Portugal entdecken
: Wo die Algarve am schönsten ist

Der äußerste Südwesten Europas ist ebenso wild wie schön und bietet mehr als Beachlife das ganze Jahr über.
Von
Stefan Klug
Sagres
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Typisch Algarve. Pittoreske Ortschaften, an flachen Stränden, eingerahmt von mächtigen Klippen. Hier das malerische Burgau.

Typisch Algarve. Pittoreske Ortschaften, an flachen Stränden, eingerahmt von mächtigen Klippen. Hier das malerische Burgau.

Algarve Tourism Bureau
Portugal entdecken: Algarve ist bekannt für malerische Orte, saubere Strände und mildes Klima. 200 km Strände, 88 davon zertifiziert. Algarve wurde viermal als World’s Leading Beach Destination ausgezeichnet. Historische Einflüsse der Mauren sind sichtbar. Sagres und Cabo de São Vicente sind wichtige historische Orte. Gebiete wie Monchique und Faro bieten Natur und Kultur. Algarve ist auch für Golfer und Gourmets attraktiv.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Sagres ist die Welt zu Ende, die wir Festlandeuropa nennen. Richtung Westen und Süden das Wasser des Atlantiks, so weit das Auge reicht. Von hier aus Richtung Osten sind es 200 Kilometer Strände, 88 einzelne davon zertifiziert für besonders sauberes Wasser, perfekte Infrastruktur und Barrierefreiheit. Dafür wurde die Algarve nach 2020, 21 und 24 das vierte Mal mit dem „Oscar der Tourismusbranche“ als World’s Leading Beach Destination ausgezeichnet. Cancún, Jamaika, Miami Beach und die Seychellen mussten sich mit den Plätzen begnügen.

Doch so im Fokus der reisenden Öffentlichkeit stand die Region im Süden Portugals nicht immer. Schon seit jeher galt sie als eine der ärmsten im „Armenhaus Westeuropas“, wie das Land nach dem II. Weltkrieg genannt wurde. Fischerei und Landwirtschaft versorgten die Bevölkerung mit dem Notwendigsten, mehr aber nicht. Wer wollte hier schon Urlaub machen?

Bis Mitte der 1970-er Jahre eher wenige, vor allem nicht aus dem Ausland. Doch mit dem Ende der Militärdiktatur hat sich viel verändert. Die Algarve befindet sich seitdem, wenn man so will, entwicklungsseitig auf der Überholspur. Dem Tourismus sei Dank. Dieser ist mittlerweile Haupteinnahme-Quelle für rund ein Viertel der hiesigen Bevölkerung. In den Sommermonaten wächst die „Einwohnerzahl“ bis auf das Dreifache der angestammten knapp 450 000.

Algarve - Sonne satt, das ganze Jahr warm

Doch der Süden Portugals ist nicht nur berühmt für sein Beachlife an kilometerlangen und feinsandigen Stränden. Das übers Jahr hinweg fast gleichbleibend warme Wasser des Ozeans sorgt ebenso für ein relativ stabiles Klima. Selbst in den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar werden Tages-Höchstwerte von fast 17 Grad erreicht, was bei den rund 6 Stunden Sonnenschein täglich dann das Thermometer schnell auch über die 20 Grad-Marke klettern lässt. 15 Grad hätte der Atlantik dann, für Hartgesottene eher kein Problem.

Alle anderen dürfen sich freuen, dass die Algarve über das Strandleben hinaus mehr zu bieten hat. Viel Geschichte beispielsweise. Die Region war die letzte, die Mitte des 13. Jahrhunderts von den Mauren befreit wurde. Fünf Jahrhunderte unter deren Herrschaft haben bis heute Spuren hinterlassen. Angefangen vom Namen Al-Gharb über Einflüsse in der Architektur bis hin zu den weißen Häusern, die einst mit dem Kalk der Felsen eingestrichen wurden.

Sagres - Europas südwestlichster Zipfel

Doch die Historie der Gegend reicht deutlich weiter zurück. Prähistorische Spuren, römische Siedlungselemente, die große Zeit der portugiesischen Seefahrt mit Infante Dom Henrique, Heinrich dem Seefahrer, der in Sagres gestorben ist - eigentlich atmet alles in der Region Geschichte, die man heute teils nebenbei mit erleben und sehen kann. Dafür eignet sich hervorragend ein Streifzug durch die eher kleinen Orte entlang der Küste. Die schönsten Dörfer der Algarve vereinen auf natürliche Weise die Vergangenheit mit der Gegenwart. Man muss nur mit offenen Augen durch die Gegend fahren.

