Neu auf Vinyl
: Songwriter von Johnny Cash – mit alten Songs zum neuen Album

Mit "Songwriter" ist 21 Jahre nach dem Tod von Johnny Cash eine neue Platte des Man in Black erschienen. Eine Vinyl-Kritik.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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Johnny Cash Songwriter. Neues Album 21 Jahre nach dem Tod des Country Stars.

Johnny Cash Songwriter. Neues Album 21 Jahre nach dem Tod des Country Stars.

Mercury Nashville/UMe

21 Jahre nach dem Tod von Johnny Cash gibt es ein neues Album des Man in Black. "Songwriter" heißt das Werk und enthält tatsächlich Stücke, die der Country-Star vor mehr als drei Dekaden geschrieben hat.

Wenn allerdings Jahrzehnte nach dem Tod eines Künstlers plötzlich neue Werke auftauchen, ist nicht selten von einer Art Leichenfledderei die Rede. Von Jimi Hendrix beispielsweise sind nach dessen frühen Dahinscheiden mehr Alben erschienen als zu Lebzeiten. Bei Cash verhält sich die Sache allerdings anders, wie ein Blick in die Entstehungsgeschichte der elf Tracks zeigt.

Die Aufnahmephase 1993 fiel in eine schwierige Zeit von Cashs Karriere, als er ohne Label war und sich in einer kreativen und beruflichen Sackgasse befand. Um sich und seiner Familie neue Einnahmemöglichkeiten zu erschließen, schrieb Cash neue Songs und spielte Demos davon in den LSI Studios in Nashville ein. Zur Produktion eines Albums kam es seinerzeit dann nicht, weil der Musiker den Produzenten Rick Rubin traf. Und der zeigte ihm die Möglichkeit auf, vor allem mit Cover-Versionen erfolgreich zu sein. Alles Weitere ist Musikgeschichte. Der Man in Black startete neu durch und die Demos verschwanden in der Schublade.

Geöffnet wurde diese vor einiger Zeit von John Carter Cash, dem Sohn der Country-Legende. Der reduzierte das Material auf Gesang und minimalistische Instrumentierung, lud Gastmusiker ein, von denen einige schon mit Cash Sen. gespielt hatten. Und am Ende gab es neue alte Songs, die zu einem kompletten Album arrangiert wurden. Der Titel "Songwriter" soll dabei noch einmal herausstreichen, dass Johnny Cash nicht nur ein begnadeter Live-Performer und Sänger war, sondern eben auch Songschreiber.

Johnny Cash: „Songwriter“ behandelt Zeitlose Themen

Der Fokus der Songs liegt dabei auf menschlichen Erfahrungen  – Liebe, Verlust, Trauer, Schönheit und spirituelle Erlösung sind allgegenwärtig. Die Themen sind zeitlos, gleichwohl sich auch textliche Bezüge zur damaligen Situation von Cash finden. Die Abmischung von John Carter Cash und Co-Produzent David „Fergie“ Ferguson ist nuanciert und respektvoll, sie fügen zusätzliche Instrumentierung hinzu, ohne die Essenz der ursprünglichen Demos zu überladen. Die Einspielungen von Gastmusikern wie Marty Stuart, Vince Gill und Dan Auerbach fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein, verstärken den Sound und geben ihm zusätzliche Textur.

Die Stücke auf „Songwriter“ zeichnen sich durch eine intime Atmosphäre aus, die durch die minimalistische Produktion verstärkt wird. Die Einfachheit der Arrangements – oft nur Cashs Stimme und Gitarre, ergänzt durch subtile Instrumente – lässt die emotionale Tiefe der Songs voll zur Geltung kommen. Titel wie „I Love You Tonite“ und „Well Alright“ demonstrieren Cashs Fähigkeit, persönliche und zugleich universelle Geschichten zu erzählen.

Man in Black. Schwarze Kleidung war ein Markenzeichen von Johnny Cash.

Man in Black. Schwarze Kleidung war ein Markenzeichen von Johnny Cash.

Universal Music

Ein besonders interessanter Aspekt des Albums ist, wie es die unterschiedlichen Facetten von Cashs Songwriting beleuchtet. Während einige Lieder wie „Poor Valley Girl“ und „Have You Ever Been To Little Rock“ eher leicht und humorvoll sind, bieten andere tiefere Einblicke in seine Gedankenwelt. „Hello Out There“ beispielsweise zeigt seine Sorge um die Zukunft der Welt, während „Spotlight“ eine nachdenkliche, bluesige Atmosphäre vermittelt.

Johnny Cash auch ein Geschichten-Erzähler

Mit der neuen Abmischung erhalten die Songs rein technisch gesehen ein modernes Klangbild, das die Zuhörer zugleich in die Aufnahmesessions der frühen 90er Jahre zurückversetzt. Die Vinyl-Pressung selbst ist von hoher Qualität, mit einem klaren, reinen Sound, der die Tiefe und Resonanz von Cashs Stimme wunderbar zur Geltung bringt. Die 30 Jahre, die seit der originalen Einspielung mittlerweile vergangen sind, hört der Platte niemand an. Beiliegenden Liner Notes und das Artwork tragen weiter zur Authentizität und Nostalgie des Hörerlebnisses bei.

Die Entscheidung von John Carter Cash und David Ferguson, die Demos zu überarbeiten und durch zusätzliche Einspielungen zu ergänzen, war zwar ein Balanceakt zwischen Respekt vor den Originalaufnahmen und der Notwendigkeit, sie für ein modernes Publikum zugänglich zu machen. Diese ist ihnen aber hervorragend gelungen. Das Ergebnis ist ein Album, das sich sowohl frisch als auch vertraut anfühlt. „Songwriter“ demonstriert hörenswert Johnny Cashs Fähigkeit als Musiker und, vielen weniger bekannt, Geschichtenerzähler. Es bietet einen intimen Einblick in eine eher unbekannte Phase der Karriere und zeigt, dass seine Musik auch Jahrzehnte nach seiner Schaffenszeit noch immer relevant ist.

Johnny Cash "Songwriter"

Mercury Nashville/UMe

Gespielt auf TEAC TN-5BB