Smartwatch Wearables Test: Smartwatch - Wenn auch Größe zählt

Groß und smart. Die zwei Gesichter der TicWatch Pro 5 sowie die Chitah als Por und runde Version (r.).
Mobvoi/AmazefitSize Matters ist nicht mehr allein Godzilla vorbehalten. Gelten herkömmliche Uhren mit rund 40 Millimetern Durchmesser schon als groß, nähern sich die Smartwatches nun der 50-er Grenze. Sowohl die TicWatch Pro 5 von Mobvoi als auch die Chitah Pro aus dem Hause Amazefit kratzen an den fünf Zentimetern.
Die Größe zählt hier freilich nicht allein als Status. Vielmehr ermöglicht sie auch ein entsprechend üppigeres Display, das wiederum dem Einsatzbereich des Wearables zugutekommt. Denn um die Uhrzeit oder die Angabe von grundlegenden Vitalfunktionen geht es schon lange nicht mehr. Beide Uhren sind für den Außeneinsatz gedacht. Die Mobvoi eher im allgemeineren Sinne, die Amazfit hat die Sportler im Blick, vor allem Läufer. Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Modelle zeigt unser Vergleichstest auf.
Wie schon bei den Außenabmessungen liegen beide Kandidaten auch beim Display nur marginal auseinander. Die Chitah Pro hat mit 1,45 Zoll knapp die Nase vor dem Mitbewerber, dessen ebenfalls OLED-Screen um 0,02 Zoll kleiner ausfällt. Zudem löst die Amazefit einen Tick besser auf mit ihren 331 Pixel per Zoll. Beide Displays werden zudem durch Corning-Gorilla-Glas geschützt. Obwohl das Typenblatt hier also Gleichstand signalisiert, gibt es dennoch einen nicht unwesentlichen Unterschied.
Denn die TickWatch Pro 5 verfügt, wie schon ihr Vorgänger, über einen weiteren Bildschirm. Beim sogenannten Dual-Layer-Display liegt auf dem OLED- nämlich noch ein FSTN-Display. Das ist eine Ultra-Niedrigleistungs-Anzeige, die defacto always-on mit geringster Batterienutzung kombiniert. Zwar werden im Stile alter Digital-Uhren nur die wichtigsten Werte angezeigt, aber im Alltag ist das eigentlich vollkommen ausreichend. Während der Workouts informiert die Uhr dann über eine farbige Hintergrundbeleuchtung, in welchem Pulsbereich man sich befindet.
Akku: Leistung satt
Und da wir schon beim Akku sind, auch hier das Wichtigste in Kürze. Obwohl: Kurz ist relativ, da bei keiner der Uhren die Lebensdauer mit einem Ladezyklus schnell erklärt ist. Amazefit hat eine 440 mAh-Batterie verbaut, die in zwei Stunden voll geladen ist. Damit wird die Chitah ohne Nutzung 45 Tage am Leben gehalten und zeigt immerhin noch 24 Tage die einfachen Funktionen wie Uhrzeit oder Puls an. Die TicWatch kann dies dank ihres 628 mAh-Akkus gar 45 Tage lang, nutzt dafür aber ausschließlich das einfache Display im Smart Essential Mode. Im Smart Modus dann, bei dem das OLED hinzugenommen wird, ohne ständig an zu sein, verbleiben rund 80 Stunden Arbeitszeit. Bei Amazfit reicht die Luft da theoretisch fast viermal so lange, in der Praxis dann haben sich sieben bis zehn Tage aber als realistisch erwiesen. Wer jetzt vor allem die Navigationsdienste beansprucht, kann dann allerdings dabei zusehen, wie sich der Füllstand verringert, was für beide Kontrahenten gilt.
