Film-Kritik: Der Name der Rose – das Mittelalter so scharf wie nie

Der Name der Rose. Mittelalter-Thriller nach dem Roman von Umberto Eco.
ConstantinMit seinem Debüt-Roman "Der Name der Rose" gelang dem italienischen Wissenschaftler und Schriftstellers Umberto Eco 1980 ein Welt-Bestseller. Den inszenierte Jean-Jacques Annaud sechs Jahre später als abendfüllenden Mittelalter-Thriller, in dem Sean Connery die Hauptrolle übernahm, nachdem er seinen Film-Job als James Bond an den Nagel gehängt hatte. Für Christian Slater in der zweiten Hauptrolle war der Streifen das Sprungbrett nach Hollywood.
Connery ist Bruder William von Baskerville, der in heikler Mission unterwegs ist. Er soll ein Streitgespräch zwischen den Franziskanern und Abgesandten des Papstes moderieren, in dem es um die grundsätzliche Frage geht, ob die Kirche Vermögen haben darf. Ort des Diskurses ist eine abgelegene Benediktinerabtei an den Hängen des Apennin. Hier trifft William im November 1327 zusammen mit seinem Adlatus Adson von Melk, einem jungen Benediktiner, ein. Sie erleben den Abt als auch die Mönche in hellster Aufregung.
Einen Tag zuvor war ein junger Zeichner tot an den Hängen der Abtei aufgefunden worden. Während die Brüder an ein Werk des Teufels glauben, denken die Neuankömmlinge anhand der vorhandenen Spuren eher an Selbstmord oder gar Mord. Und jener Adelmus sollte nicht das einzige Opfer bleiben. Ähnlich der Vorhersage der Apokalypse sterben in den folgenden Tagen weitere Mönche, werden in ziemlich eindeutigen Posen vorgefunden. Weil sie aber alle in der Bibliothek beschäftigt waren, für die die Abtei berühmt ist, glaubt William eher, dass die Todesfälle mit einem der Bücher, wenn nicht gar mit dem Buch überhaupt zu tun haben, in dem es um die Komödie geht und das niemand geringeres als Aristoteles geschrieben haben soll.
Der Name der Rose: Zeitloser Mittelalter-Thriller
Doch was ist das für ein Buch, für dessen Inhalt Menschen sterben müssen? Das zu ergründen, machen sich William und Adson zur Aufgabe. Und je näher sie dem geheimnisvollen Bibliotheksturm kommen, desto sicherer sind sie sich ihrer Sache. Allerdings drängt die Zeit, denn mit Bernard Gui ist ein berüchtigter Hexenjäger und Inquisitor auf dem Weg zur Abtei, der nichts unversucht lassen wird, die Beteiligung des Teufels am Mordgeschehen nachzuweisen.

Der Name der Rose. Ex-James-Bond Sean Connery in der Hauptrolle.
ConstantinSatte 126 Minuten entführt Annaud ins Mittelalter und keine davon ist langweilig. Ein echter Thriller mit Verdächtigen und Spuren, jähen Wendungen und Täuschungen. Einem Sherlock Holmes gleich analysiert von Baskerville das Geschehen und unterrichtet seine Gehilfen dabei gleich in Sachen Leben, sowohl dem irdischen als auch dem überirdischen. Connery kommt als Ermittler dabei ebenso geistreich wie auch scharfsinnig daher, immer gepaart mit einem Touch Eitelkeit und Überheblichkeit. Im Vergleich zu seinen James-Bond-Auftritten musste er sich da nicht wirklich verändern.
Neben der reinen spannenden Handlung sind es aber die Weisheiten, die Eco seinem Helden und anderen Handelnden mitgibt. "Kein Glaube ohne Angst" lässt er den Bibliotheksbewahrer Jorge sagen. Ein Satz, lässt man ihn richtig wirken, universell und auch heute uneingeschränkt anwendbar, nicht nur im religiösen Bereich. Schließlich wird mit der Vermittlung von Angst auch außerhalb der Kirchen versucht, Glauben zu erzeugen, an Dinge, an Weltanschauungen, an Lebenseinstellungen. Gerade die Deutschen sind dafür offensichtlich besonders empfänglich.
Der Name der Rose: 4k-Bild und HD-Ton nach Restaurierung
Knapp 40 Jahre nach seiner Premiere hat "Der Name der Rose" eine Komplett-Restaurierung erfahren und liegt nun nicht nur in 5.1-HD-Ton vor. Das Bild des Blockbusters kommt jetzt in 4K daher, was das Geschehen auf ein völlig neues Level hebt. Wer kann, sollte daher die größtmögliche Diagonale wählen, am besten via 4K-Beamer auf Leinwand.
Bei den Close-ups knackscharf ist gar erkennbar, dass bei Connery wohl ein Hauch Mascara eingesetzt wurde. Und die Kutten der Mönche zeigen perfekt ihr grobes Webmuster. Schwarz ist wirklich schwarz, was vor allem dank der vielen Nachtaufnahmen und im Innern der dunklen Bibliothek zum Tragen kommt. In der Totalen bleibt das ursprüngliche Korn erhalten und die Aufnahmen zeigen sich leicht weichgezeichnet. Unterm Strich ein wirklich grandioses Bild, das dem ebenso überragenden Inhalt des Streifens mehr als angemessen ist.
Der Name der Rose
Genre: Thriller; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 126 Minuten; Verleih: Constantin; Regie: Jean-Jacques Annaud; Sean Connery, Christian Slater, Ron Perlman; D/I/F 1986/2024
