Film-Kritik Heimkino: Fall Guy - Spektakel vor laufenden Kameras

Fall Guy. Ryan Gosling und Emily Blunt im abendfüllenden Stuntman-Spektakel.
Universal PicturesColt Seavers ist der Mann für die schwierigen Fälle. Als Stuntman hält er seine Knochen hin, damit Superstar Tom Ryder auch in den kniffligsten Situationen gefahrlos gut aussehen kann. Doch dann kommt es zu einem schweren Unfall am Set und Seavers kehrt dem Filmbusiness den Rücken.
Als Einparker in einem Familienrestaurant fristet er ein langweiliges wie sicheres Leben, bis ihn eines Tages seine alte Produzentin anruft. Er sei wieder gefragt und Jody Moreno hätte ausdrücklich nach ihm verlangt. Colts Ex ist mittlerweile von der Kamerafrau zur Regisseurin aufgestiegen und dreht in Australien den Sci-Fi-Schmachtfetzen Metalstorm mit Ryder in der Hauptrolle.
Weil ein wenig die Hoffnung mitschwingt, dass die alte Liebe ein Revival erleben könnte, begibt sich der Stuntman nach down under. Um festzustellen, dass Jody mitnichten mit ihm gerechnet hat und ihn eigentlich auch nicht am Set haben möchte. Dass das ganze ein abgekartetes Spiel ist, in dem Colt die Rolle des Opfers und Täters zugleich zugedacht ist, merkt er viel zu spät. So muss er sich fügen, um ein Verbrechen aufzuklären, in dem er selbst zum Hauptverdächtigen wird. Dass dazu die Chance besteht, auch Moreno zurückzugewinnen, motiviert extra.
Kein Colt für alle Fälle
Ganz am Ende, wenn neben dem Abspann im Splitscreen die lustigsten Patzer gezeigt werden, hat Lee Majors sein Cameo. Der originale Colt aus der Kult-Serie der 1980-er. Bis dahin verbindet "Fall Guy" mit der Vorlage nur eines: der Namen. Auf dessen Basis und dem Stuntman-Setting schrieben Glen A. Larson und Drew Pearce eine Geschichte zusammen, die mit viel Filmflair und reichlich Action sowie einer Portion-Liebesgeschwurbel, alles garniert mit mehr oder minder gelungenem Humor, kurzweilig unterhält.

Ryan Gosling ist Colt Seavers, harter Typ mit weichem Kern.
Eric Laciste/Universal PicturesDie beiden Hauptdarsteller Ryan Gosling und Emily Blunt erweisen sich dabei als die Zugpferde, die der Story zudem Halt geben. Ex-Ken als der taffe und nur im Innern verletzliche Haudegen, der sich für die Wiederbelebung seiner Liebe auch gern ein halbes Dutzend Mal anzünden lässt. Bei der Britin ist es genau umgekehrt. Sie ist nach außen die immer etwas Naive und Ängstliche, kann aber, wenn es drauf ankommt, auch ein ziemlich hartes Biest sein. Blunt und Gosling ergänzen sich so hervorragend, wenngleich mitunter die Liebesphilosophie in schier endlosen Dialogen nervt.
Launiger Mix aus Rock und Action
Ganz klar gelungener und unterhaltsamer ist der Action-Part, der bei einer Stuntman-Geschichte natürlich dazugehört. Wenn Colt seine alte Leidenschaft entdeckt und als Valet-Man zu AC/DC das Kundenfahrzeug durchs Parkhaus schleudern lässt, kommt Freude auf. Wie überhaupt die handgemachten Stunts während der gut zwei Stunden den größten Unterhaltungswert haben. Die Story greift zwar in Ansätzen auf bekannte Strukturen zurück, vermag aber im Detail durchaus Neues zu bringen. Zweifel am guten Ausgang sind hier nicht eingeschlossen.
Am Ende ist "Fall Guy" ein launiger und kurzweiliger Actioner, der abwechslungsreich und über weite Strecken flott unterhält. Fürs Heimkino gibt es eine knapp 20 Minuten längere Version, die vor allem bei den Stunts aufstockt. Offensichtlich wollte man nach erneuter Durchsicht des Materials das Verhältnis von Dialog und Action zugunsten letzterer verändern. Zweieinhalb Stunden sind aber unterm Strich dann doch etwas zu viel. Ganz und gar nicht zutreffend ist das für den Score. Denn vom Soundtrack aus satten Rocksongs-Evergreens kann man eigentlich nicht genug bekommen.
Fall Guy
Genre: Action; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 126 Minuten; Verleih: Universal; Regie: David Leitch; Ryan Gosling, Emily Blunt, Aaron Taylor-Johnson; USA 2024
