Test InEar Kopfhörer
: Tour Pro 3 - Wie gut sind die Top-InEar-Kopfhörer von JBL?

Mit den Tour Pro 3 will JBL an die Spitze der TWS-InEars. Unser Test sagt, ob dies gelingt?
Von
Stefan Klug
Berlin
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JBL Tour Pro 3. Die vielleicht besten TWS InEars derzeit.

JBL Tour Pro 3. Die vielleicht besten TWS InEars derzeit.

JBL
  • JBL Tour Pro 3: Neue TWS InEar-Kopfhörer für ca. 300 Euro.
  • Ladeschale mit 1,57-Zoll-Touchscreen für viele Funktionen.
  • Hybrid-Dual-Driver für besseren Sound und Noise Cancelling.
  • Lange Akkulaufzeit: bis zu 11 Stunden ohne ANC.
  • App zur Personalisierung und Passformprüfung der Ohrstöpsel.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Für HiFi-Puristen und all jene, die gern Musik über Kopfhörer kabellos genießen, ist TWS das Maß aller Dinge. Ähnlich wie bei HiEnd-Kopfhörern, die am Kabel hängen und für links und rechts mit einer eigenen Strippe versorgt werden, liefert der Bluetooth-Sender bei True Wireless Sound an jede Seite ein eigenes Signal. Die Stöpsel sind also nicht miteinander gekoppelt.

Der Aufwand lohnt freilich nur, wenn auch entsprechende Technik zur Schallwandlung verbaut wurde, also die Treiber etwas taugen. Alles zusammen schließlich sorgt für den hörbar besseren Sound und einen spürbar höheren Preis.

JBL, 1946 in den USA gegründet, gehört nicht nur zum alten Adel der Lautsprecher-Produzenten, sondern ebenso zu den maßgeblichen Akteuren bei der (Weiter)-Entwicklung von Bluetooth-Lautsprechern, Kopfhörer inklusive. Hier zählte man stets zu den Innovationsführern und Global Playern, entsprechend selbstbewusst das Auftreten. Auch beim Preis. Für die neuen TWS InEars JBL Tour Pro 3 werden rund 300 Euro aufgerufen. Das ist doch mal eine Ansage. Ob gerechtfertigt, soll unser Test zeigen.

Tour Pro 3: Das Smart Charging Case

Wer über die neuen InEars reden will, kommt an der Verpackung nicht vorbei. Wie schon die Vorgänger stecken auch die aktuellen Tour Pro 3 in einer Ladeschale mit Bildschirm. Einst ein nettes Gimmick, ist das mittlerweile auf 1,57 Zoll gewachsenen Touch-Display aber Mittelpunkt verschiedener Features geworden. Denn allein mit dem Aufladen der Ohrstöpsel gibt sich JBL in Sachen Smart Charging Case nicht zufrieden. Zwei Funktionen kommen der rund 72 Gramm schweren Ladebox darüber hinaus zu.

Zum einen soll sie die Schaltzentrale für die wichtigsten Funktionen der Ohrhörer außerhalb des Handys sein. Also Start/Stopp/Titelsprung/Lautstärke sind die Basics. Aber auch viele der anderen Einstellungen, die sonst über die Headphone-App gesteuert werden, lassen sich hier als Shortcut wiederfinden. Dazu zählen Noise Cancelling ebenso wie Sound Presets. Nicht zuletzt besteht die Chance, per Touch jeden der Knöpfe einen Ton wiedergeben zu lassen, um verlegte InEars wiederzufinden. 18 unterschiedliche Screens sind auf dem Display abrufbar, dazu noch eine Message-Ansicht für den Fall, dass eine Nachricht auf dem Handy eingegangen ist.

JBL Tour Pro 3 Smart Charging Case. Schaltzentrale mit individualisierbarem Startbildschirm.

JBL Tour Pro 3 Smart Charging Case. Schaltzentrale mit individualisierbarem Startbildschirm.

