Probefahrt
: Der Isuzu D-Max im Autotest

Ein Exot, der als waschechtes Nutzfahrzeug eine breite Zielgruppe ansprechen kann, die vom Handwerker über Offroad-Fans bis zur Familie mit großem Garten reicht.
Von
Roberto Wenk
Berlin
Jetzt in der App anhören

Fühlt sich wohl im Gelände: Isuzu D-Max

Roberto Wenk

Nein, es geht hier nicht um ein TV-Programm für Männer, auch wenn der Modellname dieses Pick-ups dies suggerieren könnte. Der Japaner rollt in mittlerweile dritter Generation auf den Straßen und buhlt um ein Stück des Nutzfahrzeugkuchens, den sich ansonsten Protagonisten wie ein VW Amarok, ein Toyota Hilux oder ein Mitsubishi L200 untereinander aufteilen.

Motor

Beim Motor handelt es sich um eine Eigenentwicklung von Isuzu und dieser ist hier alternativlos. Der 1.9-Liter-Turbodiesel leistet 163 PS sowie 360 Newtonmeter maximales Drehmoment. Der Reihenvierzylinder hat einen rauen Lauf, macht vor allem beim Kaltstart rege mit munterem Nageln auf sich aufmerksam. Das ändert sich später beim Erreichen der Betriebstemperatur zwar etwas, aber als Selbstzünder ist dieser Motor auch aus einiger Entfernung schnell ausgemacht. Nur in hohen Drehzahlen wie auf der Autobahn bringt er kultivierte Anleihen an den Tag.

Karosserie/Ausstattung

Optisch hat Isuzu dem aktuellen D-Max eine ordentliche Portion Dynamik mit in die Wiege gelegt. Neben aerodynamischen Anpassungen offeriert der Japaner einen bösen Blick auf schneidigen LED-Scheinwerfern und der massive Kühlergrill sorgt für martialische Züge. Viel Bodenfreiheit lässt sich ringsum erkennen und der Überrollbügel hinter der Kabine sichert dem Pick-up nicht nur optische Sicherheit. Anders als beim Rest, hat man bei den Rückleuchten noch auf Old School gesetzt und diese mit Glühlampentechnik versehen.

Im Innenraum erwartet den Betrachter ein strukturierter und aufgeräumt wirkender Instrumentenbereich, mit einem etwas dünnen Lenkrad und einem großen Zentralbildschirm. Das Cockpit ist analoger Natur und zeigt nur mittig ein großes Infodisplay. Die Platzverhältnisse sind überdurchschnittlich und die Sitze zeigten sich langstreckentauglich. Lediglich die geringe Einstellmöglichkeit der Fondsitze durch die dahinter endende Fahrerkabine muss als kleine Einschränkung herhalten.

Das Infotainment lässt sich einfach bedienen, besaß aber kein Navigationssystem. Das war aber kein Beinbruch, denn dank Android Auto und Apple CarPlay hat man die mobilen Lösungen der Routenführung parat. Ein sanft agierender Abstandstempomat wusste im Test genauso zu überzeugen wie die LED-Scheinwerfer mit ihren fleckenfreien, sehr hellen und weit ausleuchtenden Lichtkegeln. Die Soundanlage mit acht Lautsprechern zauberte einen unerwartet natürlichen und auch dynamischen Klang, den man so von einem No-Name-Produkt nicht erwartet hätte. Weiterhin waren Trittbretter, ein Keyless-System und Ledersitze mit Sitzheizungen im Ausstattungsumfang der Topvariante „V-Cross“ enthalten. Leider benötigten letztgenannte viel zu lange, um die Sitze zu erwärmen - mit fast 20 Minuten dauerte dies einfach zu lange.

Dafür halfen Parksensoren vorn und hinten sowie eine Rückfahrkamera sehr gut beim Rangieren des Pick-ups. Die Ladefläche kann knapp eine Tonne Gewicht tragen und die Abmessungen vertragen locker eine EU-Palette. Die Abdeckung als Jalousie ist optional erhältlich und empfehlenswert, wenn das Ladegut vor Witterungseinflüssen geschützt werden soll.

Weiterhin befinden sich eine treffsichere Verkehrszeichenerkennung, ein etwas nervös agierender Spurhalteassistent und ein erstklassig arbeitender Querverkehrswarner an Bord des Isuzu D-Max. Weitere Sicherheitspluspunkte sammelt der Japaner mit einem Frontkollisions- und einem Multikollisionsassistenten.

