Ferien auf Teneriffa: Kanaren-Urlaub im Schatten des Teide
Ewiger Frühling, vor allem in den Wintermonaten Traum nebelsatter Deutscher. Knapp fünf Flugstunden von Berlin entfernt, kann der Wunsch nach Sonne und angenehmen Temperaturen Wirklichkeit werden. Jenseits von Afrika, auf Teneriffa.
Die größte Insel der Kanaren bietet knapp 23 Grad Durchschnitts-Temperatur und an 340 Tagen im Jahren Sonnenschein. Soweit die Statistikwerte. Wie sich wettermäßig die Wirklichkeit darstellt, hängt jedoch nicht unwesentlich davon ob, wo der Besucher Quartier auf dem Eiland bezieht. Denn in dessen Mitte thront mit über 3700 Metern Gipfelhöhe der Teide, Spaniens höchster Berg und zumindest politisch betrachtet auch Europas höchster Vulkan. Denn geografisch gehören die Kanaren bekanntermaßen ja zu Afrika.
Teneriffas Klima wird maßgeblich von den Passatwinden bestimmt, die dafür sorgen, dass es trotz des Breitengrades der nördlichen Sahara auf der Insel weder besonders heiß noch trocken ist. Dabei gibt es jedoch einige Unterschiede zwischen Nord und Süd. Die den Winden ausgesetzte Seite der Insel zeichnet sich durch häufigere Niederschläge und höhere Luftfeuchtigkeit aus. Besonders in mittleren und hohen Lagen. Die Wolkenmütze, die sich am Fuße des Teide über die Hänge schiebt, sieht dabei - egal ob von nah oder fern - beeindruckend aus. Und sie sorgt auch bis in Küstennähe durchaus für Niederschläge, denen der Norden insgesamt aber wiederum seine deutlich üppigere und dichtere Vegetation verdankt. Kein Wunder, dass die Plantagen der kleinen und mehr süß schmeckenden Kanaren-Bananen sich in diesen Gegenden seit Jahrhunderten befinden.
Teneriffa im Norden grün, im Süden sonnig
Der Süden ist im Vergleich dazu karger bis gar nicht bewachsen. Die Wolken am Vulkan verdunkeln hier eher selten die Sonne und Regen fällt vor allem in den Sommermonaten von Ende März bis November kaum. Allerdings kann dieser Teil der Insel auch wegen fehlender Vegetation optisch schwer mit dem Norden mithalten. Deutlich sind die Lavafelder zu erkennen, die auf den ersten Blick mitunter wie Geröllhalden aussehen. Grüne Oasen sind künstlich und mit viel Aufwand angelegt worden.

Kiten, Surfen, Baden ist an den Sandstränden im Süden Teneriffas möglich.
Turismo de TenerifeWer also nach Teneriffa reist, sollte sich vor Buchung einer Unterkunft darüber im Klaren sein, wie man die Tage auf der Insel verbringen möchte. Wen es vor allem an Pool und Strand zieht, wer Sonne tanken will und sich möglichst nur vor Ort bewegen, für denjenigen scheint der Süden richtig. Hier liegt nicht nur der internationale Flughafen und garantiert kurze Wege in die Unterkunft. Es finden sich zudem wie in Adeje richtige helle Sand-Strände. Diese stellen eher eine Ausnahme dar, da sich der vulkanische Ursprung der Insel meistens in schwarzen Geröll- und Steinstränden zeigt.
Baden im Meerespool wie im Atlantik
Daher ist Teneriffa auch berühmt für seine Meeres-Pools, wie die tatsächlich schwimmbeckenartigen Gebilde an den Ufern heißen. Teils natürlichen Ursprungs, teils vom Menschen erschaffen, ermöglichen sie das Baden im warmen Ozean ohne, dass einem die teils hohen Wellen etwas anhaben können. In Puerto de la Cruz hat der Maler und Bildhauer Cesar Manrique den Lago Martiánez erschaffen.

Baden wie im Atlantik. Für die Meerespools wie den Lago Martiánez ist Teneriffa berühmt.
Stefan KlugFür fünf Euro am Tag kann man hier in direkter Nachbarschaft zum wilden Atlantik planschen und sich sonnen. Nur einige hundert Meter weiter donnern bis zu drei Meter hohe Wellen auf den Lava-Steinstrand des Playa Martinez. Hier sind die Surfer zu Hause, die der ganzen Szenerie einen Hauch von Hawaii geben. Eine besonders schöne Formation von Felsenbecken gibt es im kleinen Ort Garachico. Die Piscinas Naturales de El Caletón sind bei Einheimischen wie Touristen beliebt und gehören zu den 15 Top-Stränden der Insel, die mit blauen Flaggen ausgezeichnet wurden.
Die 15 besten Strände auf Teneriffa
- Adeje: El Duque, Torviscas
- Arona: El Camisón, Las Vistas,
Los Cristianos - Garachico: El Muelle, El Caletón
- Guía de Isora: Playa de la Jaquita
- Icod de los Vinos: San Marcos
- Los Realejos: El Socorro
- San Cristóbal de La Laguna:
Naturschwimmbecken Bajamar,
Arenisco, Jóver - Tacoronte: La Arena de Mesa del Mar

