Probefahrt E-Bike
: Milano – Dolce Vita elektrifiziert

Mit dem Milano bringt Sharp eine Mischung aus Pendler- und Freizeit-E-Bike auf die Straße.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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Milano. Pendler E-Bike, das auch Freizeit tauglich ist.

Milano. Pendler E-Bike, das auch Freizeit tauglich ist.

Sharp

Vor mehr als 110 Jahren gegründet, ist das japanische Traditionsunternehmen Sharp hierzulande vielen vor allem wegen seiner Produkte aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik ein Begriff. Mittlerweile gibt's vom Mischkonzern aber auch Staubsauger, Luftreiniger oder Fritteusen. Heuer wagen die Asiaten nun den Schritt in den E-Bike-Markt und schicken mit dem "Milano" ein neues Modell auf europäische Straßen.

Ob der hierzulande eher vertraute Namen als Türöffner gedacht ist oder dem italienischen Lebensstil huldigen soll, sei einmal dahingestellt. Tatsache ist jedoch, dass Mode aus Mailand klassische Schnitte und zeitlose Formen bevorzugt. Und die Italiener genau wissen, wie man das Leben genießen soll. Unter diesen Blickwinkeln haben wir etliche Testkilometer mit dem "Milano" absolviert.

E-Bike Milano: Größe, Form und Design

Dass das E-Bike auf die offizielle Bezeichnung BK-RS08E hört, kann den überzeugenden optischen Gesamteindruck nicht mindern. Und auch, dass der vor rund 130 Jahren erfundene Diamant-Rahmen die Grundform darstellt, ist kein Makel. Klassischer geht es kaum. Sharp bietet zwei Farben, schwarz und Silber, wobei letztere Version mit Akzenten in hellem Braun an Sattel, Griffen und Reifen daherkommt. Der kunstlederne Sitzbezug ist zudem mit sechs großen Nieten am gefederten Unterbau befestigt, was dem Ganzen noch einen Hauch von Oldschool mitgibt. Im Vergleich zur Black-Black-Version insgesamt die optisch gefälligere, wenngleich das natürlich Geschmackssache ist. Im Lieferumfang enthalten sind noch Schutzbleche vorn und hinten. Doch ehrlich, wer nicht im Regen fährt, braucht die nicht. Denn die 28-Zoll-Alu-Räder haben eine tiefer nach innen gezogene Felge, die zusammen mit der extrem schmalen Bereifung ungemein sportlich aussieht. Stahlspeichen sorgen für zusätzlich Stabilität.

Sharp E-Bike: One Size fits all - nur eine Rahmengröße.

Sharp E-Bike: One Size fits all - nur eine Rahmengröße.

Sharp

Auch wenn auf dem Rahmen ein Aufkleber "M" prangt, es gibt nur eine Rahmengröße: 21 Zoll. Das scheint etwas wenig in Anbetracht der Spreizung bei der Körperhöhe in der Bevölkerung und vor allem für große Radler. Aber Sharp empfiehlt das Milano für 170 bis 190 Zentimeter große Mitmenschen. Und tatsächlich lässt es sich auch knapp darüber noch ganz gut fahren. Dabei ist die Sitzposition zwar sportlich, aber nicht extrem gebeugt, da der Lenker tatsächlich nicht so tief angebracht ist. Das Sattelrohr dagegen scheint endlos lang.

Sharp-E-Bike: Antrieb und Sicherheit

Das Milano kommt als klassisches Commuter-Bike daher und verfügt entsprechend über einen Single-Speed-Antrieb. Für die Verbindung von Pedalerie zum Heckmotor sorgt ein wartungsfreier Carbon Belt von Gates, der mindestens 15.000 Kilometer klaglos seinen Dienst verrichtet. Der an der Hinterradnabe verbaute Motor leistet bis zu 250 Watt. Zwar gibt es keine Gangschaltung, aber die insgesamt fünf Unterstützungsstufen sollen für gewünschte Geschwindigkeit und Geländeprofile ausreichend Kraftreserven zur Verfügung stellen. Umgekehrt sorgen jeweils hydraulische Scheibenbremsen für entsprechende Verzögerung. Mit 180 Millimetern Durchmesser sind sie groß genug dimensioniert, um schnell von Höchstgeschwindigkeit zu Stillstand zu kommen. Enthalten sind im Lieferumfang ein via USB-C zu ladendes Lichtsystem für vorn und hinten sowie eine wirklich eindringliche Lenkradklingel. Die gesetzlich vorgeschriebenen Radreflektoren sind bereits in den Speichen verbaut.

