Test Mähroboter: Nie wieder Rasen mähen dank KI

Anthbot Genie. GPS plus Kameras sollen für perfektes Mähen, Navigation und Hindernisvermeidung sorgen.
Stefan Klug- Anthbot Genie ist ein KI-gesteuerter Mähroboter mit GPS und Kameras für präzises Mähen.
- Kartierung erfolgt automatisch oder manuell, bis zu 30 Extrazonen konfigurierbar.
- Steuerung über App mit Zeitplänen, Schnitthöhen und Mähmustern möglich.
- Arbeitet leise (58 dB), bewältigt Steigungen bis 45 % und ist wetterfest (IPX6).
- Modelle für 1000–3600 m², Preise starten bei 800 Euro, teurer, aber effizient.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mähroboter sind im Kommen. Ähnlich den Saugrobotern für die eigenen vier Wände versprechen sie maximales Ergebnis bei minimalem Aufwand. Und nicht nur das. Dank des Mulchens wird der Rasen gleichzeitig gedünkt und soll auf lange Sicht auf natürliche Weise frei von Unkraut werden.
Für wenig Geld gibt's Geräte, die sich innerhalb einer Induktionsschleife frei, sprich chaotisch, bewegen. Auf Hindernisse reagieren die Mäher erst bei Kontakt, was mitunter zu Beschädigungen führt. Zudem muss vorbereitend ein Kabel verlegt werden, das den zu mähenden Bereich eingrenzt. Solange der halbwegs übersichtlich und möglichst rechteckig ist, kein Problem. Sonderformen hingegen mögen diese einfachen Robos eher nicht.
Wer es einfacher und auch effektiver im Ergebnis haben möchte, muss tiefer in die Tasche greifen. Dann werden die Geräte per GPS gesteuert und verrichten ihre Arbeit nach einem festen Schema. Die neueste Generation der Mähroboter hat, analog den Saugrobos, sogar Kameras an Bord. Damit sollen Navigation und Hindernisvermeidung noch besser funktionieren.
Zu jenen Anbietern gehört Anthbot. Zwar wurde das Unternehmen erst vor zwei Jahren gegründet, doch die Macher dahinter sind schon mehr als einem Jahrzehnt in der Robotikbranche zu Hause. Nun kommt deren erster Mähroboter auch nach Deutschland. Der Genie ist eine wahre Expressentwicklung, startete erst im September 2024 als Crowdfunding-Projekt auf Kickstarter. Wir haben ihn auf eine nicht so einfache Rasenfläche in städtischem Besiedlungsgebiet, mit reichlich Pflanzen, Bäumen und anderen Hindernissen losgelassen. Im Test sollte der Robo beweisen, dass er seinem Namen gerecht wird.
Anthbot Genie - Ersteinrichtung
Genaugenommen kommt der Genie plug&play. Der 13-Kilo-Bolide ist kompakt, mit allem Zubehör in einem erstaunlich eher kleinem Karton untergebracht und fertig montiert. Das gilt ebenso für die RTK-Einheit, die fürs GPS benötigt wird. Sender aufschrauben, Stativ zusammenstecken, Strom anschließen, Basisplatte der Ladestation verbinden und diese im Boden verankern. Fertig. Jetzt muss nur noch die App aufs Handy und der Roboter gekoppelt werden. Auch das geht problemlos vonstatten.
Eher tricky dagegen ist dann, allen Sende- und Empfangsparametern gerecht zu werden. Denn um den kabellosen Mäher auch nutzen zu können, braucht es stabiles WLAN - hier 2.4 GHz - und GPS. Ersteres wird im Regelfall bedeuten, dass man in der Nähe seines Wohngebäudes bleibt, da üblicherweise die Router sich in dessen Innern befinden.
Gleichzeitig aber sollte genügend Abstand von denselben, anderen Bauten oder Bäumen gehalten werden, um freie Sicht zu Satelliten zu haben. Anthbot empfiehlt eine Entfernung von mindestens drei Metern und einen unverbauten Winkel von 120 Grad über der RTK-Antenne. In eher eng besiedelten Gegenden ist hier neben Geduld auch reichlich Kompromissbereitschaft gefragt, wenn der Genie nicht da aufgestellt werden kann, wo man ihn optisch oder vom Einsatzgebiet her gern hätte.

