Probefahrt: Der Mini Clubman im Autotest

Kombi mit Kulleraugen: Mini Clubman
Roberto WenkHinter der dem etwas sperrigen Namen Mini Clubman John Cooper Works All4 verbirgt sich der stärkste Mini in der Kombiversion Clubman. Seit dem letzten Facelift kletterte die Leistung von 231 PS auf nunmehr 306 PS - ein riesiger Schritt.
Motor
Den Antrieb in diesem Top-Mini übernimmt ein Reihenvierzylinder Turbobenziner aus dem BMW-Regal, der mit 306 PS sowie 450 Newtonmetern Drehmoment auch einem M135i ordentlich Beine macht. Die Kraft überträgt eine 8-Gang-Automatik auf alle vier Räder.
Karosserie/Ausstattung
Als Clubman wirkt der Mini getreckt, zeigt sich seitlich klar als das, was er darstellt - ein Kombi. Seine runden Kulleraugen mit den LED-Ringen als Tagfahrlicht lassen ihn dennoch knuffig dreinschauen. Auch wenn der Frontgrill weniger verspielt daherkommt und die konturierte Motorhaube sowie die vielen hübschen Details der erst im letzten Jahr ins Leben gerufenen Untold Edition eine gewisse Dynamik ins Spiel bringen, ist der Mini Clubman weit davon entfernt, als böse Erscheinung zu gelten. Die Dekorstreifen auf der Motorhaube fallen erst beim genauen Hinschauen auf, wirken als Folierung nicht unbedingt wertig. Die Sage Green Lackierung wertet dagegen das Gesamtbild gekonnt auf, ebenso die 18 Zoll großen Untold-Spokes-Felgen mit ihrem hübschen Bi-Color-Design in Schwarz und Gold. Die LED-Rückleuchten emittieren den Union Jack - mehr britischer Patriotismus muss aber nicht sein.
Falls dieser doch nicht ausreicht, können die Kopfstützen ebenfalls mit dem Flaggensymbol des Vereinten Königreichs versehen werden - im Testwagen war dies nicht der Fall. Ansonsten ist der Innenraum typisch Mini mit vielen Rundungen, die aber nicht verspielt wirken und der Fahrer sehr schnell alles da vorfindet, wo man es vermutet. Die Untold Edition zeigt auch hier diverse Details in Gold. Die Verarbeitung ist ebenso wie die Materialauswahl tadellos - was bei diesem Preis auch erwartet werden darf. Das herrlich dicke Lenkrad liegt bestens in den Händen und die relativ kleinen Screens als Cockpit und Zentralbildschirm lassen sich stets bestens ablesen.
Das Raumgefühl ist vorne angenehm, hinten geht es etwas enger zu. Im Klassenvergleich erreicht er Durchschnittswerte. Der Kofferraum ist mit 360 Litern respektive 1.250 Litern auch nur Durchschnitt in der Kompaktklasse. Cool sind dagegen die beiden seitlich öffnenden Türen am Heck. Die Ladeöffnung ist insgesamt aber etwas eng.
Ausstattungstechnisch erfreut der Mini Clubman John Cooper Works seinen Besitzer mit einem zwar nicht topmodernen Infotainment, dafür mit einem, welches absolut zuverlässig funktioniert. Sprachsteuerung, Routenführung, Bedienkonzept via i-Drive - alles arbeitet bestens und lässt sich zudem sicher und einmal verinnerlicht, auch einfach bedienen. Wir finden dies besser als eine bis ins letzte Eckchen gepresste Digitalisierung, die am Ende mit Software-Bugs und anderen Unzulänglichkeiten kämpft. Sowas gibt es hier nicht.
Das Matrix-LED-Licht zeigte sich im Test zuverlässig in seiner Funktion des Ausblendens. Das Fernlicht wirkt dennoch wie ein etwas dunklerer Teppich, der über das erstklassige Abblendlicht gelegt wird. Die Harman/Kardon Musikanlage sorgt für eine angenehm dynamische Beschallung und die Sitzheizungen sind derart schnell am Wärmespenden, wie wir es bislang selten bei Lederbezügen beobachten konnten - toll!