Navigation dank genauem GPS
Apropos Navigation. Wie heutzutage üblich, sind alle gängigen System an Bord. Dazu gibt es Beschleunigungsmesser, Gyrosensor, Barometer und Kompass. Amazefit ist besonders stolz darauf, dass mit einer zirkular polarisierten GPS-Antenne, Dualband-Positionierung zu sechs Satellitenortungssystemen die genaueste Ortung bei einer Uhr möglich ist. Und tatsächlich schlägt sich die Chitah in der Praxis hervorragend. Wer die Wegstrecken, die später über die Zepp-App auf einer Karte dargestellt werden, mit vorhandenen Wegen vergleicht, wird nur geringe Abweichungen feststellen, die meistens um einen Meter liegen. Und das selbst in dicht bebauten Gebieten. Da sind die Differenzen bei Mobvoi deutlich größer, wenngleich immer noch in tolerierbarem Rahmen. Dafür kann man mit der TicWatch Pro 5 direkt auf der Uhr navigieren. Da nämlich Googles Wear OS die Basis ist, greift die Smartwatch auf Maps zurück und lädt immer die Umgebung des jeweiligen Standortes als Karte herunter. Amazefit lässt zumindest eine Orientierung zu, indem Karten und Routen importiert werden können und man so sieht, wo man sich befindet. Ganz neu ist nun auch die Zusammenarbeit mit komoot, was das Einsatzspektrum der Chitah deutlich erweitert.
Sportmodi für jeden
Wie eingangs erwähnt, sehen beide Hersteller das Einsatzgebiet der Wearables vor allem draußen. Das große Display erleichtert so ganz klar die Ablesbarkeit bei allen Outdoor-Aktivitäten, Navigation und Kompass sind nützliche Helferlein und der Höhenmesser im Zusammenspiel mit der Blutsauerstoff-Messung für Kletterer & Co u.U. lebenswichtig. Beide Hersteller setzten auf eine dreh- und drückbare Krone sowie auf einen weiteren Drücker. Es gibt zudem jeweils eine haptische Rückmeldung beim scrollen durch die Menüs sowie die App-Auswahl. Das ist im Prinzip gleichermaßen intuitiv. Mit einer Einschränkung. Mit mehr als 150 (Chitah) und mehr als 100 erkannten Sportarten ist deren Auswahl satt und es scheint müßig, über sinnlose oder fehlende Workouts nachzudenken. Allerdings versteckt Mobvoi die Auswahl unter „TicÜbung“ und sortiert dann alle alphabetisch. Das erscheint - vor allem im Vergleich zu Amazefit - etwas umständlich. Bei der Chitah gibt es nicht nur einen Direktzugriff auf die Übungen, diese sind dann auch nach Kategorien sortiert inklusive Untermenüs. Und da vor allem Läufer angesprochen werden, gibt es auf dem Standard-Display einen Direktlink zu „Laufen Outdoor“. Last but not least erkennt die Uhr eine ganze Reihe von Sportarten automatisch und schaltet selbst in den entsprechenden Modus.
Schlaf: Immer unter Beobachtung
Bei der Schlafüberwachung, die mittlerweile das Herzstück smarter Uhren geworden ist, weil dabei das gesamte Gesundheitsmonitoring zum Einsatz kommt, geben sich beide Kandidaten keine Blöße. Schlaf und seine Phasen, Herzfrequenz und Atemqualität liegen bei der Erkennung auf ungefähr gleichen realistischem Niveau. Beide Uhren erkennen Schlaf bzw. ein Nickerchen und schalten dann in eine Art Ruhemodus. Bei Amazefit lässt sich grundsätzlich dazu ein geplanter Nicht-Stören-Zeitplan einrichten. Während diesem werden dann keine Infos vom Smartphone an die Uhr übermittelt.
Smartwatch als Handy-Verlängerung
Ansonsten stehen die bekannten Benachrichtigungen der Apps auf dem Programm. Auf Messenger-Dienste kann nur nur mit der TicWatch geantwortet werden, bei der Chitah beschränkt sich das auf Emojis. Dafür klappt’s in beiden Fällen mit dem Anrufen. Beide Uhren verfügen über Lautsprecher und Mikrofon, sodass Anrufe sowohl entgegengenommen wie getätigt werden können. Die Sprachqualität ist durchweg gut. Aber auch hierbei gilt, dass die Watch immer nur die Verlängerung des Handys ist und nicht über eine Sim verfügt. Zumindest mit der TicWatch Pro 5 kann aber via Google Pay bezahlt werden, da NFC implementiert ist. Die Chitah bietet nur die Hinterlegung von E-Mitgliedskarten.