Im rauen Atlantik gefahrlos baden. Die Naturpools von Garachico gehören zu den schönsten der Insel, die Wasserqualität ist prämiert.
Turismo de TenerifeAm höchsten Vulkan Spaniens
Kein Aufenthalt auf der größten Kanaren-Insel, ohne dem Teide einen Besuch abzustatten. Der um den Vulkan gelegene Nationalpark wurde 2007 zum UNESCO-Welterbe erklärt und zählt jährlich um die drei Millionen Besucher. Die erwartet der sprichwörtliche Ausflug in eine andere Welt. Nicht nur, dass mit durchschnittlich 2000 Meter über dem Meeresspiegel bei relativ kurzer Anfahrt ein enormer Höhenunterschied überwunden wird, man befindet sich hier auch meist über jenen Wolken, von denen eingangs die Rede war. Die 19.000 Hektar Fläche lassen nur ungefähr erahnen, welche Größe der Ursprungsvulkan einst hatte. Über 5000 Meter war der hoch.

Parque Nacional del Teide. Landschaft wie auf Mond oder Mars.
Stefan KlugGeblieben ist eine Caldera, also ein Kessel, mit 17 Kilometern Durchmesser, in dem der mittlerweile dritthöchste Vulkan der Welt mit seinen über 3700 Metern aufragt. Bis knapp 200 Meter unter den Gipfel führt eine Seilbahn, deren Basisstation auf 2356 Meter liegt. Neben einem fantastischen Ausblick auch auf die Nachbarinseln Gran Canaria, La Palma, El Hierro und La Gomera bietet der Nationalpark jede Menge Einsichten in die Erdentstehung und Geschichte. Dabei sind Vergleiche mit Mond- oder Marsoberfläche nicht von der Hand zu weisen.
Paradies für Wanderer auf den Kanaren
Der Teide ist aber auch Ziel verschiedener Wandertouren. Die Route 040 ist die spektakulärste und anspruchsvollste, weit über die politischen Grenzen Spaniens hinaus. Los geht’s am Strand El Socorro in Los Realejos, im Norden. Vom Meeres-Niveau führt der Weg über 27,7 Kilometer bergauf zum Gipfel des Vulkans und dann wieder zurück zum Atlantik. Rund zwölf Stunden sollten Geübte dafür einplanen.

Auch für Wanderer ein lohnendes Ziel: Teide und Nationalpark.
Turismo de TenerifeWeit weniger anstrengend, aber wohl ebenso spektakulär ist eine Tour entlang der Masca-Schlucht hinab zum Meer. Die kleine Gemeinde, mitten in zerklüfteten Tälern und auf einem schmalen Bergrücken gelegen, versprüht vor allem in der Draufsicht ein Hauch der berühmten Inka-Stadt Machu Picchu in Peru. Insgesamt über 1500 Tourenkilometer sorgen auf Teneriffa dafür, dass es dem Wanderer nicht langweilig wird.
Mit Meerblick: Golf auf Teneriffa
Darauf dürfen auch die Golfer vertrauen. Das angenehm warme Wetter und fast gleichbleibende Winde machen die Kanaren-Insel zu einer ganzjahres Golf-Destination. Acht 18-Loch-Kurse warten hier mit teils spektakulären An- und Aussichten. Die atemberaubendsten bietet wahrscheinlich Abama-Golf. Der Platz, zum gleichnamigen Hotel gehörend, steht dem Bau im Stil einer maurischen Dorfanlage in nichts nach. Zum Meer hin abfallende Spielbahnen, mehrere tausend Palmen und spektakuläre Hindernisse fordern und belohnen Golfer gleichermaßen. Eine Runde hier lohnt in jedem Fall, gleichwohl sie die teuerste auf Teneriffa sein wird. Für knapp die Hälfte des Geldes können aber auch die 18 Löcher von Golf del Sur gemeistert werden. Ein altehrwürdiger Platz mit moderatem Anspruch, der genau in der Einflugschneise des Aiports gelegen ist. Jets im Minutentakt nur knapp über den Fairways fordern das Konzentrationsvermögen des Spielers. Auch, weil es mitunter haarscharf an Lavaschluchten vorbeigeht.