JBL

Nun mag mancher - zu Recht - fragen, wieso man das Handy aus der Hand legen und dafür zum Ladecase greifen sollte. Tja, in manchen Situationen ist die deutlich kleinere Plastik-Schachtel einfach die bequemere Variante, solange nicht Anrufe getätigt werden müssen. Auf dem Display werden Eingehende angezeigt und können angenommen werden, eine Rückruffunktion indes gibt es nicht. Zu berücksichtigen ist zudem, dass der Abstand zwischen Phone und Case die übliche Bluetooth-Distanz nicht überschreiten sollten. In offenen Räumen können das gern zehn und mehr Meter sein.

Viel wichtiger allerdings wird das Smart Charging Case in seiner Funktion als BT-Dongle, wie etwa im Flugzeug. Mit dem Bordsystem dank der mitgelieferten 3.5-Klinken-USB-C-Verbindung gekoppelt, können so die Tour Pro 3 als Kopfhörer genutzt werden. Und selbst die des netten Nachbarn, wenn gewollt. Denn Auracast ist mit an Bord, das neue BT-Feature, mit dessen Hilfe man Inhalte mit anderen Empfängern in der Nähe teilen kann. Das ist eine echt coole Funktion, die mit allen Geräten funktioniert, die über einen USB-C bzw. 3.5-Klinkenausgang verfügen.

JBL InEars: Klang und Noise Cancelling

Wenn aktuell die Top-OverEars von Edelmarke Bowers & Wilkens für knapp 300 Euro angeboten werden, müssen JBLs Spitzen-InEars technisch mächtig auftrumpfen, um einen ähnlichen Preis zu rechtfertigen. Die Ausgangslage per Daten ist dabei bestens. Denn zur Anwendung kommen nunmehr Hybrid-Dual-Driver. Ein 5,1 x 2,8 mm Balanced-Armature-Treiber ist dabei für die Höhen zuständig, während sich ein dynamischer 10 mm-Treiber um die tiefen Töne kümmert. Die Aufteilung macht insofern Sinn, als beim Einsatz von Solo-Treibern sich die verschiedenen Frequenzbereiche gegenseitig behindern und so der Klang leidet.

Davon kann nun keine Rede mehr sein. Die Tour Pro 3 projizieren eine sowohl breite wie dynamische Bühne, in der die Sounds, Stimmen und Instrumente klar zu verorten sind. Ebenso, wie vom tiefen Keller bis in luftige Höhen sauber differenziert wird. Auch wenn dabei die Grenzen von 20 Hz bzw. 40 kHz eher nur theoretischer Natur sind, weil außerhalb des Hörvermögens liegen, so können die InEars fast alles, wenn man sie nur lässt. Und hier käme u.U. wieder das Case mit seiner Dongle-Funktion ins Spiel. Denn der eherne Grundsatz der Akustik, je besser das Signal, desto besser der Klang, gilt uneingeschränkt. Wer also seine 300-Euro-Stöpsel mit einer 10 000 Euro-Anlage koppelt, kann im wahrsten Sinne des Wortes sein soundmäßiges Wunder erleben. Wirklich unglaublich.

Und damit der gute Sound unter den Umgebungsgeräuschen nicht leidet, misst das True Adaptive Noise Cancelling 2.0 bis zu 50 000 Mal in der Sekunde, wie sich die Lautstärken außerhalb verändern und passt entsprechend die aktive Abschottung an. Die durchaus beeindruckenden Zahlen sind praktisch nicht wirklich zu validieren, aber es ist durchaus möglich, normale Geräusche von außen fast vollständig auszublenden.

Tour Pro 3: Alles in einer App

Für die Klang-Verfeinerungen setzt JBL auf bekannte und neue Features. Zum einen lässt sich per App die Passform prüfen, um ggf. aus dem Angebot der fünf Silikon- und einem Schaumstoffpolster das am besten sitzende zu finden. Und dann kommt erneut Personi-Fi ins Spiel. Ähnlich wie beim Hörakustiker werden dabei für jedes Ohr einzeln Töne in verschiedenen Frequenzlagen wiedergegeben, die das System dann, je nach Hörvermögen, elektronisch bei der Wiedergabe verstärkt und damit akustische Defizite des Menschen ausgleicht. In eine ähnliche Richtung zielt der Spatial 360 Sound. Die reine Stereo-Basis wird erweitert, was sozusagen raumfüllende Folgen hat. On top kommt schließlich das Head-Tracking. Nach einem kurzen Einstellungsprocedere verorten die InEars den Kopf immer in der Mitte des Geschehens und minimieren dabei Qualitätsverluste durch Lageveränderungen. Besonders gut zu erleben, wenn man sich in die Waagerechte begibt. Kopfhörer verlieren dabei meist an Bass. Nun nicht mehr.

