Smart Home Lautsprecher Test: JBL Authentic - so werden die 1970er smart

Authentic 500 als Referenz an die legendären L100 von JBL.
JBL/HarmanSeit ihrem Auftauchen sind smarte Lautsprecher wie Apples Homepod, Googles Nest und Amazons Echo vor allem eines: praktisch. Ob klein rund oder eher eckig, optisches Highlight ist keiner von ihnen. Und auch in Sachen Sound erfüllen alle eher nur einen Mindestanspruch an Qualität.
Die LE-Serie von Braun machte den nächsten großen Schritt zum echten Schallwandler. Im angedeuteten Retro-Design wurden smarte Funktionen und Soundqualität kombiniert. Bowers&Wilkens schließlich trieben es dann mit dem Zeppelin auf die Spitze und kombinierten HighEnd, Alexa und extravagantes Aussehen. Nun mischt mit JBL ein weiteres Urgestein und Global Player in Sachen Lautsprecherbau in Kombination mit dem sprachgesteuerten Haushalt mit. Die Authentic-Serie ist dabei eine Ansage, sowohl an die Konkurrenz in Sachen Musikwiedergabe als auch bei der smarten Nutzung.
Die Amerikaner haben ja von Hause aus ein Faible für „past times“. Und so wundert es nicht, dass man im fernen Kalifornien - anders als die Briten von B&W - nicht nach einer völlig neuen Form für den smarten Auftritt suchte, sondern sich in der Vergangenheit umschaute. Die legendären L100 aus den 1970er Jahren dienten als optische Vorlage für die Neuentwicklung, der aber ganz viel Retro beigegeben wurde.

Eine wenig Show. Analog anmutende Drehregler für Lautstärke, Bass, Treble.
JBL/HarmanDer dunkle Kunstlederbezug des stabilen Alurahmens ist dabei sicher Geschmackssache, sieht aber ebenso wie das neu gestalteten Quadrex-Gitter in der Gesamtheit gut und vor allem passend aus. Das gilt ebenso für die obig platzierten Drehregler für die Lautstärke, zu denen sich tatsächlich noch je einer für Bass und Treble gesellt. Das ist mal echt oldschool.
Digitale Technik im Retro-Gewand
Doch schon bei der Bedienung der auf den ersten Blick reinen analogen Elemente fällt auf, Retro ist hier vor allem Show. Denn im Innern wird damit mitnichten ein Potentiometer bedient. Die Steuerung erfolgt digital, weswegen es für die runden Knöpfe auch keinen Anschlag gibt. Doch Vorsicht bei der Lautstärke. Der 500er kommt zwar mit Abmessungen von knapp einem halben Meter Breite und nahe an acht Kilogramm schon ziemlich selbstbewusst daher.

Luft zum Atmen. Zwei Öffnungen für den Subwoofer an der Unterseite.
JBL/HarmanDas ist aber nichts zu dem Punch, mit dem der größte Vertreter der Serie einem das Toupet wegbläst. Nicht weniger als sechs Lautsprecher hat JBL hier verbaut. Drei Ein-Zoll-Hochtröner sowie drei 2,75 Zoll Mitteltieftöner sorgen dafür, dass das Frequenzspektrum bis zur Kellerkante ausreichend bedient wird. Für darunter ist ein 6,5-Zoll Downfiring-Subwoofer verantwortlich, der über zwei rückseitige Öffnungen mit Luft versorgt wird.
Equalizer fürs Sound-Tuning
Der Auftritt ist echt beeindruckend, auch im Vergleich zu oben genannter Konkurrenz. Allerdings erweist sich der Authentic als etwas aufstellungssensibel. Er liebt freie Sicht drumherum, um auf höchstem Niveau zu spielen. In Höhe der Ohren des Hörers platziert, läuft er zu grandioser Höchstform auf. Je näher der Schallwandler Wänden oder anderen reflektierenden Flächen kommt, desto eindringlicher wird der Bass. Dieser, als auch Mitten und Höhen lassen sich mittels Equalizer auf der One-App allerdings auch ziemlich genau feinjustieren.
3.1-System mit Dolby Atmos
Die Amis präsentieren also ein echtes 3.1-Kanalsystem, das satte 270 Watt auf die Membranen bringt. Und auch, wenn der große Authentic nicht so aussieht, von der Breite der dargestellten Bühne her eignet er sich auch wunderbar als Soundbar für Beamer&Co. Dazu passt, dass zumindest der 500 Dolby Atmos zertifiziert ist und somit einen ordentlichen virtuellen Klang in den Raum zaubert. Zugespielt wird dafür entweder über eine 3.5-Millimeter Klinke oder via Bluetooth 5.3. Für die reine Musikwiedergabe von Streamingdiensten bietet sich allerdings auch das eingebaute WLAN an. Airplay, Alexa Multiroom sowie Spotify-Connect sind dabei werksseitig vorhanden. Gesteuert wird da alles über die JBL-One App.
Google plus Alexa gleichzeitig nutzen
Aber, smart wird der Lautsprecher erst, wenn er aufs Wort hört. Und da bringt die Athentic-Serie echten Neuwert ins Genre. Denn mit Alexa und Google sind erstmals beide Sprachassistenten mit an Bord und damit zwei der großen Drei, denn Apple bleibt im eigenen Universum. Eine kleine grüne oder rote LED im sonst so historisch anmutenden Außengewand zeigt dem Besitzer an der Vorderseite, ob da wer zuhört. Eingerichtet wird wie gewohnt über die jeweilige App auf dem mobilen Endgerät und dankenswerterweise die entsprechende Sprache nach einem kleinen Umschaltmoment gleich automatisch gewählt.

