Probefahrt
: Der Hyundai Tucson im Autotest

Futuristisches Design, gepaart mit einem erstklassigen Vollhybridantrieb, das macht den Koreaner zu einem äußerst begehrenswerten Objekt.
Von
Roberto Wenk
Berlin
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Optisch ein Kracher: Hyundai Tucson

Roberto Wenk

Was Hyundai dem Tucson in seiner vierten Generation für ein Design verliehen hat, grenzt fast an eine kleine Sensation und wirkt entsprechend polarisierend auf seine Betrachter. Neben den klassischen Antrieben plus einem Plug-in-Hybriden gibt es auch einen Vollhybriden ohne externe Lademöglichkeit - um diesen geht es hier.

Motor

Der Vollhybrid besteht aus einem 1.6-Liter-Turbobenziner mit 180 PS sowie einem am Getriebe angeflanschten Elektromotor mit 60 PS. Gemeinsam leistet das Duo 230 PS Systemleistung und 350 Newtonmeter Systemdrehmoment. Die Elektroenergie kommt aus einem Lithium-Polymer-Akku mit 1,5 kWh Kapazität; dieser wird ausschließlich durch Bremsenergierückgewinnung und den Reihenvierzylinder aufgeladen.

Karosserie/Ausstattung

Das Design des Tucson zeigt sich selbst drei Jahre nach seiner Einführung noch futuristisch. Die Lichtsignatur an der Front erinnert an Engelsflügel und nimmt den mondän wirkenden Frontgrill in die Zange. Seitlich betrachtet, offeriert eine nach hinten stark ansteigende Gürtellinie eine Menge Dynamik. Die nach hinten abfallende Dachkante mit dem schrägen Heckabschluss lassen sogar eine Prise Coupé durchsickern. Die durchgängige Rückleuchteneinheit sowie der Heckdiffusor runden das Gesamtbild perfekt ab.

Im Innenraum empfangen den Betrachter eine im Vergleich zum Exterieur nahezu nüchtern erscheinende, sehr aufgeräumt wirkende Reduktion auf das Wesentliche. Die damit einhergehende Beruhigung sorgt dafür, dass sich der Fahrer sogleich zurechtfindet. Die Materialauswahl ist hochwertig, die Verarbeitung einwandfrei - das würde auch für so manche Premiumklasse genügen. Die Lüftungsdüsen werden optisch quer durch die Instrumententafel getrieben während ein Digitalcockpit plus ein gut ablesbarer Zentralbildschirm die Digitalisierung einläuten. Unter Letztgenanntem finden sich viele Sensortasten für die Klimabedienung und die Untermenüs - alle leider ohne haptisches Feedback.

Die dank N Line Ausstattung integrierten Sportsitze bieten ordentlich Auflagenflächen und viel Seitenhalt. Das Platzangebot ist großzügig und vor allem im Fond staunen die Insassen über ein ausgeprägtes Raumgefühl, welches in dieser Klasse so kaum in anderen SUVs zu finden ist. Der Kofferraum fasst 616 Liter - es gibt als Hybrid keine Einschränkungen, da die Batterie unter der Rücksitzbank positioniert wurde. Bei umgeklappten Rücksitzlehnen sind es 1795 Liter.

Als N Line besitzt der Hyundai Tucson HEV ab Werk attraktive 19-Zoll-Räder, eine sportliche Optik innen wie außen inklusive der obligatorischen „N Line“-Badges, eine 3-Zonen-Klimaautomatik und das voluminös aufspielende Krell-Soundsystem. Ebenso gehören ein erstklassiges Navi samt permanenter Onlineverbindung dazu, die neben vielen Telematikdiensten und Live-Services auch die Verkehrssituation in Echtzeit verfügbar macht. Die Voll-LED-Scheinwerfer sind ebenfalls Serie, zeigten im Test ein zwar helles, aber inhomogenes Lichtfeld sowie ein etwas zurückhaltend wirkendes Fernlicht.

Fahrverhalten

Der Start erfolgt oft elektrisch. Der Verbrenner gesellt sich später hinzu, es sei denn, es ist sehr kalt oder heiß, dann erteilt die Klimatisierung dem Benziner den Vorrang. Das Zusammenspiel zwischen Verbrenner und E-Motor ist als überaus harmonisch zu bezeichnen, es fühlt sich dank einer 6-Gang-Automatik sogar komfortabler an als in einem Toyota oder Lexus mit deren stufenlosen CVT-Getriebe. Hier hat Hyundai seine Hausaufgaben gemacht und erntete im Test großes Lob.