Beginnen wir am weitesten im Westen. Am Cabo de São Vicente ist nun wirklich Schluss. Denn kurz hinter Sagres endet Europa an einer teils 70 Meter hohen Steilküste. Gute wie teils auch abenteuerliche Straßen führen hier entlang. Um so erstaunlicher, dass die instamgramable Aussichtspunkte so gut wie sicher hoch droben ausgebaut sind. Das Auge erfasst nur noch Weite, das Ohr den donnernden Atlantik, wie er gegen die Felsen schlägt. Der 22 Meter hohe Leuchtturm ist seit über 100 Jahren Garant für die sichere Heimkehr der Seefahrer. Der namens Heinrich musste einst den Weg alleine finden. Und damit das seine Nachkommen ebenfalls konnten, betrieb er eine Seefahrer-Schule.

fotres

Fortaleza de Sagres. 300 Meter breit, einen Kilometer lang, die Klippen mehr als 30 Meter hoch. Das Fort kann gar mit dem Fahrrad erkundet werden.

Algarve Tourism Bureau

Die soll sich auf dem Gelände der Fortaleza de Sagres befunden haben. Das Fort ist heute Nationaldenkmal Portugals und befindet sich auf einer 300 Meter breiten und einen Kilometer langen Klippe vor den Toren von Sagres. Die Dimensionen sprengen vieles Gesehene. So wundert es fast schon nicht, dass man die Anlage gar mit dem Fahrrad beradeln darf. Zwangsläufig kommt der Besucher dabei im Innenhof an einem Steinkreis mit 43 Metern Durchmesser vorbei, der den Historikern bis heute Rätsel aufgibt: Windrose oder doch Sonnenuhr? Es bleibt Interpretationsspielraum. Beim Hafen ist die Sache klar. Er ist der wichtigste für die Fischerei an der Algarve, entsprechend frisch das Angebot. Frühaufsteher dürfen sich das Spektakel der Versteigerungen anschauen, alle anderen genießen einfach in einem der vielen Restaurants entlang der Küste den tagfrischen Fang.

Burgau - Kein Hauch von Santorin

Etwa in Burgau, knapp eine Stunde von Sagres entfernt. Wegen seiner traditionellen und weiß gestrichenen Häuser vor dem Blau des Meeres zieht so mancher den Vergleich mit Santorin. Doch der 450-Seelen-Ort hat nichts vom hippen und überlaufenen Inseldasein. Steile Straßen führen direkt zum Meer hinab und alles endet am Praia de Burgau. Ein Traumstrand. Beidseitig von Klippen eingegrenzt, mitunter menschenleer, flach, feiner Sand und der Atlantik zwischen Badewanne und Surferparadies. Hier kann man, fast noch die Gischt in der Nase, das traditionelle Cataplana genießen. Fisch, Meeresfrüchte, Gemüse und Gewürze über dem offenen Feuer schonend im eigenen Saft im Doppelkochtopf gegart.

Wer einmal eine Auszeit von Ozean, Wellen und Weiten braucht, fährt nunmehr eine Stunde in den Norden nach Monchique. Mit 450 Metern über normal Null der höchstgelegene Ort der Region. Und vielleicht der gesündeste. Denn mit 32 Grad sprudelt hier der Caldas von Monchique aus dem Felsen. Das schwefel- und mineralhaltige Mineralwasser wurde schon von König Dom João 1495 als gesundheitsbefördernd empfunden. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Aber auch Wanderwege, Hängebrücken, tiefe Schluchten, Eichenwälder und stille Bäche - also das ganze Gegenteil von Meer - lohnen die Anfahrt. Schlussendlich lockt der Fóia, mit 902 Metern der höchste Berg der Algarve, ganz Ausdauernde.

Abwechslungsreiches Hinterland. Der rosafarbene Rokoko-Palast in Estoi.

Abwechslungsreiches Hinterland. Der rosafarbene Rokoko-Palast in Estoi.

Algarve Tourism Bureau

Noch etwas mehr Abwechslung gewünscht? Eine weitere knappe Stunde Fahrzeit Richtung Osten bringt uns nach Faro, der größten Stadt am portugiesischen Südende. Die meisten werden hier ohnehin landen, schließlich befindet sich dort der Flughafen der Algarve. Südlich begrenzt wird Faro vom Parque Natural da Ria Formosa. Ein fast 60 Kilometer langes Feuchtgebiet, das aus Kanälen, Inseln, Sumpfgebieten und Sandbänken besteht. Zahlreiche Vogelarten, der portugiesische Wasserhund sowie viel Ruhe sind dort zu finden. Es gibt Bootstouren zu den Eilanden mit teils karibisch anmutenden Stränden. Im Norden von Faro liegt dann Estoi, ein kleiner Ort in dessen Mitte überdimensioniert ein rosa Rokoko-Palast thront. Unweit der Gemeinde siedelten auch einst die Römer. Also eher ein Abstecher für Geschichtsinteressierte.

