Heimkino Beamer Test
: Formovie Theater - wirklich Kino-Atmospähre für jeden Raum?

Nach den USA schafft es der Formovie Theater nun nach Europa. Ob der Hype um den Laserprojektor gerechtfertigt ist, zeigt unser Test.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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Wenn Größe wichtig ist. Fürs Kino zuhause bis zu vier Meter Bilddiagonale.

Formovie

Kino - dafür werden Filme gemacht. Mit diesem Spruch klopfte sich Hollywood Jahrzehntelang selbstbewusst auf die Brust. Streaming hat mittlerweile an diesem Mythos mächtig geknabbert. Neue Gefahr fürs „Lichtspieltheater“ droht nun auch von Kurzdistanz-Beamern, die in den heimischen vier Wänden in der Relation locker kinotaugliche Leinwand-Diagonalen ermöglichen.

Während echte Film-Enthusiasten schon seit Jahren auf den Projektor als Wiedergabequelle setzen, schreckte den Gelegenheits-Zuschauer sowohl Preis als auch Langlebigkeit der Lichtquelle und nicht zuletzt eine komplizierte Installation ab. Alles Schnee von gestern. Beamer sind längst plug&play, transportabel und nicht zuletzt meist mit Android-TV ausgestattet, sodass sie selbst dem herkömmlichen Fernseher Konkurrenz machen können.

Eine durchaus gelungene Kombi aus Kino, TV und Beamer stellen nun die Ultra-Kurzdistanz-Projektoren dar. Statt LEDs als Lichtquelle nutzen sie Laser und ermöglichen damit eine Aufstellung unmittelbar vor der Leinwand. Damit steht nichts mehr im Zimmer rum, ärgern keine quer verlegten Kabel. Schon ab einer Entfernung von 14 Zentimetern projiziert so der Formovie Theater eine „Bildschirmdiagonale“ von 80 Zoll. Das sind knapp satte zwei Meter und damit deutlich mehr als der Durchschnitt, den TVs in deutschen Wohnzimmern bieten. Vergrößert man den Abstand auf immer noch schmale 49 Zentimeter, erreicht die Projektionsfläche mit 150 Zoll oder 3,81 Metern ihr Maximum. Angesichts des Sehabstandes von rund drei Metern in normalen Wohnräumen dürfte das Kinofeeling pur entsprechen.

Erstmals mit Dolby Vision

Zudem bleibt auch bei dieser Größe das Bild knackscharf. Denn das Gerät, entstanden aus einer Kooperation von Appotronics Corporation und Xiaomi Technology, nutzt die von Appotronics entwickelte Advanced-Laser-Phosphor-Display-Technology, die bei 90 Prozent aller Geräte auf dem Markt zum Einsatz kommt. In der Ausbaustufe 4.0 werden dabei rund 107 Prozent des Rec2020-Farbraums abgedeckt, der als Standard für 4K/8K-Wiedergabegeräte eingeführt wurde. So ist der Theater in der Lage, etwa 75 Prozent des sichtbaren Farb-Spektrums dazustellen. Nicht zuletzt ist der Formovie der derzeit einzige Beamer, der mittels Dolby Vision das Bild optimiert.

Formovie Theater. Kompaktes Äußeres, fast vier Meter Bilddiagonale.

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Soviel zur bunten Theorie. In der Praxis kommt der Laser-Beamer mit knapp zehn Kilo daher und ist damit fast schon ein Leichtgewicht im Vergleich zu älteren Geräten gleicher Bauart. Auch die 55 mal 35 Zentimeter Aufstellfläche lassen eine bequeme Platzierung auf gängigen Lowboards zu. Trotz der nur elf Zentimeter Bauhöhe wirkt der Theater dennoch wuchtiger, als er es den Maßen nach ist. Wie eingangs erwähnt kommt der Beamer defacto plug&play aus der Kiste. Mittels Android-Smartphone ist er binnen weniger Minuten am Netz und einsatzbereit. Der Erstkontakt hält dann allerdings ebenso einen kleinen Dämpfer bereit. Dass die Fernbedienung so aussieht, wie mittlerweile alle, ist noch verzeihlich. Die billige Plaste-Ausführung dagegen nicht. Und auch das Pairing gestaltet sich aus unerfindlichen Gründen umständlich bzw. dauert länger, als der vorherige Einrichtungsprozess.

