Test Outdoor-Kameras: Überwacht das Doppel-Objektiv besser?

H80x Dual und Duo 3 WiFi mit Doppel-Objektiv. Sieht man mit dem zweiten wirklich besser?
EZVIZ, Reolink / Kollage moz.de- Test von Überwachungskameras: Duo 3 WiFi vs. H80x Dual
- Kameras bieten große Sichtfelder und sind wetterfest
- Reolink Duo 3 WiFi nutzt zwei UHD-Objektive, EZVIZ H80x Dual hat rotierendes Objektiv
- Beide Kameras liefern 4K-Bilder, sind einfach einzurichten und bedienen
- Preise: Duo 3 WiFi 165€, H80x Dual 150€
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Alle acht Minuten wird in Deutschland eingebrochen. Nach vorliegenden Zahlen allein in Brandenburg rund elfmal am Tag. Verdächtige ermittelt werden dabei aber nur bei ungefähr jeder zehnten Tat, neunmal also bleibt der Einbruch ungesühnt.
Und die Opfer auf dem Schaden sitzen. Dazu kommt die Gewissheit, dass das privateste überhaupt, die eigenen vier Wänden, von Fremden meist gewaltsam und unbefugt betreten und durchwühlt worden ist. Neben allgemeingültigen Verhaltensweisen sind Überwachungskameras zumindest ein probates Mittel sowohl für Abschreckung als auch bei der Aufklärung.
Und so entwickelt die boomende Industrie für Sicherheit und Überwachung ständige neue Geräte, die unser Heim sicherer machen sollen. In etwa der letzte Schrei in dieser Entwicklung sind Kameras mit zwei Objektiven, die so, auch ohne ständig schwenken zu müssen, ein möglichst großes Sichtfeld abdecken und blinde Flecken somit vermeiden. Wir haben zwei neue Modelle Wind und Wetter ausgesetzt und uns angeschaut, ob man ihnen sein Haus und Grund anvertrauen kann. Hier der Test.
Duo 3 WiFi vs. H80x Dual - Aufbau und Design
Reolink hat die Duo 3 WiFi im Januar auf der CES in Las Vegas erstmals präsentiert. Das Dual-Objektiv-Gerät kommt im klassischen Kamera-Design und mit einem Body aus Metall daher. Das ist sehr wertig, macht einen ungemein robusten Eindruck und bringt beachtliche 622 Gramm auf die Waage. Entsprechend groß und stabil dimensioniert ist dann auch das Montage-Set. Mitbewerber in diesem Kamera-Segment ist die H80x Dual von EZVIZ. Deren Neuentwicklung hat zwar einen Körper aus Kunststoff, ist aber in etwa gleich schwer, was auf vor allem innere Werte schließen lässt. Von der Form her haben wir es mit einem Vertreter der Kugelform zu tun, was, wie wir später sehen werden, auch dem Funktionsumfang geschuldet ist. Beide Kameras brauchen einen festen Stromanschluss. Die entsprechenden Adapter inklusive der Stecker befinden sich im Package. Reolink gestattet zudem die Versorgung auch über Power-over-Ethernet, also das Ethernet-Kabel. Und natürlich sind die Testkandidaten vor Wetter geschützt. EZVIZ zertifiziert mit IP65, Reolink wirft IP67 in den Ring. Also beiden können weder Staub noch Regen etwas anhaben.
Reolink vs. EZVIZ - Ersteinrichtung, App und Netzwerk
In Sachen Ersteinrichtung und Inbetriebnahme gilt für beide Kameras plug&play. Also im Prinzip zumindest. Denn ohne App geht gar nichts. Ist die auf dem Smartphone, müssen die Kandidaten verkabelt werden. Bei EZVIZ reicht Strom, Reolink verlangt etwas überraschend auch verdrahtete Verbindung zum Heimnetzwerk. Das Pairing mit der App ist dabei selbsterklärend und geht fix von der Hand. Nach der Einrichtung ist die Duo 3 WiFi dann allerdings per WiFi 6 und sowohl im 2.4 GHz als auch in 5 GHz Frequenzband erreichbar. Das sorgt für bessere und stabilere Verbindungen. Bei der H80xDual bleibt es wie so oft bei 2.4 GHz.
