Kopfhörer Test: Open Rock - Kopfhörer mal anders

OpenRock Pro. Kopfhörer für alle, die sich zwischen In- und OverEar nicht entscheiden können.
OneOdioDie einen zu klobig oder zu warm, die anderen zu klein oder sie passen nicht richtig. Wer an OverEar- oder InEar-Kopfhörern etwas auszusetzen suchte, fand auch etwas. Aber im Prinzip war die Welt des mobilen Musikhörens in Ordnung. Kein Grund für OneOdio, doch neue Wege zu gehen und eine Mixtur aus beiden Systemen zu erschaffen.
Wobei, neu ist relativ. Erinnert sich noch jemand an die BT-Headsets, die schwer angesagt waren, solange Freisprecheinrichtungen im Auto noch nicht zur Serienausstattung gehörten? Mehr oder weniger große Balken, die mit einem Bügel hinters Ohr geklemmt wurden und leidlich erträglich bis gut Gespräche via Blutetooth vom Handy aufs Ohr übertrugen.
Die OpenRock Pro von OneOdio erinnern im Grundkonzept an längst vergangen geglaubte Zeiten. Und sie sehen auf den ersten Blick auch so aus. Wenngleich man den Chinesen bescheinigen muss, bei der Designsprache mehr als modern daherzukommen. Ein vielleicht etwas groß geratenes silbernes Ei, das Korallenfarben innen ausgeschlagen ist, gibt den Blick frei auf zwei durchaus voluminöse Bügel, an deren Ende sich besagte Balken befinden. Die kommen allerdings im Vergleich zur Vergangenheit eher filigran daher. Und die silberglänzende Platte mit dem Firmenlogen kann man durchaus als Blickfang bezeichnen. Den ersten Preis fürs coole Outfit jedenfalls haben die Hörer in dieser Konfiguration schonmal gewonnen.
Sitz nahezu perfekt
Wie bei allen ähnlich konstruierten Headphones ist das erste Aufsetzen ein wenig fummelig, wobei ein Silikonstück zwischen Bügel und Höreinheit genügend Spielraum für individuelle Anpassungen lässt. Sitzen die Hörer erst einmal, hat man fast schon vergessen, dass sie da sind. Nur 13 Gramm pro Seite, das kann vernachlässigt werden. Und auch die Passform trägt zum Gefühl „so gut wie nicht da“ bei. Anders als bei der In- bzw. Over-Ear-Konkurrenz gibt es auch über längere Zeit keinerlei Gefühl, dass sich da um die Ohren herum ein Fremdkörper befinden könnte. Kurzum, Komfort nahezu perfekt. Mit Ausnahme von Brillenträgern. Denn die Bügel der Brille liegen normalerweise genau da auf, wo sich nun ein Teil der OpenRock befindet. Zwar wird weder der Sitz der Sehhilfe noch der Kopfhörer dadurch beeinflusst, gewöhnungsbedürftig ist es trotzdem.

OpenRock Pro. Am Ohr, statt drin oder drauf.
OneOdioDie Lauscher werden zur relativ neuen Kategorie der Open-Ear gerechnet, die, wie gesagt, ein Zwischending von In- und OverEar darstellen und eben auch nicht über Knochenschall arbeiten. Im Prinzip wird ein Lautsprecher direkt vor dem Ohr platziert, der Schall dann über die Luft in den Gehörgang transportiert. Aufgrund der Bauweise passen auf jede Seite vergleichsweise große 16,2 Millimeter Treiber ins Gehäuse. Zwangsläufig allerdings geht auf dem offenen Luftwege dann wiederum Sound oder auch Dynamik verloren. Das hat, je nach Einsatzzweck, Vor- und Nachteile.
Umgebung stets mit dabei
Alle jene, die beim Sport, im Büro oder Outdoor von ihrer Umgebung etwas mitbekommen wollen oder müssen, sind mit den OpenRock auf der sicheren Seite. Noise Cancelling, wie man es kennt, findet weder passiv noch aktiv statt. Und auch beim Telefonieren oder in Online-Meetings ersetzt die offene Bauweise das sonst verwendete Mic-Mintoring. Der User hört seine eigenen Stimme ungefiltert und kann so die Lautstärke perfekt anpassen. Insofern eignen sich die Lauscher sehr gut für die Hintergrundbeschallung. Wer jedoch ausschließlich auf die Musik abfährt und die Umgebung möglichst außen vor lassen will, wird mit den Hörern nicht wirklich glücklich. Nicht nur, weil eben Umgebungsgeräusche komplett wahrnehmbar sind, sondern auch, weil die reine Qualität des Sounds gerade bei den Details nicht mit gleichwertigen geschlossenen System mithalten kann. Die Wiedergabe ist durchweg gut, auch die Bühne sehr ordentlich. OneOdio hat sich aber hauptsächlich auf die tiefen Frequenzen konzentriert, weil deren offene Übertragung weniger störanfällig ist als die der hohen Töne. Bei jenen hat der OptenRock nach unserem Dafürhalten schon Defizite gegenüber vergleichbaren Modellen anderer Bauart. Zudem gibt es auch keine App, über die ggf. soundseitig nachjustiert werden könnte.
Knopf statt App
Die Open Ear Hörer werden ausschließlich über einen Multifunktionsknopf auf jeder Seite bedient, also Lautstärke, Titelsprung, Anruf annehmen, Sprachassi auf dem Handy starten. Der Knopf ist einfach zu erreichen, die Steuerung über diesen easy. Gleiches gilt fürs Pairing via Bluethooth 5.2. In der gesamten praktischen Handhabung sind die Kopfhörer also unauffällig. Zudem trotzen sie dank IPX5-Zertifizierung nicht nur Staub, sondern auch Wasser, sind also problemlos draußen einsetzbar. Und das sogar sehr lange. Für 19 Stunden hält der eingebaute Akku sie am Leben, zusammen mit dem Nachfüllpack in der Box kommt man fast auf zwei komplette Tage Nutzungsdauer am Stück. Das ist echt vorzeigenswert.
Für wen geeignet?
Wie so oft hängt eine Entscheidung für oder gegen die OpenRock Pro vom Einsatzzweck ab. Mit knapp 125 Euro bewegen sich die Open Ears im unteren Bereich der Midrange. Für dieses Geld bekommt man schon gute InEars, bei den OverEars wäre das Budget für vergleichbare Qualität eher knapp bemessen. Wer jedoch aufs reine Musikhören in guter und besserer Qualität abfährt, dürfte nicht so wirklich glücklich werden. Dafür kommt zu viel Umgebung ins Spiel. Alle jene, die genau das beabsichtigen und/oder auch ihre Stimme kontrollieren wollen, sollten sich die Open-Ear-Hörer einmal genauer anschauen. Durchweg gute Sound- und Stimmenqualität und ein wirklich entspanntes Tragegefühl sprechen klar für die OpenRock Pro. Die sind natürlich auch einzeln verwendbar und gar als Headset oder Freisprecheinrichtung fürs Auto nutzbar. Dort darf man sie, im Gegensatz zu allen anderen Kopfhörertypen, auch verwenden.
OpenRock Pro
Als sogenannte Open-Ear-Kopfhörer sind die OpenRock Pro eine Mischform aus In- und OverEars. Sie lassen die volle Umgebungskontrolle zu und sind damit auch als Headset nutzbar. Die Soundqualität ist gut, wird aber natürlich von anderen Geräusche beeinflusst, ebenso der Signalweg vom Schallwandler zum Ohr. Dafür ist das Tragegefühl überragend, gleiches gilt für die wirklich lange Akkulaufzeit.
