Test Dashcam
: 4K Omni – Rundumblick im Auto

Dashcams sind beliebt. Die neue Generation hört sogar aufs Wort. Ein Fahrtest.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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70mai 4K Omni. Dashcam mit 360-Grad-Rundumblick.

70mai 4K Omni. Dashcam mit 360-Grad-Rundumblick.

70mai/LIUZHIYI
  • Die 70mai 4K Omni Dashcam bietet 360-Grad-Rundumblick und Sprachsteuerung.
  • Installation erfolgt durch elektrostatischen Aufkleber statt Saugnapf.
  • App-Steuerung ermöglicht einfache Handhabung und Konfiguration.
  • Kamera zeichnet in 4K, 60 FPS, und speichert Loops für rechtliche Beweise.
  • Parküberwachung durch KI-Bewegungserkennung und optionales Hardware-Kit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Dashcams werden immer beliebter. Doch sie sind ursprünglich nicht dafür gedacht, lustige oder aufregende Videos für Social Media oder unterhaltsame Fernsehabende zu generieren. Die kleinen Kameras, die permanent bei der Autofahrt filmen, werden mitunter als Beweismittel ganz schnell ganz wichtig.

Gerade in Deutschland können Betroffene von Verkehrsunfällen ein Lied davon singen, dass Recht haben und Recht bekommen zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Wohl dem, der im Zweifel vor Gericht untrügliche Beweise anhand von Filmaufnahmen vorweisen kann. Mittlerweile sind Dashcams in diesem Sinne auch zugelassen.

Die Auswahl an Geräten am Markt ist groß, in jeder Qualität. Und es kommen immer neue hinzu, die auch mit zusätzlichen Features punkten. Zu jenen gehört die 4K Omni von 70mai. Hinter dem Sprachwirrwarr versteckt  sich (natürlich) ein chinesisches Unternehmen, das erst knapp neun Jahre existiert, sich in dieser Zeit aber schon einen Namen in Sachen Dashcams gemacht hat. Zwei Millionen Einheiten will man per Anno verkauft haben und ist nunmehr mit einer neuen 4K-Kamera am Start. Die soll aber viel mehr sein will als bloße Fahrbegleiterin. Was dran ist, an den vielen Versprechen, wird unser Test zeigen. Die 4K Omni ist dafür einige tausend Kilometer mitgefahren.

70mai 4K Omni - Installation und Inbetriebnahme

Die Dashcam kommt zwar nicht allzu üppig verpackt daher, doch das Gewicht der Schachtel überrascht dann schon. Und tatsächlich befindet sich unter dem Deckel nicht etwa eine dieser filigranen Konstruktionen. Von der äußeren Form an ein Minion erinnernd, erstreckt sich das längliche Ei über mehr als zehn Zentimeter und da nicht ganz rund, 57 mal 61 Millimeter in Breite bzw. Tiefe. Also alles andere als klein. Nächster Aha-Effekt: Der sonst übliche Saugnapf fehlt. Zwar verfügt die Dashcam über einen Fuß mit Klebebeschichtung, doch damit wird sie nicht direkt auf der Frontscheibe angebracht. Dafür verwenden die Chinesen einen ebenfalls relativ großen elektrostatischen Aufkleber. Also eine Folie, die dank gegensätzlicher Aufladung von Scheibe und Plastik halten soll.

70mai 4K Omni Dashcam. Das Gesamtpaket, rechts die relativ großen elektrostatischen Folien.

70mai 4K Omni Dashcam. Das Gesamtpaket, rechts unten die relativ großen elektrostatischen Folien.

70mai

Ehrlich, unser erster Gedanke, das funktioniert angesichts des Gewichts nie. Doch Überraschung, hält wie Pattex. Allerdings ist die Anbringung nicht ohne. Auch wenn die Kamera am Fuß über eine vertikale Verstellmöglichkeit verfügt, möchte man sie ja doch halbwegs im Lot angebracht wissen. Die Krümmung der Scheibe eingerechnet wird das eine ziemliche Fummelei. Denn eben anders als ein Saugnapf lässt sich der Aufkleber nicht einfach immer wieder abnehmen. Und erst recht nicht die Dashcam, wenn sie einmal draufgeklebt ist. Kurzum, am Ende passte es von der Optik her, allerdings nicht ganz blasenfrei. Ob die Gesamtkonstruktion auch bei Sonne und Wärme hält, wird der Sommer zeigen.

