Automatische Staubsauger: Saugroboter im Test – Eureka und SwitchBot im Vergleich

Automatische Staubsauger im Test: Der Saugroboter Eureka J15 Pro Ultra und der SwitchBot S10.
Eureka, SwitchBotSaugroboter sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Preislich abgestuft für fast jeden erschwinglich, stellen sie wohl die ersten Maschinen dar, die dem Menschen im Haushalt flexibel in der Lage sind, komplexe Arbeit abzunehmen.
Waren die ersten Exemplare noch so etwas wie durch die Gegend fahrende Kehrschaufeln, werden an moderne Ausführungen längst ganz andere Anforderungen gestellt. Dabei wird deutlich, sauber machen sie alle irgendwie. Aber reicht das, um Interessenten in potenzielle Käufer zu wandeln?
Eureka J15 Pro Ultra und Switch Bot S10 im Vergleich
Heutzutage sind die Erwartungen weitaus größer und gehen allesamt in die Richtung, dass Mensch mit Maschine möglichst nichts mehr zu tun haben will. Fegen, saugen und wischen der Wohnung soll ohne Zutun durch den Eigner erfolgen. Und die Industrie liefert mehr oder weniger passgerecht.
Wir haben zwei Vertreter der neuesten Generation von Saugrobotern zum Test gebeten, die jeweils für sich in Anspruch nehmen, ein Maximum an Arbeit selbst zu erledigen und dem Eigner mehr oder minder nur eine Kontroll- und Wartungsfunktion überlassen. Rund 110 Quadratmeter über zwei Etagen mit allen Schwierigkeiten, die eine Wohnung so bieten kann, wurden zum Testgelände. Hier sollten der Eureka J15 Pro Ultra sowie der Switch Bot S10 ausgiebig Runden drehen und zeigen, was moderne Saugroboter ausmacht.
Eureka J15 Pro Ultra – Klassiker mit Ideen
Eureka gehört zu den ältesten Staubsauger-Produzenten auf dem Markt, ist bei den Robots jedoch eher ein Neuling. Mit dem J15 Pro Ultra präsentieren die Amis eine durchaus gelungenen Mischung aus klassischen Zutaten und neuen Ideen. Mit seiner Viereck-Form und abgerundeten Ecken ähnelt das Modell Geräten aus der Frühzeit der Branche. Ein erster Blick ins Datenblatt sorgt dann aber für Erstaunen. Denn mit einer Saugleistung von über 16000 Pa liegt er weit über dem Durchschnitt der Konkurrenz und schon im Bereich guter handelsübliche Handstaubsauger.
Und noch ein zweites Feature hebt den Eureka aus der mittlerweile breiten Masse hervor: FlexiRazor. Eine besondere Kamm-Klingen-Kombination auf der Unterseite und nach der Gummiwalze verhindert nicht nur, dass Haare sich um selbige wickeln, sondern zerschneidet diese in handliche Stücke, die ohne Probleme erst in den Staubbehälter und dann abgesaugt im Beutel der Station landen. Jeder, der zu Hause Tiere oder Mitbewohner mit langen Haaren hat, wird dies zu schätzen wissen. Denn der Körper- bzw. Kopfbewuchs legt jeden Saugroboter lahm, wenn nicht regelmäßig und aufwendig per Hand entsorgt wird.
SwitchBot S 10 – Der alles allein macht
Verglichen dazu kommt der SwitchBot fast schon konservativ daher. Dabei ist die Firma keine zehn Jahre alt und hat sich die Automatisierung des täglichen Lebens auf die Fahnen geschrieben. Saubermänner wie der S10 sind also nur ein Produkt im Portfolio der Asiaten. Doch das macht dann einige grundsätzliche Dinge anders als andere. Zuallererst fällt auf, dass der Robo gleich mit zwei Stationen ausgeliefert wird. Eine eher kleine Version der bekannten Lade- und Absaugeinheit und dann mit einer, die für die Versorgung mit Frisch- und die Entsorgung von Abwasser zuständig ist. Und zwar direkt am Haussystem.

SwitchBot S10. Zwei Stationen, eine für Staub und Walzen-Trocknung, eine für die Wasserversorgung.
