HiFi Test R810: Ruark – echt britischer Musikstil

Musiktruhe 2.0. - Ruark R810 bescheidener Auftritt, großer Klang.
Ruark/Oliver Perrott- Ruark, ein britisches Familienunternehmen, hat die Musiktruhe neu interpretiert und die R810 vorgestellt.
- Die R810 kombiniert Retro-Design mit moderner Technik, bietet UKW, DAB, Bluetooth und mehr.
- Ein 200-Watt Class-A/B-Verstärker und fünf Treiber sorgen für herausragenden Klang.
- Die kleine Schwester R410 bietet ähnliche Features zu einem niedrigeren Preis.
- Beide Modelle sind ideal für HiFi-Liebhaber und als Soundbar nutzbar.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Vor knapp 100 Jahren waren sie das Schmuckstück eines bürgerlichen Wohnzimmers. Die Musiktruhe, manchen noch als Musikschrank bekannt. Sie zeigte, dass der Eigner mit der Zeit ging und sich solch neumodisches Zeug auch leisten konnte. Das Radio war gerade erfunden, der Schellack-Plattenspieler auf ein handliches Maß geschrumpft. Beides zusammen, mit einer mehr oder minder großen Anzahl an Lautsprechern, wurde in einem Möbelstück verbaut. Fertig war die erste Kompakt-Anlage.
Neue Möglichkeiten der analogen Musik wie Stereo sowie der Siegeszug des UKW-Radios nach dem II. Weltkrieg ließen die Produktion von Musiktruhen vor allem in den 1950-er Jahren in die Höhe schnellen. Auch, weil sie preislich beim Jedermann angekommen waren.
Aufnahmegeräte von Tonband bis später Kassette vervollständigten das Innenleben. Spätestens in den 1960ern hatte jeder so ein Ding, wenngleich es unterschiedliche Ausführungen gab. Die ersten Stereoanlagen mit separat aufstellbaren Lautsprechern leiteten jedoch dann das langsame Sterben der Musiktruhe ein, die ab dem Ende der 1970er dann keine Rolle mehr spielte.
Ein Familienunternehmen von der Südküste Englands lässt sie nun wieder auferstehen. Ruark wurde gegründet, als HiFi in den 1980ern neue Wege ging. "Aber die Prinzipien dessen, was ein großartiges Musiksystem ausmacht, sind dieselben geblieben", bekennt man sich zu den Wurzeln. Die moderne Interpretation all dessen ist die R810, von Ruark als High Fidelity Radiogram bezeichnet. Und wie man es auch dreht, sie ist zurück, die Musiktruhe.
Radiogram R810 - Erscheinungsbild
Schon das erste Aufeinandertreffen holt die Vergangenheit in die Zukunft. Denn der Auftritt ist allein der 27 Kilogramm wegen ein gewichtiger. Die Engländer setzen hier ein Statement, das bei den Äußerlichkeiten beginnt. Handgefertigte Gitter und die furnierten Gehäuse aus nachhaltig produzierten Hölzern, dazu präzise geformte Zierleisten und polierte Chromständer.
Auf den ersten Blick will die R810 ein Möbelstück sein. Eines, das auffällt. Im Gegensatz zu den Urvätern jedoch sind die Ausmaße deutlich bescheidener. Einen Meter in der Breite, 40 Zentimeter in der Tiefe und lediglich 15 Zentimeter hoch, mit Chromständer insgesamt dann 65. Da fragt man sich überrascht, wo denn die vielen Kilogramm herkommen.

