Probefahrt
: Der Kia XCeed im Autotest

Dieser Koreaner Kia XCeed kann sich sehen lassen: Der Crossover zeigt nicht nur eine umfassende Ausstattung und ein ausgewogenes Fahrverhalten, sondern überzeugt auch mit gutem Plug-in-Hybridsystem.
Von
Roberto Wenk
Berlin
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Schärfer designt: Kia XCeed

Roberto Wenk

Als SUV der Kompaktklasse verkaufte sich der Kia XCeed von Anbeginn wie geschnitten Brot - das soll natürlich so bleiben. Daher verpasste Kia bereits drei Jahre nach der Einführung dem Crossover ein erstes Facelift.

Motor

Den XCeed gibt es auch als Plug-in-Hybrid. Er setzt sich zusammen aus einem 1,6-Liter-Reihenvierzylinder ohne Aufladung und einem Elektromotor. Der Benziner leistet 105 PS, der E-Antrieb 61 PS - die Systemleistung wird mit 141 PS angegeben. Die Hybridbatterie besitzt 8,9 kWh Speichervermögen und wird per Typ-2-Anschluss links vorne mit maximal 3,3 kW an einer AC-Säule in rund zweieinhalb Stunden aufgeladen.

Karosserie/Ausstattung

Optisch ist das Facelift vor allem an der Front unübersehbar. Angfangen von den neuen Scheinwerfern mit den drei vertikalen LED-Strichen erhielt der XCeed einen schärfer designten Frontgrill und eine neue Frontschürze. Als XCeed teilt sich das Modell die Plattform mit dem Ceed, besitzt entsprechend den gleichen Radstand, ist allerdings fünf Zentimeter höher und besitzt längere Karosserieüberhänge vorn und hinten, was das Auto optisch deutlich größer wirken lässt. Seine Coupé-artige Silhouette wirkt dynamisch und gilt als typisch für Crossover-SUVs.

Das Interieur des Kia XCeed gleicht dem des herkömmlichen Ceed und zeigt durch Bildschirme für Cockpit und Infotainment eine entsprechende Digitalisierung. Dabei wurde weiterhin an echten Drehreglern und Tasten festgehalten, was aufgrund der dadurch sehr einfachen Bedienung wahrlich zu begrüßen ist. Das digitale Cockpit erlaubt seit dem Facelift noch mehr Darstellungsoptionen. Unter anderem eine, die den Hintergrund je nach Tageszeit und Wetter dynamisch wechselt. Als PHEV trägt der XCeed auf der Instrumententafel eine Anzeige des Ladezustands mittels drei Leuchteinheiten, durch die auch von außen der aktuelle Füllstand während des Ladevorgangs erkennbar ist. Neu seit dem Facelift sind zudem ein neu geformter Innenspiegel für bessere Sicht nach hinten sowie eine Optimierung der Tastenbelegung am Lenkrad.

Das Platzangebot ist auf den vorderen Sitzen sehr gut, im Fondbereich für ein Crossover-SUV der Kompaktklasse angemessen. Der Kofferraum wird durch die unter der Rücksitzbank positionierten Hybridbatterie deutlich eingeschränkt. Statt der üblichen 426 Liter muss der PHEV-Fahrer mit 291 Litern auskommen. Trotz dieser Einschränkung bleibt der maximierte Laderaumboden mit 1243 Litern ebenerdig und somit praktisch nutzbar.

Ausgestattet sind alle PHEV-XCeeds von Haus aus recht üppig. So besitzen alle das erstklassig funktionierende Navi ab Werk. Bei allen XCeed-Modellen befinden sich außerdem Fernlichtassistent, Frontkollisionswarner mit Fußgängererkennung, aktiver Spurhalteassistent, Spurfolgeassistent und Müdigkeitswarner serienmäßig an Bord. Die getestete „Platinum“-Variante offerierte als Topausstattung ab Werk auch einen Abstandstempomaten, einen Autobahnassistenten, ein intelligentes Parksystem inklusive Einparkassistenten, ein samtweiches Lederlenkrad mit sehr wirkungsvoller Beheizungsmöglichkeit sowie vollklimatisierte Vordersitze - um nur einige der wichtigsten Features zu benennen.

Fahrverhalten

Der Kia zeigt sich als PHEV adäquat motorisiert und genügt den alltäglichen Anforderungen vollkommen. Das Ansprechverhalten ist dank des sofort einsetzenden E-Punchs und den 265 Newtonmetern Systemdrehmoment als wach und agil zu beschreiben. Die Kraft wird durch ein Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe zur Vorderachse geleitet. Das Fahrwerk zeigt insgesamt ein straffes Set-Up, bietet aber genügend Komfortreserven.