Milano: Performance und Reichweite

Wie erwähnt, ist das Milano ein sehr sportlich aussehendes Pendler-Rad, dessen dreiteiliges Li-ion-Akku-Pack sich im leicht dickeren vorderen V des Rahmens befindet. 252 Wattstunden werden bereitgestellt, die theoretisch für 80 Kilometer Reichweite sorgen sollen. Das ist natürlich von vielen Faktoren abhängig, nicht zuletzt, wie viel Unterstützung sich der Fahrer vom Motor bereitstellen lässt. Grundsätzlich gilt hier, dass die ersten drei Stufen für Geschwindigkeit sorgen. Bei der dritten "Tour" sind dann auch prompt die maximal möglichen 25 km/h erreicht, was erstaunlich schnell und immer wieder gelingt. "Power" und "Boost", also vier und fünf, werden nur für Anstiege oder extremen Gegenwind benötigt. Bei Steigungen von bis zu sechs Prozent zeigt das "Milano" keine Schwäche. Aufgrund der großen Übersetzung - das Kettenblatt misst immerhin 23 Zentimeter - muss dann allerdings schon etwas kräftiger getreten werden. Das schlägt sich natürlich positiv in der Geschwindigkeit nieder. Die Lossower Kurven bei Frankfurt (Oder), Benchmark für die Fahrrad-Fitness, kann man so mit fast Höchstgeschwindigkeit erklimmen.

Das dreiteilige Akku-Pack ist im vorderen V-Rohr des Milano-Rahmens untergebracht.

Das dreiteilige Akku-Pack ist im vorderen V-Rohr des Milano-Rahmens untergebracht.

Sharp

Selbst ein gerade geladener Akku mit 100 Prozent Leistung ist allerdings keine Garantie für die maximale Reichweite. Wer beständig auf Stufe 3 "Tour" unterwegs ist, wird bereits nach wenigen Kilometern nur noch über knapp 75 Prozent Stromreserven verfügen. Allerdings verändert sich der Wert auch wieder schnell, sobald eine höhere oder niedrigere Hilfe in Anspruch genommen wird. Fleißig "schalten" entsprechend dem Geländeprofil und Geschwindigkeitswunsches ist daher ratsam. Da sich das Milano ebenerdig auch ganz ohne Motor gut fahren lässt, muss niemand echte Reichweitenangst haben. Im Schnitt aller unserer Touren lag die realistische Reichweite des Bikes bei ungefähr 45 Kilometern. Wieder voll sind die Akkus dann nach zwei bis drei Stunden an der Steckdose.

Display und Konnektivität

Das Milano verfügt über ein TFT-Farb-LCD- Display, das in der Lenkerhalterung eingelassen und austauschbar ist. Angezeigt werden alle wichtigen Daten wie Geschwindigkeit, Strecke, Unterstützungsstufe und natürlich Akku-Kapazität. Die Ablesbarkeit ist gut, auch bei direkter Sonneneinstrahlung. Bedient wird allerdings extern. Die Schalteinheit ist links am Lenker angebracht und verfügt über eine Schaltwippe Plus/Minus sowie zwei seitliche Knöpfe. Drückt man zwei Sekunden den oberen, erwacht die Anzeige zum Leben. Der Untere resettet die aktuellen Tourdaten. Das Milano ist zudem mit Bluetooth ausgestattet, was eine Verbindung zur Sharp "Life" App ermöglicht.

Klein aber fein. Das Display ist übersichtlich und zeigt alle notwendigen Daten an.

Klein aber fein. Das Display ist übersichtlich und zeigt alle notwendigen Daten an.

Sharp

Die ist im Prinzip eine Spiegelung des Displays auf dem Smartphone, zeigt also dieselben Daten. Dazu gibt es eine Kartenverknüpfung, sodass der User sieht, wo er lang fährt. Navigieren allerdings ist nicht möglich. Dafür kann man am Ende der Fahrt diese nochmals auf dem Handy nachvollziehen. Der Sinn erschließt sich zwar nicht ganz, ist aber ein nettes Feature. Schön wäre gewesen, wenn die Fahrten irgendwo gespeichert würden und man sie ggf. noch einmal als Vorlage nutzen könnte. Ebenso fehlt jedwede Art von elektronischer Verriegelung. Kurzum, das E-Bike braucht die App zum Betrieb nicht.