Gute Leinwand muss sein

Auch fürs Bildsetup muss etwas Geduld mitgebracht werden. Anders als seine LED-Kollegen bietet der Formovie hier keine automatische Trapezkorrektur. Allerdings ist die händische Einstellung über wahlweise grobe vier oder acht Referenzpunkte einfach und sehr genau. Und da auch ein Bildzoom fehlt, muss die Größe der Wiedergabe-Diagonale, wie erwähnt, über den Abstand zur Projektionsfläche erreicht werden. Unterm Strich bedeutet dies, dass man Aufstellungsort und Umgebung so wählen sollte, dass der Theater später möglichst nicht mehr verrückt werden kann. Sonst beginnt man beim nächsten Filmabend die ganze Einrichtungsprozedur von neuem. Allerdings spricht noch ein anderes Muss gegen einen steten Wechsel des Standortes. Da der Beamer aus kürzester Entfernung und von unten das Bild auf eine Fläche projiziert, werden an diese besondere Anforderungen gestellt. Erhebungsfrei und plan sollte sie sein. Raufasertapete eignet sich daher ebenso wenig wie eine normale Roll-Leinwand. Am Ende bleibt wohl nur eine spezielle Spannleinwand im Rahmen, die man ob ihrer möglichen Größe ohnehin fest montieren muss.

Anschlüsse satt. HDMI, USB sowie LAN, für den Ton geht es per Klinke oder optisch raus.

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Die hätte dann zudem den Vorteil, dass die Beschichtung nochmals die Farbbrillanz des Bildes erhöht. Mit seinen 2800 ANSI Lumen wartet der Projektor zwar ohnehin schon mit sehr großer, an der Wiedergabefläche gemessenen Helligkeit auf. Dennoch erreicht man eine weitere Verbesserung der Darstellung vor allem durch Dunkelheit und eben besondere Untergründe. Bei Tageslicht ist die Ansicht durchaus ok, doch erst, wenn andere Lichtquellen eliminiert sind, läuft das Bild zur Höchstform auf. Der Theater nutzt dabei einen RGB+ Laser, dem ein zusätzlicher gelber Kanal spendiert wird, der die sonst typischen RGB-Artefakte an den Rändern soweit möglich verhindert. Bedenkt man zudem, dass das Bild via Pixelshift-Technologie hochgerechnet wird, also nicht natives UHD ausgibt, überzeugt das Ergebnis in jeder Beziehung. Auch an Bewegungsunschärfen arbeitet der CPU hervorragend, sodass man zum Formovie ebenso greifen kann, wenn Sportsendungen geschaut oder gezockt werden soll.

Soundbar von Bowers & Wilkins

Welche Inhalte auch immer gewünscht sind, zum großen Bild gehört großer Ton. Der Theater hat eine Soundbar von Bowers&Wilkins verbaut, deren Lautsprecher zu den weltweit besten gehören. Hier kommen zweimal 15 Watt sowie zwei Tweeter zum Einsatz, was für die normale Nutzung völlig ausreichend ist. Die Dolby Atmos Zertifizierung ist dabei allerdings eher ein Fakt für die Galerie, denn in ein spezielles System lässt sich der Formovie nicht einbinden. Über die Einstellung kann der Klang in bestimmten Bereichen zwar gepimpt werden, aber eine echte 3.-, 5.- oder 7.1-Anlage ist hiermit nicht zu ersetzen.

Kinofeeling. Lebensgroße Darstellung in den eigenen vier Wänden.

