Test E-Scooter
: Navee N65i – Rollern im SUV

E-Scooter im Test: Mit dem N65i kommt ein E-Roller, der ähnlich einem SUV Robustheit ins urbane Alltagsleben bringen soll.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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Für den Stadt-Dschungel gerüstet. Der Navee N65i soll das Pendant zum SUV darstellen.

Navee

Wer den Großstadt-Dschungel erfahren will, braucht das entsprechende Gefährt dafür. Bei den einen erfreuen sich daher SUVs großer Beliebtheit. Andere wiederum setzen auf E-Scooter. Beiden gemein ist, dass sie meistens entweder geliebt oder gehasst werden.

Insofern ist es schon ein mutiger Schritt, sozusagen eine Kreuzung aus beiden auf die Straße zu bringen. Navee hat dies nach eigenem Bekunden mit dem N65i getan, der nunmehr auch in Deutschland eine Straßenzulassung erhalten hat. Wir haben etliche Test-Kilometer auf Asphalt, Kopfsteinpflaster und auch losen Untergründen zurückgelegt.

Wenn der Navee N65i um die Ecke biegt, sind die erwähnten Gene eines Sports Utility Vehicles auf Roller-Ebene unübersehbar. Das Erscheinungsbild ist wuchtig und wird geprägt von einer robusten Bauweise, ausgestattet mit breiten, schlauchlosen 10,5-Zoll Reifen. Die Bodenfreiheit von 76 Millimetern unterstreicht seine Fähigkeit, auch über kleinere Hindernisse hinwegzukommen, ohne die Sicherheit des Fahrers zu gefährden. Der sollte allerdings nicht zu klein sein, da mit 1,25 Metern eine stattliche Lenkerhöhe erreicht wird. Der Scooter ist fast ebenso lang, was ihn zu einer ausladenden Erscheinung macht. Dazu gibt’s ein breites Trittbrett. Von dieser Seite betrachtet also echt SUV-like.

Weniger als halbe Höhe. Der N65i lässt sich doppelt zusammenklappen und so einfacher transportieren.

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Ein doppelter Klappmechanismus allerdings sorgt dafür, dass man das Gefährt dennoch recht einfach selbst transportieren kann. Es ist möglich, sowohl die Lenkerstange als auch den Lenker zu falten. So bleiben am Ende noch 1.23 x 20,5 x 58 Zentimeter übrig. Damit passt der N65i in den Kofferraum eines Autos ebenso wie in öffentliche Verkehrsmittel.

Leistungsstark und effizient

Der Scooter wird von einem Motor angetrieben, der kurzzeitig mit bis zu 1.000 Watt das Vorderrad antreiben kann. Die konstante Nennleistung liegt dann bei 450 Watt. Diese Konfiguration ermöglicht es, Steigungen von bis zu 24 Prozent zu bewältigen, während die Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h den gesetzlichen Anforderungen in Deutschland entspricht. In Sachen Performance dürfte das in etwa äquivalent zu einem Stadtgeländewagen sein. Navee bietet dabei drei verschiedene Fahrstufen, die – etwas umständlich – über den Hauptschalter angewählt werden können. In der geringsten, gedacht für Fußwege o.ä., wird die maximale Geschwindigkeit auf 5 km/h begrenzt. Die zweite Stufe riegelt bei 15 ab und die dritte erlaubt dann Vmax. Allerdings startet der Roller nicht aus dem Stillstand. Mit einem kräftigen Tritt muss er auf 5 km/h beschleunigt werden. Erst dann beginnt der Motor seinen Dienst.

Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile

Nachteile

Akku und Reichweite

Mit einem 600 Wh starken Akku ausgestattet, gibt der Hersteller eine maximale Reichweite von bis zu 65 Kilometern an. Allerdings, wie bei vielen elektrischen Fortbewegungsmitteln, variiert diese Zahl je nach Fahrbedingungen. Faktoren wie das Gewicht des Fahrers, die Fahrweise, der Untergrund und die Umgebungstemperatur spielen eine entscheidende Rolle in der tatsächlich erzielbaren Distanz. Realistischerweise kann man von einer durchschnittlichen Reichweite von etwa 30 Kilometern ausgehen. Jedoch ist der Scooter in der Lage, Energie zurückzugewinnen. Durch diese Rekuperation lässt sich die Reichweite ausbauen. Mit rund sieben Stunden bis voll ist der E-Scooter alles andere als ein Schnelllader.

Sicherheit und Komfort

SUVs sind vor allem deshalb beliebt, weil sie aufgrund ihrer Bauweise schon ein subjektiv hohes Sicherheitsgefühl vermitteln. Das ist beim N65i nicht anders. Zudem bietet der aber auch einige Features, die für aktiven Schutz von Fahrer und Unbeteiligten sorgen. An erster Stelle steht da das Dreifach-Bremssystem. Der Roller ist mit einer Kombination aus E-ABS, Scheibenbremsen hinten und einer Trommelbremse vorne ausgestattet. Dazu lässt sich die Rekuperation dreistufig einstellen. Auf Max verzögert das Gefährt in kurzer Zeit bis zum Stillstand, sodass die Bremsen eigentlich nur im Notfall hinzugenommen werden müssen.

