Film-Kritik: Monkey Man - Der indische John Wick

"Monkey Man" von Dev Patel. Eine Ähnlichkeit zu John Wick ist nicht zu leugnen.
Universal PicturesBereits vier Mal hat Keanu Reeves als John Wick seine Haut vor den Berufskollegen gerettet. Nun steigt Indiens Superstar Dev Patel in die Fußstapfen des filmischen Berufskillers. Die Ambitionen von dessen Kid jedoch sind moralisch deutlich höherwertiger. Gleichwohl geht es nicht weniger brutal zur Sache.
Für die Massen um den billig zusammengezimmerten Ring ist der Mann mit der Affen-Maske der Prügelknabe des Abends. Vielleicht könnte er, aber er will sich gar nicht wehren. Denn sein Chef verdient nur Geld, wenn er verliert. Sollte er dabei bluten, gibts Cash extra. Kid lernt so, richtig einzustecken und finanziert mit diesen Schmerzen auch seinen Lebensunterhalt. Den Sinn seines Daseins allerdings sieht er jedoch nicht als derjenige, der einsteckt, sondern der austeilt. Und ein Gegner ist ebenfalls längst ausgemacht. Vor sieben Jahren hat ein hochrangiger Polizeibeamter bei einem Einsatz gegen das Dorf, in dem die Familie lebte, die Mutter getötet. Kid will Rache.
Bei der ersten Gelegenheit, als Tellerwäscher in einem Club anzuheuern, in dem sich die Reichen, Schönen und Korrupten ihren Vergnügungen hingeben, greift der junge Mann zu. Es ist seine Eintrittskarte in eine Welt, die ihm zwar fremd ist, in der er sich allerdings ein für allemal unvergesslich machen will. Doch ein erster Versuch scheitert. Kid muss fliehen und findet Unterschlupf bei den Ausgestoßenen der Gesellschaft. Hier bereitet er sich akribisch auf einen neuen Angriff vor. Er weiß, es wird der letzte sein, den er wagen kann. Und dafür ist er bereit, alle Schmerzen zu ertragen.
Monkey Man: Dev Patel auf den Spuren von John Wick
Wohl selten versetzte sich ein Schauspieler so in seine Rolle wie Dev Patel, der einst mit "Slumdog Millionaire" berühmt geworden ist. Knochenbrüche und andere Blessuren hat er sich bei der Umsetzung der eigenen Filmidee als Hauptdarsteller zugezogen, führte darüber hinaus noch Regie und produzierte mit. So löblich das Engagement, so schnell allerdings wird dem Zuschauer schwanen, dass er gewisse Grundstrukturen von Handlung und Abläufen kennt. Nicht zuletzt Farbgebung bis hin zur Frisur von Patel erinnern an Keanu Reeves in "John Wick". Getreu dem Motto "viel Feind, viel Ehr" lässt der indische Superstar Gegnermassen auflaufen, die dann mit allen Möglichkeiten ins Jenseits befördert werden.

Mann mit der Affen-Maske. Dev Patel als Hauptdarsteller, Regisseur, Drehbuchschreiber in Personalunion.
Universal PicturesDennoch ist "Monkey Man" keine billige asiatische Kopie des Hollywood-Blockbusters. Denn Ursache für das Gemetzel sind Dinge, die als nicht untypisch indisch gekennzeichnet werden. Korrupte Beamte, die im Namen von religiösen Führern bereit sind, ganze Ortschaften auszulöschen. Das einfache Volk hat recht- und mittellos sein Schicksal zu ertragen. Wenn auch nicht direkt genannt, kommt hier doch auch Kritik am Kasten-System auf dem Subkontinent zum Tragen. Patel verpackt das durchaus geschickt in über zwei Stunden Action, die nicht ohne Grund eine Altersfreigabe von mindestens 18 Jahren erhalten hat. Und am Ende ist der Streifen dann doch nicht ein neuer John Wick geworden, sondern darf für sich in Anspruch nehmen, einen eigenen Weg gefunden zu haben.
Monkey Man
Genre: Action; FSK: 18 Jahre; Laufzeit: 121 Minuten; Verleih: Universal Pictures; Regie: Dev Patel; Dev Patel, Sikandar Kher, Pitobash; USA/IND 2024
