Probefahrt: Der Kia ProCeed im Autotest

Bleibt ein Hingucker: Kia ProCeed
Roberto WenkBeim Kia ProCeed waren die Koreaner schnell und verpassten dem Shooting Brake bereits im dritten Jahr nach seiner Premiere ein Facelift. Dabei gab es neben optischer Retusche auch technische Upgrades.
Motor
Beim Antrieb ließ Kia beim ProCeed GT alles wie gehabt, daher verrichtet auch weiterhin ein knurriger 1.6-Liter-Turbobenziner mit 204 PS und 265 Newtonmetern seinen Dienst im Lifestyle-Kombi. Wer den ProCeed als GT-Line bestellt, darf sich seit dem Facelift auf einen neuen 1.5-Liter-Turbobenziner mit 160 anstatt 140 PS des 1,4-Liter-Turbobenziner als Vorgängermotor freuen. Der Klang des 204-PS-Vierzylinders ist omnipräsent, weil künstlich aufgepusht. Das ist je nach Geschmack entweder ziemlich cool oder ein wenig prollig anzusehen.
Karosserie/Ausstattung
Das Facelift fällt sofort durch das geänderte LED-Tagfahrlicht auf. Statt den vier LED-Dots helfen nun drei vertikal stehende Krallen pro Scheinwerfer den hübschen Kombi zu erkennen. Zudem wurde der Kühlergrill mit einer Chromstrebe veredelt und die Frontschürze erhielt größere Lufteintritte. Am Heck gibt es einen überarbeiteten Diffusor, der von neuen, nun rundlich-oval gestalteten Endrohrblenden flankiert wird, während die Rückleuchten kein direktes Update erhielten. Rote Akzente ringsum verraten dem Kenner derweil sofort, dass es sich hier um den ProCeed handelt.
Im Innenraum wurde das Cockpit des ProCeed GT in HD-Auflösung mit neuen Ansichten digitalisiert und auch der große 10,25-Zoll-Zentralbildschirm ist nun inklusive Kia Connect mit cloudbasiertem Navi und vielen Onlinediensten serienmäßig im Shooting Brake. Ansonsten bleibt alles beim Alten. Was heißt, dass die Insassen ordentliche Platzverhältnisse vorfinden, was vor allem im Fond dank der sehr tiefen Sitzposition immer noch bemerkenswert ist. Trotz der tiefen Karosserie - die tiefste als Kombi im Kompaktklassesegment - haben selbst Leute mit mehr als 1,90 Metern Körpergröße keine Einschränkungen der Kopffreiheit zu befürchten. Der Kofferraum bleibt unverändert bei 594 Litern und kann bis auf 1545 Liter erweitert werden. Damit liegt das Ladeabteil des Kia ProCeed im guten Mittelfeld der Kompakt-Kombis.
Das Kia Connect erhielt mit dem Facelift neue Funktionen; zudem wurden die Assistenzsysteme im Detail verbessert. Obendrein ziehen zwei neue Assistenten in den Kia ProCeed: der navigationsbasierte Tempomat passt die Geschwindigkeit entsprechend der Gegebenheiten auf der Route wie beispielsweise vor Kurven oder Einmündungen an und ein Autobahnassistent hilft dem Fahrer beim Spurwechsel, sobald der Blinker betätigt wird. Zudem achtet dieser Assistent darauf, dass die Spur mittig gehalten wird und passt die Abstände automatisch an. Ein Ausstiegsassistent warnt beim Türöffnen vor rückwärtigem Verkehr und der Totwinkelassistent ist nun des Bremseingriffs in Bedarfsfällen bemächtigt.
Fahrverhalten
Neu ist beim ProCeed seit dem Facelift, dass der Shooting Brake nicht mehr mit Handschaltung erhältlich ist, sondern nur noch mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Dieses könnte aus unserer Sicht ruhig etwas zackiger die Gänge wechseln. Insbesondere im Sportmodus hätten wir uns dabei etwas mehr Elan gewünscht. Den hat dafür der Vierzylinder, der äußerst kräftig anschiebt und überaus drehfreudig das gesamte Drehzahlband gierig abspult, ohne dabei in irgendeiner Weise angestrengt zu wirken.
Entsprechend sportiv geht es im ProCeed voran und dank der straffen Fahrwerksabstimmung macht der Kombi auch bei schnellen Lastwechseln oder bei kurvigen Strecken einen äußerst souveränen Eindruck. Die direkte und permanent gut Feedback vermittelnde Lenkung sowie die standfeste Bremsanlage runden diesen Gesamteindruck sehr positiv ab. Die klangliche Untermalung in ihrer knurrigen Form bleibt dabei Geschmackssache. Unsere Testfahrer benannten diese vom „Kater mit Magenverstimmung“ bis zur „Antwort auf den GTI“ recht facettenreich. Wir empfehlen eine Probefahrt, um sich ein eigenes Bild vom Sound machen zu können. Was man dem ProCeed GT aber nicht absprechen kann, ist der Umstand, dass die Klappenauspuffanlage beim Wechsel zwischen Normal- und Sportmodus akustisch deutlich potenter zur Sache geht.
Die Leistungsdaten blieben auf dem Niveau des Vorfacelifts und reichen immer noch aus, um auch den neuen 1.5-Liter-Turbobenziner im ProCeed GT-Line auf die Plätze zu verweisen. 7,5 anstatt 8,8 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 - das sind tatsächlich Welten in dieser Kategorie. Doch auch gemächlich unterwegs lässt es sich im GT bestens aushalten und dank seiner Platzverhältnisse hat er uneingeschränkte Allrounderqualitäten.
Wirtschaftlichkeit
Überrascht waren wir beim Thema Verbrauch, in der sich der ProCeed GT tatsächlich verbessert hat. Im Drittelmix genehmigte sich der Reihenvierzylinder 7,9 Liter auf 100 Kilometer - das sind 0,7 Liter weniger als das Vorfaceliftmodell. Auf der Sparrunde wurden aus ursprünglichen 6,5 Litern nun 5,1 Liter - ein noch deutlicheres Ergebnis. Und selbst bei Vollgasfahrten auf der freien Autobahn sank der Durchschnitt von vormals knapp 15 auf nun reichlich elf Liter. Das zeigt, dass die Entwicklung der Verbrennungsmotoren permanent weiter geht.
Auch der Kaufpreis hat sich mit dem GT-Facelift verändert. Ging es vorher bei 33.190 Euro mit der Automatik los, startet der GT heute bei 37.590 Euro. So gesehen, kann man mit den gut 5000 Euro Unterschied eine ganze Weile tanken, bevor der Spareffekt einsetzt. Doch den ProCeed ereilte preistechnisch das gleiche Schicksal wie alle anderen Modelle durch alle Marken - sie wurden beginnend mit Corona und fortschreitend durch Chipmangel und Kriege sowie weitere Kriterien signifikant teurer.
Fazit
Als Resümee ist festzuhalten, dass Kia den sportlichen Shooting Brake an wenigen, aber gezielten Stellen gekonnt modernisieren konnte. Der ProCeed bleibt optisch ein exotischer Hingucker und auch wenn er teurer wurde, so kann er gegen diverse Konkurrenten im Preisvergleich immer noch glänzen.
Wer einen kräftig motorisierten, sportlichen Lifestyle-Kombi mit guter Ausstattung sucht, der trotz allem Lifestyle auch genügend Platz für Ladung und Insassen bietet, ist beim Kia ProCeed GT genau richtig. Falls Leistung keine übergeordnete Rolle spielt, dann kann sicherlich auch der ProCeed als GT-Line mit seinen 160 PS glücklich machen.

