Dresden erleben: Taschenbergpalais - Residieren wie Gräfin Cosel

In altem, neuen Glanz: Das Taschenbergpalais gegenüber dem Grünen Gewölbe und in Sichtweite vom Zwinger.
Taschenbergpalais Kempinski Dresden- Taschenbergpalais Dresden: einst Liebesnest, heute Luxushotel. Neu eröffnet nach Renovierung.
- Erbaut 1705 für Gräfin Cosel, Zerstörung 1945, Wiederaufbau 1992-1995.
- Prominente Gäste wie Obama, Putin und Macron übernachteten dort.
- 2023 Schließung für Renovierung, 2024 Wiedereröffnung mit neuem Design.
- 31 Suiten, 180 Zimmer, König-Suite und Königin-Suite verfügbar.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Einem Akt der Liebe hat Dresden eines seiner schönsten Gebäude zu verdanken. Denn wenn von Sachsens Glanz die Rede ist, fallen Namen wie Zwinger, Residenzschloss mit Grünem Gewölbe, Frauenkirche und - Taschenbergpalais. Friedrich August I., auch der Starke genannt, war es, dem viele dieser Bauten zu verdanken sind. Unter seiner Ägide formte sich in der Residenzstadt an der Elbe der Dresdner Barock, eine spezifische Ausformung des Barock- und Rokokostils, der weit über die Grenzen Sachsens hinaus bis nach Warschau strahlte.
Während der Kurfürst zumeist Gebäude im öffentlichen Interesse in Auftrag gab, war der Umbau der Grundstücke zwischen den Gassen Am Taschenberg und der Kleinen Brüdergasse eher privaten Interessen geschuldet, die aufgrund seiner Stellung dennoch staatstragenden Charakter hatten. Es sollte ein Liebesnest für die favorisierte Dame des Blaublutes entstehen, die natürlich nicht seine Gattin war, sehr wohl aber seine "Ehefrau zur linken Hand".
Verheiratet mit Christiane Eberhardine, Prinzessin von Brandenburg-Bayreuth, pflegte der Herrscher, wie damals nicht unüblich, Beziehungen auch zu anderen Frauen, die er zu offiziellen Geliebten machte. Jene Mätressen wurden am sächsischen Hof eingeführt und ob ihrer Rolle an der Seite des Kurfürsten respektiert. Obwohl August in außerehelichen Liebesdingen um 1705 schon einige Erfahrungen gesammelt und mit Katharina von Altenbockum gerade ein Kind bekommen hatte, verliebte der potente Herrscher sich Hals über Kopf in Anna Constantia von Hoym, die ein Jahr später auf Bitten Augusts vom Kaiser zur Gräfin Cosel ernannt wurde.
Ein Akt der Liebe
Für diese ließ der Kurfürst das Taschenbergpalais errichten, in dem die schon seinerzeit nicht unumstrittene und selbstbewusste Dame knapp acht Jahre residierte. Nachdem die barocke Lovestory ein eher unschönes Ende gefunden hatte - Cosel verbrachte mehr als vier Jahrzehnte in Verbannung - baute man das Gebäude zu einem "Türkischen Palais" um. Erweiterungen und Anbauten folgten über eineinhalb Jahrhunderte hinweg. 1934 umfangreich restauriert, fiel das Ensemble wie fast die gesamte Innenstadt Dresdens der Bombennacht vom Februar 1945 zum Opfer und blieb über knapp 50 Jahre hinweg eine Ruine.

Dresdens Wohnzimmer. Neue Lobby mit Elbe-Verlauf an der Decke.
Taschenbergpalais Kempinski DresdenAnfang der 1990er wurde das Anwesen verkauft und aufwendig wieder aufgebaut. Mehr also 100 Millionen Euro soll das Projekt gekostet haben, zu dessen Abschluss am 31. März 1995 das erste Grand Hotel Sachsens eröffnete: Das Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden. Als erstes Haus am Platze war es natürlich Anlaufpunkt für allerlei Prominenz. Der europäische Hochadel gab sich ebenso die Klinke in die Hand wie Staatsmänner- und Frauen oder Rockstars. Neben Barack Obama nächtigten hier auch Wladimir Putin, Jacques Chirac, Fürst Albert II. von Monaco oder Peter Maffay.
Von Obama über Putin bis Maffay
Rund 28 Jahre nach Indienststellung schloss das Hotel im Frühjahr 2023 für einen kompletten Umbau, nicht ohne jedoch noch einmal für Aufmerksamkeit zu sorgen. Denn das gesamte Interieur des Hauses wurde versteigert. Vor allem Dresdener und Sachsen holten sich so ein Stück von ihrem Taschenberg zu sich nach Haus. Knapp ein Jahr dauerten die Arbeiten. Seit dem 15. Februar 2024 erstrahlt das Erbe von August dem Starken und Gräfin Cosel in neuem Glanz.

