Rennspiel im Test: The Crew Motorfest - Ode an den Verbrenner

The Crew Motorfest. Spaßiger Racer mit vielen bekannten Inhalten.
UbisoftMit „Forza Horizon“, „Gran Turismo“ und auch ein wenig „Need For Speed“ hätte man gedacht, sind alle Möglichkeiten virtueller Spaßracer abgedeckt. Da kommt Ubisoft um die Ecke und präsentiert die dritte Ausgabe von The Crew mit dem Untertitel Motorfest.
Diese Wortschöpfung aus Englisch und Deutsch mutet ein wenig wie „Kindergarden“ an, das ja ebenfalls in den angelsächsischen Sprachraum übernommen wurde. Und die Bezeichnung ist nicht das einzige Dejavú, das den Gamer beschleicht. Denn besser gut kopiert als schlecht neu erfunden scheint das Motto vom Entwicklerstudio Ivory Tower gewesen zu sein.
Denn Motorfest entpuppt sich als eine Mischung aus ganz viel Forza Horizon 5 mit einem ordentlichen Schuss Gran Turismo 7. Und es finden sich tatsächlich noch Gene von Testdrive Unlimited. Für alle Jüngeren sei kurz erklärt, dass der seinerzeit üppig mit Original-Autos ausgestattete Rennspaß vor über einer Dekade auf der drittgrößten hawaiianischen Insel platziert wurde. Ja, genau auf jenem Oʻahu, auf das uns nun auch Motorfest führt.
Ich geb Gas, ich will Spaß
Wie der Name der Veranstaltung erahnen lässt, handelt es sich um ein Renn-Festival, bei dem es natürlich auch um (virtuelle) Kohle, aber vor allem um Ehre und Ansehen geht. Ganz, ganz oben allerdings steht der Spaß an der Sache, meint, mit ordentlich motorisierten Boliden durch die Gegend zu heizen, Rennen zu gewinnen, Rekorde aufzustellen und dabei ein wenig die Landschaft umzugestalten. Denn ähnlich Forza gibt’s für das Fällen von Bäumen, das Rasieren von Leitplanken und ähnlich gelagertem gefährlichen Fahren Punkte, die den Führer des virtuellen Volants im Rang aufsteigen lassen.
Ein wenig Forza für die Playstation
Das kennen wir alles aus dem Microsoft Racer, den es exklusiv für die XBox gibt. Insofern dürfen jetzt auch alle Playstation-Besitzer in den Genuss einer durchaus ähnlichen Rennserie kommen. Denen wird dabei allerdings auffallen, dass die Themenwettbewerbe durchaus jenen ähneln, die die letzte Version von Gran Turismo zu einer Art Story-Inhalt gemacht hat. Zwar beschränkt Ubisoft das Fahrerfeld nicht auf einzelne Marken, dennoch ist die Klammer mit speziellen Tunern, Muscle-Cars oder japanischen Sportwagen schon eingegrenzt. Der ganz große Unterschied zur Rennspiel-Konkurrenz allerdings ist, dass man zur Teilnahme nicht im Besitz eines der zugelassenen Autos sein muss.
Rennen mit Leihwagen
In der Drumherum-Geschichte wird nämlich erklärt, dass ein großer Autofan- und Sammler Sponsor von Motorfest ist und gern das Sport-Gerät zur Verfügung stellt. Kurzum, man fährt stets mit Leihwagen, die man nach der Ziellinie egal in welchem Zustand wieder zurückgibt. Das hat den Vorteil, dass sich niemand erst durch irgendwelche uninteressanten Ligen - siehe Gran Turismo - fahren muss und es stets im Geschehen vorwärtsgeht. Einzige Voraussetzung, die sogenannten Playlists spielen zu können, ist der Besitz bestimmter Fahrzeuge, die es teils wiederum als Preis für die Absolvierung von Rennserien gibt.
