Neu auf Vinyl
: Last Minute Geschenk für Boomer

Die Rolling Stones veröffentlichen zum 1. Jubiläum ihr aktuelles Album "Hackney Diamonds" erneut. Zum Geburtstag gibt's es buntes Doppel-Vinyl.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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Hackney Diamonds Release Party in New York. Jagger, Richards, Wood sowie Steve Jordan für den verstorbenen Charlie Watts.

Hackney Diamonds Record Release Party in New York. Jagger, Richards, Wood sowie Steve Jordan für den verstorbenen Charlie Watts.

Universal Music / Kevin Mazur
  • Rolling Stones veröffentlichten ihr Album "Hackney Diamonds" erneut als buntes Vinyl.
  • Das Album erreichte in 19 Ländern Platz 1 der Charts und wurde über eine Million Mal verkauft.
  • Leadsingle „Angry“ wurde bei den Grammys 2024 als bester Rocksong nominiert.
  • Charlie Watts, verstorbenes Gründungsmitglied, spielte noch bei einigen Tracks mit.
  • Die Jubiläumsausgabe enthält eine Aufnahme der Record Release Party in NYC.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Boomer sind derzeit in aller Munde. Die geburtenstärkste Generation Deutschlands, die in den 1960ern das Licht der Welt erblickte. Als Teenager am Ende des Jahrzehnts bzw. dann auch in den 70ern kam wohl niemand von denen an den Rolling Stones vorbei. Den ewigen Konkurrenten der Beatles, die sich mittlerweile den Ruf der dienstältesten Rockband hart erarbeitet haben.

Selbst inzwischen im hohen Seniorenalter mussten Mick Jagger, Keith Richards und Ron Wood 2021 den Tod von Gründungsmitglied und Schlagzeuger Charlie Watts betrauern, mitten in der Produktion eines neuen Albums. Das erste mit aktuellen Songs seit "A Bigger Bang" von 2005.

Entsprechend euphorisch wurde "Hackney Diamonds" im Oktober 2023 aufgenommen, gingen die Bilder von der Record Release Party im New Yorker Racket NYC (dem ehemaligen Highline Ballroom) um die Welt. Nicht nur, weil die alten rollenden Steine eine mehr als ordentliche Performance aufs Bühnenparkett legten, sondern mit illustren Gästen wie Lady Gaga auch die musikalische Neuzeit mit einbezogen wurde.

Hackney Diamonds - Die Rolling Stones wie junge Wilde

Der neue Longplayer schließlich schlug ein wie eine Bombe und erreichte in 19 Ländern weltweit Platz 1 der Charts, fand seit seiner Veröffentlichung über eine Million neuer Besitzer. „Hackney Diamonds“ avancierte so in der DACH-Region sowie in den Niederlanden und Großbritannien zum meistverkauften Album des Jahres. Die Leadsingle „Angry“ schließlich wurde bei den Grammys  2024 als bester Rocksong nominiert und zudem die erste Top-40-Single der Stones in Großbritannien seit 18 Jahren.

Hackney Diamonds - Die Geschichte hinter dem Namen

Mick Jagger und Keith Richards geben unterschiedliche Auskünfte darüber, was Hackney Diamonds bedeutet: So soll es sich im Londoner Slang um das zurückgebliebene Glas a) zerbrochener Autoscheiben (Jagger) oder aber b) einer verunglückten Samstag-Nacht handeln. Erstmals aufgetaucht ist der Name in einer Lokalzeitung als der einer Glaserei, die folgendes Inserat aufgegeben hat: "Our friendly team promises you satisfaction. When you say gimme shelter we'll fix your shattered windows." Eine Aneinanderreihung von Stones-Tracks, s. Titelliste Album.

Woher der Erfolg? Nun ja, weil die alten Herren hier zwölf neue Songs so präsentieren, als würden sie von jungen Wilden eingespielt. Was der Band oft und gern vorgehalten wurde, dass sie über die Jahrzehnte hinweg so wenig wandlungsfähig gewesen sei, erwies sich jetzt offensichtlich als Selling Point. Besagtes "Angry" ist ein typischer Stones-Stampfer, der im Auto ebenso funktioniert wie im Stadion, der mitreist, bei dem man eigentlich nicht stillstehen kann. Und der auch ein Original aus den großen Zeiten der Briten hätte sein können. Gleiches gilt für "Live By The Sword" oder „Sweet Sounds of Heaven“. Ein guter Rocksong ist eben ein guter Rocksong und kennt kein Alter. So wirklich müssen eigentlich beim keinem der Stücke Abstriche gemacht werden, berücksichtigt man einfach auch mal eben unterschiedliche Geschmäcker.

