Reisen in den Ferien
: Balearen entdecken – Mallorca einmal anders

Die größte Balearen-Insel Mallorca bietet mit der Serra de Tramuntana Alternativen zu Strand und Ballermann. Das kann man hier erleben.
Von
Stefan Klug
Palma de Mallorca
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Mallorca mal anders. Castell Son Claret in der Serra de Tramuntana.

Berge statt Strand. Castell Son Claret in der Serra de Tramuntana.

Castel Son Claret

Mallorca geht immer. Der Deutschen beliebteste Insel ist eine echte Ganzjahresdestination, sofern man nicht nur an Strand und Ballermann abhängen will. Auch wenn letztere vor allem "für nur einmal im Jahr" herhalten müssen, die größte Balearen-Insel bietet so viel mehr als Teutonen-Grill und Sauftourismus.

Schon bevor die Massen - gegen die sich die Einheimischen mittlerweile wehren - über das Eiland herfielen, war Mallorca begehrtes Ziel für diejenigen, die es sich leisten konnten. Im frühen 19. Jahrhundert etwa Komponist Frédéric Chopin und Schriftstellerin George Sand. Oder aber der Mittelmeer-Erforscher Erzherzog Ludwig Salvator von Österreich. Knapp 100 Jahre später dann kamen Agatha Christie, Audrey Hepburn, Elizabeth Taylor oder Winston Churchill. Allen gleich: Sie residierten mitnichten in Strandnähe, sondern suchten eher Ruhe, Abgeschiedenheit und Kühle in höhergelegenen Regionen.

Eine solche zu finden, ist auf Mallorca nicht schwer. Denn die Serra de Tramuntana ist das größte Gebirge auf Mallorca und erstreckt sich entlang der nordwestlichen Küste der Insel. Mit einer Länge von etwa 90 und einer Breite von 15 Kilometern bildet es das Rückgrat des Eilandes und hebt sich deutlich von den flacheren, landwirtschaftlich genutzten Regionen im Süden und Osten ab. Die Gebirgskette ist ein UNESCO-Welterbe und bekannt für ihre beeindruckenden Landschaften, historischen Dörfer und vielfältigen Freizeitmöglichkeiten.

Reise nach Mallorca – Urlauben wie ein Don

Am Fuße eines der Hauptgipfel des Gebirgszuges, dem Puig de Galatzó (1.026 m), wurde um 1450 ein Kastell errichtet. Einige Jahrhunderte später vereinigte ein gewisser Don Gabriel Claret fünf Liegenschaften rund um das Anwesen und nutzte dieses im 18. Jahrhundert als Herrschaftssitz. Im 19. Jahrhundert wurde erweitert und umgebaut und 2013 dann durch die neuen Eigentümer Klaus-Michael und Christine Kühne ein Hotel eröffnet, dessen Namen dem einstigen Besitzer Rechnung trägt: Castell Son Claret.

Rund 30 Kilometer von Palma de Mallorca entfernt, nah der Ortschaft Es Capdellà und mitten im Herzen des Tramuntana-Gebirges finden sich nunmehr nur 43 individuell gestaltete Suiten und Zimmer auf einem Gesamtareal von 132 Hektar - in Größe und Anspruch mindestens gehoben. Neben dem Haupthaus, das in seiner Formgebung und Architektur fraglos als Castillo auszumachen ist - inklusive zweier trutzburgenartiger Türme - gibt es zahlreiche Nebengebäude, verteilt östlich davon in der parkähnlichen Anlage. Von außen sind sie als ehemalige Wirtschaftseinrichtungen erhalten geblieben und lassen das Gesamtensemble verträumt und ein wenig wie aus der Zeit gefallen aussehen. Dazu ducken sie sich in den leicht ansteigenden Hang und sind somit von der mehr als 100 Meter entfernten Verbindungsstraße kaum zu sehen. Vorbeifahrende nehmen von Son Claret wohl vor allem das hohe schmiedeeiserne Tor sowie die majestätisch anmutende und nicht enden wollende palmengesäumte Kieszufahrt zur Kenntnis.