Palmares - Wie Schottland, nur schöner

Auf dem Weg zurück nach Sagres führt der Weg vorbei an Lagos und der kilometerlangen Bucht Baia de Lagos. Etwa in deren Mitte ist Palmares Ocean Living & Golf zu finden. Eine sehenswerte Kombination aus moderner Ferien-Villen-Siedlung und in die hüglige Landschaft eingelassenen Golfcourse. Niemand Geringeres als Robert Trent Jones Jr. verantwortete die Neugestaltung der drei Neun-Loch-Plätze Alvor, Lagos und Praia. Von den Parkland ähnlichen Spielbahnen Alvor und Lagas geht es vom minimalistisch wie hypermodern gestalteten Clubhouse sanfte Hügel hinab zum Abschnitt Praia. Einem echten Links-Course, der wie bei den Originalen in Schottland direkt am Meer entlangführt. Zwischen Fairway und Strand oder Klippe passt mitunter nur ein wenig Dünengras. Das Anforderungslevel ist - auch dank des ständigen Windes und der schmalen Spielbahnen wegen - hoch. Dafür der Ausblick auf Bucht und Lagos grandios, auf die mehrere Meter hohen Klippen geradezu atemberaubend. Hier kostet weniger das Golfspiel Zeit als vielmehr, die Aussicht zu genießen.

Palmares Ocean Living & Golf. Konzentration aufs Golf gefragt, bei der fantastischen Aussicht.

Palmares Ocean Living & Golf. Konzentration aufs Golf gefragt, bei der fantastischen Aussicht. Links-Course, wie in Schottland.

Palmares Ocean Living & Golf

Eine solche hat man auch über Aljezur. Zumindest von der Ruine der Burg aus dem 10. Jahrhundert, einst von den Mauren errichtet, auf der heute fast schon ein wenig trotzig eine überdimensionierte portugiesische Flagge weht. Wir sind mittlerweile zurück über Sagres Richtung Norden gefahren, ein wenig im Landesinneren, aber immer noch die Steilküste entlang. Die Ortschaft wird durch einen Fluss zweigeteilt und in der westlichen Hälfte erfreuen landestypische und aufgehübschte kleine Häuser, eine Kirche nebst Marktplatz. Hier scheint mitunter die Zeit ein wenig stehengeblieben, was dem Urlauber die Chance auf einen Reset gibt. Andere suchen dagegen kurz Ruhe und Konzentration, bevor sie sich nur wenige Kilometer entfernt an den Stränden Praia da Amoreira, Praia de Monte Clérigo und Praia da Arrifana in die Wellen stürzen. Ganzjährig und beeindruckend finden Surfer aus aller Welt sie vor.

Ort

Algarve pur. Pittoreske Ortschaften mit typischer Architektur und Gestaltung. Es gibt viel zu erkunden, auch abseits bekannter Touristenpfade.

Algarve Tourism Bureau

Und am Ende bleibt die Algarve genau mit dieser Mischung auch in Erinnerung: Ein Mix aus rauer Natur, schier endloser Weite übers Meer, überragend abwechslungsreichem Hinterland, liebenswerten Menschen und leckerer Küche. Wer's schlau anstellt, geht den Touristenströmen im Sommer und rund um Albufeira aus dem Weg und genießt Natur und ein stückweit Einsamkeit bei verlässlich gutem Wetter den Rest des Jahres. Adeus!

Portugal Algarve - Reise-Infos

Anreise: Der Flughafen der Algarve ist Faro. Vom BER aus gibt es sowohl Direkt- als auch Umsteige-Verbindungen via Lissabon. Auch die Anreise über die portugiesische Hauptstadt macht Sinn. Die Fahrt über die mautpflichtige, aber leere A2 Richtung Süden nach Sagres dauert ebenso lange wie der Flug aus Deutschland - knapp drei Stunden.

Reisezeit: Die Algarve ist die Sonnenbank Europas. Rund 3000 Stunden pro Jahr sind zu erwarten. Mit knapp 22 Grad tags und 13 Grad nachts im Jahresdurchschnitt bietet sich die Region als Ganzjahresdestination an. Der Atlantik ist zwischen 15 und 20 Grad warm, daher sind die Temperaturen im Sommer nie wirklich heiß und im Winter nicht kalt.

Aktivitäten: 200 Kilometer ausgezeichnete Strände laden zum Badeurlaub ein. Zwischen den Steilklippen sind sie meist feinsandig und flach. Es gibt ganzjährig an bestimmten Abschnitten guten Wellen. Daher ist die Region bei Surfern sehr beliebt. Vor allem rund um Faro finden sich einige sehr gute Golfplätze, was die Algarve für Golfer zu einer Ganzjahres-Destination macht. Im Kommen ist zudem der Radtourismus. Auf Grund der Steilküstenlage sind E-Bikes von Vorteil. Nicht zuletzt ist die südlichste Region Portugals ein Ziel für alle Gourmets. Fangfrische Fische und Meeresfrüchte werden traditionell in vielen Restaurants auf sehr hohem Niveau zubereitet.

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