Anthbot Genie. Die RTK-Einheit empfängt GPS-Signale und ermöglicht die Navigation auch unter Bäumen oder an Häusern.
AnthbotAuf den ersten Blick erschwert wird die Suche, weil das Standardkabel, das Station und Antenne verbindet, nur knapp einen Meter lang ist. Doch sowohl sehr gute Website mit Hilfethemen als auch der Anthbot-Support geben Entwarnung. Denn oben genannte Parameter gelten ausschließlich für die RTK-Einheit, nicht für die Basisstation. Und da es im Zubehör ein zehn Meter Verlängerungskabel gibt, schafft das dann doch mehr Möglichkeiten der Platzierung als anfangs befürchtet.
Mähroboter - Erstellung der Karte
Leuchtet die GPS-Kontrollleuchte an Empfänger und Robo-Display stabil grün, kann der nächste Schritt angegangen werden: das Mapping. Die Erstellung der Karte erfolgt entweder automatisch oder manuell. Erstere Variante bietet sich für alle an, deren Rasenfläche deutlich von Wegen, Mauern oder dichter Bepflanzung umgeben ist. Der Genie hangelt sich an der Grenze entlang und kartiert 200 Quadratmeter in weniger als zehn Minuten. Wo die Unterscheidung zwischen Rasen und Rest nicht so eindeutig oder die Fläche unregelmäßiger angelegt oder mit Strauch & Co versehen, steuert man den Robo wie ein Spielzeugauto per Fernbedienung (App) die gewünschten Grenzen entlang.
Es ist auch möglich, die automatische angelegte Karte an schwierigeren Stellen nachträglich manuell zu erweitern. Liegt ein Endergebnis vor, macht ein Probedurchlauf Sinn, um ggf. nachzubessern. Und auch, wenn der Genie über 1000 Objekte dank der vier verbauten Kameras - zwei vorn, eine links, eine rechts - erkennen kann, sollte man, um Schäden an Pflanzen zu verhindern, dort Sperrzonen auf der Karte einrichten, wo es notwendig erscheint. Neben der Hauptkarte lassen sich bis zu 30 Extrazonen einrichten. Den Weg dorthin bringt man dem Mäher ebenfalls manuell bei. Auch verschiedene sind möglich, er wird von und zur Station immer den kürzesten wählen.

Anthbot Genie. Gesteuert wird über die App, die Kartenansicht zeigt auch den aktuellen Standort des Mähroboters an.
AnthbotGenie - Die Anthbot-App
Die Anthbot-App ist Dreh- und Angelpunkt der Bedienung. Übersichtlich und intuitiv aufgebaut, lassen sich hier alle Funktionen einstellen. Standard ist mittlerweile der Zeitplan für eine volle Woche. Ebenfalls digital wird die Schnitthöhe zwischen drei und sieben Zentimeter vorausgewählt, einzeln auch für jede der vorhandenen Zonen unterschiedlich. Ebenso kann das Mähen der Einzelbereiche zu unterschiedlichen Zeiten erfolgen. Eher nicht alltäglich ist die Möglichkeit, die Schnittrichtung in Grad frei wählen zu können. Das ist nicht nur nützlich, um womöglich das Grün mit einem schönen Muster zu versehen, sondern auch, um der Lage und Ausrichtung des Rasens entsprechend optimal arbeiten zu können.
In der App wird zudem die Art des Mähens bestimmt. Also, ob man die volle Fläche beackern lässt oder spezielle Spots oder nur die Kanten. Wenn letztere, darf auch bestimmt werden, wie weit der Genie über die Begrenzung hinausgeht. So ist theoretisch möglich, ohne weitere Nacharbeiten, wie sonst oft nötig, auszukommen. Und wenn doch mal etwas stehenbleibt, gibt es die manuelle Steuerung auch unter Einsatz der auf einer sich drehenden Scheibe verbauten fünf Messer.