Abama Golf. Der exklusivste Platz Teneriffas mit fantstischem Blick auf den Atlantik.
Stefan KlugNeben sportlichen Aktivitäten lockt natürlich auch die bauliche Vergangenheit, die sich vor allem in historischen Ortskernen widerspiegelt. Besonders anschauliche Beispiele wären La Laguna (Unsesco-Welterbe), Garachico (Goldmedaille der Schönen Künste seit 1980) oder La Orotava (historisch-künstlerisches Ensemble). Zum traditionellen Baustil gehören beispielsweise die typischen kanarischen Balkone aus Tea-Holz, die es auf der ganzen Insel zu sehen gibt.
Macht ein Mietwagen Sinn?
Apropos: Wer etwas anschauen bzw. erleben will, kommt kaum um einen Mietwagen drumherum. Trotz der überschaubaren Größe von etwa über 80 mal 50 Kilometer kann die Fahrt von einem Ende zum anderen in Abhängigkeit der Route zur Tagestour werden. Während im Osten eine gut ausgebaute Autobahn die Fahrtzeit deutlich verkürzt, müssen alle, die im Westen entlang fahren, einmal durchs Gebirge. Ein Tunnel, der einmal durch die Lava-Berge führen soll, entsteht gerade bei Santiago del Teide. Bis zu dessen Fertigstellung bleiben also die Wege unter Umständen lang.
Urlaub von luxuriös bis rockig
Was uns wieder zur Wahl von Ort und Unterkunft führt. Im touristisch schon länger erschlossene Norden beispielsweise findet sich mit dem Hotel Botánico & The Oriental Spa Garden eine Grande Dame der gehobenen Hospitality. Einst als erstes Fünf-Sterne-Haus auf Teneriffa eröffnet, werden hier mitten in Puerto de la Cruz die Tugenden erster Häuser am Platze hochgehalten. Das beginnt mit dem Door-Man, geht über jede Menge Platz in öffentlichen Bereichen bis hin zu luxuriös ausgestatteten Zimmern, die allesamt einen Blick in den Palmengarten wie auch auf den Teide bieten. Drei hochklassige Restaurants und eine üppige Lobby-Bar sorgen für gleichermaßen hohes gastronomisches Niveau. Das bietet auch das Hard-Rock-Hotel-Tenerife, ist aber ansonsten so etwas wie ein Gegenentwurf zum gediegenen Luxus der Vergangenheit. Zwei 16-etagige Tower, nach Nirvana und Oasis benannt, ragen im Süden der Insel am Strand von Adeje in die Höhe.
Hier wird Urlaub zu Rock’n’Roll, nicht nur der vielen Memorabilia von Rock- und Pop-Größen wegen. Wer mag, kann sich eine Fender-E-Gitarre ausleihen und in den stylischen Suiten zum Star werden. Man muss die Musik aber nicht zwingend selber machen. Vielmehr entkommt man ihr auch nicht. Ob im Fahrstuhl, im Lobby-Bereich oder rund um die drei Pools und die Salzwasserlagune mit Beach Club - Rock’n’Roll is everywhere. Und zum spektakulären Sonnenuntergang legt auf dem Dach des Nirvana-Towers im Sixteenth regelmäßig ein DJ auf.
Beste Sicht auf die Geminiden Meteoriten
Die Nacht zum Tage machen sich auf Teneriffa aber auch regelmäßig die Sternegucker. Die Kanaren gelten für Beobachtungen des Himmelsgewölbes als perfekter Platz. Ab einer Höhe von 1500 Metern über dem Meer bieten sie täglich einen unverstellten und klaren Blick ins Universum. Zudem ist bereits seit mehr als 30 Jahren der Himmel über den Kanarischen Inseln per Gesetz vor Lichtverschmutzung geschützt. Das kommt vor allem den Beobachtungsstationen zugute. Auf Teneriffa verspricht der Teide Nationalpark, in dem sich auch die Dependance des Instituts für Astrophysik der Kanarischen Inseln befindet, beste Sicht ins All. Weitere Aussichtspunkte (Miradores) wie der Mirador de Montaña Colorada und der Mirador de Chivisaya, aber auch Strände wie die Playa de Benijo oder die Playa de Los Patos erweisen sich ebenso als perfekte Hotspots für alle neugierigen Sternegucker. Die erwartet am 13. und 14. Dezember mit dem Geminiden Meteoritenschauer eines der spektakulärsten kosmischen Ereignisse des Jahres. Bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde fliegen durchs All und erleuchten den Nachthimmel auf eindrucksvolle Art und Weise.
Europa jenseits von Afrika
Wer Teneriffa wirklich erleben, kennenlernen will, sollte am bestens auf beiden Inselteilen ein paar Tage verbringen. Das verkürzt nicht nur Fahrwege, sondern ermöglicht auch, die verschiedenen Gesichter des Eilandes kennenzulernen. Sowohl in Sachen Klima, Landschaft, Vegetation als auch beim Lebensgefühl. Ganz sicher wird zudem der Wunsch gestärkt, bald wieder zurückzukommen und ein Stück Europa jenseits von Afrika erneut zu erleben.
Teneriffa
Die größte Insel der Kanaren ist von Berlin aus in ca. 5,5 Stunden erreichbar. Mehrere Fluggesellschaften bieten Direktflüge vom Flughafen Berlin-Brandenburg an.
Da die Kanaren zu Spanien und damit Europa und dem Schengenraum gehören, reist man auf die Inseln jenseits von Afrika so, also ob man in Territorial-Europa unterwegs ist. Es gilt der Euro ebenso wie das EU-Roaming-Abkommen fürs Telefonieren oder die mobile Datennutzung.