King und Queen. Die größte Suite kommt auf 380 Quadratmeter. Emmanuel Macron war hier schon Gast.
Taschenbergpalais Kempinski Dresden/Matthew ShawMit Blick auf das Grüne Gewölbe und direkt hinter dem Dresdener Zwinger gelegen, finden sich 31 Suiten und 180 Zimmer, von denen es angeblich keines zweimal gibt. Wer wie weiland Cosel residieren will, bucht sich in die Queen-Suite ein, der zugehörige August könnte - durch ein kleines Separee getrennt - in der King-Suite nächtigen. Beide zusammen kommen auf knapp 380 Quadratmeter, mehrere Bäder, Wohn- und Schlafzimmer sowie Küchen inklusive. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron war im Mai dieses Jahres der erste Staatsgast, der das Gesamtpaket genießen durfte. Aber natürlich stehen Queen und King, zusammen oder einzeln, jedem offen, der bis zu einer fünfstelligen Summe pro Nacht bereit zu bezahlen ist. Freilich geht es auch kleiner und vor allem günstiger.
Dresdens Wohnzimmer
Doch auch in den "normalen" Zimmern macht sich bei einer Deckenhöhe von bis zu 3,8 Metern und fast ebenso imposanten Fenstern ein royales Gefühl breit. Um so mehr, als dass bei den "niedrigeren" Kategorien die gleichen Ausstattungen, Marken und Qualität zu finden sind. Der Berliner Interieurdesigner Markus Hilzinger zeichnet für das Innenleben verantwortlich. Und ihm war wichtig, den königlich-gräflichen Glanz in moderner Version zu interpretieren. Das sollte selbst für Kenner von Luxushotels so manchen Aha-Effekt bereithalten. Den ersten allerdings werden die meisten schon beim Betreten der Lobby erleben. "Als ob man in ein Wohnzimmer kommt" fasste es Showmaster Wolfgang Lippert bei der Eröffnung im Frühjahr zusammen. Zu den gemütlichen Sitzgruppen gesellt sich eine interessante Decken-Dekoration, die den Verlauf der Elbe rund um Dresden darstellt. Wie mittlerweile üblich gibt es auch keinen langen Rezeptionstresen mehr. Empfangen wird der Gast an kaum sichtbaren Steh-Desks.

Der Innenhof des Taschenbergpalais. Privatsphäre zu jeder Tageszeit.
Taschenbergpalais Kempinski DresdenDer Lobby schließt sich die Pâtisserie und Lounge „Amalie“ an, die vor der prächtigen Barocktreppe ein Stück klassische Café-Haus-Kultur erleben lässt. Pralinen und Gebäck aus eigener Herstellung unter Leitung von Yogesh Dutt genügen dabei mehr als kurfürstlichem Anspruch. Dank eines Zugangs von außerhalb nicht exklusiv den Hotelgästen vorbehalten. Die sind auch im Restaurant "Palais" gern gesehen, in dem Andreas Gräser als Executive Chef das Sagen hat. Der geborene Sachse legt auf Regionales wert und interpretiert Klassiker neu und modern. Gar auf die 1920er Jahre zurück geht die Karte in der Bar "1705", benannt nach dem Erbauungsdatum des Taschenbergpalais. Das kreative Team kreiert neue Cocktails aber auch die Bar-Evergreens dieser Welt. Apropos: Diese bleibt im malerischen Innenhof des Tascheberg buchstäblich draußen. Zwischen echten Zitronen-Bäumen lässt sich hier wunderbar die Ruhe genießen, egal ob beim Frühstück, Lunch oder Dinner in der warmen Jahreszeit.

Keines wie ein anderes. Die 180 Zimmer unterscheiden sich in Details.
Taschenbergpalais Kempinski Dresden/Matthew ShawÜberraschend für ein so historisch wertvolles Gebäude ist der hochmoderne Spa unterm Dach. Räume für Treatments, Saunen und ein erstaunlich großer Innenpool unterm künstlichen Sternenzelt sorgen für Entspannung nach Sightseeing, Kulturerlebnis oder Business - je nachdem, was den Gast nach Dresden treibt. Wer in der Altstadt unterwegs sein will, hat vom Taschenbergpalais aus in jedem Fall kurze Wege. Das Grüne Gewölbe ist über die Straße, der Zwinger um die Ecke und die Frauenkirche keine fünf Minuten entfernt. Gleiches gilt für die Brühlsche Terrasse oder den Altmarkt. Mittendrin und doch irgendwie in einer anderen Sphäre vereinen sich im neuen ersten Haus der sächsischen Landeshauptstadt Vergangenheit und Gegenwart zu einem atemberaubenden Stilmix.
Taschenbergpalais Kempinski Dresden
Erbaut: 1705 im Auftrag von Friedrich August I. Kurfürst von Sachsen für dessen Mätresse Anna Constantia Gräfin von Cosel
Zerstört: Durch anglo-amerikanische Bomben am 13. zum 14. Februar 1945 wurde die gesamte Innenstadt Dresdens zerstört.
Wiederaufbau: Nach einem halben Jahrhundert als Ruine wurde das Taschenbergpalais von 1992 bis 1995 wieder aufgebaut und als Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden eröffnet.
Rekonstruktion: Im Frühjahr 2023 schloss das Hotel für ca. ein Jahr für eine Komplettrenovierung und eröffnete am 15. Februar 2024 neu.
