Probefahrt
: Der Cupra Ateca im Autotest

Auch mit dem 1,5-Liter-Motor ist der Ateca ein echter Cupra. Er kann mit Agilität und gleichzeitig Sparsamkeit überzeugen.
Von
Roberto Wenk
Berlin
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Optisch ist der Cupra Ateca auf den ersten Blick ein typischer Cupra.

Roberto Wenk

Der Ateca war das erste Auto der seit 2018 von Seat separierten, sportlich orientierten Marke Cupra und mit Ausnahme einiger Abt-Tuning-Derivate bis letzten Sommer ausschließlich als 300-PS-Version auf dem Markt.

Motor

Seit vergangenem Juni gibt es zwei weitere Motorisierungen für das SUV; einen 190 PS starken Benziner und einen 1.5-Liter-Turbobenziner mit 150 PS als neue Einstiegsmotorisierung, von denen wir Letzteren einem Test unterziehen. Dieser Reihenvierzylinder mit Abgasturbolader erlebte sein Debüt mit der Einführung der achten Generation des VW Golf vor rund fünf Jahren und überzeugte seitdem nicht allein in diesem Auto durch Zuverlässigkeit und Effizienz. Dank Zylinderabschaltung im Teillastbereich wird die Effizienz weiter erhöht und seit 2022 ist dieser Antrieb konform mit der strengen Euro-7-Abgasnorm. Die Leistung beträgt 150 PS, das maximale Drehmoment liegt bei 250 Newtonmetern. Frontantrieb gilt genauso als gesetzt, wie das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe DSG.

Karosserie/Ausstattung

Optisch ist der Cupra Ateca auch mit dem Basismotor auf den ersten Blick ein typischer Cupra. Auf den zweiten Blick fallen die am Heck fehlenden vier Endrohre auf, die hier einer schwarzen Verkleidung als Heckabschluss Platz machen. Die echten Endrohre münden nun ungesehen unter dem Fahrzeugboden.

Da es sich beim 1.5 TSI um ein SUV mit Vorderradantrieb handelt, muss der Kofferraum weniger Platz abgeben und wächst hier auf 510 Liter an - das ist ein Plus von 25 Litern.Ausstattungstechnisch muss der geneigte Besitzer einer Basismotorisierung nur wenige Abstriche machen. So gehören neben den tollen Sportsitzen und den Voll-LED-Scheinwerfern auch 19-Zoll-Räder, das 9,2-Zoll-Infotainment samt Navi & Co. ein digitales Cockpit, ein Parkassistent inklusive Parksensoren ringsum und Rückfahrkamera sowie viele weiteren Dinge zur Serienausstattung.

Die adaptive Fahrwerksregelung DCC seht mit gut 1000 Euro extra in der Optionsliste und damit das Lenkrad die obligatorische Cupra-Taste für die schnelle Auswahl der Fahrprogramme besitzt, werden weitere 800 Euro aufgerufen. Dadurch ähnelt die Basismotorisierung innen optisch aber noch stärker den stärkeren Derivaten des Cupra Ateca.

Viele weitere Optionen wie ein Assistenzpaket, eine Beats-Soundanlage, ein Glaspanoramadach, eine sensorgesteuerte elektrische Heckklappe sowie einige andere Annehmlichkeiten können auch bei diesem Einstiegsmodell hinzugebucht werden und lassen den Ateca ausstattungstechnisch dem großen Bruder auf Augenhöhe begegnen.

Fahrverhalten

Um es vorwegzunehmen: Wir waren sehr positiv überrascht. Viele werden sich fragen, kann der kleine Fünfzehnhunderter den großen Ateca überhaupt artgerecht in Bewegung halten? Wir sagen eindeutig: ja. Der Motor reagiert spritzig und hellwach auf jeden Gasbefehl und setzt diesen auch mit viel Engagement um.