R810. Die Wiedergeburt der Musiktruhe, mit und ohne Chrom-Unterteil.
Ruark/Oliver PerrottEinen Hinweis liefern die vergleichsweise großen Alu-Kühlrippen auf der Rückseite. Denn im Innern herrscht nicht digitale Gegenwart, sondern eher analoge Vergangenheit bei der Aufarbeitung des Musikmaterials. Es kommt ein 200-Watt starker Class-A/B-Verstärker zum Einsatz. Dieser leitet die Signale an insgesamt fünf Treiber. Zwei Seiden-Tweeter, zwei 100-mm-Tief-Mitteltöner sowie ein 200 mm Subwoofer. Im Prinzip klassisches Stereo in einem 4.1-System angelegt und dazu ultrakompakt.
Vom Design her also echt retro, mit zwei Ausnahmen. Zum einen prangt in der sauber gearbeiteten und hochwertig anmutenden Front etwas links der Mitte ein 4 Zoll Farb-TFT Display. Auf der wahlweise seidenmatten weißen oder dunkel furnierten Oberfläche ist ein Multifunktions Dreh- und Drück-Bedienelement eingelassen. Warum Anzeige und Steuerung seitlich versetzt zueinander angeordnet wurden, erschließt sich nicht wirklich. Vielleicht waren die klaren Kanten und Grund-Formen den Designern zu viel an Symmetrie.

R810 nicht immer symmetrisch. Das Display ist links von der Mitte, das Steuerrad gibt es auch als BT-Fernbedienung.
Ruark/Oliver PerrottMusiktruhe R810 - Anschlussmöglichkeiten
Wenn die Musiktruhe 2024 so schlank daherkommen kann, liegt das mit daran, dass im Vergleich zu den Urvätern an Quellen eigentlich nur noch das Radio enthalten ist. Alles andere wird zugespielt, analog, digital und natürlich ebenso kabellos. Am Ende ist das Angebot an Möglichkeiten um ein etliches größer als in der Geschichte.
Für manchen wichtig, UKW ist möglich, eine entsprechende Teleskopantenne hält hier optisch die Verbindung zur Vergangenheit, dient aber auch dem Empfang von DAB. Alle anderen kabelgebundenen Quellvarianten werden über entsprechende Eingänge an der Rückseite eingespeist. Berücksichtigt wurden: Phono für MM-Tonabnehmer, RCA/Chinch, optisch, HDMI (eARC) und USB-C.
An letzteren würde beispielsweise ein CD-Laufwerk passen für alle, die noch auf die Silberscheibe setzen. Dass auf digital-coaxial verzichtet wurde, ist angesichts der lichtgeleiteten Möglichkeit verkraftbar. Nicht zuletzt wartet noch eine LAN-Buchse für die Vernetzung mit dem lokalen Netzwerk.

R810 - Anschlüsse satt auf der rechten Seite. Die Kühlrippen sorgen beim Class-A/B-Verstärker die die richtige Arbeitstemperatur.
Ruark/Oliver PerrottKabellos kann via Bluetooth zugespielt werden oder mit dem eingebauten Chromcast. AirPlay ist mit an Bord und ebenso vorinstalliert Spotify und Tidal. Mit dem R810 ist man in der Lage, einen Musik-Server zu steuern. Und dann ist da natürlich Internet-Radio in einer Vielfalt an Auswahl und Sortierungen, die dem Angebot gerecht wird.
Am Ende stehen satte 14 verschiedene Eingangsmöglichkeiten zur Wahl. Mehr geht eigentlich nicht. Durchs Menü hangelt sich der Nutzer über den Punkt "Audioquellen". Wie generell wird per Drehrad gescrollt und mit einem kräftigen Druck auf die Mittelfläche ausgewählt.
R810 - Steuerung mit und ohne App
Bei all den nutzbaren Quellen und Möglichkeiten von deren Einbindung fällt fast unter den Tisch, was es nicht gibt. Eine App nämlich. Tatsächlich hat sich Ruark diese Mühe nicht gemacht und setzt auf das, was eingebaut ist. Für die Steuerung aus der Ferne dient eine dem fest installierten Drehrad gleiche BT-Fernbedienung. Allerdings limitiert die Größe des TFT-Displays die wirklich nutzbare Einsatzrange, weil man irgendwann schlichtweg nichts mehr sieht.
Aber für laut/leise muss sich niemand aus dem Sessel erheben, egal wo der steht. Ansonsten nutzt man, was auf digitalen Endgeräten als App der einzelnen Streaming-Anbieter vorhanden ist und spielt über genannte Weisen zu.
Zudem lassen sich, Quellen unabhängig, Presets speichern, die über einen eigenen Knopf am Regler aufgerufen werden können. Und beim Internet-Radio hilft der Verlauf, über die Favoriten-Sicherung hinaus, Sender auf die Schnelle wiederzufinden. Am Display werden je nach Wunsch, Name der Quelle, wenn vorhanden entsprechende Logos - Internet-Radio - oder eine Grafik, hier Kunstwerk genannt, dargestellt.
R810 - So klingt die Musiktruhe von heute
Tolles Design, Zuspieler so weit das Auge reicht - am Ende des Tages zählt bei einem HiFi-Möbel aber wohl vor allem, wie es klingt. Und hier ist die R810 nicht nur eine Überraschung, sondern auch eine Offenbarung. Die Engländer bieten in den Einstellungen einen Punkt Stereo+, an dem unbedingt ein Haken zu sehen sein sollte. Puristen mögen jetzt die Nase rümpfen, weil dafür im Hintergrund ein ausgeklügeltes DSP werkelt.
Aber wie sonst soll man aus einem vergleichsweise kleinen Kasten so eine Bühne, so eine Kraft, so eine Dynamik herausholen. Unten herum sorgt ein echter Bass für ein festes Fundament, für das dem System über mehrere Öffnungen an der Unterseite Luft zugefächelt wird.
Der Subwoofer-Ausgang scheint somit eigentlich überflüssig. Eine optimale Stereobasis von mindestens zwei Metern verortet die R810 somit in die Archive. Die Briten bekommen das mit einem ausgeweiteten Sweetspot und kluger Anordnung unter Zuhilfenahme genannten Prozessors in Raumbreite hin.