SwitchBotDie zweite Überraschung offenbart sich dann ebenfalls bei einem Blick auf die Unterseite des Gerätes. Dort rotieren nämlich nicht zwei flache Mops horizontal auf dem Untergrund, sondern eine Walze, wie man sie aus Hand-Wischsaugern kennt. Die wird dann ebenso ständig gereinigt, wofür der S10 entsprechende Tanks für frisches und schmutziges Wasser mitführt.
Reinigungsroboter – Einrichtung und App
Beide Kandidaten kommen defacto fertig montiert in teils voluminösen Kisten daher. Eigentlich müssen nur die Transportsicherungen entfernt und die Ladestation mit Strom versorgt werden, dann kann es schon losgehen. Sämtliche Steuerung erfolgt über die jeweils eigene App, mit der sich das Gerät koppelt und über die die WLAN-Verbindung hergestellt wird. Infrage kommen allerdings nur 2.4 GHz. Nach ggf. notwendigen Updates steht dann die Kartierung an. Sowohl der J15 Pro Ultra als auch der S10 erledigen die Aufgabe relativ schnell und zuverlässig.

Steuerung über die App. Raumauswahl und Reinigungsprogramm per Smartphone sind mittlerweile Standard bei Saugrobotern.
EurekaEin erster Unterschied zeigt sich dann allerdings bei der Bedienoberfläche. Eureka hat diese ausschließlich für den Robo ausgelegt und lässt dabei Einstellungen bis in die Tiefe zu. Das betrifft sowohl die Möglichkeit, die Räume zu bearbeiten und Tabuzonen einzurichten als auch die Reinigungsarbeit selbst. Wassermenge, Arbeitsweg, saugen, wischen, beides nacheinander oder zugleich - hier wird ordentlich Auswahl geboten. Auch, ob man die gesamte Wohnung, einzelne Räume oder nur eine Zone reinigen will.
Switchbot nutzt eine App für alle Geräte im Portfolio, für den S 10 gibt es dann eine Unterseite. Die ist etwas einfacher gehalten, auch was oben genannte Einstellmöglichkeiten betrifft. Allerdings ist es möglich, in einem Arbeitsgang verschiedene Räume unterschiedlich zu beackern. Also hier alles, dort nur wischen oder nur saugen. Und natürlich ist ebenso die Auswahl alles, Raum, Zone wählbar.
Robovacs – Orientierung und Hindernisvermeidung
Die Robos sind mit 11,7 bzw. 11,5 Zentimeter Höhe schon echte Hühnen. Im obendrauf verbauten "Turm" werkelt bei beiden eine Lasernavigation, die zusammen mit Abstandssensoren und Frontkamera dafür sorgen soll, dass einerseits alle Bereiche des Raumes gereinigt und zugleich Hindernisse umfahren werden. Unterschiede zwischen den Kandidaten lassen sich schon beim Mapping erkennen. Während hier der Eureka per Piktogramm gar einzelne Gegenstände (Kabel, Schuhe etc) aufzeigt, werden beim S 10 kleinere Dinge auf dem Fußboden eher nur als Punkte dargestellt. Entsprechend grobmotoriger geht der SwitchBot zur Sache, setzt auf mehr Abstand zu Wänden und großen Hindernissen und reagiert bei kleineren eher erst nach persönlichem Kontakt. Enge Passagen meidet er u.U. ganz.

Eureka J15 Pro Ultra. Kraftprotz mit 16200 Pa Saugleistung.
EurekaDer J15 Pro Ultra umfährt mit weniger Abstand, weicht ein stückweit geschmeidiger aus und drängelt sich, wenn es sein muss, auch durch schmale Lücken. Jedoch selten so, dass menschliche Hilfe zum Fortsetzen der Arbeiten notwendig ist. Die sogenannte "Obstacle Avoidance" (Hindernissvermeidung) ist bei den Kandidaten gut, aber entfernt von perfekt. Mit Teppichen können beide gut umgehen, wobei die Fall-Sensoren des Eureka mitunter so sensibel sind, dass er kräftigeren textilen Bodenbelag erst nach mehrfachen vorsichtigen Versuchen befährt. Treppen stellen insofern, auch für den S10 keine Gefahr dar.