JBL Tour Pro 3: Hybrid-Dual-Driver und je drei Mikrofone für Sound und Sprache.

JBL Tour Pro 3: Hybrid-Dual-Driver und je drei Mikrofone für Sound und Sprache.

JBL

Neben diesen Key-Features bietet die App drei Reiter für allgemeine, Audio und weitere Einstellungen. Touch-Belegung, Equalizer, Balance, Begrenzer, Sound-Profile für Sprache, Musik, Film, Spiel sowie einen ganzen Sack von Presets u.a. auch für Anrufe finden sich ebenso. Last but not least kann man sich Entspannungsmusik und Töne aufs Ohr geben lassen, sowohl einzeln als auch gemixt. Dazu ist die App übersichtlich aufgebaut, lässt sich intuitiv bedienen und bietet über einen Info-Knopf immer noch die notwendigen Erklärungen.

JBL-InEar-Kopfhörer: Stimme und Akku

Zwei äußere Beamforming-Mikrofone an jedem Ohrhörer sowie ein Mic im Innern gekoppelt mit dem neuen JBL Crystal AI-Algorithmus sollen für eine ungestörte und verlustfreie Übertragung der Stimme bei Telefonaten oder in Meetings sorgen. Schließlich sind die Tour Pro 3 auch Zoom-zertifiziert. Angesichts des wie oben beschriebenen durchaus beeindruckendem Sound-Erlebnis fällt die Verarbeitung der Stimme eher normal aus. Die Verständigung ist gut, der Klang natürlich, dennoch sollte man in nicht wirklich ruhigen Umgebungen besser etwas lauter reden, um es dem System leichter zu machen. Denn zaubern kann es nicht.

850 mAh bringt der im Smart Charging Case verbaute Akku mit. Zwei Stunden braucht er bis zur vollen Aufladung, nur elf Minuten allerdings reichen für drei Stunden Weiterbetrieb. Ohne ANC können die Tour Pro 3 elf Stunden am Stück wiedergeben. Mit normalem Noise Cancelling sind es immerhin noch acht, bei der Verwendung von True ACN sieben und die reine Gesprächszeit beläuft sich auf fünf Stunden. Das alles ist sehr ordentlich. Zumal das Lade-Case weitere drei Ladungen bereithält. Mit kurzen Pausen wären so rein theoretisch fast zwei volle Tage Betrieb möglich.

JBL Tour Pro 3: Zusammenfassung

Mit dem Smart Charging Case als vollumfängliche Steuereinheit und der sehr guten Headphone-App schafft JBL die besten Rahmenbedingungen für die neuen Top InEars. Diese überzeugen dann vor allem in Sachen Sound, dessen Personalisierung und der neuen Stufe des adaptiven Noise Cancellings. Mit den richtigen Ohrpolstern sitzen die Tour Pro 3 dazu äußerst bequem und drücken auch nach langer Tragezeit nicht. Schlussendlich genügt die lange Akkulaufzeit ebenfalls den hohen Anforderungen, die man angesichts des doch stolzen Preises stellen darf.

JBL Tour Pro 3: Test-Fazit

Unter den TWS InEars dürften sich die Tour Pro 3 von JBL derzeit ganz weit vorn, wenn nicht gar an der Spitze positionieren. Für einen zugegeben ambitionierten Preis wird jede Menge ausgezeichneter und personalisierbarer Sound sowie eine durchdachte Bedienung geboten. Das Smart Charging Case erweitert zudem die Einsatzmöglichkeiten der Köpfhörer beachtlich. Wer alles nüchtern addiert, muss zu der Erkenntnis gelangen, dass eben alles im Leben relativ ist. Das macht aus den Tour Pro 3 zwar kein Schnäppchen, aber immer noch ein faires Angebot.

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