Test OverEars
: So klingen die neuen Kopfhörer

JBL und Dyson stellen neue OverEars vor. Wir haben sie getestet.
Von
Stefan Klug
Frankufrt (Oder)
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dys

Neue OverEar-Kopfhörer: JBL Tour One M3 Smart Tx und Dyson OnTrac.

JBL/Dyson
  • JBL und Dyson stellen neue OverEar-Kopfhörer vor.
  • JBL Tour One M3 bietet technischen Komfort und hohe Klangqualität.
  • Dyson OnTrac punktet mit auffälligem Design und langer Akkulaufzeit.
  • Beide Modelle bieten starke Geräuschunterdrückung und umfassende App-Steuerung.
  • Preislich liegen beide Kopfhörer bei rund 400 Euro.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Sie sind die originäre Erscheinungsweise des Kopfhörers und haben sich über Jahrzehnte hinweg behauptet. OverEars stellen neben den immer beliebter werdenden InEars die zweite Hauptgruppe der auf dem Kopf tragbaren Schallwandler dar. Preislich sind hier keine Grenzen gesetzt, aber auch außerhalb des absoluten Luxus-Segments gibt es klanglich hervorragende Geräte.

Im Midprice-Segment ist die Konkurrenz groß. Da braucht es sehr gute Qualität und viele Features, um sich beim Kunden zu behaupten. Entsprechend hoch ist die Erneuerungsrate. Eigentlich kann man jährlich mit Updates der gängigen Modelle rechnen. Aber, es gibt auch immer wieder Neueinsteiger, die hier mit überraschend ausgereiften Geräten an den Start gehen.

Zu den Big Playern gehört zweifelsohne JBL. Die Amerikaner bauen seit fast 80 Jahren Lautsprecher und stehen trotz der Übernahme durch Harman und folgend dem Einzug ins Samsung-Universum immer noch für den American Way of Sound. Mit dem hat Dyson auf den ersten Blick nun gar nichts zu tun. In den 1990ern in Großbritannien gegründet, ist das Unternehmen, das mittlerweile von Singapur aus operiert, vor allem für Innovationen auf dem Gebiet von Staubsaugern und Haartrocknern bekannt. Jetzt hat man nach einiger Zeit Pause wieder einen Kopfhörer auf den Markt gebracht.

Der Dyson OnTrac tritt in unserem Vergleichstest gegen den JBL Tour One M3 Smart Tx an. Newbie gegen alten Hasen, wenn man so will. Doch Vorsicht, abgerechnet wird am Schluss. Und ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen wird es auch nicht.

OnTrac und Tour One M3 -Design

Dyson ist nicht für Kopfhörer berühmt, für ein auffälliges Design schon. Da macht der OnTrac keine Ausnahme. Die Ohrmuscheln kommen allerdings noch oldschool komplett rund daher. Das mag nicht zum Anspruch „Kopfhörer, neu definiert“ passen, ein Blick ins Bestellmenü jedoch belehrt eines besseren. Denn sowohl die Farbe der Ohrpolster - insgesamt sieben - als auch die der Endkappen - acht - und on top die der Bügel-Polster - vier - können frei miteinander kombiniert werden. Das sind mal eben über 200 Möglichkeiten, gleichwohl nicht alle gutem Geschmack oder der reinen Farbenlehre entsprechen dürften. Für Individualisten allerdings eine schöne Spielwiese.

JBL zeigt sich hier weniger generös. Den Tour One M3 gibt es in Blau, Mocha, das einem Goldbronze ähnelt und klassisch in Schwarz. Wie schon beim M2-Vorgänger sind die Ohrmuscheln eher länglich oval und bis auf die Grundkonstruktion des Bügels in Metall besteht der gesamte OverEar aus Kunststoff. An Bügel und Ohrpolstern sorgt Kunstleder in Kombination mit Memory-Schaum für ein weiches Tragegefühl.  Zudem wird das durch wirklich leichte 278 Gramm Gesamtgewicht unterstützt. Der Dyson ist da von ganz anderem Kaliber. Auch geschuldet der aufwendigen Bauweise mit viel Metall - Bügel, Muschel-Rahmen, und nicht zuletzt der Alu-Abdeckung der Höreinheit - summieren sich die Grammzahlen auf stolze 451. Die Polster an Ohren und am Bügel sind ebenfalls geschäumt und mit Stoff bezogen, der sich wie Alcantara anfühlt.