S10 und J15 Pro Ultra – Saugen und Wischen im Vergleich
Mit den eingangs erwähnten 16200 Pa verfügt der J15 Pro Ultra über mehr als die doppelte Saugleistung des S10, der mit 6500 immer noch im sehr guten Durchschnitt liegt. Ob die Superpower wirklich notwendig ist, sei einmal dahingestellt. Das Reinigungsergebnis jedenfalls ist überragend, gleichwohl das des SwitchBot hier nicht merkbar abfällt. Einen Vorteil hat der Eureka ganz sicher auf hochflorigen Teppichen und generell auf textilen Belägen. Auf harten Böden wird dann eigentlich nur mehr Luft bewegt. Die Entsorgung von Haaren ist dagegen ein echtes Keyfeature. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es nicht die rotierende Seitenbürste vor Verhedderungen schützt. Hier brauchen beide Robos von Zeit zu Zeit eine externe Reinigung. Unisono sind sie jedoch in der Lage, auf Teppichen ihre Wischeinheiten anzuheben bzw. bei Flüssigkeiten die Gummiwalze, sodass das Textil trocken und die Trocken-Reinigungseinheit sauber bleibt.

SwitchBot S10. Wie bei einem Wischsauger wird die Rolle permanent gereinigt.
SwitchBotBeim Wischen treten dann zwei verschiedene Technologien gegeneinander an. Während Eureka auf die bekannten horizontal rotierenden Wischmops in Doppelausführung setzt, bringt SwitchBot die bei Wischsaugern bewährten Softwalzen ins Spiel. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Die Mops können dank größerer Auflage in einem Arbeitsgang mehr Fläche und diese auch intensiver beackern. Dafür verteilen sie u.U. den Schmutz auch ein wenig, da ihre Reinigung immer nur in bestimmten Abständen (einstellbar nach Quadratmetern) stattfindet. Die Walze arbeitete mit höherer Drehzahl und Druck, was gewissermaßen den Nachteil der Auflagefläche ausgleichen soll. Da zudem ständig Wasser zugeführt wird und ein Abscheider Schmutz sofort entfernt, der in einen Extra-Tank fließt, ist die Walzenlösung am Ende die hygienischere. Vom Wischergebnis her sind bei auf ebenen Fläche gut unterwegs. Mit Einschränkungen.
Wischroboter – Probleme mit Ecken und Kanten
Egel wie die Bauform ist, das Runde muss ins Eckige, Hauptproblem bei Wischrobos. Das können auch Eureka und SwitBot nur bedingt lösen. Während die Walze auf geraden und freien Hartböden ohne Probleme wischt, sind Kanten und erst recht Ecken meist außen vor. Anders als beim J15 Pro Ultra, der den rechten Mop ausfahren kann und so zumindest ansatzweise nah an Scheuerleisten oder Gegenstände heranreicht. Die fast mittig platzierte Walze ist rein bauartseitig dazu nicht in der Lage. Der S10 hält immer einen Respektabstand. Entlastend könnte man allerdings anführen, dass so gut wie keine Seitenbürste wirklich alle Ecken reinigt und so irgendwann ohnehin Nacharbeiten notwendig würden.
Eureka und SwitchBot – Die Stationen im Vergleich
Wie schon erwähnt, setzen beide Hersteller auf unterschiedliche Strategien in Sachen Reinigungs- und Ladestation. SwitchBot geht ganz eigene Wege, indem gleich zwei Anlaufstellen geschaffen wurden. Hier die bekannte, in der per Unterdruck Staub und Dreck aus dem Schmutzbehälter im Robo in einen Drei-Liter-Beutel gesaugt werden. Danach fährt der S10 zur Wasserstation, die direkt an das Wasser- und Abwassersystem des Hauses angeschlossen werden kann. Da erfolgt dann die Entleerung des Schmutzwasserbehälters sowie die Reinigung der Rolle. Die Energie dafür kommt vom Roboter selbst, was eine stromunabhängige Aufstellung ermöglicht. Danach kehrt der S10 zur Ladestation zurück, wird "aufgetankt" und zugleich erfolgt mittels warmer Luft die Trocknung der Rolle. Wer keine Möglichkeit für einen Direktanschluss der Wasserstation hat, kann einen separat erhältlichen Doppel-Tank-Aufsatz verwenden. Das wäre dann wieder die klassische Version.