R810 - je höher die Dateiauflösung, desto besser der Sound. Tidal und Spotify sind builtin.
Ruark/Oliver PerrottDennoch sind die Ruark-Ingenieure keine Zauberer. Will sagen, je hochwertiger die zugespielten Signale, desto besser der Sound. Wenn also MP3 mit bis zu 48 kHz bei 320 kpbs anliegen, klingen die zwar gut, sind aber kein Vergleich zu den möglichen 24 Bit, 192 kHz, die FLAC- oder WAV-Dateien bieten. Das ist bester HiREs-Audio-Standard. Wer kann, sollte also immer schauen, dass die höhere Auflösung zur Verfügung steht.
Den Vergleich kann jeder und schnell ziehen, indem einfach die Lautstärke erhöht wird. Beim UKW-Radio darf fast der Maximalpegel der R810 ausgenutzt werden, während schon bei hochauflösendem Internet-Radio bereits bei der Hälfte Discotheken-Niveau erreicht wird. Dabei ist natürlich Lautstärke nicht gleich Volumen und Klang. In dieser Beziehung gilt oben gesagtes, je besser das Signal, desto...
R810 - Musikhören und mehr
Aufbau und Design der R810 lassen über das reine Musikhören hinaus Einsatzmöglichkeiten zu. Die Engländer haben auf der Rückseite vorgesehen, über eine Standardhalterung einen Monitor bzw. TV zu montieren. 40 Zoll Maximal-Diagonale passen größenseitig am besten, gleichwohl das designseitig nicht jedermanns Geschmack sein dürfte.
Ebenso wenig die optional unten anzubringende Ebene, auf der beispielsweise ein CD-Laufwerk und/oder das Apple-TV platziert werden könnte. Der HDMI-Eingang mit Rückkanal-Möglichkeit ist aber ein deutlicher Hinweis darauf, das Radiogram eben als wie auch immer gelagerte Soundbar zu nutzen. Gerade Besitzer von Nahdistanz-Beamern wissen ganz sicher die deutliche Aufwertung ihres Tons zu schätzen.
Wie der stolze Eigner die vergleichsweise große leere Fläche an der Oberseite nutzt, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen. Ruark selbst gibt keine Hinweise zu einer Maximal-Belastung. Und noch etwas vermissen wir: Die R810 tritt nur als Empfänger auf, nicht als Sender. Freunde von Kopfhörern gehen somit leer aus. Es gibt keine Buchse für eine kabelgebundene Variante und via Bluetooth ist ebenso wenig senden möglich.