JBL und Dyson OverEars - Aufbau

JBL setzt für die Schallwandel-Einheit des Tour One M3 auf eine Kombination aus 40 Millimeter-Treibern und integriertem Digital-to-Analog-Converter, der die Daten wahlweise per USB-C-Kabel oder Bluetooth 5.3 beziehen kann. Mit 18 Ohm liegt die Impedanz knapp über dem, was für mobile Geräte wie Handy oder Tablet üblich ist. Damit wird sichergestellt, dass die Quelle genügend Leistung bereitstellt, um einen vernünftigen Sound in Auflösung und Lautstärke zu generieren. Der Frequenzgang liegt zwischen 10 Hz und 40 kHz. Wie immer sind das eher theoretische Werte, die in der Praxis entweder nicht erreicht oder aber vom Menschen nicht wahrgenommen werden.

Dyson bewegt sich beim OnTrac in ähnlichen Regionen. Bei 16 Ohm Impedanz soll es mit 8Hz sogar noch tiefer in den Keller gehen, nach oben ist bei 21 kHz dann Schluss. Unterm Strich also sind im Hörbereich hier keine Unterschiede festzustellen. Zur Wandlereinheit von per Bluetooth zugespielten digitalen Inhalten geben die Singapurer keine Auskunft, lassen aber dafür wissen, dass das Lautsprechergehäuse um 13 Grad zum Ohr geneigt ist und damit eine direktere Audiowiedergabe ermöglicht. Aha.

Tour One M3 und OnTrac - Bedienung

Beide Hersteller setzten bei der Bedienung ihrer Kopfhörer auf einen Mix aus Touch und Taste, allerdings in unterschiedlichem Umfang. Gleich ist beiden, dass es einen An-/Ausschalter gibt, der zudem zur BT-Kopplung genutzt wird. Der OnTrack quittiert beides mit einem Tonsignal, JBL lässt eine nette Stimme in gewählter Sprache die Aktion bestätigen. Beim Dyson wird die rechte Außenschale zudem benutzt, um per Doppel-Tip zwischen den verschiedenen Stufen der Geräuschunterdrückung umzuschalten. Auch hier kommt nur ein akustisches Signal zur Bestätigung. Alle andere haptischen Steuerungen am Hörer selbst erfolgen dann über einen Mini-Stick auf der rechten Seite. Start, Stopp, Pause, Titelsprung sowie Lautstärke werden so befohlen. Anfangs etwas verwirrend, aber nichts, was man nicht lernen kann.

JBL lässt das NoiceCancelling ebenfalls per Taste regulieren, zudem die Lautstärke an einer vergleichsweise groß dimensionierten Wippe. Alles andere wird über Berührungsimpulse auf der rechten und linken Seite gesteuert. Einmal eingerichtet hören die Tour One M3 allerdings auch aufs Wort in einer von 30 Sprachen. Das ist dann schon sehr bequem, insofern man nicht die Umgebung belästigt.

JBL und Dyson - Alles in einer App

Kein Gadget ohne App heutzutage. Hier treten auf den ersten Blick in Sachen Bedienung die größten Unterschiede zwischen beiden Geräten auf. Dyson integriert den OnTrac in die hauseigene Applikation, die für alle Produkte der Marke zur Verfügung steht. Den OverEars wurde dafür eine Karteikarte eingerichtet, die eher nur mit dem Notwendigsten um die Ecke kommt. Neben der Vorauswahl der Geräuschunterdrückung ist das ein Fünf-Band-Equalizer, den man neben drei Presets auch noch individuell einstellen kann. Interessanterweise starten die Bässe erst bei 200 Hz, wo doch die Treiber bis 6 in den Keller können sollen. Das wohl interessanteste und zugleich beste Feature ist die Auswahl der Quelle per App. Wer seine Kopfhörer mit mehreren gekoppelt hat, muss also nicht am Ausgangsgerät erst BT ausschalten oder die OnTrac entkoppeln, sondern entscheidet am Smartphone, mit wem verbunden werden soll. Das ist echt cool. Schließlich gibt es noch eine Statistikübersicht über die aktuelle und vergangene Lärmbelastung - wenn's jemanden interessiert.

App

Einstellungen per App. Bei Dyson eher rudimentär, bei JBL bis ins Detail.