Der Hyundai Tucson fährt sich zudem als Vollhybrid erstaunlich agil, seine 230 PS Systemleistung nimmt man ihm insbesondere im Sportmodus locker ab. Hier steht das SUV sehr gut im Futter, reagiert hellwach auf Gasbefehle und spurtet engagiert los. Die acht Sekunden von null auf Tempo 100 wirken in Natura kürzer, die 193 km/h als Höchstgeschwindigkeit reichen meistens völlig. Der Tucson fühlt sich mit diesem Antriebsduo bestens motorisiert an.

Im Fahrmodus „ECO“ zeigt sich der Tucson zudem sehr ausgewogen und bleibt komfortorientiert abgestimmt, ohne dass dabei Leistung vermisst werden könnte. Der Akkustand bleibt meist zwischen einem und zwei Drittel gefüllt - das System arbeitet ausgeklügelt und vor allem im Hintergrund - Bravo!

Das Fahrwerk zeigt sich trotz sportlicher N Line eher komfortabel, wobei schnelle Lastwechsel das SUV nicht gleich aus dem Konzept bringen. Diese ausgewogene Abstimmung zusammen mit dem erstklassigen Antrieb machen den Hyundai zu einem ultimativen Kilometerfresser. Die Lenkung vermittelt bei aller Leichtgängigkeit genügend Feedback und die Bremsen lassen sich gut dosieren. Übrigens ist der Wechsel zwischen Rekuperation und echtem Bremsvorgang selten spürbar - noch ein verdientes Bravo!

Tipp: Wer in witterungswidrigen Regionen zu Hause ist, kann für 2000 Euro extra den Hyundai Tucson HEV zum Allradler machen. In unserem Test hatten wir normale Witterungsbedingungen und waren mit dem Frontantrieb stets zufrieden.

Wirtschaftlichkeit

So richtig interessant wird das Konzept Vollhybrid dann auch noch beim Thema Verbrauch. Im Drittelmix genehmigte sich das attraktive SUV nur 6,2 Liter auf 100 Kilometer, was lediglich 0,3 Liter über der Werksangabe liegt. Ein wirklich guter Wert für ein SUV dieser Größe. Den Vogel endgültig zum Abschuss brachte aber der Sparrunden-Test: Hierbei genügten dem Vollhybriden unfassbare 2,8 Liter auf 100 Kilometern und wir mussten uns für dieses Ergebnis nicht einmal sonderlich bemühen. Vorausschauend und defensiv gefahren, außerorts nie über 90 km/h und schon war dieses Bilderbuch-Ergebnis erreicht.

Aufgrund dieser Ergebnisse schlägt der HEV den Plug-in Hybriden (PHEV) deutlich, obwohl nur der PHEV aus fragwürdigen Gründen beispielsweise in der Dienstwagensteuer bevorteilt wird.

Bei 37.690 Euro startet der Tucson als Vollhybrid HEV in der Basisausstattung „Select“ - eine von vier Ausstattungen. Die „N Line“ als zweithöchste Ausstattung ist ab 45.990 Euro zu haben. Im Vergleich dazu kostet der Tucson als PHEV ab 43.350 Euro, besitzt aber weniger Ausstattung als der HEV in der „N Line“.

Fazit

Der Hyundai Tucson ist an sich bereits ein attraktives SUV, welches neben einer extrovertierten Optik und einem reichhaltigen Platzangebot auch ein schlüssiges Bedienkonzept und eine vielfältige Ausstattung vorweist.

Perfektioniert wird das Ganze durch den erstklassigen Vollhybridantrieb, der leistungsfähig und extrem sparsam zugleich ist und den Koreaner zu einem äußerst begehrenswerten Objekt macht. Aufgrund der nicht erforderlichen externen Ladevorgänge würden wir diesen Antrieb vor dem PHEV und allen konventionellen Antrieben als erste Wahl empfehlen. Denn gleichgültig ob auf Langstrecke oder in urbanem Umfeld - der HEV brilliert in allen Lebenslagen.

Wer das futuristische Design mag, dazu mehr Platz als beispielsweise in einem BMW X3 benötigt, obendrein eine agile Motorisierung sucht, die gleichzeitig effizient bleibt, sollte sich den Hyundai Tucson HEV unbedingt einmal näher anschauen.