Neu auf Vinyl: Myrath – Metal in orientalischen Tönen

Myrath. "Wilderness of Mirrors" heißt das neue Werk der Prog-Metal-Band.
Perrine Perez Fuentes- Myrath veröffentlichen „Wilderness of Mirrors“: Prog-/Power-Metal mit orientalischen Melodien
- Album setzt auf Midtempo, Atmosphäre, große Arrangements statt unmittelbarer Wucht
- Highlights: „Until The End“ (Duett mit Elize Ryd), „Les Enfants Du Soleil“, „Still the Dawn Will Come“
- Vinyl: 180-Gramm-LP im Gatefold; klare Abbildung, konturierter Bass, präsenter Gesang
- Live: 08. April 2026 Berlin Frannz Club; 22. September 2026 Hellraiser
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Myrath gehört seit Jahren zu den Bands, die einen sofort erkennbaren Klang entwickelt haben, ohne sich damit in eine Sackgasse zu schreiben. Die Gruppe aus Tunesien hat früh gezeigt, wie sich Progressive Metal, Power Metal, symphonischer Bombast und orientalische Melodieführung so selbstverständlich miteinander verbinden lassen, dass daraus weit mehr entsteht als bloß ein exotischer Anstrich.
Genau das ist auch auf Wilderness of Mirrors wieder zu hören. Dieses Album klingt vom ersten Moment an nach Myrath: nach warmen, geschwungenen Gesangslinien, nach großen Arrangements, nach einer Musik, die ihre Kraft nicht nur aus Härte bezieht, sondern vor allem aus Atmosphäre, Pathos und einem ausgeprägten Sinn für Dramaturgie.
Wer die Band von Alben wie Tales of the Sands, Legacy, Shehili oder Karma kennt, wird sich sofort zurechtfinden. Myrath bedienen weiterhin genau jene Hörer, die Metal nicht nur als Druck und Geschwindigkeit begreifen, sondern als Erzählform. Das ist Musik für Fans von Progressive und Melodic Metal, für Hörer, die eingängige Refrains ebenso schätzen wie technische Klasse, und für die orchestrale Größe kein Makel, sondern ein Mehrwert ist.
Im Hintergrund schimmern immer wieder Namen wie Symphony X, Orphaned Land, Kamelot oder auch die theatralischere Seite des europäischen Power Metal durch, doch Myrath bleiben immer dann am stärksten, wenn sie nicht nach Vorbildern klingen, sondern sich auf ihre eigene Mischung aus Eleganz, Schwere und orientalischer Färbung verlassen.
Wilderness of Mirrors – Zwischen Pomp und Präzision
Gerade deshalb ist Wilderness of Mirrors ein interessantes Album. Es führt den Stil der Vorgänger nicht einfach nur fort, sondern verschiebt die Akzente leicht. Im Vergleich zu Karma wirkt die Platte weniger auf unmittelbare Wucht und weniger auf den schnellen Effekt angelegt. Sie ist nicht härter, nicht aggressiver und auch nicht insgesamt schneller, sondern eher melodischer, symphonischer und stärker im Midtempo verankert.
Das nimmt ihr etwas von der direkten Schlagkraft, gibt ihr dafür aber mehr Raum zum Atmen. Viele Stücke entfalten sich nicht im ersten Anlauf vollständig, sondern gewinnen mit wiederholtem Hören an Kontur. Es ist kein Album, das permanent attackiert; vielmehr will es eine Stimmung aufbauen, Bilder erzeugen und den Hörer langsam hineinziehen.
Am besten funktioniert das dort, wo Myrath die Balance zwischen Pomp und Präzision halten. Es gibt auf dieser Platte mehrere Stücke, die sich recht gut nach Charakter sortieren lassen. Die cineastische, breit aufgefächerte Seite des Albums zeigen vor allem „The Funeral“, „Les Enfants Du Soleil“ und „Edge of the Night“. Hier dominiert das große Format: viel Atmosphäre, viel orchestrale Farbe, starke melodische Bögen und eine fast filmische Wucht.

Myrath „Wilderness of Mirrors“ Vinyl.
earMUSICDem gegenüberstehen Songs wie „Breathing Near the Roar“, „Still the Dawn Will Come“ und „Echoes of the Fallen“, die etwas riffbetonter, dynamischer und stellenweise dunkler wirken. Sie bringen mehr Bewegung ins Album und sorgen dafür, dass die Platte trotz ihres Hangs zum Midtempo nie träge wird. Eine dritte Gruppe bilden die emotional aufgeladenen, stark melodischen Stücke wie „Until The End“, „Soul Of My Soul“ und „Through the Seasons“. Dort liegt der Fokus weniger auf Härte als auf Wirkung, auf Spannung in den Gesangslinien und auf Refrains, die sich festsetzen.
Besonders stark gerät „Until The End“. Das Duett mit Elize Ryd bringt genau jene zusätzliche Farbe ins Album, die dem Song sofort Profil verleiht. Die Stimmen reiben sich angenehm aneinander, ohne dass der Titel in kalkulierten Bombast kippt. „Les Enfants Du Soleil“ gehört ebenfalls zu den Höhepunkten, weil Myrath hier ihre Vorliebe für große Gesten mit einer fast schon erzählerischen Tiefe verbinden. „Still the Dawn Will Come“ überzeugt durch sein Wechselspiel aus Dunkelheit und melodischer Öffnung, während „Through the Seasons“ als Schlussstück noch einmal bündelt, was diese Band so gut kann: Größe, Wärme, Pathos und eine sehr eigene Art von Melancholie. Selbst „The Clown“, zunächst ein kleiner Fremdkörper mit theatralischer und leicht AOR-hafter Note, wächst im Verlauf und rechtfertigt seinen Platz spätestens im Finale.
Wilderness of Mirrors — Reifes Album
Entscheidend für das Gelingen bleibt einmal mehr Zaher Zorgatis Gesang. Seine Stimme ist das Zentrum dieser Musik, weil sie die verschiedenen Schichten zusammenhält. Sie kann dramatisch klingen, ohne überzogen zu wirken, melodisch, ohne beliebig zu werden, und emotional, ohne ins Sentimentale abzugleiten. Gerade auf einem Album wie diesem, das weniger über Tempo als über Atmosphäre kommt, ist das ein enormer Vorteil.
Im Endeffekt ist Wilderness of Mirrors kein radikaler Umbruch und auch nicht zwingend das packendste Myrath-Album auf Anhieb. Aber es ist eines der reiferen. Es setzt weniger auf Attacke und mehr auf Ausarbeitung, weniger auf schiere Wucht und mehr auf Farbe, Stimmung und Fluss. Genau darin liegt seine Qualität. Die Platte will nicht zuerst überwältigen, sondern langsam ihre Wirkung entfalten – und das gelingt ihr über weite Strecken sehr überzeugend.
Die Vinyl-Ausgabe passt dazu: 180-Gramm-LP im Gatefold, mit einer Spielzeit, die sauber auf zwei Seiten verteilt ist. Das ist ein Bereich, in dem manche Schnitte an Punch verlieren – hier bleibt die Abbildung erfreulich stabil: Bass konturiert, Kickdrum klar, Gitarren breit, ohne Zischeln, die Stimme vorn, ohne Schärfe. Auch die großen Chorflächen kippen nicht ins Schrille, sondern behalten Körper. Eine Platte, die nicht nur wegen der Songs, sondern wegen der Art, wie sie atmet, gerne auf dem Teller bleibt.
Myrath: Wilderness of Mirrors
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Live: 08. April 2026 Berlin Frannz Club
22. September 2026 Hellraiser
