Probefahrt
: Der VW ID.3 im Autotest

Der ganz große Erfolg, den sich Volkswagen mit dem ID.3 im Elektroautobereich versprochen hatte, ist bisher ausgeblieben. Nun aber wurden mit der Überarbeitung des ID.3 Kritikpunkte beseitigt und die vorher vorhandenen Pluspunkte blieben.
Von
Hajo Zenker
Berlin
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Kritikpunkte beseitigt: VW ID.3

MOZ/Hajo Zenker

Volkswagen hat gerade mitgeteilt, dass man als Konzern in den ersten neun Monaten 2023 insgesamt 531.500 vollelektrische Fahrzeuge ausgeliefert habe, 45 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gut die Hälfte davon sei auf die Kernmarke VW entfallen. Und trotzdem wurden im seit 2022 komplett auf Elektroautos umgebauten Werk in Zwickau Zeitarbeiter entlassen und die Fertigung reduziert. Denn die Erwartungen in Sachen Elektromobilität waren größer, gerade auch im Hinblick auf den ID.3, der deshalb rasch überarbeitet wurde.

Motor

Der ID.3 hat immer 204 PS. Allerdings unterscheidet sich die Größe der Batterie - aktuell reicht sie offiziell mal für 429 Kilometer, mal für 559 Kilometer. Wir kamen mit der kleineren Variante auf 50 Kilometer weniger als angegeben. Die 310 Newtonmeter maximales Drehmoment reichen für einen Spurt von 0 auf 100 km/h in 7,4 Sekunden. Auf der Autobahn wird bei 160 km/h abgeregelt, kein Wunder, schließlich sind bekanntlich Autobahngeschwindigkeiten der Reichweite nicht gerade zuträglich.

Karosserie/Ausstattung

Volkswagen selbst sagt, der ID.3 sei „reifer geworden“. Was man wohl so deuten darf, dass man bei der Markteinführung vor drei Jahren ein eher unreifes Auto auf die Kunden losgelassen hatte. Tatsächlich gab es eine Menge Kritik, an unzuverlässiger Software und umständlicher Bedienung genauso wie an billigen Materialien. Die Kritik hat sich VW unzweifelhaft zu Herzen genommen. Auch wenn man an der Karosserie natürlich keine großen Eingriffe vorgenommen hat, sieht die Front jetzt eindeutig besser aus. Und innen geht es viel hochwertiger und gemütlicher zu.

Bei dem für ein 4,26 Meter langen Auto erfreulich großem Platzangebot ist es natürlich geblieben. Auch 385 Liter Kofferraum sind ordentlich. Noch immer fehlt ein großer Touchscreen, dafür läuft die Software jetzt zuverlässig. Von der früher für VW so selbstverständlichen intuitiven Bedienung aber ist man noch immer ein ganzes Stück entfernt. Das erfordert Einarbeitung. Die sogenannten Slider zudem, mit denen man Temperatur und Lautstärke regeln soll, bleiben unbeleuchtet. Hier wird es wohl erst 2024 Änderungen (zusammen mit einem großen Touchscreen) geben. Ab Werk gibt es etwa LED-Scheinwerfer und -Rückleuchten, Tempomat, Parksensoren, Müdigkeits- und Verkehrszeichenerkennung, Spurhalteassistent, Klimaanlage, Radio und beheizbare Außenspiegel.

Fahrverhalten

Der Hecktriebler federt Straßenunebenheiten professionell weg und überzeugt mit seinem kleinen Wendekreis. Dazu passt die direkte Lenkung. Kurven machen Spaß. Die Bremsen könnten bissiger sein.

Wirtschaftlichkeit

Den Einstieg in einen ID.3 (ohne Umweltbonus) gibt es ab 39.995 Euro. Wer die größere Batterie will, fängt laut Liste bei 47.595 Euro an. Der offizielle Stromverbrauch liegt bei 16 kWh pro 100 Kilometer, mit zwei Kilowattstunden mehr kann man hinkommen. Von zehn auf 80 Prozent aufzuladen dauert jetzt eine halbe Stunde. Das Navi ist zudem nun dazu befähigt, in der Planung langer Strecken lieber mehrere kürzere Ladestopps an Schnellladesäulen als wenige längere an langsamen Ladepunkten einzukalkulieren.

Fazit

Die Überarbeitung hat dem ID.3 eindeutig gutgetan. Kritikpunkte wurden beseitigt, die bereits vorher vorhandenen Pluspunkte Raumangebot und Fahrverhalten blieben. Ob das reicht, damit der ID.3 so durchstartet, wie VW sich das wünscht, muss sich angesichts der wachsenden Konkurrenz im Elektroauto-Segment aber noch zeigen.