Keine Alternative zum Klapprad

Wer genau hinschaut, wird an verschiedenen Stellen des Rahmens Schraubverbindungen feststellen. Tatsächlich verbirgt sich dahinter nicht die Unfähigkeit der Entwickler, ein Bike in einem Stück zu fertigen, sondern die Idee, das Milano für den längeren Transport einfach zu zerlegen. Das ist ziemlich clever, wenngleich die Verkabelungen, die teils durch die Rahmenelemente geführt werden, verhindert, das Fahrrad komplett auseinander zu nehmen. Aber recht kleinteilig wird es trotzdem. Ein weiterer Vorteil: Der im Rahmen eingelassene Akku ist damit bei Bedarf austauschbar. Das wiederum ist fast schon ein Alleinstellungsmerkmal bei dieser Bauart. Geliefert wird das Milano übrigens teilmontiert im Karton - ohne Räder, Lenker, Sattel - und damit kompletter, als es sich später zerlegen lässt. Eine Alternative zum Klapprad ist das Bike insgesamt zwar nicht, aber immer noch einfacher mit auf Reisen zu nehmen wie andere Modelle.

Sharp Milano. Für den längeren Transport lässt sich das Rad auch in Teile zerlegen.

Sharp Milano. Für den längeren Transport lässt sich das Rad auch in Teile zerlegen.

Sharp

Sharp Milano: Test-Ergebnis und Vergleich

Chapeau! Sharp gelingt mit dem Milano eine gekonnte Mischung aus Pendler- und Freizeitrad, das zudem auch ein paar sportliche Gene mitbringt. Im Aussehen zeitlos und schlicht, dafür aber schick, ganz Mailänder Machart. Die Qualitätsanmutung ist hoch, nichts klappert oder knarzt. Der auf den ersten Blick eher kleine Rahmen passt dann doch tatsächlich für die Breite der Bevölkerung. Auf der Straße gibt sich das Bike keine Blöße, erreicht spielend die 25 km/h Höchstgeschwindigkeit und meistert trotz Single-Speed-Antrieb auch durchaus anspruchsvolle Steigungen. Die Reichweite der elektrischen Unterstützung ist eher Durchschnitt, aber für den gedachten Einsatzbereich noch völlig ausreichend. In Sachen App-Einbindung hätten wir uns vielleicht etwas mehr Finesse gewünscht. Und auch eine stromgebende Schnittstelle, entweder fürs Smartphone und/oder die Beleuchtungseinheit, hätte die Benutzerfreundlichkeit noch mehr erhöht.

Andererseits sollte man den Forderungskatalog angesichts von knapp 2500 Euro Preis auch nicht überspannen. Glatt das Doppelte hat Nplus für sein "Silver Arrow" verlangt, das in Aussehen und Performance dem Milano nicht unähnlich ist. Dafür gibt's keine App, keine Beleuchtung, eine unbequemere Sitzhaltung, aber ähnlich sportliche Fahrwerte. Und die Automatikschaltung ermöglicht stärkere Anstiege, wie der Doppel-Akku auch die doppelte Reichweite garantiert. Dafür lässt sich Sharps Italiener mit 19 Kilo Einsatzgewicht auch noch über Treppen einigermaßen tragen. Bei der australischen Kooperation mit Mercedes artet das schon eher zu einem Kraftakt aus. Beide Bikes sind ähnlich ungefedert, was vor allem auf Kopfsteinpflaster die etwas dürftige Polsterung der Akkus verrät, die dann munter gegen das Rahmenrohr schlagen. Wirklich unter Niveau ist lediglich die gedruckte Bedienungsanleitung des Milano. Für die Schrift braucht man eine Lupe, dafür kein Lesezeichen, den jede genutzte Seite verabschiedet sich von selbst aus der Klebung. Nplus liefert gleich gar keine Anleitung und hält sich auch in Sachen Videos zurück. Das macht Sharp besser und erklärt das Auspacken und Zusammenbauen recht ausführlich.

Sharp Milano - Fazit

Mit dem Milano bringt Sharp italienisches Lebensgefühl auf die Straße. Das E-Bike kommt im zeitlosen schlicht-schicken Design daher, sieht selbst auf den zweiten Blick nicht wie elektrifiziert aus und überlässt dem User, ob man entspannt zur Arbeit fährt, lässig auf der Promenade cruist oder sportlich Kalorien auf dem Asphalt verbrennt. Die "One-Size-Fits-All"-Strategie in Sachen Rahmengröße geht erstaunlich gut auf. Die Alu-Konstruktion ist einigermaßen leicht und vor allem stabil. Der Motor leistet sofort und spürbare Unterstützung und bringt das Rad zuverlässig und schnell auf Vmax. Angesichts all dessen ist der aufgerufene Preis mehr als fair.

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