Dyson/Screenschot

JBL kommt mit der bekannten „Headphones“ App um die Ecke, die im Vergleich fast schon einen Overkill an Möglichkeiten bietet. Darin spiegelt sich das ganze Kopfhörer-Universum der Amis wieder, von Prüfung der Passgenauigkeit über verschiedene Bedienungs- und Nutzungseinstellungen bis hin zum zehnfach Equalizer. Das ANC kann individuell angepasst werden, ebenso die Quellenart. Nicht zuletzt ermöglicht „Silent Now“, dass man einfach seine Ruhe hat ohne verbunden zu sein oder man hört Entspannungsgeräusche aus Natur und Umwelt.

OnTrac und Tour One M3 - Klang

Die wohl entscheidende Kategorie bei Lautsprechern und Kopfhörern ist der Klang. Wer hier nicht zufrieden ist, den können auch keine fancy Features trösten. Auf den ersten Blick liegen beide Kandidaten recht eng beieinander, was für Dyson sicher ein Achtungsergebnis darstellt. Der OnTrac vermag ein rundes Klangbild zu erzeugen, das ohne den Einsatz des Equalizers vielleicht etwas nüchtern daherkommt. Das muss aber kein Nachteil sein. Schließlich verfälschen die Kopfhörer wenig. Daher heißt es: Quelle schlecht, Sound schlecht. Das kann nicht den Schallwandlern angelastet werden. Die dargestellte Bühne ist ziemlich breit und lässt viele Details vor allem im oberen Frequenzspektrum zur Geltung kommen. Der Bass ist satt, wer zu viel an den Einstellungen spielt, gelangt aber schnell in den Bereich der Lastigkeit. Aber auch das mögen ja manche.

Die Tour One M3 bieten vom Start weg ein etwas wärmeres Klangbild bei sehr breiter Bühne, verschönern aber auch keinen Sound, der von der Quelle her nicht gut ist. Mit echtem HiRes-Audio von bis zu 192 kHz und 24 Bit ergeben sich wirklich hörbare Möglichkeiten. Hier darf es dann gern mehr sein als herkömmliches MP3. Je besser das Sound-Format, desto höher im Endeffekt die Details, die zur Geltung kommen. Zudem lassen sich die OverEars je nach Einsatzgebiet noch pimpen, also für Musik, Video oder Game. Somit steht immer der bestmögliche Wiedergabemodus zur Verfügung. Optional anwählbares Head-Tracking sorgt schließlich für ziemlich gekonnten virtuellen Raumsound, gleichwohl man dann schnelle Bewegungen vermeiden sollte.

JBL und Dyson OverEars - Meeting und Geräuschunterdrückung

Ob der Telefonanruf unterwegs oder das Meeting - Sprachausgabe ist bei Kopfhörern mittlerweile nicht ganz unwichtig. Beide Kandidaten agieren hier auf hohem Niveau. Stimmen sind deutlich und klar zu verstehen, man selbst kommt beim Gegenüber ebenso an. Der OnTrac allerdings bietet das Feature der Vollständigkeit halber mit an, beim Tour One M3 ist es wichtiger Bestandteil. So lässt sich über VoiceAware einstellen, wie sehr die eigene Stimme gehört wird. Bei Gesprächen, nicht nur der Umstehenden wegen, ein nicht ganz unwichtiges Detail. Dieses Mic-Monitoring fehlt beim Dyson, der zudem konstruktiv schon passiv sehr gut die Außenwelt draußen lässt.

Wobei wir bei der Geräuschunterdrückung wären. Acht Mikrofone zur aktiven Geräuschunterdrückung blenden störende Hintergrundgeräusche von bis zu 40 db aus. Ein gigantisch guter Wert. Da wundert es nicht, wenn die eigene Stimme u.U. nicht mehr wahrgenommen wird. Einher geht das allerdings mit einem durchaus hörbaren Grundrauschen, das im Falle von Musikwiedergabe leicht zu Lasten der Höhen geht. Hier muss dann via Equalizer ggf nachgesteuert werden. Auch JBL setzt auf acht Mics, um True Adaptive Noise-Cancelling 2.0 zu ermöglichen. Werte der Reduzierung werden nicht genannt, subjektiv gefühlt reichen die Tour One M3 nicht ganz an das Niveau des anderen Testkandidaten heran. Allerdings gibt es fast kein Rauschen in diesem Modus zu Lasten der Höhen.

JBL

JBL Tour One M3. Reisetauglich da zusammenklappbar.