Multifunktional. An der R810 kann ein Monitor sowie ein Mini-Rack angebracht werden.
Ruark / Oliver PerrottMusikschrank R810 - Vor- und Nachteile
Design, Sound, Quellen-Nutzbarkeit - all das begeistert ohne Einschränkungen. Wer raumfüllendes Stereo in bis zu HiRes-Qualität sucht und auf einfache Bedienung steht, sollte sich die R810 anschauen. Vor allem, wenn man die Möglichkeit einer hochwertigen Soundbar ins Kalkül zieht oder nach einem HiFi-Solitär Ausschau hält.
Letzteres macht allerdings u.U. die Suche nach einem geeigneten Aufstellungsplatz nicht einfacher, da nicht nur auf die Optik, sondern ebenso auf die soundseitigen Auswirkungen Rücksicht genommen werden sollte. Eines allerdings dämpft ein wenig die Euphorie: der Preis. 3700 Euro rufen die Engländer auf. Das ist mal eine Ansage. Auch wenn die Forderung in Anbetracht aller genannten Qualitäten gerechtfertigt erscheint, wird dem zeitlosen Musikmöbel damit leider der Weg zum Massenmarkt verwehrt bleiben.
R410 - Die Alternative
HiFi-Freunde, die vom Aussehen her begeistert sind und soundmäßig nicht auf HiEnd schielen, sollten sich vielleicht eine Nummer kleiner anschauen. Mit der R410 hat Ruark ein All-In-One-Musiksystem im Portfolio, das für weniger als die Hälfte des Preises viele Gene der großen Schwester mitbringt.
Kalotten und Tief-Mitteltöner sind ähnlich, statt eines Woofers sorgt ein Bassrefelx-Gehäuse fürs Fundament. Verstärkt wird rein digital mit bis zu 120 Watt. Für ausgewogenen Klang sorgt ebenfalls ein DSP.
In Sachen Auflösung und Connectivität hat das Kleine sogar die Nase vorn. Es geht bis zu 32Bit / 384kHz hinauf und unterstützt wird aptX HD Bluetooth. Die restlichen Features sind gleich, ebenso Design und Material-Anmutung. Es fehlt allerdings der Ständer und somit die Ausbaumöglichkeit in Sachen Monitor und Laufwerk.
Und das R410 ist natürlich kein Hifi-Möbel im klassischen Sinne mehr. Allerdings ist aufgrund der noch kompakteren Größe die Platzierung um einiges einfacher. Soundtechnisch überzeugt es ebenso, gleichwohl natürlich Abstriche in Sachen Volumen und Breite der Bühne gemacht werden müssen. Faktoren, die bei gleichzeitiger Verkleinerung des Hörraumes aber kaum noch eine Rolle spielen dürften.

Kleine Schwester. Die R410 bietet die gleichen Features bei abgespeckter Soundausstattung und immer noch tollem Klang.
Ruark/Oliver PerrottRuark R810 / R410 - Test-Fazit
Die Briten haben mit der R810 die Musiktruhe in zeitgemäßer Form, Vielfalt und Qualtität wieder auferstehen lassen. Design, Qualitätsanmutung und Sound sind State of the Art. So kompakt so viel Musik erlebt man wirklich selten. Darüber hinaus passt das Radiogram zu jeder erdenklichen Quelle und eignet sich zudem als Soundbar für TV oder Beamer. Last but not least ist es ein zeitloses Möbelstück.
Das alles hat einen happigen Preis. Den mehr als halbiert, wer mit einer Nummer bescheidener in den Ausmaßen und reiner digitaler Musikverarbeitung gut leben kann. Im vergleichsweise kleineren Rahmen arbeitet die R410 keineswegs schlechter, löst sogar höher auf und bietet HiRes-Bluetooth. Die Bedienung beider Geräte ist Dank der kompakten und intuitiven Steuerung hervorragend. Beide sind ein perfektes Beispiel für echten british way of sound.