Zusätzlich bietet Reolink die Möglichkeit, die Kamera mit dem hauseigenen Hub zu verbinden. Der stellt dann gar eine eigene Netzwerkverbindung außerhalb des häuslichen her, was wiederum ein stückweit mehr Sicherheit z.B. bei allgemeinen Störungen bietet. Denn im Hub können neben direkt in der Kamera auch alle Aufzeichnungen gespeichert werden. Speicherort und Kamera getrennt macht Sinn bei direkten Angriffen auf das Überwachungsgerät. EZVIZ-User wählen, ob sie per Micro-SD-Card oder in der entgeltlichen Cloud speichern wollen. Beide sind jedoch abhängig von einer funktionierenden Internet-Verbindung.
In der App werden bei beiden grundsätzliche Dinge festgelegt. Die wichtigsten wären, was soll wann und wie erkannt werden. Es gibt die Möglichkeit, sich rein auf Bewegungen oder spezieller auf Tiere, Menschen, Autos zu konzentrieren und sich das per Push-Nachricht mitteilen zu lassen. Hier wiederum sind Alarmpläne sinnvoll. Sowohl für die Duo 3 WiFi als auch die H80xDual dürfen diese ziemlich detaillierte eingestellt werden, wobei die Auswahl bei EZVIZ fast noch mehr in die Tiefe geht. Ob man's braucht? Geschmackssache! Dafür bietet Reolink die Möglichkeit kritischer Alarme. Die Nachricht dringt also auch dann durch, wenn das Handy auf lautlos oder nicht stören gestellt ist. Vom Sicherheits-Aspekt her durchaus überlegenswert.
Nicht unwesentlich auch die bildliche Ansicht dessen, was überwacht wird. Hier mischt in Deutschland der Datenschutz mit. Öffentliche Räume oder die Tür vom Nachbarn sind tabu. Auf dem Kamerabild in der App können die Bereiche, die nicht erfasst werden sollen, ziemlich einfach markiert werden. Das klappt bei beiden sehr gut. Nicht zuletzt ist die App die Multimedia-Schaltzentrale. Denn beide Kameras verfügen über Zwei-Wege-Ton. Möchte man aus der Entfernung mit jemandem vor dem Gerät sprechen, erfolgt das über die Applikation via Mikrofon des Handys. Klingt etwas blechern, ist aber vollumfänglich und gut verständlich.
Duo 3 WiFi vs. H80x Dual - Optik und Arbeitsweise
Von der Optik her sind die Kameras gut vergleichbar, nutzen sie doch einen 1/2,7" CMOS-Sensor. Und beide lösen in 4K auf. Während EZVIZ ein UHD- und ein HD-Objektiv verwendet, um aus den Bilddaten ein möglichst scharfes und auch nachts gut sichtbares Bild zu generieren, setzt Reolink auf zwei UHD-Objektive und erweitert so das Sichtfeld auf 180 Grad. Bei der H80xDual sorgt allerdings ein Bewegungsmechanismus dafür, dass der maximale stationäre Betrachtungswinkel von 103 Grad dank Rotation auf insgesamt 340 Grad erweitert wird. Ein Neigungswinkel von 70 Grad ist zudem möglich. Bei der Duo 3 WiFi sind es starre 55 Grad.

Reolink Duo 3 WiFi. Verbunden über die volle Bandbreite im heimischen Netzwerk oder per Hub.
