Probefahrt: Der Hyundai Ioniq 6 im Autotest

Schnell aufgeladen: Hyundai Ioniq 6
MOZ/Hajo ZenkerHyundai hat in diesem Jahr in Deutschland bisher ein Plus von 4,4 Prozent erreicht, während der Gesamtmarkt um 7,8 Prozent zulegen konnte. Bei den Koreanern fällt die Bilanz je nach Modell unterschiedlich aus: Während etwa i20 und i30 sowie Tucson im Plus fahren, verloren i10, Kona sowie die Elektro-Modelle Ioniq 5 und 6.
Motor
Den Ioniq 6 gibt es mit Heck- und Allradantrieb sowie verschiedenen Batteriegrößen. Der Hecktriebler bringt es auf 151 PS beziehungsweise 229 PS. Beim von uns gefahrenen Allradmodell werden daraus 325 PS. Und das merkt man. Unverzüglich stürmt der Wagen dank stolzer 605 Newtonmeter maximalem Drehmoment voran und auf Wunsch in 5,1 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Da macht Überholen Spaß. Auf der Autobahn wird bei 185 km/h abgeregelt. Damit darf man schneller unterwegs sein als bei vielen anderen Elektroautos, aber das verkürzt bei ausgiebigem Gebrauch natürlich die Reichweite spürbar. Schön allerdings ist, dass sich dank der von Hyundai eingesetzten 800-Volt-Technik der Ioniq 6 wirklich schnell nachladen lässt, an einer Schnellladestation braucht man von zehn auf 80 Prozent eine halbe Stunde, manchmal geht es auch noch schneller.
Karosserie/Ausstattung
Unter dem Namen Ioniq etabliert Hyundai eine eigene Elektroauto-Familie. Dabei hebt sich der Ioniq 6 optisch sehr deutlich vom eher kantigen Ioniq 5 ab – die fließende Form schmiegt sich quasi an die Straße und zeugt von Windschlüpfigkeit. Das Design polarisiert – entweder man liebt es oder lehnt es ab. Auf jeden Fall ein echter Hingucker. In dem 4,86 Meter langen Gefährt gibt es angesichts der Limousinenform wirklich viel Platz für die Insassen, die Beinfreiheit ist gewaltig. Die Einschränkung: In der zweiten Reihe hapert es für groß Gewachsene an Kopffreiheit, da hat die Form des Wagens ihre Nachteile. Für das Gepäck gibt es 401 Liter, allerdings über eine eher kleine Klappe zu befüllen.
Im Innenraum dominieren große digitale Anzeigen, zum Glück aber gibt es etwa für die Klimaanlage noch analoge Bedienelemente. Die Verarbeitung ist voll in Ordnung, die Materialqualität könnte etwas zulegen. Im Testwagen waren die digitalen Außenspiegel an Bord – also außerhalb des Wagens Kameras, die das äußere Geschehen auf Bildschirme im Innenraum übertragen. Das ist höchst gewöhnungsbedürftig, letztlich aber kann man sich damit anfreunden und sogar einen Sicherheitsgewinn erkennen.
Ab Werk ist der Ioniq 6 schon sehr gut ausgestattet, etwa mit LED-Scheinwerfern, Notbremsassistent, Radfahrer- und Fußgängererkennung, Rückfahrkamera, Assistenten für Müdigkeit, Fernlicht und das Halten der Spur, Tempomat, Audioanlage, Navigation, beheizbaren Außenspiegeln, beheizbarem Lenkrad, Sitzheizung vorn, Verkehrszeichenerkennung, Regensensor, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Fensterheber rundum, elektrischer Heckklappe, und Zentralverriegelung.
Fahrverhalten
Der Ioniq 6 ist besonders gut für die Langstrecke geeignet, also eher komfortabel ausgelegt. Aber der tiefe Schwerpunkt sorgt trotzdem dafür, dass der Wagen satt auf der Straße liegt, die Kraft des Motors wird gut auf die Straße gebracht. Die leichtgängige Lenkung und die bissigen Bremsen passen dazu.
Wirtschaftlichkeit
Den Einstieg in einen Ioniq 6 gibt es mit Heckantrieb und kleinerer Batterie für 43.900 Euro. Für die von uns gefahrene Allradvariante (mit besserer Ausstattung) sind dann bereits 61.100 Euro fällig. Auch bei der großen Batterie hängt die Reichweite natürlich sehr vom eigenen Fahrstil und den Umgebungstemperaturen ab. Der Hersteller gibt bis zu 583 Kilometer an, wir kamen bestenfalls auf 100 Kilometer weniger. Hyundai gewährt stolze acht Jahre Garantie.
Fazit
Außergewöhnlich geformt, ordentlich Platz, schnell aufgeladen – Hyundai hat mit dem Ioniq 6 ein wirklich interessantes Elektroauto im Angebot.