Serienmäige Sicherheit. Blinker sind im Lenker integriert. Zum optischen gibt es auch ein akustisches Signal.

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Ergänzt wird dieses Sicherheitspaket durch ein umfassendes Beleuchtungssystem. Da wäre die groß dimensionierte Rückleuchte, die zudem ein Bremslicht enthält. An den Lenkeraußenseiten sind gelbe Blinklichter integriert. Das Abbiegen wird zudem akustisch mit einem fast schon nervigen Piepton vermittelt. Vorn sorgt eine kräftige LED-Lampe für Sicht, die sich auf Wunsch auch selbst aktiviert. Die vordere Beleuchtung ist flexibel angebracht. Somit kann der Fahrer selbst den Bereich wählen, in den das Licht streuen soll.

Digitale Konnektivität und Benutzerfreundlichkeit

Navee bietet für die Scooter eine App. Mit deren Hilfe kann der Gefährt ver- und entriegelt werden. Eine GPS-Ortung indes sucht man vergebens. Im Rahmen ist aber zumindest eine Stelle vorgesehen, an der ein AirTag platziert werden kann. Zudem wird über die App die Stärke der Energierückgewinnung eingestellt. Das Dashboard liefert dann noch ein paar Fahrdaten wie zurückgelegte Strecke, Höchst- und Durchschnittsgeschwindigkeit, Restlaufstrecke und Fahrzeit. Am Lenker selbst ist ein Display angebracht, das über die Geschwindigkeit und per Balkengrafik über die Akkuzustand informiert.

Die App wird vor allem zum ab- und aufschließen des Scooters genutzt, lierfert aber auch noch einige Einstellmöglichkeiten.

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Alltagsnutzung und Praktikabilität

Mit seinen im Vergleich zu Konkurrenz deutlich breiteren Reifen vermittelt der N65i nicht nur ein höheres Maß an Alltagstauglichkeit. Er bietet sie auch. Lose Untergründe wie Sand oder Schotter machen nicht wirklich Probleme. Zudem tragen die schlauchlosen Schlappen ein wenig zum Fahrkomfort bei. Denn eine Federung sucht man bei diesem Modell vergebens. Gerade auf unebenen Wegen oder Kopfsteinpflaster wird der Fahrer dann doch ganz schön durchgeschüttelt. In Sachen Performance enttäuscht der Roller nicht, auch wenn der Antrieb übers Vorderrad erfolgt. Der Motor zieht ordentlich und Vmax ist gefühlt und auch (fast) tatsächlich im Handumdrehen erreicht.

Robuster Aufbau, vergleichsweise breite Reifen. Der N65i soll als SUV unter den E-Scootern verstanden werden.

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Mit knapp 23 Kilogramm ist der Scooter allerdings alles andere als ein Leichtgewicht. Andererseits liegt er gerade deshalb und wegen des sehr niedrigen Schwerpunktes satt auf der Straße. Modernen SUVs ähnlich, überrascht das leichtfüßige Handling dann doch angesichts des wuchtigen Gesamtauftrittes. Trotz seiner ordentlich Bodenfreiheit muss man dennoch aufpassen, wegen des langen Radstandes nicht an Hindernissen hängenzubleiben. Langsames überfahren von Bordsteinen ist daher ratsam. Dabei allerdings wird’s etwas tricky. Denn wenn die Geschwindigkeit unter 5 km/h sinkt, verweigert der Motor seinen Dienst. Den wieder aufzunehmen, braucht es dann eingangs erwähnten Schubser.

Was gefällt, was nicht

Navee ist mit dem N65i tatsächlich ein Äquivalent zum SUV in der Rollerwelt gelungen. Wuchtiges Design, hohes Gewicht wurden gepaart mit leichtgängigem Handling und vor allem sehr ordentlichem aktiven und passiven Sicherheits-Features. Beleuchtung und Bremsen sind vorbildlich. Die Reichweite ist gut, die Performance des Antriebs nicht minder. Der Roller macht Spaß auf verschiedenen Untergründen, solange es nicht zu holprig wird. Treppauf, treppab mag man den Scooter allerdings nicht tragen, dafür ist er zu schwer, wenngleich zusammengeklappt nicht unhandlich. Wirklich zu kritisieren gibt es eigentlich nur zwei Dinge. Zum einen ist der Seitenständer echt unterdimensioniert. Das Gefühl, dass der N65i felsenfest steht, macht sich nicht breit. Hier wäre ein Kippständer wohl angebrachter gewesen. Und dann ist das Ventil am Vorderrad so eng verbaut, dass man mit herkömmlichen Luftpumpen dort nicht weiterkommt. Die einzige Lösung, Druck auf den Reifen zu bekommen, sind wohl nur die Aufsatzventile, wie Tankstellen sie bieten.

Navee N65i - Test-Fazit

Mit dem N65i stellt Navee einen echten Roller-SUV auf die 10,5-Zoll-Breitreifen. Trotz hohem Gewicht lässt sich der Scooter leichtfüßig im Großstadtdschungel bewegen, beweist dabei ordentliche Ausdauer und weiß vor allem mit sehr guten Sicherheits-Features zu begeistern. Ein rundum robuster Zeitgenosse, der, ebenfalls SUV-typisch, auch ein wenig teurer als der Durchschnitt ist.

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