Sinn für Details. Alurahmen und Quadrex-Gitter wie einst in den 1970ern.
JBL/HarmanOb es dann an dem doch recht dick anmutenden Quadrex-Gitter oder einer vielleicht etwas längeren Leitung liegt - die KI gestützte Stimme hört zwar aufs erste Wort, man sollte seinen Wunsch aber deutlich und eindringlich äußern. Andererseits, einen so aufmerksamen Zuhörer wie beim Zeppelin, wo Alexa gern auch mal in Gespräche reinplatzt, will eigentlich auch niemand. Wer’s braucht, kann beide Assis gleichzeitig in Bereitschaft halten und so alle Varianten von Smart Home und in verschiedenen Konfigurationen nutzen.
Smart plus Multiroom
Doch nicht nur in Sachen Sprachassistenten will JBL ganz vorn mitmischen. Auch bei Mulitroom setzt die Harman-Tochter ein Statement und wildert damit im angestammten Revier von Sonos&Co. Wer mehrere Authentic sein eigen nennt, darf entweder im ganzen Hause die gleiche Playlist laufen lassen oder in jedem Raum eine andere. Damit könnte der erste smarte JBL vielleicht nur der Beginn von mehr sein. Zumal die kleineren Brüder 300 und 200 noch über einen eingebauten Akku verfügen und sich damit für wechselnde Aufstellung bis hin zu outdoor eigenen. Den 500er lässt man dagegen am besten dort, wo einmal optimal platziert, eine feste Stromverbindung braucht er sowieso. Zudem, wie bei Subwoofern üblich, liegt auch hier der Tieftöner offen an der Unterseite. Die Gefahr, beim Transport oder durch andere Gegenstände die Membran zu verletzen, ist einfach zu groß.
Vergangenheit trifft Zukunft
Angesichts dessen, was JBL in das moderne Retrodesign gebaut hat und vor allem, was soundtechnisch aus selbigen rauskommt, scheinen 630 Euro fast schon ein Schnäppchen. Die Konkurrenten von Braun und B&W sind mitnichten günstiger. Zwei Sprachassis, Multiroom, echten Tieftöner und Dolby Atmos und für die Apple-Gemeinde zumindest Airplay. Der Authentic ist in Sachen Anwendung breit aufgestellt, hervorragend verarbeitet und bietet in Sachen Musikwiedergabe das, was man von einer altehrwürdigen Lautsprecherschmiede erwarten darf. Lediglich das Design könnte vielleicht den Kreis der Interessenten einschränken. Aber hier steht JBL ganz klar zu seiner Vergangenheit und beweist, dass man fähig ist, die Brücke von gestern ins Morgen zu schlagen.
JBL Authentic 500 Test-Fazit
Chapeau JBL, die Verbindung von Smart Home und richtigem Lautsprecher ist mehr als gelungen. Die Amis punkten mit erstmals simultan nutzbaren Sprachassistenten, Multiroom, Dolby Atmos und Soundbar-Qualitäten. Die Musikwiedergabe ist dabei mehr als hörenswert, weil die Amerikaner hier eben auch alle Erfahren aus 70 Jahren Lautsprecherbau haben einfließen lassen. Das alles in einem Retrodesign aus modernen Werkstoffen zu einem fast schon unverschämt günstigen Preis.