Fahrverhalten

Anders als erwartet, sorgte der hubraumschwache Motor für adäquaten Vortrieb, was durchaus eine kleine Überraschung war. Hellwach reagierte er auf jeden Gasbefehl, setzte diesen mitunter sogar fixer um als mancher Konkurrent mit ähnlicher Motorisierung. Übertragen wird die Kraft von einer 6-Stufen-Automatik, die trotz leichter Wandlerträgheit die Gänge passend sortierte und nicht als Spaßverderber gelten kann. Diese ist je nach Ausstattung optional neben einer manuellen 6-Gang-Handschaltung erhältlich.

Das Fahrwerk wirkt straff und durch die Blattfedern an der Hinterachse vor allem unbeladen etwas poltrig. Querfugen und Absätze lässt die Hinterachse so gern bis an die Bandscheiben der Insassen durch. Anders sieht es aus, wenn der D-Max etwas Gewicht auf die Ladefläche bekommt. Dann federt er sogar komfortorientiert und bleibt auch bei schwereren Verwerfungen sanfter federnd. Die leichtgängige Lenkung erwies sich als optimal bei viel Rangierarbeit. Ansonsten wirkte sie in Neutralstellung aber etwas diffus. Die Bremsen verzögern bei Bedarf heftig, könnten sich vielleicht etwas feiner dosieren lassen.

Pudelwohl fühlt sich dieser Pick-up im Gelände. Kein Wunder, denn Allradantrieb, ein Untersetzungsgetriebe und ein Sperrdifferenzial erhöhen das Einsatzgebiet auf unbefestigtem Terrain ungemein. Neben der ausgeprägten Watfähigkeit - 80 Zentimeter Wassertiefe schafft der D-Max - helfen die großen Böschungswinkel im Off ungemein. Die einzige Achillesferse ist der etwas geringe Rampenwinkel, bedingt durch den langen Radstand.

Wirtschaftlichkeit

Der kleine Turbodiesel trifft auf 2,1 Tonnen Leergewicht, weswegen wir die Bemühungen des Selbstzünders in großem Durst resultierend erwartet haben. Doch stattdessen blieb der Durchschnittswert mit 10,4 Litern auf 100 Kilometer - 0,8 Liter mehr als Isuzu angibt - noch im Mittelfeld. Im Gelände oder auf der Autobahn nahe der Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h waren es gut 13 Liter. Effizientes und zurückhaltendes Fahren belohnte der Diesel mit einem Ergebnis auf der Sparrunde von lediglich 6,4 Litern, was wiederum positive Einträge im Testbordbuch nach sich zog.

Unser Testwagen besaß die Double Cab mit vier Türen und fünf Sitzplätzen. Diese startet bei 35.600 Euro in der Basisausstattung „L“ - eine von insgesamt vier Ausstattungsvarianten. Die getestete Variante „V-Cross“ ist die Topvariante und kostet 50.150 Euro, besitzt allerdings dann eine Vollausstattung, die nur noch durch eine Sonderfarbe ergänzt werden kann. Es gibt den Pick-up auch mit Single Cab für zwei Personen und Space Cab für vier Personen mit zwei Türen.

Fazit

Er ist ein waschechtes Nutzfahrzeug, der Isuzu D-Max. Dies hat er im Test eindrucksvoll bewiesen. Seine Offroadfähigkeiten sind ausgeprägt, doch auch auf der Straße zeigte er sich souverän. Dazu kommt eine breitbandige Ausstattung, die man je nach Variante in seinen Pick-up einziehen lassen kann. Die Vielfalt an möglichen Einsatzgebieten und ein Zuggewicht von 3,5 Tonnen machen ihn für eine breite Zielgruppe interessant, die vom Handwerker über Offroad-Fans bis zur Familie mit großem Garten oder landwirtschaftlichem Hintergrund reicht.

Außerdem macht ihn seine Seltenheit zum Exoten, der so auch manchen Individualisten bekehren möchte. So gesehen, ist der D-Max auch ein Geheimtipp, denn als Underdog wird der Japaner nicht selten verkannt und maßlos unterschätzt. Er ist daher weit mehr als nur irgendeine Alternative zu den Platzhirschen.