Palmen säumen die Zufahrt zum Castell, das zu Füßen des Puig de Galatzó liegt.

Palmen säumen die Zufahrt zum Castell, das zu Füßen des Puig de Galatzó liegt.

Castell Son Claret

Per E-Mountainbike in die Berge von Mallorca

Da in einem der vielen kleinen Tälern gelegen, hat man natürlich von den umliegenden Bergen einen guten Überblick aufs Gesamtareal. Und dieses ist nicht nur zum Wandern geeignet. Vor allem Mountainbiker kommen hier auf ihre Kosten. Um allerdings bis in höhergelegene Regionen vorzustoßen, ist ein elektrobetriebenes Fahrrad fast schon Pflicht. Und jemand, der Ahnung vom Gelände hat. Denn mallorquinische Pfade sind mitnichten in jeder Navikarte zu finden. Mit Husky Rides, gleich um die Ecke in Es Capdellà zu finden, gibt es beispielsweise hilfsbereite Tourenführer vor Ort, die zudem die entsprechende Hardware in Form von E-Mountainbikes anbieten. Im wahrsten Sinne über Stock und Stein lässt sich so dem Gipfel des Puig de Galatzó relativ nahekommen. Auf dem Weg dorthin lohnt ein Abstecher in die ehemalige Olivenöl-Mühle Finca Pública Galatzó. Und auch Galilea ist ein paar Zusatzkilometer Wert. Denn von den Terrassen des verträumten Ortes hat man einen schönen Blick von der anderen Seite des Tales.

Hier pflückt der Chef noch selbst. Sternekoch Jordi Cantó im hauseigenen Kräutergarten.

Hier pflückt der Chef noch selbst. Sternekoch Jordi Cantó im hauseigenen Kräutergarten.

Castell Son Claret

Nach 30 Radkilometern in knapp drei Stunden und 900 Höhenmetern ist der Wellnessbereich des Castell Son Claret ein perfekter Erholungsort. Innenpool mit Sauna oder ausladender Außenpool, wer schwimmend entspannen will, kommt an letzterem nicht vorbei. Andere nutzen das hauseigene Yoga-Angebot oder geben sich einer Massage hin. Zur inneren Einkehr findet man aber je nach Zimmer auch auf der eigenen Terrasse oder im privaten Pool. Wichtig ist, zum Dinner wieder fit zu sein. Denn bei Jordi Cantó wird der Abend lang. Dessen Restaurant Sa Clastra hat 2024 von Michelin einen Stern erhalten. Der Mallorquiner ist seit 2013 im Küchenteam und nun auch dessen Chef. Und der bringt Tradition auf den Tisch, in bis zu neun Gängen modern interpretiert. Das Besondere im Vergleich zu anderer Sterneküche: Sattmachende Zwischengänge und Küchengrüße gibt es kaum, die kulinarischen Kreationen sorgen nicht nur für Geschmack, sondern stillen ebenso den Hunger. Zudem kann dem Team durch die besondere Bauart des historischen Gebäudes bei der Arbeit zugesehen werden.

Zug fahren auf Mallorca: Mit dem Roten Blitz nach Sóller

Am anderen, dem nordwestlichen Ende der Serra de Tramuntana liegt Sollér. Die Stadt gilt als eine der schönsten Mallorcas und ist für ihre Orangen berühmt. Da es bis vor wenigen Jahren keine Straßentunnel in diesen Teil der Insel gab, war die Anfahrt über Serpentinen alles andere als bequem. Das allerdings gilt nur für neuzeitliche Fortbewegungsmittel. Denn seit 1912 verkehrt von Palma aus ein Zug auf der knapp 27 Kilometer langen Strecke. Die Ursprünge für seinen Namen "Roter Blitz" liegen zum einen in der Farbe der vor allem aus Holz gefertigten Waggons. Aus heutiger Sicht wird die Geschwindigkeit wohl eher als gemächlich bezeichnet. Highlight der knapp halbstündigen Zugfahrt sind nicht nur die schöne Hinterlandansicht Mallorcas, sondern auch die zahlreichen Tunnel, von denen der längste fast drei Kilometer durchs Gebirge führt.

