AC Mirage im Test: Von Valhalla nach Bagdad - Assassins Creed zurück zu den Wurzeln

Assassin’s Creed Mirage führt nach Bagdad und kehrt zu den Wurzeln der Serie zurück. (Symbolfoto)
UbisoftEigentlich als DLC für Assassin’s Creed Valhalla gestartet, ist Mirage nun doch als eigenständiges Spiel bei der Community gelandet. Wie viel von der Nordmann-Story noch im aktuellen Abenteuer im Nahen Osten verblieben ist, zeigt unser Test.
Für alle, die schon mit den Wikingern auf Videospiel-Reise gegangen sind, gibt es gleich zu Beginn ein Aha-Erlebnis. Denn zentrale Person im neuen Abenteuer ist niemand geringeres als Basim. Jener also, der einst mit Sigurd zusammen zu den Nordmännern kam, von dem sie die versteckte Klinge erhielt und der im Valhalla-Abenteuer eine teils undurchsichtige Rolle spielte. Folgerichtig ist auch „Mirage“ im 9. Jahrhundert angesiedelt. Jedoch weit weg von Eis und Schnee und zeitlich vor den Ereignissen dort.
Denn die Geschichte um den jungen Araber und dessen Verbindung zum geheimen Orden der Verborgenen konzentriert sich fast ausschließlich auf Bagdad. Hier wächst Basim als Straßendieb heran, bis ihn eine geheime Zusammenkunft im Palast des Kalifen und dessen anschließende Ermordung zu Flucht und Untertauchen zwingt. Nach seiner Ausbildung zum Assassinen vor den Toren der Stadt kehrt er schließlich zurück, um in stets geheimer Mission gegen den Orden der Alten aktiv zu werden.
Assassin’s Creed auf einen Blick
- Das erste Assassin’s Creed erschien 2007
- Bisher sind 13 Hauptspiele erschienen
- Spielhandlung ist der epische Kampf der Assassinen gegen die Templer
- Die Reihe kennt insgesamt 14 spielbare Hauptcharaktere
- Zu jedem Spiel der Hauptreihe ist auch ein Roman erschienen
- 2017 kam „Assassin’s Creed“ in die Kinos, der Film orientierte sich grob an den italienischen Abenteuern
AC Mirage - zurück zu schleichen und meucheln
„Mirage“ stellt im Assassins’s Creed Universum so etwas wie einen Wendepunkt dar. Denn in der mittlerweile 16-jährigen Geschichte der Spielereihe hat sich Ubisoft nicht nur immer weiter vom originären Handlungsort, dem Heiligen Land, entfernt, sondern gameplayseitig das einst so gefeierte System des Anschleichens und Meuchelns zugunsten von Rollenspiel und Open World Abenteuer vernachlässigt. Der aktuelle Teil nun besinnt sich deutlich auf die Basics. Vom Taschendiebstahl bis hin zum verdeckten Attentat - die meisten Handlungen sollten bestmöglich ohne große Aufmerksamkeit der Umgebung stattfinden. Allerdings, die direkte Konfrontation mit den Gegnern bleibt immer noch eine Alternative. Anders als bei den Anfängen, wo der offene Kampf so gut wie nie zum Erfolg führte.
Das Attentat ist wieder gefragt
Apropos Kampf: Hier bietet „Mirage“ alles, was von einem RPG mit Beat’em Up erwartet wird. Unterschiedliche Angriffsvarianten, in etwa leichte und schwere Hiebe, Blocken, Konter etc. Mit etwas Übung hat man schnell den Dreh raus, ob und wann Verteidigung angebracht ist oder besser Flucht, zumindest aber Ausweichen. Dem aus den Weg gehen all jene, die ihre Züge wie einst planen und das Überraschungsmoment nutzen. Macht auch, ehrlich gesagt, deutlich mehr Spaß.

Assassin’s Creed Mirage: Meucheln und schleichen in Bagdad.