70mai Dashcam - App und Display

Einmal angebracht und mit Strom versorgt - Kabel mit USB-A/C liegt bei - kommt die App ins Spiel. Die wird über ein eigenes WiFi mit der Kamera verbunden, sodass man die optische Ein- oder Ausrichtung entweder über das 1,4 Zoll TFT-LCD-Display oder gleich übers Handy vornehmen kann. Ebenfalls per App werden alle Bildschirmanzeigen konfiguriert, zu denen GPS-Daten und Geschwindigkeit gehören. Ganz wichtig schließlich der Loop. Denn eine dauerhafte Aufnahme im öffentlichen Raum ist bekanntermaßen nicht gestattet. Die 4K Omni zeichnet also immer nur bestimmten Längen auf, normalerweise zwei Minuten, und überschreibt diese Abschnitte dann wieder, wenn die Kapazität der mitgelieferten Micro-SD erschöpft ist.

70mai 4K Omi. Haupt-Dashcam in rot oder schwarz, in der Mitte die optional erhältliche Kamera für die Heckscheibe. Die nutzt das Display der Front-Dashcam.

70mai 4K Omi. Haupt-Dashcam in rot oder schwarz, in der Mitte die optional erhältliche Kamera für die Heckscheibe. Die nutzt das Display der Front-Einheit.

70mai

Alle Daten bleiben zudem erst einmal bei der Kamera. Während die gewünschten Clips per Download und Einzelauswahl aufs Handy geladen werden, lassen sich die Fahrstrecken relativ einfach als Gesamtpaket synchronisieren. Damit hat man alle absolvierten Kilometer der letzten Tage parat. Angezeigt werden auf einer einfachen Kartendarstellung Strecke, Länge, Dauer und Höchstgeschwindigkeit. Nettes Gimmick: Die Fahrt lässt sich gar im Zeitraffer anschauen. Zwar gibt es am Gerät selbst auch richtige Tasten, die haben wir jedoch außer beim ersten Einschalten nie benutzt.

Dashcam 4K Omni - Funktionsweise

Die runde Bauweise der 4K Omni ist einem besonderen Feature geschuldet. Denn sie nimmt nicht nur in 4K und mit 60 Bildern pro Sekunde auf, sondern ist auch in der Lage, 360 Grad zu schwenken. Das macht bei den originären Aufgaben einer Dashcam zwar erstmal wenig Sinn, daher dazu später. Mit Stromzufuhr, also Einschalten der Zündung, erwacht die Kamera zum Leben, ein freundliches Bärengesicht zeigt sich, kurze Zeit später das Sichtfeld des Objektives und dann nur noch die aktuelle Uhrzeit. Denn wie gewohnt wird das Display selbst nach ein paar Sekunden abgeschaltet. Wie beschrieben, werden immer Loops in einzustellender Länge aufgezeichnet. Ein G-Sensor, dessen Empfindlichkeit ebenfalls vorausgewählt werden kann, sorgt für den Impuls zur Speicherung der Videos, wenn durch einen Unfall plötzlich stark abgebremst oder erschüttert wird. Hier kommt eine gepufferte Notfallaufzeichnung zum Tragen. Dabei werden die zehn Sekunden vor und 20 nach dem Ereignis gespeichert. Zudem kann ein Foto geschossen oder ein Clip gesichert werden, indem eine entsprechende Taste am Gerät gedrückt wird.

Die 4K Omni eignet sich aber ebenso zur Parküberwachung. Dabei liegt sie, wenn man so will, immer auf der Lauer. Dank einer KI-Bewegungserkennung 2.0 wird sie "scharf" geschaltet, wenn sich jemand dem Auto nähert. Wer nun noch die optional mögliche 4-G-Simkarte verwendet, bekommt über die App eine Push-Nachricht. Alle anderen können wenigstens auf Videos zurückgreifen, sollte in Folge der Bewegungserkennung eine Erschütterung festgestellt werden. Wohin die Kamera während des Parkens schaut, lässt sich ebenfalls bequem über die App festlegen. Da 360 Grad Rotation möglich ist, kann man das entsprechend dem Abstellort einstellen, in welcher Ruheposition das Objektiv verharrt. Für die Parküberwachung allerdings ist ein zusätzliches Hardware-Kit erforderlich, über das die Dashcam dauerhaft mit Strom vom Bordsystem versorgt wird.

70mai 4K Omni - Bildqualität

Wer sich die Beschreibung der Dashcam genauer ansieht, erhält eine üppige Erklärung in Fachchinesisch, was das Ding alles kann. Reduziert aufs Wesentliche bleibt: Neben der KI unterstützten Bewegungserkennung kommt in der Kamera das von Sony entwickelte Starvis 2 System zum Einsatz. Den Chip zeichnet vor allem die herausragende Detailqualität auch bei wenig Licht aus, was besonders bei Nachtfahrten oder eben der Parkraumüberwachung von Nutzen sein kann. Die Darstellung bleibt dabei durchgängig farbig. Der 12-nm-Quad-Core-Prozessor ist zudem in der Lage, Feinheiten besonders herauszuarbeiten. Zusammen mit der 70mai eigenen MaiColor Vivid+Solution Verarbeitung lassen sich Nummern- oder Verkehrsschilder auf den Videos/Fotos sehr gut erkennen. 60 Bilder pro Sekunde ermöglichen außerdem, dass die Darstellung auch bei hohen Geschwindigkeiten stets flüssig und ruckelfrei ist. Und am Ende bleibt die Erkenntnis, dass die Bilder tatsächlich farblich natürlich und gestochen scharf daherkommen.

