Gerard Butler in Kandahar
: Afghanistan - Hollywoods neue Action-Spielwiese

Wird Afghanistan die neue Action-Spielwiese für Hollywood? Gerard Butler zeigt schonmal, wie es gehen könnte.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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Kandahar. Action-Schauplatz Afghanistan mit Gerard Butler in der Hauptrolle.

Leonine

Tom Harris infiltriert im Auftrag der CIA das IT-Netz einer iranischen Atomanlage mit einem Virus. Der sorgt dafür, dass die Kühlsysteme abschalten und der Meiler implodiert. Ein schwerer Schlag fürs Atomprogramm der Ayatollahs.

Von der Aktion bekommt aber auch ein Whistleblower Wind, der in einem Zeitungsartikel die geheimen CIA-Firmen benennen will. Nicht nur dies stellt eine enorme Gefahr für die beteiligten Agenten im Nahen Osten dar. Denn der iranische Geheimdienst hört die eher wenig geschützten Telefonate ab und weiß ziemlich schnell, wen er im eigenen Land aufspüren muss.

Harris ist da schon halb auf dem Weg nach London, kehrt aber für einen neuen Job noch einmal zurück. Zu spät erfährt er, dass er namentlich und mit Steckbrief gesucht wird. Nicht nur von den Iranern. Auch der pakistanische Secret Service mischt mit und zudem noch einige Warlords. Den aktuellen Auftrag kann der Geheimdienst-Mann also vergessen. Überleben ist nun alles. Doch der Flug in die Freiheit findet von Kandahar aus statt, wo die Briten letzte Soldaten und ein paar Zivilisten heimbringen wollen. Die Stadt im Süden Afghanistans ist aber mehr als 400 Kilometer von Toms aktuellem Standort entfernt. Eine abenteuerliche Flucht beginnt.

Kein neues Afghanistan-Trauma

Entwarnung. „Kandahar“ ist nicht eine erneute Traumabewältigung des Afghanistan-Fiaskos. Der Titel scheint eher aus der Not geboren, weil den Filmemachern offensichtlich nichts Besseres eingefallen ist. Denn die drittgrößte afghanische Stadt ist ja nur der Zielpunkt und hat entsprechend wenig Bildschirmzeit. Territorial gesehen spielt sich der größte Teil der Handlung irgendwo im Nirgendwo zwischen Iran und Afghanistan ab. Die Wüste beherrscht das Bild.

Kandahar. Gerard Butler auf der Flucht durch Afghanistan.

Leonine

Hier lässt es Ric Roman Waugh dann ordentlich krachen. Gerard Butler als taffer SpecOp-Agent scheint mal wieder jeder Lebenslage gewachsen. Ob im klapprigen Jeep, in totaler Dunkelheit oder in Angesicht von Warlords, sein Tom verliert nie Überblick oder Zuversicht. Und das will schon was heißen, angesichts der Verfolger. Denn neben den Iranern mischt auch der pakistanische Geheimdienst mit und hat einen ziemlich taffen Agenten am Start, der seinen Job vor allem vom Motorrad aus versieht. Und dann sind da noch diverse Gruppen von Taliban bis Islamischer Staat - kurzum alles, was in der Gegend kriegerisch unterwegs ist.

Hollywoods neue Action-Spielwiese

Waugh muss man dabei zugutehalten, dass er ziemlich locker die Beziehungen, Verflechtungen und auch Feindschaften im Dreiländer-Eck handlungsseitig umzusetzen vermag. Schon hieraus ist ersichtlich, dass Hollywood ein ehemaliges und aktuelles Krisengebiet offensichtlich als neue Action-Spielwiese auserkoren hat. Das wiederum erinnert in der Gesamtanlage sehr an „Three Kings“, das nach dem ersten Golfkrieg im Irak angesiedelt war.

Amerikanische Sichtweise

Butler alias Harris fährt, schießt und kämpft sich also nun in Begleitung eines Exil-Afghanen durch in jeder Beziehung unwirtliche Landschaft. Dabei deckt er einige Denk- und Verhaltensweisen aller Seiten in diesem und vorherigen Konflikten auf und darf auch mal moralisieren. Am Ende dann allerdings obsiegt doch die sehr amerikanische Sichtweise auf die Gesamtsituation, die mit einem standesgemäßen Feuerwerk zu verstehen gibt: Wir sind zwar nicht mehr persönlich vor Ort, haben die Lage aber jederzeit im Griff, wenn wir es wollen. Kann man so sehen, muss man aber nicht.

Kandahar

Genre: Action; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 119 Minuten; Verleih: Leonine; Regie: Ric Roman Waugh; Farhad Bagheri,Gerard Butler, Vassilis Koukalani; USA 2023