So mäht der Anthbot Genie
Womit wir beim eigentlichen Mähvorgang wären. Mit 20 Zentimetern Breite geht der Genie zu Werke, getrieben von zwei einzeln gesteuerten, groß dimensionierten Heckrädern, die zudem sehr grobstollig daherkommen. So soll bis zu einer Steigung von 45 Prozent sichergestellt werden, dass es vorwärtsgeht. Selbst bei größter Anstrengung belastet der Mäher seiner Umwelt mit nicht mehr als 58 db, was auch den Wochenend- und Feiertagseinsatz ermöglicht. Egal, wie der Schnittwinkel eingestellt ist, der Robo hält sich strikt an ein vorgegebenes U-Muster, ähnlich wie es viele Saugroboter machen. Damit wird ein effektives Mähen sichergestellt. Unsere 200 Quadratmeter Testfläche war nach nicht einmal zwei Stunden erledigt. Ein Mäher mit Induktionsschleife hatte dafür fast sechs benötigt.

Anthbot Genie. Der Abstand zu Kanten lässt sich festlegen, es gibt auch ein extra Kantenmäh-Programm. Dennoch ist eher Vorsicht an Absätzen geboten, der Genie verfügt nicht über einen Fallsensor.
AnthbotSträuchern oder Bäumen weicht der Genie meist zuverlässig aus. Leider auch regelmäßig in den Rasen eingelassenen Gehwegplatten, die er als Hindernis erkennt, obwohl sie tiefer liegen als die gewählte Schnitthöhe. Bleiben Gegenstände auf der Fläche liegen, Ball, Spielzeug etc., fährt der Robo drumrum. An Mauern traut sich der Mäher ziemlich nah heran. Wenn notwendig, muss man hier später nacharbeiten. Auch im Randmodus zeigt er keine Scheu vor Absätzen, beispielsweise hinter Rasenkantensteinen o.ä. Daher sollte man beim Mapping einen Sicherheitsabstand vor allem dort lassen, wo Abstürze oder Beschädigungen drohen, will man später im Randmodus arbeiten lassen. Hier wäre ob der optischen Möglichkeiten dennoch ein Update zur Gefahrenvermeidung wünschenswert.
Besserer Rasen dank KI?
Am linken unteren Rand der App-Hauptseite findet sich ein stilisiertes Roboter-Gesicht. Klickt man hier, öffnet sich ein Untermenü „Intelligente Rasenpflege“. Anthbot allerdings geht weder auf Website noch App detailliert darauf ein, verrät aber soviel: Anhand der lokalen Wetterdaten (per WLAN) und denen, die die Kameras offensichtlich vom Rasen ermitteln, passt die KI die Art des Mähvorganges ans Wachstum an. Das beinhaltet sowohl die Startzeit des Mähens als auch die Schnitthöhe an bestimmten Tagen. Aufgrund des relativ kurzen Testzeitraumes können wir nicht sagen, ob im Ergebnis der über den Algorithmus gepflegte Rasen in besserem Zustand ist als der manuell und per Zeitplan bearbeitete.
So navigiert der Anthbot Genie
Einmal richtig eingerichtet, navigiert sich der Mähroboter problemlos übers Grundstück. Gefahr lauert allerdings, wenn der RTK-Einheit berührt oder gar verschoben wird. Dann verlangt Anthbot per App meist ein neues Mapping, was durchaus aufwendig werden kann. Denn durch Lageveränderung der Sendeeinheit verschiebt sich womöglich die Karte, was vor allem an den Außengrenzen zu unerwünschten Folgen führt. Während auf der einen Seite Fläche unbearbeitet bleibt, geht's an der anderen übers Ziel hinaus, wenn dort nicht eine klare physische Grenze vorhanden ist. Dann erkennen auch die Kameras nicht zwingend Bäume oder vor allem Hecken. Üblicherweise allerdings stellten Pflanzen und Bäume auf dem Grundstück und zwischen den einzelnen Zonen keine Behinderung dar, dank der LoRa automatischen Frequenzsprung-Technologie.

Antbot Genie. Ladestation mit optionaler wetterfester Garage.
Stella KlugAllerdings sollte vermieden werden, während der Arbeit die quasioptische Sicht von RTK zum Robo zu stören, beispielsweise durch Aufspannen eines Sonnenschirms. Dann verliert der Mäher gern mal die Orientierung, was nach Neustart ebenfalls zu oben beschriebenen Fehlern führt. Allerdings hört sich das alles dramatischer an, als es in der Praxis ist. Da nämlich konnte sich der Genie schon sehr zuverlässig auf dem Grundstück zurechtfinden und parkte beispielsweise traumhaft sicher an der Ladestation ein.