Aus dem Stand beschleunigt der Kia XCeed PHEV in elf Sekunden bis zur 100 km/h-Marke und bei zirka 190 km/h ist Schluss mit Vortrieb. Dies zeigt, dass der XCeed als Plug-in Hybrid kein Sportler ist, doch insbesondere in urbanen Gefilden und den dortig erlaubten Geschwindigkeiten fühlt sich der Crossover lebendig genug an, um nie als Langweiler gelten zu müssen.

Anders als viele andere PHEVs lässt sich der XCeed bei kalten oder heißen Außentemperaturen nicht vollelektrisch leise vom Parkplatz fahren, denn der Verbrenner übernimmt sofort die Klimatisierung. Erst nachdem diese abgeschlossen ist, fällt der Kia in den reinen EV-Modus. Das ist ein klar verspielter Vorteil eines PHEV, denn das leise Anfahren ist nicht selten eine willkommene Eigenschaft dieser Antriebsart.

Dafür lässt sich der Akku nie vollkommen leer fahren, es bleiben meist rund zehn Prozent Restenergie bestehen. Ist dies so, fährt sich der XCeed wie ein Vollhybrid, nutzt diese Reserve also immer wieder, um zwischendurch kleine Strecken vollelektrisch zurückzulegen. Das spiegelt sich auch im Verbrauch wider, dazu später mehr.

Ein Aufladen des Akkus durch den Verbrenner ist auch möglich, dazu muss der Sport-Modus aktiviert werden. In diesem lädt der Verbrenner permanent den Akku und die Rekuperation ist stärker ausgeprägt als in den beiden anderen Fahrmodi Normal und Eco.

Das Zusammenspiel von Verbrenner und E-Motor ist nicht ganz so harmonisch wie beispielsweise in einem Toyota, doch dafür bleibt hier beim starken Beschleunigen das typische Geheule des Verbrenners aus, da die Kraft nicht über ein stufenloses CVT-Getriebe, sondern über echte sechs Fahrstufen vom Doppelkupplungsgetriebe verteilt werden.

Das Aufladen dauert an einer AC-Säule rund 2,5 Stunden und bei vollem Akku suggeriert das Bordsystem eine elektrische Reichweite von 47 Kilometern, von denen am Ende reichlich 44 Kilometer rein elektrisch zurückgelegt wurden, bevor der Verbrenner wieder hinzugeschaltet wurde.

Wirtschaftlichkeit

Eine wahre Überraschung war das Verbrauchsverhalten des Kia XCeed als PHEV. Die angesprochene Art eines Vollhybriden, die der Koreaner bei leerem Akku an den Tag legt, hilft ihm immens sparsam zu sein. Im Drittelmix kamen wir auf einen Durchschnitt von nur 5,7 Litern auf 100 Kilometer - wohlgemerkt, mit leerem Akku! Auf der Sparrunde fuhr der XCeed einen Rekord für PHEV-Modelle mit leerem Akku ein: Lediglich 3,7 Liter konsumierte das Kompakt-SUV hier.

Wer diese Sparkanone sein Eigen nennen möchte, zahlt für das Einstiegsmodel „Silber“ mindestens 39.290 Euro. Ein Navi, permanente Onlineverbindung, diverse Assistenten, eine Klimaautomatik und vieles mehr ist hier bereits inklusive. Die Topausstattung wurde „Platinum“ (ab 43.490 Euro) benannt.

Fazit

Mit dem Kia XCeed gelang den Koreanern insbesondere als PHEV ein echter Wurf. Der Crossover zeigte im Test nicht nur eine umfassende Ausstattung und ein ausgewogenes und sicheres Fahrverhalten, sondern überzeugte mit einem guten Plug-in-Hybridsystem und vor allem durch dessen hervorragende Sparsamkeit.

Kein anderes PHEV-Modell zeigte sich bislang trotz leerem Akku so knausrig. So prädestiniert sich der Koreaner zum idealen Begleiter für alle, die vernünftige Platzverhältnisse auf leicht erhobenem Sitzniveau suchen und gut ausgestattet mit hoher Effizienz ein Alltagsauto fahren möchten, welches ebenso als Pendlerfahrzeug taugt wie auch als Familienkutsche.