JBL

OnTrac und Tour One M3 - Akku, Laufzeit, zusätzliche Features

In Sachen Akkuleistung gibt JBL verschiedene Werte je nach Nutzung an. Um vergleichbar zu bleiben, konzentrieren wir uns auf den Einsatz mit ANC. Und da sind es 40 Stunden Wiedergabe, die die Tour One M3 in der Lage sind, sicherzustellen. Fünf Minuten an der Dose sollen dann weitere fünf Stunden Betrieb sicherstellen. Dysen verspricht in Sachen Schnellladung zweieinhalb Stunden nach zehn Minuten. Insgesamt, wenn komplett aufgeladen, spielen die OnTrac mit Active Noise Cancellation 55 Stunden.

Während Dyson wie erwähnt auf Individualisierung beim Aussehen setzt, bietet JBL neben dem „normalen“ Tour One M3 einen mit dem Zusatz „Smart Tx“. Wie schon bei den InEars Tour Pro 3 wird eine kleine Box mitgeliefert, die als Bluetooth-Sender agieren kann. Angeschlossen an digitale Quellen via USB-C oder an analoge via 3.5-Klinke lässt sich so fast unbegrenzt Sound anzapfen. Paradebeispiel dafür sind die Bord-Entertainment-Systeme in Flugzeugen, die man somit umfassend mit den eigenen Kopfhörern nutzen kann. Theoretisch ersetzt der Sender auch die Bedienung übers Handy, denn ein Touch-Display gibt Zugriff auf alle Steuer-Elemente. Zudem ist es möglich, seine Quelle gar mit anderen teilen, ebenso, selbst über die Auracast-Funktion sich woanders einzuklinken.

JBL und Dyson OverEars - Zusammenfassung

Chapeau Dyson. Vom Start weg legen die Staubsauger- und Fön-Spezialisten auch bei OverEar-Kopfhörern nicht nur designmäßig eine mehr als überzeugende Performance hin. Natürlicher Sound, sehr gutes Noise Cancelling, ein wirklich angenehmes Sitz und langanhaltender Akku stehen auf der Habenseite. Die App ist ein wenig spartanisch als Unterfenster zur allgemeinen Applikation geraten. Fast ein halbes Kilo OverEar auf dem Kopf machen sich auch irgenwann bemerkbar, so gut alles  abgepolstert sein mag. Der Variantenreichtum bei der Auswahl verschiedener Farben dürfte ein Alleinstellungsmerkmal im Kopfhörer-Bereich sein. Letzteres und die Materialanmutung rechtfertigen dann auch den Preis von rund 400 Euro.

Bunte Vielfalt. Über 200 Konfigurationsmöglichkeiten sind beim OnTrac möglich.

Bunte Vielfalt. Über 200 Konfigurationsmöglichkeiten sind beim OnTrac möglich.

Dyson

JBL bleibt, fürs gleiche Geld, in Sachen Aussehen und Wahlmöglichkeiten eher konservativ. Die Tour One M3 punkten vor allem mit inneren Werten, um so mehr in der Variante Smart TX. Die neuesten OverEars der Amerikaner sind auch deren beste, bieten echte 192 kHz und 24 Bit Auflösung und sind in der Lage, alle Audioquellen analog wie digital anzuzapfen. Klang bei Musik sowie Sprache bei Meetings sind ohne Tadel, die App lässt Einstellungen bis in die Tiefe zu. Hier ist vor allem technische Individualisierung möglich. Auch Noise Cancelling wie Ausdauer sind hervorragend. Während der Tragekomfort selbst lange Sessions ermöglicht, kann die Materialanmutung mittlerweile mit der Wiedergabe-Performance nicht mehr ganz mithalten.

Dyson OnTrac / JBL Tour One M3 - Test-Fazit

Für rund 400 Euro liefern die alten Hasen von JBL ebenso wie die Neulinge von Dyson mehr als ordentliche OverEar Kopfhörer ab. Wenn es an die Kaufentscheidung geht, hat man die Wahl zwischen technischer- und Desing-Vielfalt. Letztere spricht klar für den OnTrac. Hier gibt's neben sehr guter Performance noch die breite Auswahl an verschiedenen Farbkombis. Wer sich ohnehin nicht gern entscheidet und lieber bis in die Tiefe von Klangeinstellungen eingreift, ist bei den Tour One M3 richtig. Mit dem Zusatzpaket Smart TX liegen einem fast alle Audio-Quellen dieser Welt zu Füßen. Somit stehen die inneren Werte des einen den äußeren des anderen in nichts nach.

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