Fahrverhalten
Der Antrieb hat mit dem Clubman leichtes Spiel, macht ihn zum schnellsten Mini aller Zeiten. Nur 4,9 Sekunden benötigt dieser aus dem Stand bis Tempo 100 und bei 250 km/h wird elektronisch die Grenze gezogen. Das ist schnell, fühlt sich aber weniger dramatisch an als in einem BMW M135i, der dasselbe Herz trägt. Die Lenkung ist leichtgängig, wirkt aber nur im Sportmodus richtig verbindlich. Das Fahrwerk zeigt sich überwiegend straff, wodurch das gewisse Go-Kart-Feeling aufkommen möchte, ohne allerdings die Contenance gänzlich über Bord zu werfen.
Dank Allradantrieb mit Vorderachssperre bringt der Mini die Leistung sicher auf die Straße. Seine Abstimmung verhindert Untersteuern oder Gripverlust fast gänzlich und der Clubman zieht sehr neutral seine Bahnen. Damit wirkt er jederzeit souverän und irgendwie auch erwachsen. Als flammender Sportler tritt er nie in Erscheinung, ist aber dennoch sehr flott unterwegs.
Wirtschaftlichkeit
Dank der von BMW ins Leben gerufenen Efficient Dynamics, fährt auch der stärkste Mini Clubman trotz seiner respekteinflößenden Leistung sehr effizient. Der ermittelte Gesamtdurchschnitt belief sich auf nur 7,8 Liter auf 100 Kilometer - knapp ein halber Liter mehr als die Werksangabe verspricht, aber dennoch ein Top-Wert für ein über 300 PS starkes Auto mit über 1,6 Tonnen Leergewicht. Die Sparrunde durchknauserte der Brite sogar mit einem Bilderbuchwert von nur 4,9 Litern auf 100 Kilometer.
Doch all das hat auch seinen Preis - einen gepfefferten, um genau zu sein. Als John Cooper Works stieg der Preis des Topmodells zur Einführung des Facelifts gleich um rund 9000 Euro und beträgt mittlerweile sogar 16.000 Euro mehr als beim ersten Vorfacelift. Ab 53.700 Euro geht es los. Die getestete Untold Edition startet bei 56.000 Euro. Allerdings ist hier so gut wie alles serienmäßig an Bord des Mini Clubman. Nur noch Kleinigkeiten wie eine Dachreling oder eine Sonnenschutzverglasung können zusätzlich geordert werden. Das heißt, wer den Clubman JCW in dieser Version bestellt, hat so gut wie keine Konfigurationsmöglichkeiten mehr, sondern muss das All Inclusive quasi in Kauf nehmen - im wahrsten Sinne des Wortes. Eins geht aber noch darüber: John Cooper Works Trim - so heißt die Topausstattung mit Dinamica/Leder und 19-Zoll-Rädern, die 700 Euro über der Untold Edition startet.
Fazit
Er ist so stark und so schnell wie nie zuvor - der Mini Clubman John Cooper Works. Erstmals überhaupt, dass ein Mini die 300-PS-Marke überschreitet, mimt der Clubman als JCW dennoch eher den Gentleman als den wilden Sportler. Das steht ihm am Ende auch richtig gut, denn so zeigt er sich unterm Strich als bärenstarker Allrounder, der nie zum Übertreiben neigt, aber bei Bedarf kompromisslos abliefert.
Er ist hübsch, nicht mehr ganz so liebäugig knuffig (ein bisschen aber immer noch) und die Liebe zum Detail findet sich innen und außen im Überfluss. Sein hoher Preis lässt ihn zusätzlich zum Liebhaberstück mutieren, denn einen solchen Mini kauft man nicht aus pragmatischen Ambitionen, sondern weil man ihn einfach haben will. Vielleicht auch aus dem Grund, den stärksten Mini mit dem allzeit größten Abgrenzungspotenzial zu seinen Modellgeschwistern zu fahren.