Oʻahu erkunden
So bleibt der Hauptzweck der eigenen Karossen, über Oʻahu zu düsen, um die Startpunkte der Rennen zu erreichen. Auch das kennen wir aus Forza, inklusive der mitunter nervigen Fahrten von A nach B. Später im Geschehen gibt es eine Schnellreise oder noch besser, auch Flugzeuge und Boote. Die spielen fürs eigentlich Racing zwar eine untergeordnete Rolle, sind aber teils sehr praktisch, um schnell an einen anderen Punkt der Insel zu kommen. Wobei die Fahrt über Land auch gewollt ist. Hier verstecken sich Zusatzaufgaben wie geheime Kisten - s. Scheunenfunde in Forza - oder die bekannten Geschwindigkeit-Challenges an Blitzerkameras. Navigiert wird wie schon gewohnt über eine Inselkarte, auf der auch die gegenwärtig verfügbaren Rennveranstaltungen zu sehen sind.
600 Fahrzeuge spielbar
Das alles ist sehr liebevoll, detailreich und gekonnt umgesetzt worden. Insofern ist Motorfest weit entfernt von einem billigen Abklatsch erfolgreicher Games. Im Gegenteil. Denn die Boliden fahren sich mehr als ordentlich und berücksichtigen auch in Sachen Physik ihre entsprechende Kategorie. Gerade hierbei geht Ubisoft über die Möglichkeiten der Konkurrenz um einiges hinaus. Neben Sportwagen und Supercars findet sich natürlich eine breite Range on Offroad-Vehikeln. Aber es gibt auch Motorräder und F-1-Boliden.

Üppige Auswahl. Fast alles was Räder und einen Motor hat, kann gefahren werden.
UbisoftInsofern erreicht man in Sachen Vielfalt eine neue Dimension. Das schlägt sich auch in der Zahl von rund 600 Fahrzeugen nieder, die fast alle lizenziert sind. Und die ausnahmslos mit Kraftstoff betrieben werden. Während man in Forza noch einen Exoten in Form eines E-Porsches fahren kann, meint Motorfest mit Motor die Dinger, die verbrennen. Eher also kein Spiel für überzeugte Umweltaktivisten...
Grafik instagramable
Auswahl und Fahrfeeling sind das Eine. Aber auch Auge und Ohr spielen mit. Letzteres wird mit wohligen Klängen blubbernder oder kreischender Aggregate verwöhnt, wir hören quietschende Reifen, die mitunter auch qualmen. Die Ansichten sind nicht selten geradezu intagramable. Vor allem bei Sonnenauf- und Untergängen protz die Grafik, der man eine Voreinstellung, Ansicht oder Performance mitgeben kann. Zudem wird meist mit nassen Straßen gearbeitet, weil deren Spiegelung alles noch einmal beeindruckender aussehen lässt. Allerdings sind die Grafik-Designer hier ein wenig am eigenen Anspruch gescheitert. Denn Gischt oder Spuren auf der Fahrbahn sieht man nicht.
Tune wer will
Das ist das eine, optische Manko, wobei hier schon auf sehr hohem Niveau gemeckert wird. Inhaltlich scheint dagegen nicht so wirklich klar, warum es eine Tuning-Option gibt, wenn doch eh nur mit Leihwagen gefahren wird. Wer aber gern schraubt, kann mit den Teilen, die es in Form von Goodies für Siege gibt, seine Boliden aufmotzen. Und mit denen dann tägliche oder Wochenaufgaben absolvieren, die, wir ahnen es, ähnlich Forza immer wieder zur Verfügung gestellt werden.
Spaßiger Racer
Ivory Tower hat bei der Entwicklung von The Crew Motorfest ziemlich gut bei der Konkurrenz auch in der Vergangenheit abgeschaut. Herausgekommen ist ein Racer, der sehr vieles richtig und vor allem Spaß macht. Insbesondere, dass es zügig voran geht und dank der Leihwagen niemand mit irgendwelche Gurken Stunden vergeudet. Das Game reduziert eigentlich alles auf gutaussehenden Fahrspaß mit teils exotischen Gefährten und bietet der Authentizität wegen Sicht-Perspektiven, die das virtuelle Erlebnis der Realität ziemlich nahe kommen lässt. Das gilt natürlich nicht für die Fahrweise. Denn im richtigen Leben gibt es keine Rückspulfunktion nach Unfällen.
The Crew Motorfest - Test-Fazit
Motorfest liefert eine gekonnte Mischung aus bewährten Bestandteilen anderer Racer und hebt dies alles vor allem optisch auf eine neue Stufe. Der Titel sieht toll aus, spielt sich ungemein flüssig und intuitiv, macht Spaß, auch mal für zwischendurch.