SwitchBot und Eureka. Zwei für einen oder eine für alles.
SwitchBot/EurekaEureka hat wie bekannt alles in einer Station. Absaugen, Mops waschen und mit heißer Luft trocknen sowie Aufladen in einem bzw. nacheianderfolgenden Arbeitsgängen. Die Wasserver- und Entsorgung erfolgt über zwei separate Tanks, die von Zeit zu Zeit gefüllt oder entleert werden müssen. Es fällt auf, dass für das Waschen des J15 Pro Ultra ordentlich viel Wasser verwendet wird, da der Abwassertank relativ schnell voll ist. Allerdings bringt die Station noch ein Feature mit: Sie reinigt sich nämich selbst über die rotierenden Mops-Auflagen. Ziemlich clever, wie jeder weiß, der einmal versucht hat, nach einem halben Jahr Nutzung die Pad-Auflagen sauber zu bekommen. Die Eureka-Station ist natürlich deutlich größer als die von Switchbot, was mitunter in Wohnräumen Probleme mit der Aufstellung mit sich bringen könnte.
J15 Pro Ultra und S10 – Extra-Funktionen
Wenn auch mittlerweile kein Alleinstellungsmerkmal mehr, sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass beide Robos über in der Front verbaute LED-Scheinwerfer verfügen. Damit kann man - im Sommer beispielsweise - auch bei abgedunkelten Fenstern reinigen lassen, ohne das Licht einschalten zu müssen. Eureka bietet zudem die Möglichkeit, den J15 Pro Ultra aus der Ferne und mit Nutzung der Kamera zu steuern. Ob Gegenstände unter Möbeln gesucht werden oder man im Urlaub mal kurz die Wohnung inspizieren will, kein Problem. Auch SwitchBot bietet die Fernsteuerung, ohne Kamera allerdings, dafür im Reinigungsmodus. Solässt sich der S10 manuell in Bereiche führen, die er womöglich allein nicht befahren will. Und damit der Nachwuchs das nicht spielerisch ausnutzt, gibt es eine Kindersicherung.
Saugroboter - Vergleich und Zusammenfassung
Fegen, saugen und wischen ohne Zutun des Eigners - sowohl der S10 als auch der J15 Pro Ultra erfüllen diesen Anspruch weitestgehend. Eureka erledigt zudem fast gänzlich das Problem mit Haaren aller Art, während SwitchBot über eine weitere Station selbst die Wasser-Aufgaben outsourct. Die Reinigungsqualität ist durchweg gut, mitunter bleiben aber doch Nacharbeiten bei Kanten und in Ecken. Doch damit sind unsere Testkandidaten im weiten Feld der Saugroboter nicht allein. Beide lassen die Aufgaben per App ziemlich genau und wenn gewollt nach Zeitplänen erledigen oder erlauben auch, die Roboter per Sprachbefehl in Bewegung zu setzen. Denn eine smarte Einbindung in Google Home oder bei Alexa ist möglich. Am Ende geht es dann doch nicht ganz ohne menschliches Zutun, wobei regelmäßige Eingriffe nur im größeren Wochenabstand notwendig sind. Diese Beqeumlichkeit sollte potenziellen Interessenten aber um die 1000 Euro Wert sein. Zumindest orientiert sich in dieser Region die Preisempfehlung der Hersteller.
S10 und J15 Pro Ultra - Test-Fazit
Alle paar Wochen mal die Wasserbehälter füllen bzw. leeren, den Staubbeutel tauschen und gelegentlich Kanten und Ecken nachreinigen. Mehr bleibt vom Hausputz in Bezug auf Böden aller Art nicht übrig. Sowohl der S10 als auch der J15 Pro Ultra reinigen selbstständig, wenn der Eigner nicht zuhause ist oder selbst bei Dunkelheit. Besondere Vorbereitungen sind kaum notwendig, solange halbwegs Ordnung auf Parkett, Fliesen oder Teppichen herrscht. Knapp vierstellige Investitionen sind zwar kein Schnäppchen, rentieren sich aber recht schnell in Form von Freitzeit-Gewinn und einer stets sauberen Wohnung.