App als Steuerzentrale
Sowohl Amazefit als auch Mobvoi überlassen die grundlegende Steuerung und Einrichtung einer App auf dem Handy. Für die Chitah steht dabei mit der Zepp-App die Steuerzentrale für ein ganzes Hardware-Universum von Uhr über Waage bis hin zu Kopfhörern zur Verfügung. Entsprechend üppig sind die Einstell- und Sortiermöglichkeiten. Hier hat die TicWatch klar das Nachsehen. Da derzeit die Zusammenarbeit mit der WearOS-App nicht möglich ist, läuft alles über die eigene Mobvoi-Health-App. Die allerdings bietet in Sachen Individualisierung nur ein Mindestmaß. Zumindest aber die Anzahl verfügbarer Ziffernblätter und deren Einstellmöglichkeiten können sich sehen lassen. Ein weiteres großes Manko der TicWatch Pro 5 ist, dass sie nur mit Android-Geräten zusammen arbeitet. Damit bleiben iPhone-Besitzer von vornherein ausgeschlossen. Hier zeigt sich Amazefit deutlich System-offener.
Gute Sicht bei jedem Licht
Zum Schluss noch einmal zurück zum Display. Beide sind ungemein berührungssensibel und geben Tastbefehle ohne Verzögerung weiter. Der neue Snapdragon W5+ Gen1 Prozessor bei Mobvoi sorgt für absolut flüssige Darstellung aller Vorgänge. Amazefit hält sich in Sachen Taktgeber bedeckt, aber auch bei der Chitah sind keine Verzögerungen bemerkbar. Und da die Uhr offensichtlich aus kleinerem Akku eine längere Arbeitsdauer generiert, scheint auch der eigene Prozessor sehr ordentlich zu arbeiten. Dazu wird das OLED mit bis zu 1000 Nits beleuchtet, was bei (fast) allen Lebenslagen für sehr gute Ablesbarkeit sorgt. In Sachen Helligkeit kann die TicWatch nicht ganz mithalten, was das Hauptdisplay betrifft. Der zweiten Anzeige jedoch macht auch direkte Sonneneinstrahlung nichts aus. Insofern gilt ebenfalls volle Alltagstauglichkeit. Das passt ebenso bei den Nehmerqualitäten. Hier ein faserverstärkter Body aus Aluminium (Mobvoi), dort eine Titanlegierung. Dazu jeweils geschützt gegen Wasser bis 5 ATM. Die Tickwatch wird mit einem 24-MM-Silikon-Armband am Handgelenk gehalten, währen die Chitah Pro über ein 20-MM-Textilband verfügt, das stufenlos verstellbar ist. An dieser Stelle wäre nun auch der Punkt erreicht, zu erwähnen, dass Amazefit noch ein zweites Chitah-Modell im Rennen hat. Dieses verfügt im Prinzip über die gleichen Funktionen wie die Pro, hat einen etwas kleineren Bildschirm. Es fehlt allerdings die Telefonfunktion und das Gehäuse besteht aus Polymer.
Spitzensportler und Allrounder
Eine Entscheidung für oder gegen eine der beiden Hauptkandidaten ist von den eigenen Ansprüchen und vom Betriebssystem des Handys abhängig. Für iOS-Nutzer bleibt ja nur die Amazfit Chitah Pro. Die ist mehr aufgebohrte Sportuhr als echte Smartwatch, verfügt aber über die grundlegenden Features einer solchen. NFC fehlt und damit eine Bezahlfunktion, ansonsten ist fast alles an Bord, was man von einem smarten Begleiter am Handgelenk erwartet. Gerade bei den Sport- und Health-Funktionen liefert sie hervorragende Ergebnisse und gehört im Bereich des GPS-Trackings ganz sicher zu den besten am Markt. Die TicWatch Pro 5 bringt vielleicht das etwas rundere Gesamtpaket mit, kann dafür aber in den Einzeldisziplinen nicht immer mit dem Konkurrenten mithalten. In Sachen Design legen beide Uhren einen sehenswerten Auftritt hin. Größe ist hier aber nicht allein Design-Element, sondern korrespondiert auch mit den nutzbaren Eigenschaften. Für um die 300 Euro sind beide Wearables dazu fair bezahlt.
Vergleichstest Fazit
Groß, widerstandsfähig, einfach zu bedienen und mit einem Füllhorn an Features ausgestattet - die TicWatch Pro 5 als auch die Amazfit Chitah Pro legen einen überzeugenden Auftritt hin. Letztere kann von Android und iOS-Usern verwendet werden, die Uhr von Mobvoi bleibt iPhone-Besitzern leider vorenthalten. Das Design, ein Statement, aber keine leere Hülle. Vor allem Sportler und Outdoor-Fans werden ihre Freude haben an den Möglichkeiten, die beide Wearables bieten.