ReolinkEZVIZ lässt über die App sowohl eine Patrouillen-Funktion zu, also die Kamera schwenkt ununterbrochen im vorgegebenen Winkel oder aber sie fährt nur bestimmte Punkte an und verharrt dort für eine gewisse Zeit. Natürlich ist das auch mit einer festen Stellung möglich, zu der immer wieder zurückgekehrt wird. Stellt das Gerät eine Bewegung fest, folgt es dieser, solange sich das Objekt im Schwenkbereich befindet. Gleichzeitig wird auf der App-Ansicht das Erfasste getaggt. On top zoomt die Kamera aufs Ziel, sodass Details womöglich noch besser zu erkennen sind. Auch bei Reolink wird das Erkannte getaggt, wenn dies in der App ausgewählt wurde. Und die Verfolgung von Personen beispielsweise erfolgt über die Aneinanderreihung von Aufnahmen, sodass man trotz starrer Position erkennen kann, welcher Weg genommen wurde.
Mit einer Blende von 1,0 bzw. 1,6 sorgen beide Hersteller für größtmöglichen Lichteinfall. Das kommt besonders den Nachtansichten zugute. Unterstützt wird die Optik mit 30 Metern Infrarot-Nachtsicht. Und nicht zuletzt setzten sowohl die Duo 3 WiFi als auch die H80x Dual auf zusätzliche Beleuchtung über verbaute LEDs. So werden auch farbige Nachtaufnahmen ermöglicht und zugleich ungebetene Gästen abgeschreckt, wozu außerdem Alarmtöne zuschaltbar sind.
Überwachungskameras - Zusatzfunktionen
Die Kameras können ins Smart-Home integriert werden, allerdings mit Einschränkungen. Apple Home User bleiben grundsätzlich draußen. EZVIZ lässt die Einbindung in Google Home und Amazon Alexa zu, während letzteres bei Reolink demnächst noch mit einem Update freigeschaltet werden soll. Dafür arbeitet die Duo 3 WiFi bereits jetzt, wenn gewollt, im Zeitraffer-Modus, was vor allem eine nette Spielerei darstellt.

EZVIZ H80x Dual. Rundumsicht mit Doppel-Linse.
EZVIZDuo 3 WiFi vs. H80x Dual - Zusammenfassung
Sowohl Reolink als auch EZVIZ setzten auf die Doppellinse, jedoch mit unterschiedlichen Ansätzen. Die Duo 3 WiFi soll damit selbst bei starrer Ansicht ein möglichst großes Sichtfeld abdecken. Das ist gelungen. Bei der H80x Dual ist ein optimales Bild das Ziel, denn die Kamera zoomt zusätzlich auf erkannte Objekte. Und auch das klappt wunderbar. Zudem macht der Schwenkbetrieb bis zu fast rundum vermeintliche Blindspots wegen des tatsächlich geringeren Betrachtungswinkels wett. Allerdings hat sie damit nicht immer alles im Blick, kann dafür aber um die Ecke schauen. Der geplante Einsatzort und die Frage, ob das vorhandene Netzwerk ausreichend sicher ist oder man lieber auf ein autarkes setzt, wie es der Reolink-Hub bietet, könnten die entscheidenden Kaufkriterien sein. In Aufbau und Materialanmutung sowie vor allem im Bild- und Anwendungsbereich sind die Kameras ziemlich gleichwertig und sehr gut. Und auch beim Preis nehmen sie sich nicht viel, liegen bei 150 (EZVIZ) bzw. 165 Euro. Der Hub von Reolink würde allerdings nochmal mit gut 90 Euro hinzukommen.
Duo 3 WiFi vs. H80x Dual - Test Fazit
Sowohl Reolink als auch EZVIZ offerieren mit ihren stromseitig kabelgebundenen Doppellinsen-Kameras Duo 3 WiFi und H80x Dual ein gutes Stück Sicherheit für Haus und Hof. Beide liefern hervorragende Bilder tags und nachts, geben zügig Alarm, wenn Ungemach durch Dritte droht. Dazu sind Einrichtung und Bedienung unproblematisch einfach, ist der Betrieb defacto wartungsfrei. Je nach Grundstück-Zuschnitt und Einsatzort sollte daher die Entscheidung für die eine oder andere Kamera getroffen werden.