Für den alltäglichen Einsatz ist der Cupra Ateca 1.5 somit bestens gerüstet und musste sich im Test zu keinem Zeitpunkt als Langweiler titulieren lassen. Dank des zeitig einsetzenden maximalen Drehmoments von 250 Newtonmetern schiebt das Kompakt-SUV bereits aus dem Drehzahlkeller gut an und bringt den Spanier adäquat auf Trab. Etwas mehr als neun Sekunden vergehen, bis aus dem Stand gestartet die 100 km/h-Marke erreicht wurde.

Das fühlt sich subjektiv sogar kurzweiliger an, was der temperamentvollen Charakteristik eines Cupra zumindest in den Grundzügen entsprechen kann. Fast exakt 200 km/h in der Spitze sind zudem für ein SUV dieser Größe als mindestens zufriedenstellend zu sehen.

In jedem Fall fühlt sich der 1.5 TSI in diesem Cupra kaum weniger lebendig an als in einem leichteren Golf oder dem deutlich leichteren Skoda Fabia.

Die Abstimmung zwischen Antrieb und dem 7-Gang-DSG ist den Cupra-Ingenieuren aus unserer Sicht gut gelungen und eine kleine Prise spanisches Feuer findet sich auch in dieser Basismotorisierung, wenngleich diese mit der des großen Bruders nicht vergleichbar ist. Dafür zeigt der ansonsten sehr souverän abrollende und kommod bis leicht straff federnde Ateca ein sauberes Handling, eine direkte und viel Feedback vermittelnde Lenkung und sehr gute Bremsen.

Wirtschaftlichkeit

Ein weiterer riesengroßer Vorteil dieser Motorisierung ist sein im Vergleich geringerer Verbrauch. Den großen Bruder schlägt er um gleich mehrere Liter auf 100 Kilometer. Im Drittelmix ermittelt, stand ein Durchschnittswert von 7,4 Litern auf 100 Kilometer fest. Noch mehr Sparpotenzial zeigte der Cupra Ateca 1.5 TSI bei konsequent zurückhaltender und defensiver Fahrweise. So geschehen auf unserer Sparrunde, auf der wir den Spritkonsum auf 4,9 Liter pro 100 gefahrener Kilometer senken konnten. Davon ist die 300 PS-Variante natürlich weit entfernt.

Der Anschaffungspreis ist ein weiterer Vorteilspunkt, den die Basisvariante für sich verbuchen kann. Mit 43.290 Euro als Einstiegspreis liegt der 1.5 TSI fast exakt 10.000 Euro unter der 300 PS-Variante und immer noch über 4200 Euro unter der nächststärkeren Motorisierungsvariante, dem 190 PS starken 2.0-Turbobenziner.

Im Vergleich mit dem ausstattungstechnisch angeglichenen Seat Ateca 1.5 TSI ist der Cupra zwar mindestens einen knappen Tausender teurer, doch seine sportivere Optik gibt’s on top, was ihn doch von seinem konventionellen Ableger unterscheidet.

Fazit

Der Cupra Ateca 1.5 TSI bewies im Test, dass er sich durchaus als echter Cupra behaupten kann. Auch mit der nur halben Leistung des Topmodells weiß das SUV mit einer diesen Leistungsrahmen gut ausnutzenden Agilität und Lebhaftigkeit zu überzeugen.

Aufgrund seines deutlich geringeren Preises und seiner doch ausgeprägten Sparsamkeit ist er die erste Wahl für alle, die an der Markenphilosophie von Cupra großen Gefallen finden, aber diese auch ohne potente Motorisierung akzeptieren und bevorzugen.

Mit dem 1.5 TSI unter der Haube fährt man einen nur leistungstechnisch als abgespeckt zu bezeichnenden Cupra, der in allen anderen Belangen abliefert. Dass dies eine Frage der persönlichen Einstellung ist, bleibt ohne Zweifel. Eine vernünftige Entscheidung ist die Basismotorisierung auf jeden Fall - und das, ohne den sportiven Spaßfaktor komplett abschreiben zu müssen.