Mähroboter Genie - Sonstige Features
Anthbot bietet für den Genie optional eine Garage als Zubehör. Ganz im Gegensatz zum Robo, dessen Verkleidungsteile allesamt aus Kunststoff bestehen, gilt das beim Unterschlupf nur fürs reine Dach. Der Rest kommt als massive Metallkonstruktion daher, die mit vier groß dimensionierten Erdnägeln verankert wird. Zuzüglich der vier Erdschrauben der Ladeplattform ist die Basisstation somit felsenfest auf dem Boden verankert. Das Dach allerdings ist nur ein Nice-To-Have, denn der Rasenroboter ist mit IPX6-Zertifizierung gegen Strahlwasser und sogar kurzzeitige Überflutung geschützt. Regen kann ihm nichts anhaben und für die Oberflächenreinigung darf auch gern der Gartenschlauch benutzt werden.
Überhaupt erweist sich der Genie als ziemlich wartungsfreudig. Zumindest gibt Anthbot keine Hinweise, was regelmäßige Arbeiten außer dem Säubern betrifft. Ein zweiter Satz an Klingen liegt zudem dem Package bei, sodass mindestens zwei Saisons ohne weitere Kosten überstanden werden können. Und damit der Robo auch beim Besitzer bleibt, verfügt er über die Möglichkeit, einen Geo-Fance zu installieren. Damit wird eine Entfernung definiert, ab der der Genie eine App-Warnung heraus- und einen Signalton von sich gibt. Die größeren Modelle verfügen zudem über ein 4-G-Modul, was den Standort des Mähers teil.

Anthbot Genie. IPX6 sichert Wasserdichtheit, sodass der Mähroboter auch mit dem Gartenschlauch gereinigt werden kann.
AnthbotWomit schon erwähnt wäre, dass es verschiedenen Varianten gibt. Die unterscheiden sich in erster Linie in Sachen Akku und somit Reichweite. Der 600er bewältigt knapp 1000 Quadratmeter, der 1000er 2000 Quadratmeter und der 3000er dann stolze 3600 Quadratmeter. Dabei sollte natürlich berücksichtigt werden, dass mitunter zwei Mähvorgänge nacheinander geplant sein könnten. Voll geladen ist der Genie nach maixmal zwei Stunden.
Anthbot Genie - Zusammenfassung
Der gute alte Elektro- oder Benzinrasenmäher hat wohl das Ende seiner Daseinsberechtigung erreicht. Denn wer einmal hat mähen lassen, wird nur ungern zur Handarbeit zurückkehren. Warum auch, Robotermäher wie der Anthbot Genie übernehmen diese Arbeit zuverlässig und in sehr hoher Qualität. Hat man ersteinmal die Anfangshürde der Aufstellung von GPS-Antenne und Basisstation gemeistert, kann sich entspannt zurückgelehnt werden.
Exakt zieht der Robo seinen Bahnen, arbeitet wenn gewollt nach festen Zeitplänen oder man lässt gar die KI entscheiden, wann und wie gemäht wird. Danach kehrt der Mäher zurverlässig zur Station zurück. Einfacher geht es kaum. Auch nicht bei eher komplizierten Grundstücken, da sich viele Extra- und Sperrzonen einrichten lassen, die der Genie traumwandlerisch erreicht und mäht. Lediglich bei Kanten mit Absätzen ist etwas Vorsicht geboten.
Aber letztlich ist auch hier der Mähroboter die Lösung, den dann einfach per App-Fernbedienung über heikle Stellen gesteuert wird. Ein wenig trübt der Preis die Freude über die neue Technik. Denn der kleinste Genie ist im Angebot für knapp 800 Euro zu haben. Der größte kostet glatt das Doppelte.
Anthbot Genie - Test-Zusammenfassung
Deutlich kleiner, deutlich wendiger, deutlich leichter zu handhaben aber mindestens ebenso gründlich: Lässt man mal den Anschaffungspreis außer Acht, spricht alles für eine Wechsel in Sachen Rasenmähen. Der Genie übernimmt alle Arbeiten automatisiert und zieht exakter seine Bahnen, als ein Mensch dies kann. Und über das Wann und Wie beim Mähen entscheidet wenn gewollt gar die KI. Sicher, die Anfangsinvestition ist hoch. Aber sie amortisiert sich ab Start durch einen deutlichen Zeitgewinn und auf Dauer mit einem schöneren Rasen.