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Der moderne Smart-TV dagegen schon. Denn Formovie bietet den derzeit einzigen Laser-Beamer mit zertifiziertem Android 11.0 TV. Insider allerdings wissen jetzt sofort, bei dieser Ausbaustufe fehlt noch Netflix. Alle andere Streaming-Größen sind mit an Bord. Wer auf den Primus nicht verzichten will, muss also eine externe Lösung finden. Mit drei HDMI-Anschlüssen sind zumindest genügend Eingänge für externe Quellen vorhanden. Auch USB fehlt nicht, allerdings nur als 2.0, was wohl in Sachen Datentransfers auf 4K zu einem Flaschenhals werden dürfte. An Ausgängen stehen für den Ton sowohl eine Klinke als auch ein optischer zur Verfügung, was den Theater problemlos in eine große Anlage als Quelle - Stream - einbinden lässt. Die Darstellung von UHD-Material beispielsweise von Prime Video ist hervorragend, soweit die eigene Online-Anbindung genügend Bandbreite zur Verfügung stellt. Auch Sport, wie beispielsweise Fußball, wird auf Maximalgröße bestens wiedergegeben, Unschärfen bei Bewegungen haben wir nicht festgestellt. Last but not least stellt auch der Anschluss einer Gaming-Konsole den Formovie nicht vor Probleme. Einzig das Feintuning fürs Bild sollte man für jede Quelle getrennt vornehmen und entweder auf Presets zurückgreifen, besser aber noch nach eigenen Vorlieben an den vorhandenen Stellschrauben drehen, bis alles passt.

Viel Kino fürs Geld

Zusammenfassend muss man sagen, dass der Formovie Theater in Sachen Bildqualität und Größe derzeit seinesgleichen sucht. Fast vier Meter maximale Diagonale ermöglichen lebensgroße Darstellungen und bringen echtes Kino-Feeling ins Heim. Dafür braucht es allerdings einiges an Vorbereitung. Die Projektionsfläche muss hohen Anforderungen genügen und schlägt damit auf die Gesamtkosten drauf. Die liegen mit über 3000 Euro für den Laser-Beamer ohnehin schon sehr hoch. Zusammen mit einer tauglichen Leinwand ist der User schnell bei 4000 Euro. Allerdings muss man das relativ betrachten. Denn Geräte aus dem Profibereich, die ähnliche und bessere Bildqualität bieten, kosten ein vielfaches. Ebenso OLED-TVs mit annähernden Bildgrößen - soweit überhaupt möglich. Wer also auf hohem Niveau kinotauglich zu Hause Filme schauen, Serien streamen oder Games zocken will, kommt am Theater nicht nur wegen der dünnen Marktlage nicht vorbei. Das Fehlen von Netflix derzeit - womöglich gibt es ein Android-TV-Update - ist ärgerlich. Aber wer es wirklich will, nutzt dafür einen externen Zuspieler.

Den Formovie Theater gibt’s derzeit im Bundle mit der firmeneigenen ALR-Leinwand für rund 4200 Euro, kein Schnäppchen, aber für Beamer- und Heimkinofans sicher eine Überlegung wert.

Formovie Theater Test-Fazit

Knapp 3500, mit vernünftiger Leinwand weit über 4000 Euro für einen Beamer sind eine ordentliche Stange Geld. Dafür kann man fast täglich ein Jahr lang ins Kino gehen. Andererseits bringt der Laser-Beamer das Kino in die eigenen vier Wände, mit riesiger Diagonale und beeindruckendem Bild. Film, Serie, Spiel - alle Quellen werden qualitativ sehr hochwertig wiedergegeben. Dazu gibt’s guten britischen Sound von B&W. Und mit 20 000 Stunden Lebensdauer der Lasereinheit ist wiederum jeden Tag ein Film drin, 13 Jahre lang. Es ist eben alles relativ im Leben.

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