70mai 4K Omni Dashcam. Das Objektiv ist 360 Grad schwenkbar, reagiert auf Sprachbefehle während der Fahrt.

70mai 4K Omni Dashcam. Das Objektiv ist 360 Grad schwenkbar, reagiert auf Sprachbefehle während der Fahrt.

70mai

Aus diesem Umstand gewinnt 70mai ein weiteres Feature, bei dem die Sprachsteuerung wichtig wird. Denn die Dashcam soll wie beschrieben nicht nur Fahrtüberwacher sein. Viele kennen die Situation, man fährt durch traumhafte Landschaften, hätte gern ein Foto oder Video, kann aber nicht anhalten. "Take Photo" oder "Record Video" sind nur zwei von 14 Sprachbefehlen, denen die Kamera folgt. Sie positioniert dann das Objektiv an einer vorher festgelegten Stelle - rechts, links, hinten oder zum Fahrer beispielsweise - und schießt dann ein Foto oder nimmt ein Video auf, Selfie inklusive. Die Sprachsteuerung funktioniert zwar derzeit nur in Englisch, Italienisch oder Chinesisch, aber die paar Befehle kann man auch auswendig lernen. Am Ende ein nettes und einfach zu bedienendes Feature, um dann doch Content für Social Media zu erzeugen.

Dashcam 4K Omni - Weitere Features und Zusammenfassung

Die 4K Omni gibt es wahlweise stand alone oder mit einer Erweiterung für die Heckscheibe. Die wird analog zur Hauptkamera angebracht und mit dieser per Kabel verbunden. Das gekonnt irgendwo im Auto verschwinden zu lassen, ist eine Herausforderung. Aber am Ende funktioniert das Duo einwandfrei. Die Ergänzung macht wohl vor allem Sinn, wenn die ständige Parküberwachung gewünscht ist. Bei dieser allerdings ist zumindest im öffentlichen Raum ein wenig Vorsicht geboten, da wie beschrieben, ansatzloses Filmen dort nicht gestattet ist. Denn nicht jeder Spaziergänger, der knapp am geliebten Blech vorbeigeht, ist je ein potenzieller Autodieb. Auch die Rear-Kamera lässt sich im Übrigen per Sprache steuern. Generell funktioniert das aber nur, wenn die Dashcam nicht mit der App verbunden ist.

70mai 4K Omni

70mai 4K Omni. Bei der Größe der Kamera ist die richtige Position wichtig, damit sie sich nicht im Sichtfeld befindet.

70mai / LIUZHIYI

Für den stolzen Preis von über 300 Euro gibt es also ein System, das Dashcam-Funktionen vorn und hinten sowie Freizeitfeatures gekonnt miteinander verbindet. Gewicht und vor allem Größe der Frontkamera sind gewöhnungsbedürftig, stellen besondere Ansprüche bei der Platzierung des Gerätes, das natürlich nicht die Sicht beeinträchtigen darf. Ungewohnt auch die Art der Montage. Vielleicht dem Gewicht geschuldet, kommt statt eines Saugnapfes ein elektrostatischer Aufkleber zum Einsatz. Dessen Nachteil ist ganz klar, dass man die Kamera, wenn gewollt, nicht einfach mitnehmen kann, beispielsweise für den Mietwagen im Urlaub. Schließlich gehört auch die Sprachsteuerung zu den wirklich sinnvollen Neuerungen, wenngleich derzeit nur in Englisch verfügbar. Qualitativ überzeugt die 4K Omni in jeder Beziehung. Natürliche, flüssige und vor allem detaillierte Aufnahmen erfreuen als Videos/Bilder von unterwegs oder halten, wenn notwendig, entscheidende Situationen nachvollziehbar optisch fest.

70mai 4K Omni - Test-Fazit

Wer mehr als eine einfache Dashcam sucht, sollte sich die 4K Omni einmal genauer anschauen. Glasklare Bilder und Videos, einfache Handhabung per App und vor allem per Sprache, dazu 360 Grad Rundumsicht und wenn gewollt eine Heckscheiben-Erweiterung, mehr geht eigentlich derzeit nicht. Fahraufzeichnung, Parküberwachung und schöne oder lustige Bilder von unterwegs - 70mai hat eine Kombi gefunden, die den Anfoderungen an den Straßenverkehr, die Fahrzeugsicherheit und den modernen Lifestyle gleichermaßen gerecht wird.

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