen ist schier unendlich. Fleisch steht dabei in einem Bundesstaat, in dem das Longhorn-Rind fester Bestandteil der Geschichte ist, ganz oben auf dem Speisekarte. Und bei den Steaks gilt hier ebenso wie bei vielen anderen Dingen: Everything's bigger in Texas...

Houston Texas

Übernachten:

Übernachten ist in Houston kein Problem. 85 000 Hotelzimmer bietet die Stadt, in allen Preislagen sowie für jeden Anspruch. Auf Grund des Verkehrs und der Größe der Metropole sollten die eigenen Sightseeing-Pläne für die Wahl des Hotels und vor allem dessen Lage ausschlaggebend sein. Wer auch mal gern zu Fuß unterwegs ist, um Geschäfte, Restaurants und schicke Wohngegenden zu erkunden, ist in Uptown, zehn Kilometer westlich von Downtown, gut aufgehoben. Hier befindet sich eine ganze Reihe von guten Unterkünften.

Im mittleren Preissektor empfiehlt sich besonders das DoubleTree Suites by Hilton in der Westheimer Road. Gelegen an einer der längsten Ost-West-Tangenten und unweit von The Galleria hat man von den Balkonen des 24 Stock hohen Gebäudes eine tolle Sicht auf den Stadtteil. Übernachtet wird in großzügigen Suiten, die fast schon Wohnungszuschnitt haben und über voll ausgestattete Küchen verfügen. Nicht zuletzt locken ein großer Außen-Pool in der zweiten Etage und morgendlich ein leckeres Frühstück (nicht nur für US-Verhältnisse). Um die Ecke befinden sich tolle Restaurants, von Steak, über Meeresfrüchte bis TexMex, typisch texanisch eben.

http://doubletree3.hilton.com

Für gehobene Ansprüche oder Reisende, die sportliche Betätigung als Ausgleich zum Sightseeing brauchen, ist The Houstoniandie erste Wahl. Inmitten einer grünen Oase liegt diese Luxusherberge mit angeschlossenem Fitness-Club und Spa. Drei Pools -einer stets beheizt, ein reinrassiges Sportbecken und eine Planschlandschaft -riesige Indor-Sportanlagen und ein mehrfach ausgezeichnetes Spa verwöhnen den Gast. Hier steigen auch gern Sportpromis ab, wenn sie in Houston gastieren.

www.houstonian.com

Anreise

Der Bush International Airport nördlich von Houston ist der siebentgrößte Flughafen der USA und das Drehkreuz von United Airlines. Lufthansa fliegt mit dem Airbus 380 von Frankfurt/M nach Houston, British Airways bedient die Strecke von London aus mit der Boeing 747. Die Flugdauer beträgt ca. zehn Stunden hin und knapp über acht Stunden zurück.

Blick aus dem Grünen. Die Hochhausschluchten von Downtown sind von größzügig angelegten Parks umsäumt.

www.visithoustontexas.com