UbisoftZumal das Waffenarsenal wieder eine verdeckte Klinge bietet und allerlei Hilfsmittel, denen sich ein Assassine gemeinhin bedient. Und auch das Untertauchen in Menschen-Gruppen und tarnen durch Mitglieder derselben ist wieder möglich. Gleichwohl es komisch anmutet, dass Basim trotz seiner Geheimbund-Kleidung und obwohl er gesucht wird, bei helllichtem Tage von den Gegnern dann nicht erkannt wird. Hier schlampert das Game ein wenig ohne Not bei der Glaubwürdigkeit.
Ein Handlungsstrang statt vieler Quests
Der aus GTA bekannte Fahndungsstatus schlägt sich auch in AC nieder. Nach zu vielen Attentaten sind alle Wachen alarmiert, hängen Steckbriefe an den Mauern. Die Zeichnungen können entfernt werden. Gegen die allgemein hohe Aufmerksamkeit helfen nur Bestechungsgelder, die wiederum per Taschendiebstahl besorgt werden müssen. So bleibt das Spiel fortlaufend fordernd und abwechslungsreich, ohne dass es mit unzähligen Nebenquests durchsetzt ist. Das sorgt wiederum für einen konzentrierten Handlungsstrang, der, zusammen mit dem dann doch eingeschränkten Territorium, für eine insgesamt deutlich kürzere Spielzeit sorgt.
Parkour in Bagdad
Allerdings haben die Programmierer Bagdad sehr schön und detailreich gestaltet. Wer nicht durchs Geschehen hetzt, kann hier viel entdecken. Wie gewohnt, gibt es verschiedene Wege, dies zu tun. Auf der Straße und in staubigen Gassen ist dabei eher nur die zweite Wahl. AC typisch ist auch Basim ein Klettermaxe vor dem Herrn und Parkour das beste Mittel, um vorwärtszukommen. Auch wenn es tatsächlich Mauern gibt, die unser Held nicht auf direktem Wege erklimmen kann, so taugt fast alles, um Höhe zu gewinnen. Allerdings zeigt sich mitunter, dass die für „Valhalla“ programmierte Steuerung in der engen Stadt mitunter an ihre Grenzen stößt. So springt Basim gern mal daneben bzw. kommt nicht so schnell von einem Vorsprung herunter, wie für sein Leben gut ist. Am Ende aber im wahrsten Sinne des Wortes kein Beinbruch - man ist nur mittlerweile mehr Genauigkeit gewohnt.
Grafik von mystisch bis exotisch
Grafisch reiht sich der Teil wirklich sehenswert in die Reihe ein. Es ist vor allem der Sinn für Details, der überzeugt. Mag manchem auch die Animation der NPC nicht gefallen, generell überzeugen Setting und optische Umsetzung. Die überwiegend erdigen Töne passen zu Ort und Handlung, diese wiederum hat durchaus etwas Mystisch-exotisches. Und der Spieler wird auch nicht, wie früher öfter geschehen, durch den Animus aus dem spielerischen Alltag in die Gegenwart gerissen.
Open World aufs Wesentliche konzentriert
Nicht nur für Spiele-Nostalgiker ist AC „Mirage“ eine wohltuende Rückbesinnung auf alte Stärken. Schleichen und meucheln, agieren im Verborgenen, haben das Spiel groß und beliebt gemacht. Der neueste Teil bietet wieder deutlich mehr davon, vernachlässigt aber mit verschiedenen Fähigkeitsbäumen auch die RPG-Elemente nicht. Und so schön Open World ist, die Konzentration ebenso aufs räumlich Wesentliche machen durchaus den Reiz des aktuellen Ablegers aus.
Assassin’s Creed Mirage - Test-Fazit
Deutlich kürzer als die Vorgänger und näher dran an den Wurzeln der Serie, gefällt „Mirage“ über weite Strecken. Die Story ist kompakt, die Handlungsanforderungen übersichtlich, alles verpackt in eine exotische und sehenswerte Grafik. Wer sich nach dem alten AC zurücksehnt oder jetzt ins Assassinen-Geschehen einsteigen will, ist mit „Mirage“ gut beraten. ⇥(Ubisoft)