Mit dem Zug nach Sollèr. Der Rote Blitz im historischen Bahnhof.

Mit dem Zug nach Sollèr. Der Rote Blitz im historischen Bahnhof.

Stefan Klug

Das historische Zentrum Sollérs darf getrost als weniger überlaufende Alternative zur Innenstadt Palmas betrachtet werden. Ein Bummel lohnt, auch wegen der zahlreichen Boutiquen, traditionelles Handwerk wie z.B. Schuhmacher inklusive. Ans Meer und die wunderschöne und geschützte Bucht von Port de Sollér nimmt der Besucher natürlich die Tranvía de Sóller. Diese Straßenbahn wurde fast zeitgleich mit dem Roten Blitz eingeweiht und startet entsprechend an der Plaza de España direkt vor dem historischen Bahnhof, der wie eine lebendige Filmkulisse ausschaut. In wiederum knapp einer halben Stunden werden die Fahrgäste durch die Stadt inmitten der Serra hinunter ans Meer geschaukelt. Stehen auf der Waggon-Plattform ist nicht nur gestattet, sondern sehr beliebt, gleichwohl es ziemlich eng zugeht.

Urlaub auf Mallorca – der Wein der Serra

Nach so viel Touristentrubel empfiehlt sich für den späten Nachmittag ein kühler Ort in den Hanglagen der Serra de Tramuntana. Etwa jener, wo sich Geschichte und Zukunft der Insel sprichwörtlich die Hand geben. Denn Terra Ion steht für die Tradition mallorquinischen Weinbaus und gleichzeitig dessen Neuausrichtung. Mit Domenic Amat Kreft hat vor knapp zwei Jahren ein junger Winzer das Gut übernommen, für den "Bio" nur der Anfang ist. Auf Kalksteinböden wachsen Rebsorten heran, deren gekonnte Mischung später geschmacklich einzigartige Weine hervorbringt. Nicht zuletzt ist die Bodega einer dieser Plätze, an dem man zu sich selbst und der Natur finden kann.

Weite und Idylle. Der Park des Castells im Tal der Serra de Tramuntana.

Weite und Idylle. Der Park des Castells im Tal der Serra de Tramuntana.

Castell Son Claret

Was ohne Zweifel auch für die Gartenanlage des Son Claret gilt. Der symmetrisch angelegte Park direkt vor dem Castillo wird mittig von verschiedenen Wasserspielen geteilt, um die herum sich reichlich Rasenflächen und somit ein Platz für die Yoga-Übungen findet. Der wäre sogar auf den Querungshilfen über die Teiche. Terrassenförmig angelegt und mit üppigem Baumbestand ist der Park zwar als Ganzes gut überschaubar und mehr als ansehnlich, Teilbereiche jedoch nicht wirklich einsehbar, was wiederum der Privatsphäre bei Entspannungsübungen hilft. Bei Zimmern mit eigener Terrasse, wie den Tower-Suiten beispielsweise, kann man dann bei Sonnenaufgang gleich vom Bett aus direkt auf die Matte hüpfen.

Da Mallorca aber nur einmal im Jahr ist, sollte es nicht ohne Strände gehen. Camp de Mar ist nicht weit und Portals Nous ebenso wenig. Wer es besonders spektakulär mag, fährt durchs Gebirge in den kleinen Fischer-Ort Sant Elm. Hier treffen dann Berge und Meer direkt aufeinander. Mehr anderes Mallorca geht fast nicht.