Neues Stones Album - Spuren der Vergangenheit

Nicht zu vergessen natürlich die vielen Verweise in die Vergangenheit. So sitzt tatsächlich Charlie Watts bei einigen Tracks, u.a. „Mess It Up“, noch am Schlagzeug. Und dem Vernehmen nach brachte er höchstselbst Steve Jordan als seinen legitimen Nachfolger ins Spiel. Auch der Rausschmeißer "Rolling Stones Blues" hat eine Geschichte. Von Muddy Waters, einem großen Vorbild Jaggers, 1950 aufgenommen, soll dieser Song der Namensgeber für die Band gewesen sein. Vom epischen „Sweet Sounds of Heaven“ mit Lady-Gaga-Unterstützung geht es übergangslos in den Klassiker. Besser kann man es eigentlich nicht machen.

Der Erfolg gab den rockenden Senioren recht. Mit ihrem neuen Material füllten sie in den vergangenen Monaten während ihrer Hackney Diamonds-Tournee wieder Stadien in den USA. Und auch wenn - wie gefühlt seit 20 Jahren - jedes Stones-Konzert oder Album das letzte sein könnte, irgendwann wird es Realität. Das muss Jagger&Co bewusst geworden sein.

Hackney Diamonds. Buntes Vinyl zum ersten Geburtstag des neuen Albums der Rolling Stones.

Hackney Diamonds. Buntes Vinyl zum ersten Geburtstag des neuen Albums der Rolling Stones.

Universal Music

Hackney Diamonds First Anniversary - Buntes Vinyl zum ersten Geburtstag

Und so feiern sie halt die Feste wie sie fallen. Heuer also den ersten Geburtstag. Zu dem spendieren sie sich und vor allem natürlich den Fans eine spezielle Ausgabe. Die kommt bunt - weiß, mit blauen Einsprenkelungen - und mit 180 Gramm daher, ein wenig wie Kindergeburtstag. Die berühmte Stones-Zunge auf transparentem Vinyl wäre sicher passender gewesen, aber was soll's. Langrille eins ist dabei das originale Hackney Diamonds. Spannend wird es dann auf Scheibe zwei. Denn die bringt nun die legendäre Record Release Party von NYC ins heimische Sounduniversum. Live und vor Publikum werden neben einer Auswahl an neuen Songs ebenso Klassiker geboten. "Shattered" vom legendären 78er "Some Girls" macht den Anfang, gefolgt von "Tumbling Dice", dem ebenfalls nicht weniger ikonischen "Exile On Main Street" entnommen. Und schließlich - natürlich - darf "Jumpin’ Jack Flash" nicht fehlen. Fester Bestandteil jeden Rolling Stones Konzerts seit 1968 und nach "Satisfaction" das vielleicht bekannteste Lied der Briten. Den krönenden Abschluss bildet, wie schon auf Scheibe 1, die Collab mit Lady Gaga und einem schier endlosen "Sweet Sounds Of Heaven".

Die Stones-Platte, die der Boomer immer haben wollte

Dass man den Altersunterschied zwischen den Songs von teils über 50 Jahren in der Performance nicht wahrnimmt, haben die Stones vor allem Andrew Wott zu verdanken. Erst 1990 geboren, hat der Produzent des aktuellen Longplayers geradezu Unglaubliches geleistet und dem neuen Material eine Zeitlosigkeit verpasst, die immer wieder erstaunt. Dazu gesellt sich die wirklich hervorragende technische Umsetzung des Vinyls. Nicht auf Druck, eher auf Balance abgemischt, baut sich zwischen den Boxen eine wirklich breite Bühne auf, die die Musiker sehr schön verortet. Zudem werden viele Details der Instrumente herausgestellt. Man hört die echte Handarbeit. On top ist die Qualität der Pressung ohne Makel. Und am Ende ist "Hackney Diamonds" in dieser Ausführung so die Stones-Platte, die der Boomer immer haben wollte. Die Essenz der Musik, wie sie viele Jahrzehnte lang geliebt worden ist.

The Rolling Stones - Hackney Diamonds (First Anniversary Edition)

2 LP, blaue Vinyl-Ausführung

Universal Music

Gespielt auf TEAC TN-5BB